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Artikel

Autor(en): Ferdinand Müller
Redaktion: BFW, Österreich
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Waldbaustrategie für Laubbäume

Wienerwald (Foto: BFW/M. Neumann)
Der Nebenbestand ist wesentlich für die kontinuierliche Bodendeckung und als Schaftschutz und trägt zu einem günstigen Bestandesinnenklima bei.

Wesentliche Ziele der Laubbaumbewirtschaftung sind Wertholzerziehung, Förderung der Stabilität, geringer Betriebsaufwand, Minimierung der Erntekosten, waldbauliche Freiheit für einen gleitenden Generationenwechsel und rechtzeitiger Aufbau von Verjüngungsreserven.

Erreicht wird dies durch die Z-Baum-Auswahl. Moderne waldbauliche Konzepte (WILHELM et al. 1999) verfolgen folgende Ziele:

  • Wertholzerziehung: Breiter astfreier Holzmantel mit gleichmäßigen Jahrringbreiten; Die Äste im Kern dünn, gesund verwachsen; Der Durchmesser des astigen Kerns der Erdstämme sollte am schwächeren Ende maximal 20 cm erreichen; Keine unerwünschte Verkernung.
  • Hohe Widerstandsfähigkeit gegenüber abiotischen Schädigungen durch Förderung der individuellen Stabilität und Abkehr von homogenisierenden Eingriffen.
  • Möglichst geringer Betriebsaufwand durch Unterlassen aller nicht zur Zielerreichung notwendigen Maßnahmen.
  • Minimierung der Erntekosten (Stück-Masse-Prinzip).
  • Waldbauliche Freiheit für einen gleitenden Generationenwechsel, der Baumartenmischungen und Ungleichaltrigkeit ermöglicht.
  • Rechtzeitiger Aufbau von Verjüngungsreserven.
  • Alle waldbaulichen Maßnahmen sind mit den natürlichen Enzwicklungsphasen  abgestimmt. Bereits augenscheinliche natürliche Selbstdifferenzierungs- und Selbstausscheidungsvorgänge werden einbezogen.
  • Durch die Durchforstung soll die natürliche Vitalitätsauslese verstärkt bzw. vorweggenommen, dadurch wird eine langfristig existenzsichernde Anpassung von Baumpopulationen an ihre Umwelt(änderungen) ermöglicht.

Diese Ziele werden durch Konzentration der Maßnahmen auf Einzelbäume und somit durch Aufgabe der flächigen Behandlung zugunsten punktueller Beeinflussung erreicht. Durch kurze Erzeugungszeiträume wird das Risiko der unerwünschten Verkernung verringert.

Zukunftsbaum (Z-Baum)

Auswahlkriterien für die zu dimensionierenden Z-Bäume

1. Vitalität und Qualität: Vitale lotrechte Bäume mit ausbaufähiger Krone ohne Stammfehler (Tiefzwiesel, Verletzungen, Drehwuchs).
2. Baumart: Möglichkeit der Erhöhung des Mischungsanteils unterrepräsentierter Arten.
3. Mindestabstand (ergibt die Anzahl/ha): Berücksichtigung der artspezifischen Enddurchmesser der Krone.
Die Gleichmäßigkeit der Verteilung ist nachrangig.

Astfreie Schaftlänge

Eine astftreie Schaftlänge von etwa 25 % der am Standort erreichbaren Endhöhe sichert den maximalen Stärke- und Wertzuwachs am Erdstammstück. Falls eine Astung erforderlich ist, halten sich die Kosten dafür in Grenzen. Bei natürlicher  Astreinigung verkürzt sich das Risiko der unerwünschten Verkernung durch
eine kürzere Produktionszeit. Eine zu große astfreie Schaftlänge verhindert zudem die Chance auf einen maximalen kontinuierlichen Kronenausbau ab dem frühest möglichen Zeitpunkt.

Zieldurchmesser - Produktionszeit

Der nach holztechnischen und ökonomischen Kriterien jeweils erwünschte Zieldurchmesser ist mit der Produktionszeit in Beziehung zu setzen. Daraus ergibt sich die mittlere Jahrringbreite.


Vogelkirsche Buche Eiche
Zieldurchmesser (cm)
40/50
über 60
über 70
Produktionsdauer (Jahre)
60 - 80
80 - 100
120 - 230
Durchmesserzuwachs (pro Jahr)
mehr als 6 mm
6 - 8 mm
3 - 6 mm
Jahrringbreite (pro Jahr)
mehr als 3 mm
3 - 4 mm
1,5 - 3 mm

Inwieweit die erzielbaren höchsten Preise für die Alteichen durch die lange Produktionszeit gerechtfertig sind, ist zu hinterfragen.

Steuerung der BHD-Entwicklung über die Kronenbreite

Zwischen dem Durchmesser der Krone (= Kronenbreite) und des Schaftes (= BHD) sowie dem Alter besteht ein straffer Zusammenhang. Daher kann die Durchmesserentwicklung durch die Kronenbreite (= Durchmesser der Lichtkrone) gesteuert werden. Die Kronenbreite wiederum ist (besonders bei Laubbäumen) von einer rechtzeitigen Standraumerweiterung anhängig.

Kronenbreite (KB) für Eichen ab beginnendem Baumholz (SPIECKER, 1991):
KB [m] = 0,2 + 0,209 x BHD [cm] - 0,015 x Alter

Dieser Zusammenhang zwischen Kronenbreite und BHD ist unabhängig von der Standortsgüte (Bonität). Die bessere Wuchsleistung guter Standorte beruht also
darauf, dass auf besseren Bonitäten größere Kronen und dementsprechend höhere Durchmesserzuwächse schneller erreicht werden. Dieser Zusammenhang gilt - mit anderen Größenordnungen - auch für andere Laubbaumarten.

Jahrringbreite – Kronenbreite – Stammzahl/ha

Von der angestrebten Jahrringbreite ausgehend, kann die jeweilige Kronenbreite zur Erreichung dieser Jahrringbreite über den Altersverlauf aus obiger Beziehung abgeschätzt werden. Die erforderliche Kronenbreite des hiebsreifen Baumes mit erreichtem Zieldurchmesser bestimmt die maximal mögliche Anzahl von Z-Bäumen und damit auch deren Abstand und Verteilung.

Tabelle1

Das Pflegekonzept nach WILHELM et al. "Qualifizieren – Dimensionieren"

Qualifizieren: Auswahl und Erziehung der astfreien Schaftlänge.
Die Kulturpflege hat das Ziel, eine ausreichende Anzahl von Pflanzen mit erwünschten Eigenschaften (Geradschaftigkeit, Lotrechtigkeit, Festigkeit) zu erziehen. Folgende Maßnahmen sind zu setzen: Schutz vor Konkurrenzvegetation, Protzenaushieb, Formschnitt und Mischwuchsregulierung (letztere entfällt weitgehend bei künstlicher Begründung eine zweckmäßige räumliche Verteilung vorausgesetzt).

Die Astreinigung soll die Entwicklung der astfreien Schaftlänge ermöglichen. Dies kann entweder durch Dichtstand oder durch Astung erreicht werden.

Dimensionieren: Optimierung des Durchmesserzuwachses der astfreien Schaftlänge durch Kronenfreistellung.
Nach Abschluss der Qualifizierungsphase, wenn die astfreie Schaftlänge erreicht ist, muss ein weiteres Absterben von Kronenästen vermieden werden. Eine Verlängerung der Totastzone muss in der Dimensionierungsphase mit aller Konsequenz verhindert werden, weil jedes Absterben entwertende Altersfehler (Farbkerne, Fäule) verursacht.

Waldbaustrategie Laubbäume
Eine zu große astfreie Schaftlänge verhindert den optimalen Kronenausbau und beeinträchtigt damit den Zuwachs

Aus der symbolhafter Darstellung können die Grundlagen der waldbaulichen Konzeption zur Erzielung von Wertholz bei Laubbäumen und die häufigsten Fehler im Wald erkannt werden.

Zeichen waldbaulicher Fehlentwicklung:
  • Totäste im unteren Kronenbereich.
  • Totäste oder Totaststummel, Überwallungsbeulen, Chinesenbärte und ähnliche Rindenzeichen der Überwallung ehemals starker Äste im Stammbereich.
  • Wasserreiser als Reaktion auf verspätete Freistellung zu kleiner Kronen.

Generationenwechsel

Der Endbestand ist nicht auf die relativ geringe Anzahl von Z-Bäumen beschränkt, es entstehen Zwischenbereiche, die nie zugunsten der Z-Bäume aufgelöst wurden. Dieser Nebenbestand ist wesentlich für die kontinuierliche Bodendeckung und als Schaftschutz und trägt zu einem günstigen Bestandesinnenklima bei. Die Z-Bäume selbst weisen oft eine Spreitung der Stamm- und Kronendurchmesser auf, die bei Zielstärkennutzung zeitlich gestaffelt entnommen werden können. In fortgeschrittenen Dimensionierungsphasen können sich bereits Verjüngungskerne entwickeln.
Es bestehen somit gute Ausgangsmöglichkeiten durch vielfältige Verjüngungsschritte und gleitenden Generationenwechsel ungleichaltrige Folgewälder aufzubauen.

Originalartikel

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