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Originalartikel: Ferenczy, J.; Franner, T. (2003): Wertholzerziehung bei Esche. Österreichische Forstzeitung 114. Jg., Heft 4, 10 - 11
Autor(en): Johannes Ferenczy, Thomas Franner
Online-Version: Stand: 30.08.2016
Redaktion: BFW, A

Wertholzerziehung bei Esche

Blätter der Esche
Eine ausreichend dichte Naturverjüngung der Esche ist eine gute Voraussetzung für eine rasche Astreinigung. Bildquelle: Botanische Bilddatenbank

Die Astigkeit ist neben Stammform und Durchmesser die wichtigste Wert bestimmende Größe. Für Baumarten, die die Totäste behalten (wie Vogelkirsche, Pappel, Nadelbäume), ist die Astung oft die einfachste Methode zur Erziehung von Wertholz. Für Totastverlierer (Laubbäume mit Ausnahme von Pappel und Vogelkirsche) fehlten geeignete Waldbau-"Rezepte". Versuche in Niederösterreich lieferten jetzt Hinweise für kostengünstige Pflegeformen.

Wichtig für eine rasche Schaftreinigung ist ein Dichtstand in der Dickungsphase entweder mit Bäumen derselben Art oder durch eine zumindest gleich stark beschattende, andere Baumart. Eine ausreichend dichte Naturverjüngung ist eine gute Voraussetzung für eine rasche Astreinigung.

Trotzdem wird in der forstlichen Praxis häufig in der Stangenholzphase noch vor Erreichen der erwünschten astfreien Stammlänge eine Stammzahlreduktion durchgeführt, in der Erwartung, den künftigen Zuwachsträgern bessere Entwicklungsmöglichkeiten zu bieten. Zu welchen Konsequenzen dies führt und wie rasch bei ungestörter Entwicklung die erwünschten Stammeigenschaften erreicht werden können, sei an zwei Beispielen dargestellt.

Entwicklung nach unterschiedlichen waldbaulichen Pflegeeingriffen

Nachfolgende Maßnahmen wurden im Hochleithenwald (Traun´sches Forstamt, Wolkersdorf) durchgeführt. Die Eschennaturverjüngung war zum Zeitpunkt des Eingriffs elf Jahre alt, vier Jahre später erfolgten die Erhebungen.

  1. Fräsen und Freihalten von 2 m breiten Pflegegassen in 4 m Abstand, sonst keine weitere Behandlung
  2. Freistellung der Z-Stamm-Anwärter; Entnahme der Bedränger
  3. Stammzahlreduktion schematisch auf 1,5 m Verbandsweite

Die Entwicklung der Eschennaturverjüngung, die mit diesen waldbaulichen Pflegeeingriffen behandelt wurde, zeigt deutlich die Auswirkung einer zu frühen Auflichtung. Je stärker die Auflichtung, umso mehr wird die Krone und damit die Durchmesserentwicklung des Stammes gefördert und gleichzeitig die Ausbildung eines astfreien Schaftes verzögert. Was in dieser Erziehungsphase nicht erwünscht ist: Denn die astfreie Schaftlänge hat Vorrrang vor dem Durchmesserzuwachs.

Entwicklung ohne waldbauliche Pflegeeingriffe

Im Gegensatz dazu: Bei natürlichem Aufwuchs ohne waldbauliche Eingriffe wird die gewünschte astfreie Schaftlänge (ohne Astung) vorrangig und frühzeitig erreicht, starke Äste (später dann zum Teil Totäste) werden im geschlossenen Bestand weitgehend vermieden. Auch der Entstehung eines Farbkernes wird vorgebeugt, der zum Teil durch eine langsame Überwallung der Totäste verursacht wird. Die Versuchsflächen befanden sich in Merkenstein im Lehrforst der Forstschule Gainfarn.

Wenn die vom Standort abhängige, gewünschte astfreie Schaftlänge der Z-Stamm-Anwärter erreicht ist (mindestens eine Blochlänge mit Übermaß), kommt als nächster Schritt die Erziehung der Baumkrone und damit die Beeinflussung der BHD-Entwicklung durch starke Kronenfreistellung von etwa 100 Bäumen. Infolge der frühzeitig erreichten Schaftreinigung können die Z-Stämme noch während ihrer Hauptwuchsphase freigestellt werden, in der sie das volle Kronenausdehnungsvermögen besitzen.

Kriterien für die Auswahl von Z-Bäumen: BHD, soziologische Stellung (herrschend, vorherrschend), geradschaftig, keine Zwieselbildung, gesund und keine groben Äste. Die ausgewählten Z-Stamm-Anwärter sind deutlich und dauerhaft zu markieren.

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