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Artikel

Autor(en): Ernst Leitgeb, Michael Englisch
Redaktion: BFW, Österreich
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Baumartenwahl im Lichte einer Klimaerwärmung

Eine Anleitung zur Risikominimierung

Die prognostizierte Änderung der Temperatur- und Niederschlagsverhältnisse wird gravierende Auswirkungen auf die Vegetation haben. Sie ist eine große Herausforderung für die Waldbewirtschaftung, da waldbauliche Entscheidungen (zum Beispiel die Baumartenwahl) sehr langfristig wirken und künftige Entwicklungen der Umwelt vorwegnehmen müssen.

Waldgesellschaften werden sich verändern

Abbildung 1 zeigt die Verteilung des langjährigen Jahresmittels der Lufttemperatur in Österreich. Naturgemäß spiegelt sich das Relief darin wieder, deutlich zu erkennen ist der Alpenbereich. Die wärmsten Gebiete liegen im Osten (Weinviertel) und Südosten; Mühl- und Waldviertel dagegen sind durch relativ kühle Temperaturen geprägt.

Abb. 1: Jahresmittel der Lufttemperatur in Österreich
Abbildung 1: Jahresmittel der Lufttemperatur in Österreich (1961-1990), Quelle: ZAMG, Wien

Geht man von einem Anstieg der Temperatur und einem Gleichbleiben oder leichten Absinken der Niederschläge aus, ist mit einer Veränderung der Waldgesellschaften zu rechnen. Dies kann im Gebirge zu einer Verschiebung der Waldgrenze führen, während im Osten Österreich problematische Bedingungen für das Baumwachstum an der "unteren Waldgrenze" auftreten können.

In den warmen und niederschlagsarmen Gebieten herrschen jetzt bereits für das Wachstum einiger Wirtschaftsbaumarten kritische Umweltbedingungen. In den betroffenen Regionen hat der Wald oft eine große Bedeutung als Erosionsschutz zur Sicherung der landwirtschaftlichen Produktion.

Standort kann großklimatische Einflüsse verstärken oder abschwächen

Diese groben regionalen Vorgaben werden durch den Standort zum Teil stark modifiziert. Je nach Standortsbedingungen können die großklimatischen Einflüsse verstärkt oder abgeschwächt werden. So bieten zum Beispiel frische Standorte mit tiefgründigen Böden den Bäumen bessere Wuchsbedingungen bei Trocken(stress)perioden als trockene, seichtgründige Kuppenstandorte. 

Angesichts der großen Unsicherheiten, wie sich das Klima in den nächsten Jahrzehnten tatsächlich entwickeln wird, werden solide Standortskenntnisse (Standortskartierung, Standortserkundung) an Bedeutung gewinnen. Auf ökologisch sensiblen Standorten wird die Einhaltung der standörtlichen Vorgaben enger zu sehen sein. Auf regionaler Ebene gibt die ökologische Charakterisierung der Wuchsgebiete (siehe http://bfw.ac.at/rz/bfwcms.web?dok=1144) eine grobe Orientierung über die Waldgesellschaften und Standortsverhältnisse.

Baumartenwahl angesichts einer Klimaerwärmung

Die ökologischen Ansprüche der Baumarten müssen verstärkt berücksichtigt werden. Besonders auf den "problematischen" Standorten sind die Baumartenwahl und andere Waldbaumaßnahmen eingeschränkt. Die klimatischen Verhältnisse, die Bodennährstoffe und die Bodenfeuchte bestimmen im Wesentlichen Wachstum und Vitalität der Bäume.

Geht man von einer Änderung der Temperatur (Anstieg) und von veränderten Niederschlagsverhältnissen aus, werden die klimatischen Ansprüche der Baumarten künftig wichtiger. Leider sind in der Literatur zum Großteil nur qualitative Aussagen zu finden, die sich meistens auf die Hauptbaumarten, wie Fichte und Buche, beziehen. Ein weiteres Manko ist, dass bis dato keine genetische Differenzierung der Baumarten in Hinblick auf deren Umweltansprüche möglich ist.

Für die nachfolgende grobe klimatische Charakterisierung wurden die Temperatursumme, die sich aus der Summe der 14 Uhr-Temperaturen der Tage mit täglichen Temperaturminimum >5°C und Tagesmaxima >15°C errechnet, sowie der mittlere Jahresniederschlag verwendet. Diese Werte stellen nur einen groben Rahmen dar, der durch den Standort (vor allem durch die Bodenverhältnisse) modifiziert werden kann.

Fichte
Abb. 2: Risikobewertung für Fichte
Abbildung 2: Risikobewertung für Fichte auf Basis von Niederschlag und Temperatursumme (Quelle: SUSTMAN-Projekt)

Für die Fichte ist ein jährlicher Niederschlag von mehr als 600 mm, davon mindestens 300 – 350 mm in der Vegetationszeit, erforderlich. Ab einer Temperatursumme von 3050 °C steigt die Anfälligkeit gegenüber Sekundärschädlingen und die Konkurrenzkraft nimmt ab (Abbildung 2).

Sind zusätzlich die Niederschlagsverhältnisse ungünstig (600 mm bis maximal 700 mm), ist das Risiko für die Fichte sehr hoch. Ausgehend von diesen Überlegungen werden die Risikogebiete für Fichte dargestellt (Abbildung 3). Lokale, standörtliche Einflüsse bleiben bei dieser Generalisierung ausgeklammert.

Abb. 3: Risikogebiete für Fichte
Abbildung 3: Risikogebiete für Fichte in Österreich
Buche

Bei Buche reicht die in der Literatur angeführte Bandbreite für die kritische Mindestniederschlagssumme von 500 mm bis 750 mm. Buche benötigt, wenn sie bestandesbildend auftritt, eine Mindesttemperatursumme von 2150°C (Kazda & Englisch, 2005); dies entspricht einer langjährigen Jahresmitteltemperatur von 5,5°C. Felbermeier (1994) gibt für bayerische Buchenbestände einen Temperaturbereich 4 bis 9,5°C (Jahresmittel). Spätfrost schränkt das Buchenwachstum oft zusätzlich ein.

Eichen

Stieleiche bevorzugt im Vergleich zu Buche eher kontinaleres Klima und stellt höhere Temperaturansprüche. Eichen kommen aber mit unterschiedlichen Bodenwasserhaushaltsverhältnissen zurecht, ausgenommen davon sind nasse und trockene Böden.

Augenmerk auf Standort und Baumarten legen

Um auf die Folgen von möglichen Klimaänderungen vorbereitet zu sein, müssen die Standortsbedingungen und die Baumartenansprüche vermehrt beachtet werden. Besondere Vorsicht ist auf ökologisch sensiblen Standorten geboten. Die Mischung von standortstauglichen Baumarten kann ebenfalls zur Risikominderung beitragen.

Literaturliste ist bei den Verfassern erhältlich. Die Empfehlungen für die Baumartenwahl angesichts einer Klimaerwärmung wurden im EU-Projekt SUSTMAN erarbeitet.

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