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Prof. Dr. Sebastian Hein

Hochschule für Forstwirtschaft Rottenburg
Schadenweilerhof
72108 Rottenburg

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Fax: +49 7472/951-200

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Artikel

Autor(en): Hans-Peter Ebert (Hochschule für Forstwirtschaft Rottenburg)
Redaktion: FVA, Deutschland
Kommentare: Artikel hat 0 Kommentare
Bewertung: Zu Favoriten Druckansicht 66.066.066.066.066.0 (90)

Die Zielbaum-Durchforstung – ein Weg zur Erziehung starken Wertholzes

Vorgehen

Bevor die Kronenbasis des Z-Baumes (Zukunfts-Baumes) auf Zielhöhe (bis 2 m darunter) angekommen ist:

Keine Maßnahmen, es sei denn

  • Eine erwünschte Baumart geht in der herrschenden Schicht verloren (wird unter die herrschende Schicht herab gedrängt).
  • Eine erwünschte Mischung geht verloren.
  • Es setzen sich (vorwiegend) Bäume durch, die als Z-Bäume ungeeignet sind (z. B. aufgrund von Mängeln am Schaft).
  • Die Stabilität des Bestandes wird zu gering und die als Z-Baum gewünschten Bäume differenzieren sich nicht als vitale Bäume heraus.

In allen anderen Fällen führen (teure) Stammzahlverminderungen nur zu stärkeren Ästen am Erdstamm.

Weißtanne   Bergahorn
Abb. 1+2: Ziel-Bäume: links Weißtanne (Foto: Mundenast), rechts Bergahorn (d1,3: 67 cm, astfreie Schaftlänge: 9,8 m, Baumhöhe: 29,2 m, Kronendurchmesser: 12,4 m, Alter: 85 J, Belgien. Foto: Hein).
 

Die Kronenbasis des Z-Baumes ist auf Zielhöhe (bis minus 2 m) angekommen:

Auswahl der Z-Bäume. Diese werden nur unter vitalen Bäumen gewählt. Merksatz: Vitalität und Qualität vor Abstand. Z-Bäume müssen vorherrschend sein, dürfen ausnahmsweise herrschend sein. Z-Bäume müssen eine lange dicht belaubte Krone besitzen, diese sollte regelmäßig ausgebildet und wipfelschäftig sein. Z-Bäume müssen einen geraden, einstämmigen, astfreien Erdstamm besitzen ohne erkennbaren Schaden.

Vorgehen:

  1. Wo ist der beste Stamm? Suchen des Z-Baumes.
  2. Ist der Beste wirklich gesund, fehlerfrei? Kritische Musterung vom Stammfuß bis zum Wipfeltrieb.
  3. Welche Bäume schaden dem Z-Baum am meisten? Beurteilung der "Schädlichkeit" (kann ich den Baum bis zur Wiederkehr ohne Gefahr für den Z-Stamm oder anderer guter Bäume stehen lassen?) und entscheiden, welche Bäume heraus müssen.
  4. Wo sind die nächsten Z-Bäume? Frage der Stammverteilung.
  5. Zwischenfelder: Eingriffe notwendig? Warum?
  • Entnahme der stärksten ein bis zwei Bedränger der (vor-) herrschenden Schicht.
  • Entnahme aller Bäume, welche bis zur Wiederkehr (in 3 Jahren) von unten die Krone des Z-Baumes verkürzen würden.
  • Entnahme von Reibern (am Z-Baum) und Peitschern (hochschlanken Bäumen mit kleiner Krone).
  • Ausnahmsweise wird bei gegen Kronenkonkurrenz empfindlichen Baumarten (wie Kiefer, Kirsche, Esche) ein 3. starker Bedränger auf der gegenüberliegenden Seite aus der (vor-) herrschenden Schicht entnommen.
  • Wiederkehr alle drei Jahre! Bei einem längeren Intervall muss der Eingriff stärker werden. Bei einer Verdoppelung der Zeit auf 6 Jahre sind doppelt so starke Entnahmen (in der Oberschicht) zu tätigen. Als Folge treten Probleme der Stabilität und für den Z-Baum Stress bei der Anpassung (Transpiration) auf.
  • Die Kronenbasis darf bis zur nächsten Durchforstung nicht weiter nach oben gehoben werden.
Tab. 1: Ablauf der Zielbaum-Durchforstung.
Ablauf des "Zielbaum-Konzepts"

Z-Bäume je Hektar

Der Regelabstand liegt bei Wurzel aus (10.000 / Z-Bäume je ha). Der Mindestabstand liegt bei 60 % vom Regelabstand, wobei dann auf den anderen Baumseiten entsprechend mehr Platz eingeräumt werden muss.

Weisen zwei Z-Bäume gegenseitigen Kronenkontakt auf, können sie belassen werden, wenn die Kontaktfläche von beiden Seiten Licht erhält. Eine zu geringe Z-Baumzahl führt zu niedrigem Wert-Zuwachs je Hektar. Außerdem gehen wahrscheinlich mehr als 20 % der bei der ersten Durchforstung ausgewählten Z-Bäume in den nächsten 4 Jahrzehnten verloren (Naturereignisse, Ernteschäden).

Es gibt Herkünfte (genetische Ausstattung) welche schlankere Kronen ausbilden und somit größere Z-Baumzahlen ermöglichen, genauso wie es Herkünfte mit breiter Kronenausbildung und kleineren Z-Baumzahlen je Hektar gibt.

Tab. 2: Z-Bäume je Hektar.
Anzahl der Z-Bäume je Hektar

Literatur

  • EBERT, H.-P. (1993): Die individualisierte Pflege. AFZ 48 (14): 721-723.
    EBERT, H.-P. (1999): Die Lenkung forstlicher Produktion orientiert am einzelnen Baum. Allgemeine Forst Zeitschrift, Der Wald Berlin 54 (8): 402-405.
    WILHELM, G.J.; H.-A.LETTER; W.EDER (1999): Zielsetzungen und waldbauliche Prinzipien etc. AFZ (5): 232-240.

Übersetzung/Translation

  • Eine japanische Übersetzung des Artikels kann hier heruntergeladen werden (PDF, 0.4MB)
  • You can download a Japanese translation of this paper here (PDF, 0.4MB)