Suche

    
Suche nur in dieser Rubrik

Erweiterte Suche

Die waldwissen.net-App!

App Waldwissen

Waldwissen Newsletter

Unser Newsletter informiert Sie vier, fünf Mal jährlich per E-Mail über spezielle Beiträge und Waldwissen-Aktivitäten. Ihre E-Mail-Adresse wird lediglich zum Zweck der Zustellung des Newsletters verwendet und nicht an Dritte weitergegeben. Sie können sich jederzeit aus dem Newsletter heraus abmelden oder Ihre Einwilligung per E-Mail an uns widerrufen. Bitte beachten Sie unsere Datenschutzhinweise.

Ihr E-Mail*

Artikel

Autor(en): Hansheinrich Bachofen, Andreas Zingg
Redaktion: WSL, Schweiz
Kommentare: Artikel hat 0 Kommentare
Bewertung: Zu Favoriten Druckansicht 60.3360.3360.3360.3360.33 (54)

Lassen sich gleichförmige Fichtenbestände in stabile Gebirgsplenterwälder überführen?

In den Schweizer Alpen gibt es viele gleichförmige Fichtenbestände, die gegenüber Naturgefahren mittelfristig wenig stabil sind. Inwiefern lassen sich diese Fichtenbestände in ungleichförmige Gebirgsplenterwälder uberführen?

gleichförmiger Bestand
Abb. 1 - Gleichförmiger Gebirgswald auf der Versuchsfläche Siat.
Foto: Hansheinrich Bachofen (WSL)
 

Bei einem grossen Teil der Schutzwälder in den Alpen handelt es sich um Fichten-Tannen-Wälder, subalpine Fichtenwälder und im inneralpinen Bereich um Wälder mit Lärche und Arve. Nach heutigen Vorstellungen bieten Schutzwälder mit folgenden Eigenschaften am ehesten Widerstand gegen Sturm und Schneedruck:

  • vertikal und horizontal ungleichförmig
  • ungleichaltrig
  • in so genannten Rotten, d.h. mit gruppenweise angeordneten Bäumen, strukturiert
  • gut verteilte, lebensfähige Verjüngung

Solche Wälder sollten damit die an sie gestellten Ansprüche bezüglich Schutzwirkung permanent erfüllen können. Denn gut strukturierte Bestände mit einem breiten Durchmesserspektrum bieten nach heutigen Erkenntnissen langfristig auch den besten Steinschlagschutz.

Heute gibt es viele gleichförmige Bestände

In den Schweizer Alpen gibt es viele Fichtenbestände, die aus Kostengründen seit langem nicht mehr bewirtschaftet wurden. An Hängen, die früher durch Rodung, Kahlschlag, Waldbrand oder Sturmereignisse zeitweise baumlos wurden, stehen heute gleichförmige Fichtenbestände. An anderen Standorten führte eine früher intensiv betriebene und dann später aufgegebene Waldweide zu überdichten, ebenfalls homogenen Beständen. Wenn diese Bestände weiterhin ohne Durchforstungen sich selbst überlassen werden, dürfte sich ihre Struktur an gewissen Standorten verschlechtern (höhere Schlankheitsgrade, kürzere Kronen usw.) und die Widerstandskraft gegen Stürme und Schneelast zurückgehen.

Ziel: Gebirgsplenterwald

ungleichförmiger Bestand
Abb. 2 - Heterogener Gebirgswald mit verschiedenen Altersstufen.
Foto: Thomas Reich (WSL)
 

Waldbauliche Massnahmen zielen deshalb darauf ab, solche Bestände allmählich, je nach dem Anfangszustand über einen mittleren (20 bis 50 Jahre) bis längeren Zeitraum (50 bis 150 Jahre), durch mehrere Eingriffe in ungleichförmige "Gebirgsplenterwälder" zu überführen. Dieses Vorgehen ist vom Konzept her klar, jedoch praktisch noch wenig erprobt. Es stellt sich daher die Frage, ob es tatsächlich möglich ist, dicht stehende Fichtenbestände mit regelmässig verteilten, kurzkronigen Bäumen anhand von Durchforstungen so zu verändern, dass sie sich der Zielvorstellung "Gebirgsplenterwald" annähern.

Langfristige Beobachtungsflächen

Ein Projekt der Eidg. Forschungsanstalt WSL soll dokumentieren und untersuchen, wie sich gezielte Eingriffe in "Problembeständen" auf bestimmten Standorten langfristig auswirken. Zwischen 1993 und 1998 haben die Forscher in Zusammenarbeit mit den lokalen Forstdiensten vier neue Langfrist-Beobachtungsflächen in gleichförmigen, dichten Fichtenbeständen in den Schweizer und Liechtensteiner Alpen angelegt. Die Flächen befinden sich in Plasselb (FR), Triesenberg (FL), Elm (GL) und Siat (GR) und liegen zwischen 1360 und 1620 Metern über Meer. Jede dieser Flächen beinhaltet eine benachbarte Kontrollfläche, auf der keine Eingriffe stattfinden. Die Langzeitbeobachtungen sollen Antworten auf folgende Fragen liefern:

  • Wie verändern sich verschiedene Strukturparameter der Bestände durch die Durchforstung?
  • Entwickeln sich die behandelten Flächen in die gewünschte Richtung, stellt sich Verjüngung ein, und entwickeln sie sich wirklich günstiger als benachbarte Bestände, auf denen keine Eingriffe stattfinden?
  • Gelingt es, die Bestände schrittweise in stabilere, mosaikartig zusammengesetze Gebirgsplenterwälder zu überführen?

Bisherige Erkenntnisse

Die ersten Resultate zeigten, dass von den untersuchten Parametern die räumliche Verteilung der Bäume (Aggregationsindex RC&E), die Bestandesdichte (Stand Density Index SDI) und der Schlankheitsgrad (h/d-Wert) am empfindlichsten auf die Eingriffe reagieren. Sie scheinen gute Indikatoren für die Wirkung der gewählten Behandlung zu sein. Grund dafür ist, dass diese Parameter direkt durch die Änderung der Stammzahl und die räumliche Verteilung der entfernten Bäume beeinflusst werden. Die Kronenlänge und der sogenannte Homogenitäts-Koeffizient reagieren weniger stark und sind damit auch weniger gut geeignet, kurzfristige Behandlungseffekte zu zeigen.

Aufgrund der ersten Ergebnisse kann man schliessen, dass es möglich ist, ausgehend von unterschiedlichen Zuständen die Bestandesstrukturen in Richtung eines ungleichaltrigen, ungleichförmigen Gebirgsplenterwaldes zu beeinflussen. Die langfristige Wirkung dieser Veränderungen lässt sich hingegen erst nach den Folgeaufnahmen beurteilen.

Download

Mehr auf waldwissen.net