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Artikel

Autor(en): Robert Jandl, Silvio Schüler
Redaktion: BFW, Österreich
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Anpassung der Waldbewirtschaftung an den Klimawandel

Wie sich die Forstwirtschaft an den Klimawandel anpassen soll, ist umstritten. Einerseits ist das tatsächliche Ausmaß der uns erwartenden Umweltveränderungen schwer abzuschätzen. Andererseits wird den Wäldern aufgrund ihrer hohen Anpassungsfähigkeit an wechselnde Umweltbedingungen ein hohes Anpassungspotenzial zugetraut, sodass besonders negative Auswirkungen auf die Forstwirtschaft als wenig wahrscheinlich erachtet werden. 

Fichte im Hochgebirge (Foto: BFW / R. Jandl)
Aufgrund der erheblichen Unsicherheiten über das Ausmaß des Klimawandels können waldbauliche Anpassungsmaßnahmen nicht allein aufgrund dieser Prämisse empfohlen werden. Vielmehr ist der Klimawandel ein Anlass, die gängigen Formen der Waldbehandlung kritisch zu hinterfragen

Tatsächlich sind die klimatischen Signale derzeit noch unterschiedlich, denn die bereits spürbaren Phänomene wie heißere und trockenere Sommer und eine Häufung von Extremereignissen sind statistisch noch nicht abgesichert. Gleichzeitig geben die Serie von Rekord-Jahresdurchschnittstemperaturen, der weltweite Rückgang der Gletscher und das Abschmelzen der Polkappen auch Klimaskeptikern genug Stoff zum Nachdenken.

Will man proaktiv auf den Klimawandel reagieren, können Bewirtschaftungsszenarien für den Tag X hilfreich sein. Die waldbauliche Behandlung entscheidet darüber, ob der Wald in Zukunft die vielen Ökosystemleistungen erbringen kann oder nicht. Die waldbaulichen Empfehlungen zielen oft auf bereits bekannte Maßnahmen ab:

  • mehr Baumarten, das verteilt das Risiko,
  • Unterbau mit fehlenden Baumarten,
  • Kontrolle des Wildstandes,
  • Nutzung der genetischen Variation,
  • Erhöhung der Waldstruktur (Ungleichaltrigkeit) und
  • Verkürzung der Umtriebszeit.

Adaptive Waldbehandlung ist per se flexibel sowie undogmatisch und ermöglicht die rasche Reaktion auf neue Erkenntnisse, die von der Wissenschaft und Praktikern mitgeteilt werden (siehe Plattform klimafitter Wald). 

Die Beurteilung des Klimawandels aus der Perspektive der Anpassungsfähigkeit von einzelnen Baumarten greift zu kurz. Auch der Druck von Schadinsekten, die Interaktion zwischen Baumarten, die Änderung des Anspruches der Gesellschaft an die Wälder und die Rolle der Wälder bei der Entwicklung des ländlichen Raumes ist zu beachten. Trotz des dichten Informationsflusses müssen Waldbewirtschafter ihre Entscheidung aufgrund unsicherer Szenarien machen und sollen die geforderten Funktionen des Waldes optimal ermöglichen.

Höhere Anzahl an Baumarten

Die Erhöhung der Baumartenanzahl zielt auf die Steigerung der Resilienz bei Störungseinflüssen ab. (Der Begriff Resilienz bezeichnet die Fähigkeit eines Ökosystems, angesichts von ökologischen Störungen seine grundlegende Organisationsweise zu erhalten anstatt in einen qualitativ anderen Systemzustand überzugehen.) Erforderlich ist die gezielte Förderung von möglicherweise konkurrenzschwachen Baumarten, die in einem wärmeren und trockeneren Klima voraussichtlich erfolgreich sein können. Mangels klarer Richtlinien ist Intuition gefragt.

Auf manchen Standortstypen ist die Einführung fremdländischer Baumarten sinnvoll. Die Debatte darüber wird oft emotional geführt. Entscheidend für die Waldbehandlung ist es, sich den notwendigen Spielraum nicht durch selbsterwählte Dogmen einzuengen. Immerhin werden bei einem starken Klimawandel die Standortsbedingungen so weit verändert, dass die Leitlinie der potentiellen natürlichen Vegetation bedeutungslos werden kann. Leider wird vielerorts die Zeit nicht ausreichen, die viel versprechenden neuen Baumarten auch eingehend zu testen. Wieder ist eine intensive waldbauliche Debatte sinnvoll, um schwerwiegende Fehler zu vermeiden.

Die bisher erfolgreiche Strategie der Favorisierung von Fichte auf einem weiten Bereich von Standortstypen ist vermutlich langfristig nicht erfolgreich, da Windwürfe, Schädlingsdruck und trockenheitsbedingte Produktivitätseinbussen wenig attraktiv sind.

Auf die Herkunft achten

Die adaptive genetische Variation der Baumarten ist in der Realität nicht voll ausgeschöpft. Insbesondere Herkünfte aus anderen Teilen des Verbreitungsgebietes unserer Baumarten und für künftige Klimabedingungen gut angepasste Herkünfte sollten verstärkt berücksichtigt werden. Die wissenschaftliche Grundlage für gezielte Empfehlungen wird stetig verbreitert. Der nächste Schritt ist die Bereitstellung von entsprechendem Saatgut.

Kürzere Umtriebszeit

Die Option der Verkürzung der Umtriebszeit ist aus verschiedenen Gründen attraktiv. Einerseits kann der Erhöhung der Produktivität der Wälder durch Stickstoffeinträge, einer besseren Genetik und geänderten Marktsituationen Rechnung getragen werden. Die eventuell erforderliche vorzeitige Nutzung von besonders gefährdeten Wäldern ist aber wirtschaftlich nicht darstellbar oder mit den Bestimmungen des Forstgesetzes nicht vereinbar.

Gängige Formen der Waldbehandlung überdenken

Aufgrund der erheblichen Unsicherheiten über das Ausmaß des Klimawandels können waldbauliche Anpassungsmaßnahmen nicht allein aufgrund dieser Prämisse empfohlen werden. Vielmehr ist der Klimawandel ein Anlass, die gängigen Formen der Waldbehandlung kritisch zu hinterfragen und einen engagierten Austausch zwischen Praktikern und Wissenschaftlern herbei zu führen. Dabei werden auch vertraute ungelöste Probleme wie etwa die Wald-Wild-Frage neu zu diskutieren sein, da selbst die kreativsten Formen der Waldbehandlung verpuffen, wenn die erreichten Ziele durch überhöhte Wildstände zunichte gemacht werden.

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