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Artikel

Autor(en): Hannes Schönauer
Redaktion: BFW, Österreich
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Waldbau mit Douglasie

Die Douglasie ist in Österreich eine seltene und kaum bekannte Baumart mit interessanten Holzeigenschaften und enormer Massenleistung. Die  waldbauliche Behandlung muss auf das Produktions­ziel – entweder Wertholz oder Bau- und Konstruktions­holz – abgestimmt werden.

Bauholz Stiegengeländer
Bau- und Konstruktionsholz, Gartenholz, konstruktiver Holzschutz
Optisch anspruchsvolle Sortimente

Bau- und Konstruktionsholz, oder ...

Die Douglasie verfügt über gute elastomechanische Werte, hohe Formstabilität sowie Druckbeständigkeit und ist in diesen Eigenschaften der Fichte ebenbürtig oder sogar überlegen. In den USA ist sie das Konstruk­tionsholz erster Wahl, etwa für den Riegelbau oder Dachkonstruktionen. Eine weitere wichtige Eigenschaft ist ihre hohe Widerstandsfähigkeit gegen Holz zerstörende Pilze. Deshalb ist Douglasienholz für diverse Verwendungen im Freien, zum Beispiel für Balkone, Garten­möbel oder Spielplatzeinrichtungen, sehr begehrt.

... optisch anspruchsvolle Sortimente für Innenausbau und Möbelindustrie

Darüber hinaus erzielt das Holz der Douglasie eine hohe ästhetische Wirkung. Mit ihrer rosa bis roter Kernfarbe erinnert das Holz stark an Lärche. Je nach Jahrringbreite und Schnittbild (beispielsweise Flader, Rift) variiert das Erscheinungsbild von lebhaft-rustikal bis schlicht-modern.

Bauholz: Aststärke und Holzkern

Bau- und Konstruktionsholz muss hohe Maximalbelastungen aufnehmen können und gute Formstabilität gewährleisten. Große Aststärken verringern jedoch die Festigkeit wegen der Störung des Holzfaserverlaufs. Ein weiterer negativer Faktor: Bei der Douglasie wird in den ersten 15 Jahren juveniles Holz um die Markröhre gebildet.

Diese Schicht ist hinsichtlich Festigkeit und Formstabilität minder­­wertiger als das später gebildete, adulte Holz. Die Ausdehnung dieses Holzkernes wird maßgeblich vom Jugendwachstum beeinflusst: Je nach Jahrringbreite kann dieser Kern bei einem jährlichen Radialzuwachs von etwa 0,7-2 cm eine Breite von rund 10-30 cm aufweisen. Bei zu starkem Jugendwachstum kommt es häufig zu einer unzureichenden Verkernung, was sich in erster Linie negativ beim Verkauf von Schwachblochsortimenten, die aus Erstdurchforstungen stammen, auswirkt.

Die Zielstärke am Ende der Umtriebszeit darf nicht zu groß angesetzt werden, da bei der Verarbeitung des Rundholzes mit Profilspanern und Kreissägen gearbeitet wird und Dimensionen von 25 -  50 cm bevorzugt werden.

Innen- und Möbelbau: Jahrringaufbau, Astreinheit und Kernfarbe

Neben der großen Verwendungsgruppe im Bau- und Konstruktionssektor kommt die Douglasie im Innenausbau und in der Möbelindustrie gerne zum Einsatz. Die ästhetischen Merkmale, wie gleichmäßiger Jahrringaufbau, Astreinheit und Kernfarbe, gewinnen an Bedeutung. Der Fokus ist auf die astfreie Holzschicht gerichtet, die im Inneren vom astigen Kern und nach außen durch den beginnenden Splint begrenzt wird.

Zwei Faktoren sind ausschlaggebend: Zum einen die Ausdehnung des Astkernes um die Markröhre: Sie sollte relativ klein gehalten werden, was bei einer Baumart, die zu den Totast-Erhaltern zählt, nur mit künstlicher Astung zu erreichen ist. Zum anderen die Breite der wertvollen, astreinen Zone: Sie sollte vom astigen Kern bis zum weniger begehrten Splintholz möglichst groß sein, wozu es starker Dimensionen bedarf. Bei Durchmessern von 80 cm und mehr kommt es zu einer optimalen  Aus­beute.

Im Innen- und Möbelbau kommen andere Schneidegeräte zum Einsatz, wie etwa die Bandsäge. Der Bloch kann nach jedem Schnitt ohne großen Aufwand neu in Position gebracht und große Blochdimensionen können mühelos verarbeitet werden.

Waldbauliche Schlussfolgerungen

Rundholz kann mittels waldbaulicher Behandlung nicht ausschließlich für die eine oder die andere Verwendung erzeugt werden. Vielmehr fallen Koppelprodukte an: Die unteren Stammabschnitte werden zu hochwertigem Schnittholz für optisch anspruchsvolle Verwendung verarbeitet, die oberen Blochlängen einem anderen, minderwertigeren Zweck zugeführt. Trotz dieser Unschärfen ist waldbaulich-optimiertes Handeln mit Orientierung an einer Produktpalette unerlässlich.

Möglichkeiten der Sortimentssteuerung

Abgesehen von der Selektionsmöglichkeit bei der Aus­lesedurchforstung und Wertastung bleibt dem Forstmann die Standraumregulierung als mit Abstand wichtigstes Werkzeug  (Abbildung 2).

Abbildung 2
Abbildung 2: Standraumregulierung als waldbauliches Steuerungswerkzeug

Das Weichenstellen beginnt bereits bei der Festlegung des Pflanzverbandes (Form, Pflanzenzahl). Jedem Baum wird dabei ab Bestandesschluss ein gewisser Raum zugedacht, der seine Kronengröße während des Höhenwachstums begrenzt. Denn: Die Kronengröße steuert das BHD-Wachstum und indirekt die maximal auftretenden Aststärken.

Welcher Pflanzverband?

Die Wahl des geeigneten Pflanzverbandes ist stets ein Kompromiss zwischen Holzqualität, Kosten und Stabilität.
Die Vorgaben sind:

  • ausreichende Anzahl von Z-Bäumen bei der Erstdurchforstung,
  • genügend Konkurrenzdruck als waldbauliches Steuerungs­­werkzeug zur Gewährleistung gewünschter Astreinigung bei vermindertem BHD-Zuwachs,
  • Befahrbarkeit bei maschinellem Einsatz und
  • gute Stabilität (H/D-Wert).

Aus Erfahrungswerten und Pflanzweiteversuchen ergibt sich, dass sich Verbände mit 1500–2000 Douglasien pro Hektar sowohl für das Produktionsziel "Bau- und Konstruktionsholz" als auch für "Holz für höherwertige Verwendung" eignen.

Planung der Durchforstung

Der günstigste Zeitpunkt für die Erstdurchforstung ist bei einer Bestandeshöhe von 12-15 m. Im ersten Schritt wird die Anzahl der Z-Bäume festgelegt (Tabelle 1).

Tabelle: Kronenschirmfläche in Abhängigkeit vom BHD 
BHD (cm)
Kronendurchmesser (m)
Kronenschirmfläche (m2)
Z-Bäume je ha
50 7,6 45,5 176
60 8,6  57,5  139 
70 9,5  71  113 
80 10,4  86  94 

Wird eine Wertastung fix eingeplant (Ziel: hoher Anteil von qualitativ hochwertigem Holz), müssen die Erntebäume große Dimensionen aufweisen. In diesem Fall sollte die Anzahl der Z-Bäume 80 bis 90 Stück/ha nicht überschreiten. Die Durchforstungseingriffe haben stark zu erfolgen. Der obere Baumbereich dient in erster Linie dazu, die nötigen Stoffe für das rasche Dickenwachstum (astreine Schichten) der ersten Blochlängen zu liefen, seine Qualität ist von sekundärer Bedeutung (A/C-Bäume, Abbildung 3).

A/C-Baum Konstruktionsholz-Qualität
"A/C"-Baum  Stämme mit Konstruktionsholz-Qualität

Ist keine Wertastung vorgesehen (Ziel: Bau- und Konstruktionsholz), bedeutet dies einen geringeren Zieldurchmesser und eine größere Endbaumanzahl. Die Durchforstungseingriffev werden schwächer durchgeführt, im oberen Baumbereich kommt es zu wesentlich geringeren Aststärken, was sich positiv auf die Festigkeit des Holzes auswirkt. 

Waldbauliche Behandlung auf Produktionsziel abstimmen

(1) Pflanzung von 1500-2000 Douglasien pro Hektar.
(2) Erstdurchforstung im Normalfall bei einer Bestandshöhe von 12-15 m.
(3) Die Anzahl der Z-Bäume und die Stärke der Durchforstungseingriffe sind auf ein vorrangiges Verwertungsziel abzustimmen, entweder

(a) Bau- und Konstruktionsholz
Planung keiner zu großen Zielstärken, da auf Grund der Sägetechnik Blochdimensionen von 25 – 50 cm bevorzugt werden. Auf künstliche Astung wird verzichtet. Die Aststärke wird durch Konkurrenzdruck gedämpft. Durchforstungseingriffe werden schwächer ausgeführt.

(b) oder für optisch Anspruchsvolles im Innenausbau und in der Möbelindustrie
Planung einer Z–Baumanzahl, die 80 Stück/ha nicht überschreitet. Kostenintensive Wertastung ist ein Muss und größere Dimensionen der Erntebäume sind gefordert: optimal sind 80 cm und mehr. Diese Stärken sind beim Einschnitt kein Problem, weil andere Sägetechniken zum Einsatz kommen. Große Aststärken werden im oberen Baumabschnitt zugunsten eines höheren BHDs in Kauf genommen.

Fallbeispiele

Beispiel 1: Bei einem 15 m hohen Douglasienbestand wird nach Auswahl von 150  Z-Bäumen/ha  Wertastung durchgeführt.
Das heißt aber: Die 150 Z-Bäume können bei einer Kronengröße von 53 m² einen mittleren BHD von ca.
55 cm erreichen (siehe Tabelle 1). Auf einem Hektar  (der maximal mögliche Überschirmungsgrad wird mit  0,8 angenommen) haben nur 150 Stück Platz (8000 m²/53 m²). Die Investition „Wertastung“ ist bei dieser relativ kleinen Dimension der Bloche nicht rentabel, da die Ausbeute von astreinem Holz zu gering ist.
Empfehlung: Eine geringere Anzahl an Z-Stämmen auswählen.

Beispiel 2: Bei einem 12 m hohen Douglasienbestand werden 100 Z-Bäume ausgezeigt. Eine Wertastung unterbleibt. Die Durchforstungseingriffe werden relativ stark durchgeführt.
Das heißt aber: Aufgrund der starken Durchforstungseingriffe ergeben sich dicke Aststärken. Im Zuge der Asteinigung sterben diese ab und wachsen tief ins Holz ein. Bei einer Z-Baumanzahl von 100 Stück/ha sind grob­astig-dicke Bloche die Folge, die sich weder für optisch anspruchsvolle Sortimente noch für Bauholz gut eignen.
Empfehlung: Wird die Wertastung unterlassen, sollte man eine höhere Stammzahlhaltung planen und Durchforstungseingriffe so durchführen, dass mit Hilfe der Aststärkenbegrenzung Bauholz erzeugt werden kann.