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Artikel

Autor(en): Werner Ruhm, Hannes Schönauer
Redaktion: BFW, Österreich
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Waldbau mit Lärche: Auf die Kronenlänge kommt es an

Die Lärche als typische Pionierbaumart benötigt viel Licht: Sie ist überaus empfindlich gegen Überschirmung und seitliche Einengung der Krone. Bei der Begründung von Beständen spielt die Konkurrenz durch andere Baum­arten eine wesentliche Rolle.

Kronenlänge von Lärche
Lärche mit optimaler Kronenlänge (Foto: Schönauer)

Das natürliche Verbreitungsgebiet der Europäischen Lärche besteht aus mehreren, voneinander ge­trennten Teilarealen (Alpen, Sudeten, Tatra, Karpaten, polnisches Flach- und Hügelland), wovon das größte in den Alpen liegt.

Im natürlichen Verbreitungsgebiet Pionierbaumart

In den meisten Waldgesellschaften innerhalb ihres natürlichen Ver­breitungsgebietes in den Alpen ist die Lärche eine typische Pionier­baumart, die in der natürlichen Sukzession durch Fichte oder Zirbe ersetzt wird. Lediglich in randalpinen Dauergesellschaften außerhalb des Zirbenareals und in den künstlich entstandenen Lärchenwiesen im montanen-subalpinen Fichtenmischwaldgebiet kann die Lärche ihre Dominanz beibehalten (Baumartenportrait).

Innerhalb ihres Verbreitungsgebietes wird die Lärche überwiegend durch Naturverjüngung verjüngt, wobei dies größere Freiflächen und Mineral­boden begünstigen. Gezielte Bodenverwundung kann die An­samung entscheidend verbessern. Üppige Bodenvegetation und starke Streuauflagen führen hingegen zu Lichtkonkurrenz und ungünstigen Feuchtigkeitsbedingungen im Keimsubstrat und setzen der natürlichen Verjüngung gemeinsam mit den eher seltenen starken Mastjahren ihre Grenzen.

Die Lärche ist eine wichtige Mischbaumart zur Anreicherung und Stabilisierung fichtenreicher Bestände, wesentlich als Pionier­baumart zur Wiederbestockung von Katastrophenflächen und eine wichtige Schutzwaldbaumart an der Waldgrenze. In Lawinenschutz­wäldern sollte ein allzu hoher Lärchenanteil vermieden werden, da in lärchenreichen Beständen das Risiko von Waldlawinen höher ist als in immergrünen Beständen (Schneegleiten im Lärchenwald).

Die Lärche ist überaus empfindlich gegen Überschirmung und seitliche Einengung der Krone. Bei der Verbreitung der Lärche spielt daher die Konkurrenz durch andere Baumarten eine wesentliche Rolle.

Lärche außerhalb des natür­lichen Verbreitungsgebietes

Günstige Holzeigenschaften, das für eine Pionierbaumart typisch schnelle Wachstum in der Jugend, relativ geringe Nährstoffansprüche, hohe Widerstandsfähigkeit gegen Sturm und Schnee sowie ein grundsätzlich breites ökologisches Spektrum führten zu einer Verbreitung weit über ihre natürlichen Grenzen hinaus (Nutzung der Lärche).

Außerhalb ihres natürlichen Verbreitungsgebietes wird die Lärche zur Verbesserung der Leistungsfähigkeit von Buchen- und Eichen-Hainbuchenwäldern herangezogen. Über den Anbauerfolg entscheiden neben dem Standort die Herkunft und eine zweckmäßige waldbauliche Behandlung. Um starkes Lärchenwertholz produzieren zu können, sind Astungsmaßnahmen und vor allem konsequente Standraumregulierung unumgänglich. Eine Vernachlässigung der Freistellung führt zu kurzkronigen Individuen mit mäßigem Zuwachs und reduzierter Vitalität.

Künstliche Begründung von Lärchenbeständen

1500 – 2000 Pflanzen pro Hektar reichen bei Lärche aus, um einerseits die Entwicklung der Astdurchmesser möglichst gering zu halten und andererseits genügend Auswahlmöglichkeit bei den Z-Bäumen zu haben. Ein- oder zweijährige unverschulte Sämlinge können in Verbänden mit Abständen von 2 m – 3 m zwischen den Reihen und 2 m – 3 m in der Reihe sowohl im Herbst als auch im Frühjahr ausgebracht werden.

Die Mischungsform ist verantwortlich für den waldbaulichen Erfolg und bestimmt den benötigten Pflegeaufwand. Entmischung durch mangelnde Pflege wuchsunterlegener Mischbaumarten ist bei der Lärche ein häufig zu beobachtendes Phänomen, insbesonders unzweckmäßige Begründung kann dazu führen.

Aufgrund ihrer reduzierten Wett­bewerbsfähigkeit scheiden Einzel­mischungen aus. Gruppen- horst- oder streifenweise (drei bis fünf Reihen) Mischungsformen führen eher zu stabilen Mischbeständen, da die entstandenen Bestandeszellen aus jeweils einer Baumart bestehen, zwischenartliche Konkurrenzprobleme daher nur an den Gruppenrändern auftauchen und für die jeweilige Baumart individuell angepasste Pflegekonzepte möglich werden.

Lärchenanbau außerhalb des natürlichen Verbreitungs­gebietes

  • Lärchentrupps zur Ergänzung von Fehlstellen in Naturverjüngungen (mindestens 15m Durchmesser)
  • Gleichaltrige Mischbestände (Lärche in Gruppen, Horsten oder Streifen)
  • Lärchenreinbestände mit Nebenbestand aus Laubbäumen

Gleichaltrige Lärchenmischbestände können entweder durch Einbringung von Lärche in bereits angekommene Naturverjüngung oder durch gleichzeitige Pflanzung aller beteiligten Baumarten begründet werden. Annähernd gleiches Nutzungsalter und Vorwüchsigkeit der Lärche zumindest bis zur schwachen Baumholzphase sollten gegeben sein.

Bei gleichzeitiger Pflanzung von Lärche und einer Nebenbestandesbaumart besteht die Gefahr, dass diese später in die Kronen der Lärchen einwächst; der Unterbau einer Schattbaumart erst bei einer Oberhöhe der Lärche von 10 – 15 m kann diese Problematik entschärfen.

Lärchenreinbestände ohne Nebenbestand sollten wegen der zu er­wartenden "Bodenverwilderung" (besonders lichtdurchlässige Krone) und der schwer zersetzlichen Streu vermieden werden. Mischbestände, vor allem mit Schattbaumarten (Rotbuche, Hainbuche), wirken diesen Tendenzen entgegen. Das langsamere Jugendwachstum, hohe Schattenfestigkeit und in etwa gleiche Produktionszeiträume lassen die Rotbuche als geeignete Mischbaumart zur Lärche erscheinen.

Auf die Kronenlänge kommt es an

Als typische Vertreterin einer früh­dynamischen Baumart kulminiert sowohl der Höhenzuwachs (6 – 15 Jahre) als auch der Volumenzuwachs (25 – 35 Jahre) bei der Lärche relativ früh und verlangt daher dementsprechend frühzeitige Eingriffe sowohl bei Läuterung als auch Durchforstung.

In der Läuterungsphase (Dickung bis frühes Stangenholz) werden in erster Linie unerwünschte Be­standes­mitglieder, Lärchen mit schlechten Stammformen und kranke Individuen entnommen. Bei höherer Begründungsdichte und damit stärkerer innerartlicher Konkurrenz können auch schon in dieser Phase Z-Bäume ausgewählt und Konkurrenten entnommen werden. Zügiges Höhenwachstum und möglichst voller Lichtgenuss der Krone sind in der Dickung und im Stangenholz entscheidend. In diesen beiden Phasen sollte die Kronenlänge nicht unter 50 – 70% der Baumhöhe fallen. Im Baumholz sollte das Kronenprozent immer noch 40 – 50% be­tragen. 

Behandlungsphäsen bei Lärchenbeständen
Abbildung: Behandlungsphasen bei Lärchenbeständen, die einen hohen Wertholzanteil als Ziel haben

Zur Produktion von starkem Lärchenwertholz werden ab einer Oberhöhe von 10 -12 m im Zuge der Durchforstung  Z-Bäume ausgewählt und gefördert (Abbildung). Bei der Lärche ist von einem  Kronendurchmesser von 8 m – 10 m auszugehen, woraus sich 100 – 120 Z-Bäume/ha ergeben. Bis zu einer Oberhöhe von zirka 20 m wird intensiv durchforstet, später im Baumholzstadium mit zu­nehmendem Alter nur mehr mäßig bis schwach.

Die Erhaltung einer ausreichenden Kronenlänge über alle Alterphasen ist der Schlüssel zu einer erfolgreichen Lärchenwertholzzucht. Denn nur Bäume mit großen Kronen (bei Nadel­bäumen ist die Kronenlänge ausschlaggebend) können in einem wirtschaftlich interessanten Zeitraum dicke Stämme produzieren und starke Durchmesser wiederum sind die Voraussetzung für hohe Qualitätsstufen.

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