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Artikel

Autor(en): Pascal Junod, Kaspar Schmidt, Andreas Zingg
Redaktion: WSL, Schweiz
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Waldbau mit Eiche: Nebenbestände sind wertvoll

Seit 1921 beobachtet die Eidgenössische Forschungsanstalt WSL mehrere Versuchsflächen in einem Eichenwald bei Boudry (Kanton Neuenburg). Die Waldforscher untersuchen, wie sich unterschiedliche Behandlungen der Nebenbestände auf das Wachstum und auf die Stammqualität von Eichen auswirken.

Eiche, perfekt begleitet
Abb. 1 - Eiche, perfekt begleitet von einer Weisstanne.
Foto: Pascal Junod, Dezember 1996
 

Objekt der seit 1921 laufenden Studie ist ein Traubeneichen-Hochwald. Weisstanne und Buche bilden einen Nebenbestand auf tiefgründiger, sandiger Moräne auf dem Standort eines Hainsimsen-Buchenwaldes. Der Eichenwald wurde 1770 mit dem Zweck begründet, genügend Futter für die Schweine zu produzieren (Eichelhain).

Die Versuchsanordnung von 1921 umfasste die drei Teilflächen 14, 15 und 16. Bei Versuchsbeginn war der ganze Wald gleich: er bestand aus einem gleichförmigen Hauptbestand von Eichen (Alter ungefähr 150 Jahre, Bestandeshöhe ~ 25 m) und einem Nebenbestand aus Buche (Alter 94-95 Jahre, Höhe ~20 m) und aus Weisstanne (Alter 65-67 Jahre, Höhe ~10 m). Ziel des Versuchs war es, durch unterschiedliche Eingriffe im Nebenbestand den Einfluss dieser Behandlung auf den Boden, die Verjüngung, die Entwicklung der Stämme, der Kronen, der Frostrisse, der Rindendicke usw. zu untersuchen. Folgende drei Behandlungsvarianten wendeten die Förster an:

  • 0: Der Tannen-Nebenbestand wurde bei der Versuchsanlage vollständig entfernt (vgl. Abb. 2).
  • A: Im Tannen-Nebenbestand wurden nur die Dürrständer, die absterbenden und die beschädigten Bäume entnommen (Durchforstung A-Grad).
  • H: Der Tannen-Nebenbestand wurde hochdurchforstet (Durchforstung H-Grad). Gegabelte, dominante Stämme wurden entfernt.

Seit 1921 haben Waldbauer die Versuchsflächen sechsmal durchforstet. Dabei massen die Wissenschafter die Bestände jedes Mal und beobachteten ihre Entwicklung. In der Versuchsfläche 14 (Variante 0) stellte sich ein neuer Nebenbestand trotz der kräftigen Durchforstungen im Eichen-Hauptbestand nur sehr langsam ein. Erst 1972 gab es wieder eine flächendeckende Verjüngung aus Buche und Weisstanne.

Bestandesgeschichte
Versuchsflächen 14 und 15 im Jahr 1931
Abb. 2 - Versuchsflächen WSL Nr. 14 und 15: Im Hintergrund Versuchsfläche 15 (Nebenbestand beibehalten); im Vordergrund ein Teil der Versuchsfläche 14 (Nebenbestand 1921 entfernt).
Foto: Archiv WSL, 1931
 
  • 1770: Bestandesbegründung des Eichenwaldes im Le Chanet de Boudry.
  • 1820–26: Bestandesbegründung der Buche und der Weisstanne in der Unterschicht.
  • 1855–59: Fast vollständige Entnahme der Tannen des Nebenbestandes.
  • 1854–56: Natürliche Ansamung einer neuen Tannengeneration.
  • 1921: Versuchseinrichtung durch die Forschungsanstalt WSL: drei Varianten der Behandlung des Nebenbestandes.
  • 1972: Präsenz einer neuen, flächendeckenden Verjüngung aus Buche und Weisstanne in Versuchsfläche 14 (Variante 0).
  • 1985–95: Fortschreitende Eichen-Naturverjüngung auf der ganzen Fläche Nr. 13.
  • 1996: Auslesedurchforstung in den Versuchsflächen 14 bis 16. Die getrennte Erhebung der Qualität und des Wertes der verkauften Produkte ist Gegenstand dieser Studie.

Übersicht über die bisherigen Erkenntnisse

Die ertragskundlichen Daten und die Qualitätsverhältnisse auf den Versuchsflächen 14, 15 und 16 sind im Originalartikel zusammengestellt (siehe unten). Bei Versuchsbeginn 1921 beurteilten die Wissenschafter die Anteile der Eichen guter Qualität so:

  • Variante 0 19 % (vgl. Abb. 2)
  • Variante A 21 %
  • Variante H 29 %

Die Buchen in den Varianten A und H hatten einen Anteil an guter Stammqualität von 14 bzw. 13%. Bei der letzten Aufnahme 1996 lagen die Anteile guter Eichen bei 13%, 27% und 17%. Jene der Buchen in den Varianten A und H lagen bei 17% und 5%. Die Qualitäten der geernteten Stämme zeigen klar die Bedeutung des Nebenbestandes und seiner Behandlung.

Das Aufkommen von Klebästen ist der bestimmende Faktor für die Stammqualität. In den beiden Varianten A und H, in denen der Nebenbestand beibehalten und behandelt wurde, ist der Anteil der Klebäste deutlich geringer als in Variante 0. Als Folge von wiederholten Auslesedurchforstungen hat sich allerdings die Situation bezüglich der Klebäste in der Variante 0 im Laufe der Eingriffe verbessert. Gegenwärtig ist der Anteil der Eichen ohne Klebäste wie folgt: Variante 0 15%, Variante A 30%, Variante H 35%. Die Ergebnisse zeigen, dass der mittlere Wert der Eichenstämme bei der Ernte dort am grössten ist, wo der Nebenbestand beibehalten wurde. Dieser Wert ist in jenem Bestand am tiefsten - und zwar deutlich -, in dem die Förster den Nebenbestand entfernten.

Die beiden Kriterien, die diesen Wertunterschied am stärksten bestimmen, sind einerseits das deutlich häufigere Auftreten von Klebästen in jenem Bestand, in dem sich die Eichen ohne Einpackung durch Begleiter entwickelten, und andererseits die stärkere Abholzigkeit in demselben Bestand im Vergleich zu den zwei anderen Versuchsflächen, in denen der Nebenbestand beibehalten wurde. Möglicherweise sind die Substanzen, die die Eiche für die Bildung von Klebästen verwendet, der Grund für die stärkere Abholzigkeit der Stämme. Obwohl nur wenige Bäume gefällt wurden, lassen sich dennoch unzweifelhafte Lehren daraus ziehen. Denn die Forscher haben alle geernteten Eichen ohne Ausnahme vermessen.

Versuchsfläche 16 Versuchsfläche 15  
Abb. 3 - Versuchsfläche WSL Nr. 16: Baumholz nach der Auslesedurchforstung. Blick von der Versuchsfläche 16 in Richtung der Versuchsfläche 15.
Foto: Pascal Junod, Dezember 1996
Abb. 4 - Versuchsfläche WSL Nr. 15: Traubeneichen-Baumholz mit Weisstanne und Buche im Nebenbestand. Bild des Bestandes nach der Auslesedurchforstung.
Foto: Pascal Junod, Dezember 1996
 
     

Folgerungen

Die Bedeutung des Nebenbestandes für die Erziehung von Elitestämmen in Eichenwäldern ist klar und auch in den Beständen gut sichtbar. Die Entfernung des Nebenbestandes muss man als sich zweifach ungünstig auswirkender waldbaulicher Fehler betrachten. Es ist eine Investition, die einen Minderwert zur Folge hat. In unserem Beispiel beträgt der Mehrwert durch das Vorhandensein des Nebenbestandes mehr als 120.–/m3. Diese Ergebnisse werden bei der Endnutzung ohne Zweifel bestätigt, ja sogar vergrössert. Es ist interessant festzustellen, dass dieser Mehrwert höher ist als der aktuelle Verkaufspreis für die besten Tannenqualitäten des Forstkreises. Anders ausgedrückt ist in unserer Region der "erzieherische Wert" der Tanne höher als ihr "Holzwert".

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