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Dr. Rüdiger Unseld

Dr. Rüdiger Unseld

Waldbau-Institut der Universität Freiburg

Tennenbacherstr. 4
79085 Freiburg im Breisgau

Tel. 0761/203-8630
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Artikel

Autor(en): R. Unseld, M. Wenzel, Th. Weich, H. Stark, A. Weinreich, J. Bauhus
Redaktion: FVA, Deutschland
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Vorwald – Biomasse für Energie und Industrie

Der Anteil an Bioenergie am Primärenergieverbrauch soll in Deutschland in den kommenden Jahren deutlich zunehmen. Eine wichtige Rolle spielt dabei die Holznutzung aus nachhaltiger Forstwirtschaft. Doch der Wettbewerb um das Schwachholz nimmt zu, denn Holzheizkraftwerke, Brennholzabnehmer sowie die Industrie konkurrieren um deren Verwertung, weshalb es schon länger Versorgungsengpässe auf dem Schwachholzmarkt gibt.

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Stürme und die angefallenen Sturmholzmengen in Deutschland zwischen 1965-2010
Abb. 1: Stürme und die angefallenen Sturmholzmengen in Deutschland zwischen 1965-2010.

In vielen Bundesländern versucht man deshalb die Versorgungsengpässe dadurch abzumindern, indem auf landwirtschaftlichen Flächen verstärkt Kurzumtriebsplantagen angelegt werden sollen. Die Realität zeigt jedoch etwas anderes: Im Vergleich zur Anbaufläche anderer Energiepflanzen (hauptsächlich Raps und Mais), die bundesweit ca. 1,7 Mio. ha beträgt, werden Kurzumtriebsplantagen nur auf ca. 4.000 ha (Stand 2011) angebaut. Die Zahlen verdeutlichen, dass es sinnvoll erscheint, für die Kultivierung von schnellwachsenden Baumarten, die in der Regel eine sehr effiziente und umweltschonende Methode zur Erzeugung von Biomasse darstellt, nach anderen Landnutzungsformen zu suchen.

So liegt es nahe, dass neben intensiver Durchforstungen und verstärkter Verwendung von Waldrestholz der gezielte Anbau von Vorwäldern dazu beitragen kann, das Holzaufkommen mittelfristig zu erhöhen. Diese Vorwälder stellen gleichzeitig eine Möglichkeit dar, um Waldfunktionen nach katastrophalen Ökosystemstörungen, wie sie in aller Regelmäßigkeit auch in Deutschland vorkommen, schnell wieder herzustellen.

2-jährige Pappelhybriden als Vorwald am Saum einer Umbaufläche Fichte zu Eiche
Abb. 2: 2-jährige Pappelhybriden als Vorwald am Saum einer Umbaufläche Fichte zu Eiche.
 
Birkensaatfläche bei Schwäbisch Hall
Abb. 3: Birkensaatfläche bei Schwäbisch Hall. (Fotos: Unseld)

Gezielt angebaute Vorwälder werden mit möglichst schnell wachsenden Baumarten wie beispielsweise Pappeln inkl. Aspen, Erlen oder Birken begründet. Vorwälder sind Zeitmischungen im Hochwald und somit in ihrer Bewirtschaftungsweise klar von Kurzumtriebsplantagen zu trennen, die in kurzumtriebiger Stockausschlagswirtschaft auf landwirtschaftlichen Flächen als Monokultur betrieben werden. Ein wichtiges Ziel des Energie-Vorwaldes ist der Aufbau eines vitalen Folgebestandes z. B. aus Buche, Eiche, Tanne, Fichte oder Douglasie, der nach Räumung des Vorwaldes mit den gängigen Bewirtschaftungsstrategien weiter behandelt wird.

Die Flächenverfügbarkeit für dieses System ist an die Entstehung von Freiflächen im Wald geknüpft. Obwohl Waldbesitzer in aller Regel größere Kultur- und Kahlflächen im Sinne einer naturnahen Waldwirtschaft vermeiden, so gibt es diese Situation doch regelmäßig und auf größerer Fläche:

  • Nach Sturmwurf, Schneebruch und Insektenkalamitäten
  • Durch den geplanten Umbau instabiler, nicht standortsgerechter Bestände zu stabilen Waldbeständen (z. B. Fichte auf grundwasserbeeinflussten oder zu trockenen Standorten)
  • In der Fichtenwirtschaft auf Hochleitungsstandorten mit kurzer Umtriebszeit (60–70 Jahren) und Verjüngung am Saum (Abb. 2).

Das Konzept und die Vorteile eines Vorwaldes sind seit längerem bekannt In der Regel erfolgte eine Vorwaldentstehung spontan und ohne räumliche Ordnung. Ausnahmen bilden z. B. in Süddeutschland der dort etablierte Anbau von Schwarzerlen zwischen Tannen oder Fichten. Durch die Veränderungen auf dem Brennholzmarkt ergeben sich jetzt auch für Vorwälder völlig neue Rahmenbedingungen, die in früheren Vorwaldkonzepten noch keine Bedeutung hatten:

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Beispiel für die Wuchsdynamik bei Kombination schnellwachsender Pappel-Vorwälder und Fichte. Es entsteht ein zweischichtiger, vertikal strukturierter Mischbestand. Im Alter 20 können bei Pappel ca. 150 m³ genutzt werden
Abb. 4: Beispiel für die Wuchsdynamik bei Kombination schnellwachsender Pappel-Vorwälder und Fichte.
  • Durch die gestiegene Nachfrage nach Brennholz besteht erstmals ein Markt für schwache Sortimente der Vorwaldbaumarten. Wuchsform und spezifische Holzeigenschaften spielen nur noch eine untergeordnete eine Rolle.
  • Die neuen Erntetechniken mit Sammelaggregaten erlauben eine kosteneffiziente und schonende Ernte. In den kommenden Jahren ist hier mit weiteren Innovationen zu rechnen.

Diese wichtigen Aspekte machen es möglich, Vorwälder gezielt hinsichtlich Produkt und ökologischer Wirkung zu planen. Ziel der Untersuchungen zu Vorwäldern als Biomassenlieferant ist es, umweltverträgliche und nachhaltige Waldbausysteme zu entwickeln, die an die spezifischen ökologischen und betrieblichen Anforderungen angepasst sind. Die Planungszeiträume sind mit 10–25 Jahren überschaubar und die Holznachfrage und somit auch die in der Vergangenheit fehlende Attraktivität zur Nutzung des Vorwaldes hoch.

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