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Dr. Hans-Joachim Klemmt

LWF

Bayerische Landesanstalt
für Wald und Forstwirtschaft

Abt. Boden und Klima
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D-85354 Freising

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Autor(en): Redaktion waldwissen.net - LWF
Redaktion: LWF, Deutschland
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Karten für den Fichtenanbau

Karte für geringe Feldkapazität
Abb. 1: Karte bei geringer Feldkapazität
Karte für mittlere Feldkapazität
Abb. 2: Karte bei mittlerer Feldkapazität
Karte für hohe Feldkapazität
Abb. 3: Karte bei hoher Feldkapazität

Wo hat die Fichte genügend Wasser?

Die Standortskarte ist jedem Förster eine große Hilfe für die Praxis. Nicht nur die Bodenarten wie Lehm oder Sand, sondern vor allem auch die ökologischen Feuchtestufen sind darin verzeichnet. Diese wurden allerdings in einem kombinierten Schätz- und Rechenverfahren ermittelt und enthalten daher eine stark subjektive Komponente.

Durch die Klassenbildung in Form von Wasserhaushaltsstufen sind zusätzlich Informationen verloren gegangen, eine Anpassung der Karten an geänderte Klimabedingungen ist kaum möglich. Außerdem sind die Angaben nur auf Ebene der Wuchsgebiete und nicht für die gesamte Landesfläche vergleichbar. 

Neues Konzept: die Transpirationsdifferenz

Um dies auszugleichen bedarf es eines anderen Konzeptes. Ein solches entwickelten Schultze et al. (2005), bei dem mit Hilfe eines Wasserhaushaltsmodelles die sogenannte Transpirationsdifferenz Tdiff, ermittelt wird. Dieser Wert, angegeben in mm/100 Tage, gibt den Unterschied zwischen der bestmöglichen und der wirklichen Wasserversorgung der Bäume an. Je niedriger Tdiff desto besser die Wasserversorgung. Die Transpirationsdifferenz Tdiff hängt stark von klimatischen Größen ab und eignet sich daher gut für durch den Klimawandel bedingte Fragestellungen. 

Diese Werte können mit den Wasserhaushaltsstufen der Standortskarten in Beziehung gesetzt werden, was die Vergleichbarkeit mit den gewohnten Standortsmerkmalen erleichtert. In Bayern reicht die Spanne von 0 (sehr frisch) bis ca. 140 mm/ 100 Tage (äußerst trocken). Für jede Tdiff-Klasse gibt es eine Empfehlung für den Fichtenanbau (Tabelle 1). Je angespannter sich der Wasserhaushalt darstellt, desto geringer ist die Wuchsleistung und desto größer das Anbaurisiko für die Fichte.

Empfehlungen zum Fichtenanbau

Die Empfehlungen zum Fichtenanbau sind vorläufige, auf den bisherigen regionalen Anbauerfahrungen beruhende Einschätzungen. Je nach individueller Risikobereitschaft kann man davon abweichen, vor allem wenn man sich auf Zeitbeimischungen beschränkt und damit ein mögliches vorzeitiges Ausscheiden der Fichten in Kauf nimmt. Weitere den Fichtenanbau einschränkende Standortseigenschaften wie der bei Staunässe und Wechselfeuchte auftretende Luftmangel werden mit dem geschilderten Ansatz nicht beschrieben, ebenso wie reine Temperatureffekte

Innerhalb der einzelnen Karten wird der dominierende Einfluss des Regionalklimas auf den Wasserhaushalt deutlich. Die warmtrockenen Regionen (hohe Verdunstung) unterscheiden sich bei gleich bleibenden Bodenverhältnissen deutlich von den kühlfeuchten Regionen (niedrige Verdunstung, hohe Niederschläge). Als modifizierende Größe kommt die Exposition hinzu, wie man deutlich an den steilen Südhängen der Alpen erkennen kann.

Deutlicher Einfluss des Bodens

Der Vergleich zwischen den Karten verdeutlicht den Einfluss des Bodens. Dieser verändert das Gewicht des Regionalklimas am auffälligsten in Gebieten mit durchschnittlichen Niederschlägen, Temperaturen und Expositionen. Böden mit einem hohen Wasserhaltevermögen (= hohe Feldkapazität), wie zum Beispiel Fein- oder Schlufflehmen, können geringe Sommerniederschläge teilweise ausgleichen.

Es gibt drei Karten für ganz Bayern (Abbildungen 1, 2 und 3), nämlich für Böden mit geringer, mittlerer oder hoher Wasserspeicherfähigkeit (Feldkapazität). Drei Karten sind deshalb notwendig, weil auch die Bodenart eine wichtige Rolle spielt. Welche Karte im konkreten Fall vor Ort zu verwenden ist – für eine geringe, mittlere oder hohe Feldkapazität – bedarf noch einer Einschätzung durch forstliche Berater, zum Beispiel anhand der jeweiligen Standortskarte (Tabelle 2). Kommt Bodenskelett vor, so müssen die Werte für die Feldkapazität erniedrigt werden.

Tabelle 1: Klassen, Wasserhaushaltsstufen und Empfehlung für den Fichtenanbau
Tdiff-Klasse [mm/100 Tage] Wasserhaushalt / Ökologische Feuchtestufe Empfehlung für den Fichtenanbau
0 bis < 5 Sehr frisch (4 a) Ohne Einschränkung als führende Baumart geeignet
5 bis < 10 Frisch (4 b) Geeignet als führende Baumart mit ausreichender Beimischung anderer Baumarten
10 bis < 15 Ziemlich frisch (3) Als Mischbaumart in hohen Anteilen geeignet
15 bis < 20 Mäßig frisch (2) Als Mischbaumart in mittleren Anteilen geeignet
20 bis < 30 Mäßig trocken (1) Als Mischbaumart in mäßigen Anteilen geeignet
30 bis < 40 Ziemlich trocken (0 a) Als Zeitmischung in geringen Anteilen geeignet
40 bis < 50 Trocken (0 b) Als Zeitmischung in geringen Anteilen geeignet
50 bis < 70 Sehr trocken (0 c) Nicht geeignet, allenfalls als Zeitmischung in sehr geringen Anteilen
70 und größer Äußerst trocken (0 d) Nicht geeignet, allenfalls als Zeitmischung in sehr geringen Anteilen
Tabelle 2: Hilfstabelle für die Wahl der richtigen Tdiff-Karte
Bodenart der Standortskarte Schätzung der Feldkapazität
Sand "Gering"
Lehmiger Sand
Zwischen "Gering" und "Mittel", näher an "Gering"
Sandiger Lehm
Zwischen "Gering" und "Mittel", näher an "Mittel"
Lehm Etwas höher als "Mittel"
Feinlehm, Schlufflehm. Schluff
"Hoch"
Milder Ton
Zwischen "Mittel" und "Hoch", näher an "Mittel"
Strenger Ton
Zwischen "Gering" und "Mittel", näher an "Mittel"
Decksand und -lehm
Zwischen "Gering" und "Mittel", je nach Sandanteil
Schichtsand "Gering" bis "Mittel", jedoch höher als reiner Sand
Schichtlehm
"Mittel", Abweichungen in beide Richtungen (milder oder strenger Ton)

Originalartikel

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