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Artikel

Autor(en): Kurt Nicolussi, Gernot Patzelt
Redaktion: BFW, Österreich
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Klimawandel und Veränderungen an der alpinen Waldgrenze

Zirbe an der Waldgrenze
Die Zirbe dominiert den Waldgrenzbereich der zentralen Ostalpen

Die alpine Waldgrenze ist eine klima-sensitive Grenzzone. Nimmt die Temperatur während der Vegetationszeit langfristig zu, wird die Waldgrenze ansteigen und der Bestand im Grenzbereich sich verdichten. Temperaturrückgänge werden hingegen zur Auflichtung der Waldgrenzwälder und zu einem Absinken der Baumgrenze führen.

Inwieweit reagieren nun die Waldgrenzbestände auf die veränderten klimatischen Bedingungen und wie schnell geht das? Zu dieser Frage führten Mitarbeiter des Institutes für Geographie der Uni Innsbruck Jahrringanalysen (Dendrochronologie) in den Tiroler Zentralalpen durch, wo Zirbenbestände die Waldgrenze und Kampfzone dominieren. Die Studien zeigen ein Ansteigen der Verbreitungsgrenze von erwachsenen Bäumen und Jungwuchs während der letzten 150 Jahre (Abbildung 1).

Abbildung 1: Baum- und Waldgrenze im Kaunertal
Abbildung 1: Mitte des 19. Jahrhunderts lag die Baum- und Waldgrenze im Kaunertal (Tiroler Zentralalpen) in 2180 m Seehöhe, inzwischen findet sich Jungwuchs von Zirbe bis in Höhen um 2370 m

Baum- und Waldgrenze steigt an

Der Anstieg der Baumgrenze bzw. das Aufkommen der heute im Waldgrenzbereich wachsenden Zirben und Lärchen seit der Mitte des 19. Jahrhunderts erfolgte jedoch nicht kontinuierlich. Ein erstes starkes Anwachsen von Jungwuchs lässt sich ab etwa 1860 und damit synchron zu einer Gletscherabschmelzphase nach einem Hochstand um 1855 feststellen. 

Gerade die letzten 25 Jahre sind in den Tiroler Zentralalpen von einer starken Verjüngung auch über der bereits etablierten Baumgrenze geprägt. Speziell der Zirbenjungwuchs reagiert unmittelbar auf die verbesserten Klimabedingungen. Unter der Voraussetzung, dass die gegenwärtigen Temperaturverhältnisse andauern, wird sich in den Zentralalpen eine neue Baum- bzw. Waldgrenze rund 100 bis 150 Höhenmeter über jener zur Mitte des 19. Jahrhunderts einstellen.

Ungewöhnliche Klimaverhältnisse?

Sind die gegenwärtigen Verhältnisse und Veränderungen etwas Besonderes oder gab es Vergleichbares schon früher? Für die Bewertung und Einordnung der gegenwärtigen Verhältnisse sollten jedoch nicht nur die letzten Jahrhunderte (die gut dokumentiert sind), sondern die gesamte Nacheiszeit, d.h. die letzten etwa 11.000 Jahre, herangezogen werden.

Abbildung 2: Höhenmäßige und zeitliche Verteilung von subfossilen Holzproben (Kaunertal)
Abbildung 2: Für den Zeitraum 7000 - 2000 v. Chr. konnten Baum- und Waldgrenze dendrochronologisch nachgewiesen werden. Sie liegen im oder über dem gegenwärtigem potenziellen Niveau

Zur Entwicklung der Waldgrenze in der Nacheiszeit gibt es neue Ergebnisse aus dendrochronologischen Analysen von Baumresten, die teilweise vor Jahrtausenden gewachsen sind. Gefunden wurden diese im zentralen Ostalpenraum an Stellen, die im Höhenbereich der heutigen potenziellen Baumgrenze und darüber liegen. Es konnte ein zeitlich präzises und gut abgesichertes Bild der Veränderungen der Baumgrenze über die Jahrtausende erstellt werden (Abbildung 2). Nachweisbar ist vor allem für die mittlere Nacheiszeit (von 9000 bis 4000 Jahren vor heute) eine Baumgrenze, die durchwegs über der momentanen potenziellen Höhe lag. Im Kaunertal wuchs beispielsweise zwischen 4674 und 4377 v. Chr. ein Baum auf 2400 m Seehöhe. In dieser Höhe ist dort heute kein Baumwachstum möglich.

Gegenwärtiges Temperaturniveau liegt gering über nacheiszeitlichem Mittelwert

Auch der Vergleich der Entwicklung der alpinen Waldgrenze mit den Gletscherschwankungen in den letzten 11.000 Jahren bestätigt das Bild einer überwiegend klimatisch günstigen frühen und mittleren Nacheiszeit. Die heutigen mittleren Temperaturverhältnisse haben dabei noch nicht die mittelfristigen Maxima dieses Zeitraumes erreicht, auch wenn das gegenwärtige Niveau deutlich über dem Mittel des vergangenen Jahrtausends liegt.

Kontakt

  • Kurt Nicolussi, Gernot Patzelt,
    Institut für Geographie, Universität Innsbruck,
    Innrain 52, 6020 Innsbruck