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Stefan Tretter

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Artikel

Autor(en): Redaktion waldwissen.net – LWF
Redaktion: LWF, Deutschland
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Gastbaumarten

Nichtheimische Baumarten werden von den einen euphorisch befürwortet, von den anderen verteufelt. Aber wo liegt die Wahrheit? Viele Gastbaumarten gibt es bei uns in Mitteleuropa schon sehr lange. Ist das gut oder schlecht? Und kann man dabei alle Baumarten über einen Kamm scheren? Dieses Wissen zu erforschen und die Ergebnisse zu vermitteln ist Ziel einer Expertengruppe: der AG Gastbaumarten.

Chilenische Araukarie
Abb. 1: Die Chilenische Araukarie (Araucaria araucana) im Arboretum Burgholz bei Wuppertal (Foto: M. Schölch)

Mit den klimatischen Wechseln von Eis- und Warmzeiten veränderte sich auch die Lebewelt in Mitteleuropa. Die Wanderungswege der Pflanzen stießen an den Alpen (West-Ost-Streichrichtung) auf eine natürliche Barriere. Es kam zu einer abnehmenden Artenvielfalt durch Aussterben.

Transportmittel

Arten können auf verschiedene Weise "reisen": Wind und Wasser stellen die häufigsten abiotischen Transportmittel (Vektoren) in der Natur dar. Sogar fremde Kontinente können erreicht werden. Zusätzlich werden Pflanzen von anderen Organismen verbreitet. Menschen sind hierbei so effektiv wie keine andere Art. Mit Seefahrern gelangten und gelangen neue Arten auf Inseln und Kontinente. Die Verfrachtung durch den Menschen wird als Einführen (absichtlich) oder Einschleppen (unabsichtlich), die natürliche Verfrachtung als Einwandern bezeichnet. In Deutschland und Österreich sind inzwischen rund 1.000 nichtheimische Pflanzenarten (Neophyten) bekannt.

Gastbaumarten

Gastbaumarten sind solche Baumarten, die in der nacheiszeitlichen Baumartenausstattung (Dendroflora) Mitteleuropas nicht vorkamen, jedoch vom Menschen begünstigt oder angebaut wurden bzw. werden. Das Vorkommen dieser Gastbaumarten kann und will man durchaus gezielt zeitlich und oder räumlich begrenzen.

Warum aber werden Gastbaumarten überhaupt eingeführt? Die Beweggründe sind vielfältig, die häufigsten dürften sein:

  • Neugier
  • Gefallen am äußeren Erscheinungsbild oder der Fremdheit
  • Erwartungen an die Nützlichkeit
  • "Bereicherung" der heimischen Arten
  • Vielfalt als Sicherheit im Klimawandel

Fremdländische Baumarten erweitern das heimische Artenspektrum bereits seit mehr als 2.000 Jahren. Insbesondere die Entdeckung der neuen Welt im Jahr 1492 bescherte Europa anschließend eine Reihe neuer Pflanzenarten. Dieses Jahr dient zur begrifflichen Trennung von alteingesessenen Pflanzen (Archäophyten) und den neu hinzugekommenen (Neophyten). Neue Baumarten wurden typischerweise zuerst in Parks und Gärten gepflanzt. Forstlich bedeutsame Arten kamen recht spät nach Europa. So wurde die Douglasie erst 1892 nach Großbritannien eingeführt.

In der Kulturlandschaft treffen wir allerorten auf exotische Arten: Äpfel, Kartoffeln, Kopfsalat, Mais, Tomaten und Weizen sind nur einige wenige Vertreter von Kulturpflanzen, die in Mitteleuropa ursprünglich nicht heimisch waren. Sie können ohne menschliche Förderung kaum überleben. Gilt für Baumarten das Gleiche?

Invasive Arten

"Invasiv" bedeutet eigentlich, dass Arten neue Areale erschließen. Heute wird dieser Begriff jedoch mit einem negativen Zusatz verstanden: in Verbindung gebracht wird er mit Arten, die sich stark ausbreiten und unerwünschte Eigenschaften für heimische Arten oder Ökosysteme haben. Das Bundesamt für Naturschutz hat Steckbriefe invasiver bzw. potentiell invasiver Baumarten zusammengestellt, darunter:

Arboretum Burgholz bei Wuppertal
Abb. 2: Die Kunst der Kombination: Mischung fremder mit heimischen Arten im Arboretum Burgholz bei Wuppertal. Im Vordergrund Edeltannnen und Riesenmammutbäume, im Hintergrund gemischter Buchenwald im Herbst (Foto: U. Nolden-Seemann).
Eschenahorn Acer negundo
Götterbaum Ailanthus altissima
Rotesche Fraxinus pennsylvanica
Schwarzkiefer Pinus nigra
Weymouthkiefer Pinus strobus
Bastard-Pappel Populus x canadensis
Späte Traubenkirsche Prunus serotina
Gewöhnliche Douglasie Pseudotsuga menziesii
Roteiche Quercus rubra
Robinie Robinia pseudoacacia
Essigbaum Rhus typhina

Es wurden Arboreten (Baumsammlungen) gegründet, in denen sich Kleinkollektive, teilweise auch kleinere Waldbestände exotischer Arten finden. Sie eignen sich, um die langfristige Eignung und das Wuchsverhalten von Gastbaumarten realistisch beurteilen zu können. Hinzu kommen zahlreiche botanische Gärten. Die Arboreten gelten als wahre Schätze für wissenschaftliche Studien, denn sie umfassen teilweise über hundert Baumarten mit mehr als hundertjährigen Exemplaren auf großer Fläche. Hier zu forschen lohnt sich, hier lassen sich Meinungen gegen Wissen austauschen.

Meinungsverschiedenheiten

Viele Forstleute sehen im maßvollen und verantwortungsvollen Anbau von Exoten Möglichkeiten zur Erweiterung des Baumartenportfolios und damit zur Risikostreuung im Klimawandel sowie zur Verbesserung der Holzerträge. Vertreter des Naturschutzes haben häufig große Bedenken.

Wie immer in solchen Fällen hilft nicht eine hartnäckige Meinung, sondern fundiertes und lebendiges Wissen weiter. Ein solides Wissen über Gastbaumarten zu schaffen, ist eine besondere Herausforderung aufgrund der langen Beobachtungsdauer, der Vielfalt an Standorten und Herkünften sowie der sich gleichzeitig ändernden Umwelt.

AG Gastbaumarten – Mitstreiter willkommen!

Früchte der Baumhasel
Abb. 3: Wir haben die Zukunft in der Hand: Früchte von Corylus colurna, der Baumhasel (Foto: M. Schölch).

Die 2006 ins Leben gerufene "Arbeitsgemeinschaft Gastbaumarten" verfolgt die Ziele:

  • vorhandenes Wissen aufbereiten
  • alte Anbauten analysieren
  • neues Wissen schaffen
  • Vorteile, Nachteile und Risiken aufzeigen
  • Entscheidungen pro und contra Gastbaumarten sachlich fundieren
  • Kommunikation unter Experten beflügeln
  • Informationen allgemein verfügbar machen
  • über die Tätigkeit der AG informieren

Experten aus Deutschland, Österreich, der Schweiz und Belgien konnten durch den Erfahrungsaustausch zwei Datenbanken erstellen. Informationen über den Anbau von rund 120 fremdländischen Baumarten liegen vor. Interessierte und engagierte Mitstreiter sind herzlich willkommen!

Im Ergebnis einiger Studien und Beobachtungen aller Anbauten lässt sich ad hoc skizzieren, dass nur wenige Gastbaumarten wirtschaftlich interessant sind. Bisher schaffte es nur rund ein Dutzend der zahlreichen angebauten Baumarten, das Interesse der Forstwirtschaft zu wecken. Im Klimawandel könnten einige weitere hinzukommen und das Artenspektrum in Mitteleuropa erweitern. In dessen Folge wird sich die biologische Vielfalt vergrößern. Es zeichnet sich ferner ab, dass Gastbaumarten bisher eher unter gestörten Verhältnissen existieren können als unter naturnahen. Sie unterliegen häufig den konkurrenzkräftigen heimischen Arten, insbesondere der Rotbuche.

Das Fremde beunruhigt. Weil neue Arten in ihrem Verhalten in der heimischen Umgebung wenig bekannt sind, werden sie skeptisch beäugt. Erfahrungen sind daher besonders wichtig. Erfahrungen gezielt zu gewinnen, überlegt zu probieren und genau zu studieren, erscheint angesichts der sich rasch verändernden Umwelt als unverzichtbar.

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