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Stefan Tretter

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für Wald und Forstwirtschaft

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Artikel

Autor(en): Redaktion waldwissen.net – LWF
Redaktion: LWF, Deutschland
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Paulownia – Hoffnungsträger aus Fernost?

Paulownien sind etwas fürs Auge, liefern aber auch ein hervorragendes Holz. Zudem sind sie an das bei uns zu erwartende Klima gut angepasst. Kann die asiatische Baumart vielleicht eine Bereicherung für die europäische Forstwirtschaft werden?

Paulownia-Stecklinge
Abb. 1: Paulownien-Stecklingsvermehrung der HSWT in Weihenstephan (Foto: C. Genser)

Die Blauglockenbaumgewächse Paulowniaceae sind mit mehreren Arten ursprünglich in China, Taiwan, Korea und Japan beheimatet. Alle Arten der Gattung sind relativ schnell wachsend und mit hervorragenden Holzeigenschaften ausgestattet. Einzelbäume können innerhalb von 20 Jahren bis zu einem Kubikmeter Holz produzieren.

Ideale Bedingungen finden Paulownien in sonnigen, windstillen Lagen und auf leichten, gut durchlüfteten, sandigen Böden. In ihrem natürlichen Verbreitungsgebiet liegt der durchschnittliche jährliche Niederschlag zwischen 500 und 2.500 Millimetern. Solange in der Vegetationsperiode genügend Wasser zur Verfügung steht, können sie auch auf trockenen Standorten gedeihen. Die Lebenserwartung der Paulownia beträgt unter günstigen Bedingungen etwa 60 bis 70 Jahre.

Paulownia in Europa

1830 wurde der Chinesische Blauglockenbaum (Paulownia tomentosa) nach Europa eingeführt. Seit dem späten 19. Jahrhundert ist er auch in Deutschland nachgewiesen. Hier konnte er sich außerhalb von botanischen Gärten und Arboreten vor allem im Westen (Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg) etablieren und als anbaufähig erweisen.

Im Vergleich mit anderen Paulownien-Arten gilt P. tomentosa als relativ winter- und frosthart, sie kann Temperaturen bis -20 °C tolerieren, junge Bäume sind etwas empfindlicher als ältere. Die Baumart erweist sich bislang gegen Krankheiten als sehr widerstandsfähig und auch resistent gegen Insektenbefall.

Was macht die Paulownie so besonders?

Schaufläche der HSWT
Abb. 2: Zwei Meter hoher, einjähriger Aufwuchs auf der Schaufläche der HSWT in Weihenstephan (Foto: C. Genser)

Das Holz von Paulownia kann vielfältig eingesetzt werden. Es ist leicht zu verarbeiten und verfügt über gute physikalische Holzeigenschaften. Es ist hell, leicht, hart und sehr dauerhaft. Dank der Formstabilität ist es für Dachausleger, Türen, Fenster und Trennwände geeignet. Es hat einen der niedrigsten Werte hinsichtlich der thermischen Leitfähigkeit, eignet sich daher als Isolationsmaterial. Aufgrund der hervorragenden akustischen Eigenschaften wird es auch im Instrumentenbau verwendet.

Derzeit ist in Deutschland aber nicht genügend Schnittholz auf dem Markt. Auch beim Direktimport aus China sind die verfügbaren Mengen gering. Außerdem weißt das aus China importierte Paulownia-Schnittholz nicht die nötigen Qualitäten auf. Gelänge es, Paulownia in größerem Umfang in Europa anzubauen, könnte damit die Situation verbessert werden.

Ertragskundliche Eigenarten

P. tomentosa ist eine raschwüchsige Lichtbaumart, die ihre höchste Wuchskraft im Alter von etwa 20 Jahren erreicht, aber relativ kurzlebig ist. Unter günstigen Bedingungen kann sie einen durchschnittlichen Höhenzuwachs von bis zu 1,6 Metern und einen Durchmesserzuwachs von vier Zentimetern im Jahr erreichen. Zehnjährige Bäume erlangen mittlere Durchmesser (BHD) von 35 bis 40 Zentimetern und Holzmassen um 0,5 Kubikmeter, vereinzelte Exemplare sogar bis zu 1,5 Kubikmeter. Aufgrund der hohen Wuchsleistung kann die Baumart auch zur Biomasseproduktion und Hackschnitzelgewinnung in Kurzumtriebsplantagen eingesetzt werden.

Zwingend notwendig: Versuchsanbauten

In Deutschland finden flächige Versuchsanbauten mit Pualownien erst seit wenigen Jahren statt. Ein Forschungsprojekt der TU München soll zeigen, ob Paulownia unter den derzeitigen klimatischen Verhältnissen gedeiht, ob Holz mit den erwarteten günstigen Eigenschaften produziert werden kann und wie lange es dauert, bis wirtschaftlich verwertbare Dimensionen anfallen. Ab dem Frühjahr 2009 wurde P. tomentosa aus Saatgut angezogen und im Herbst 2011 an drei verschiedenen Orten Bayerns (Unterfranken, Niederbayern, Oberbayern) entlang eines Klimagradienten ausgebracht.

Im Mittelpunkt der Untersuchung stehen Merkmale wie Etablierungserfolg, Überlebensprozent, Wachstum, intraspezifische Konkurrenz und Anfälligkeit gegenüber Krankheiten und Schädlingen. Ein besonderes Augenmerk wird auf das Einsetzen der Blühreife gelegt, da die Art in verschiedenen Ländern aufgrund ihrer reichlichen und leichten Samen und ihrer Persistenz (Vermehrung durch Stockausschläge und Wurzelbrut) als invasiv betrachtet wird.

Nach der Etablierungsphase wird untersucht, ob waldbauliche Pflegemaßnahmen erfolgreich zur Verbesserung des Einzelbaum- und Bestandeswachstums sowie zur Verbesserung der Stammholzqualität eingesetzt werden können. Holzqualitative Untersuchungen ergänzen das Programm bis zum Ende der Projektlaufzeit im Jahr 2020.

Erste Ergebnisse zu Keimung und Anzucht

Ergebnisse Keimprüfung
 
 
Paulownia-Bestand Grafrath

Die Keimprüfung ergab folgende Zahlen lebender Keime pro Kilogramm Saatgut:

  • P. tomentosa      1,65 Mio
  • P. elongata          0,04 Mio.
  • P. catalpifolia      0,19 Mio.

Die deckt sich im Wesentlichen mit den Ergebnissen einer weiteren Keimprüfung (Tab. 1). Detaillierte Untersuchungen zum Keimverhalten am Ökologisch-Botanischen Garten in Bayreuth lassen sich folgendermaßen zusammenfassen: Die Paulownia-Arten unterscheiden sich sowohl im Gewicht der Samen als auch in der Biomasse ihrer Keimlinge. Die höchsten Keimprozente wiesen Samen von P. tomentosa auf, gefolgt von denen der Hybride. Samen von P. elongata und P. catalpifolia erwiesen sich als sehr wenig keimfähig. Im Freiland keimten Samen bei keiner Art.

Die Sämlinge für das Projekt wurden am Forstlichen Versuchsgarten in Grafrath (FVG) angezogen. Tab. 2 gibt einen Überblick über die Zahl der im FVG produzierten Sämlinge.

Eine wichtige Besonderheit: die Verzweigungsform

Paulownia verzweigt überwiegend sympodial. Da die Endknospen während der Vegetationsruhe absterben, wird die Entwicklung der Hauptachse unterbrochen und die Seitentriebe übernehmen in der nächsten Vegetationszeit das Hauptwachstum. Die natürliche Ausbildung des Stammes kann daher zu sehr unterschiedlichen und hinsichtlich der Holzverwendung unerwünschten Formen führen.

Versuchsanbau Großostheim
Abb. 3: Zwei Meter hoher, einjähriger Aufwuchs in Großostheim (Foto: B. Stimm)

Die Wuchsformen müssen daher mit einem erheblich höheren Pflegeaufwand als wir ihn von der Pflege monopodial oder monoachsial wachsender Bäume gewohnt sind korrigiert werden. Vielfach lässt sich aber durch einfaches „Auf-den-Stock-setzen“ ein sehr langer Stockausschlag in ersten Jahr und damit ein langer gerader erster astfreier Stammabschnitt erreichen.

Fazit

Paulownia könnte aufgrund ihres schnellen Wachstums, ihrer überragenden Holzeigenschaften und ihrer Angepasstheit an die zu erwartenden Klimabedingungen in Bayern zu einer echten Bereicherung und einem Hoffnungsträger für die Forstwirtschaft werden. Allerdings sollten vor einem Anbau in der Praxis noch die Ergebnisse von Versuchsanbauten abgewartet werden. Um keine unvorhersehbaren Risiken einzugehen, sollte man diese nichtheimische Baumart auch nicht in großem Stil anbauen. Neben dem Anbau auf Kurzumtriebs- und Wertholzplantagen können einzelne Paulownia-Gruppen im Wald das ökonomische Risiko von Forstbetrieben senken und zudem eine ästhetische Bereicherung (attraktive Blüten) darstellen.

Originalartikel

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