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Artikel

Autor(en): Andreas Schwyzer, Markus Keller
Redaktion: WSL, Schweiz
Kommentare: Artikel hat 0 Kommentare
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Schäden im Schweizer Wald

Schäden sind wichtige Indikatoren für die nachhaltige Entwicklung des Waldes. Deswegen erfasst das Schweizerische Landes­forstinventar seit 1983 Schäden an einzelnen Bäumen und im Jungwald. Auch Spuren von Beweidung sowie Über­belastungen und Störungen werden erhoben. Seit 2004 sammeln die Feldequipen auch Daten zu Flächen- und Bodenschäden im Waldareal.

Flächenschäden durch Wind, Insekten und Lawinen

Sturm- und Borkenkäferschaden
Abb. 1 - Von Sturm und Borkenkäfer verursachte Schadenfläche im Wägital (SZ).
Foto: Paul Rienth

Ein Flächenschaden wird im Schweizerischen Landesforstinventar (LFI) immer dann erfasst, wenn mindestens 10% einer Interpretationsfläche (50 × 50 m) in den letzten zehn Jahren durch ein Scha­denereignis stark geschädigt wurde und die betroffenen Bäume und Sträucher wegen des Schadenereignisses abgestor­ben sind oder mit grosser Wahrschein­lichkeit in Kürze absterben werden.

Im LFI3 wurden Flächenschäden auf knapp 13% aller Interpretationsflächen – also auf jeder achten – beobachtet. In den meisten Fällen war nur ein Teil der Interpretationsfläche betroffen, so dass die effektiv geschädigte Waldfläche ge­schätzte 48'950 ha beträgt (Tabelle 1). Das entspricht etwa 4% der zugänglichen Waldfläche (ohne Gebüschwald) der Schweiz oder etwa der Fläche des Kantons Obwalden. Am stärksten getroffen wurden die Regionen Voralpen (17'700 ha), Mittelland (16'200 ha) und Alpen (10'600 ha).

Die mit Abstand wichtigsten Ursachen von Flächenschäden waren Wind und extreme Stürme wie der Orkan "Lothar" im Dezember 1999 (Abb. 2). Diese Schä­den machen 63% (rund 30'700 ha) aller Flächenschäden in der Schweiz aus. An zweiter Stelle folgen mit 24% (rund 11'700 ha) Insektenschäden. Die restlichen 13% (rund 6600 ha) Flächenschäden sind auf Lawinen, Rutschungen, Schneelast, Feuer und übrige Ursachen zurückzuführen.

Wind ist die deutlich wichtigste Schadenursache in den Regionen Jura, Mittelland, Voralpen und Alpen. An zwei­ter Stelle folgen die Insektenschäden. In den Alpen sind von Lawinen verursachte Schäden fast ebenso häufig wie Insekten­schäden. Rutschungen hingegen kom­men hauptsächlich in den Alpen und den Voralpen vor, verursachen aber auch im Mittelland und auf der Alpensüdseite Flächenschäden. Schäden durch Schnee­last sind in allen Regionen zu finden, allerdings auf tiefem Niveau. Auf der Alpensüdseite ist Feuer die wichtigste Schadenursache, kommt aber mit Aus­nahme der Alpen sonst in keiner Region vor. Nur gerade in den Alpen und auf der Alpensüdseite konnte das LFI sämtliche in Frage kommenden Ursachen für Flächen­schäden beobachten.

 
Flächenschäden im Schweizer Wald
Abb. 2 - Flächenschäden im Schweizer Wald.
Auf die Karte klicken, um sie zu vergrössern.

 

Stabile Bestände mit weniger Flächenschäden

Flächenschäden können grundsätzlich auf dem ganzen Waldareal vorkommen. Bestände, die im LFI2 als stabil einge­schätzt wurden, sind gemäss LFI3 aber erwartungsgemäss deutlich weniger von Flächenschäden betroffen worden (etwa 2% der Waldfläche) als Bestände mit damals verminderter Stabilität (etwa 4% der Waldfläche). Daraus folgt: Mit stabilitätsfördernden Massnahmen lässt sich die Wahrscheinlichkeit eines Flächenscha­dens reduzierten und der Anteil der Zwangs­nutzungen verringern.

Im Vergleich zum LFI2 hat der Anteil stabiler Bestände im Mittel über das ganze Land zugenommen, von 48% der Waldfläche auf 60%. Diese Zunahme ist zum Teil auf die Bewirtschaftung und zum Teil auf den durch die Stürme und den anschliessenden Insektenbefall er­zwungenen Generationenwechsel in den Beständen zurückzuführen.

Durch Fahrzeuge verursachte Bodenschäden

Bodenschaden
Fahrspur
Abb. 3 - Bodenschaden im Mittelland
Fotos: Simon Speich, Ueli Wasem (beide WSL)

Im Rahmen des LFI3 erfassten die Feldequipen zum ersten Mal Bodenschäden im Wald. Meistens handelt es sich dabei um Spuren von Fahrzeugen, die bei der Holzernte entstanden sind. Auf dem Waldboden hinterlässt praktisch jedes Fahrzeug Spuren. Besonders tief­greifende Störungen des Waldbodens entstehen, wenn schwere Fahrzeuge zum falschen Zeitpunkt auf vernässten oder lehmigen Böden eingesetzt werden. Dezimetertiefe Rad­spuren können zurückbleiben, in denen die Struktur des Ober­bodens zerstört, der Boden verdichtet und das Wurzelwerk der benachbarten Bäume verletzt ist.

Massgebend für die Intensität der Schädigung sind die Spurtiefe und der Zustand der organischen Auflagehori­zonte. Ein star­ker Schaden liegt vor, wenn die Fahrspur auf der gesamten erfassten Spurlänge mindestens 10 cm tief ist und das Fahr­zeug die organischen Auflagehorizonte (L, F, H) völlig durchwühlt hat. Dann ist das für die Wasserversorgung der Pflanzen wichtige Porensystem im Boden massiv und für lange Zeit gestört. Im LFI wurde auch erfasst, ob sich die Fahrspur auf einer Rückegasse oder auf einem Maschinenweg befindet. Für drei Viertel der Fahrspuren trifft dies zu. Dar­aus lässt sich schlossen, dass die beim Bundesamt für Umwelt BAFU in Ausarbeitung stehenden "Grundanforderungen für den naturnahen Waldbau" zu einem guten Teil er­füllt werden. Sie sehen vor, dass bei der Holzernte der Waldboden nicht flächig, sondern möglichst nur auf Waldwegen und Rückegassen zu befahren sei.

13'300 ha Waldfläche mit Boden­schäden

Holzerntefahrzeuge eignen sich nicht für jedes Gelände und kommen haupt­sächlich im Mittelland, im Jura und in den Voralpen zum Einsatz. In den Alpen und auf der Alpensüdseite werden sie selten eingesetzt. Gemäss der im LFI integrier­ten Umfrage beim Forstdienst können oder könnten Holzerntefahrzeuge 58% des zugänglichen Waldes ohne Gebüsch­wald befahren. Anders ausgedrückt: Gut zwei Fünftel des Schweizer Waldes wer­den nicht mit Holzerntefahrzeugen be­fahren.

Betrachtet man nur die befahrbare Waldfläche (ohne Gebüschwald) in der Schweiz, so sind auf 12% der LFI-Probe­flächen Fahrspuren vorhanden. Da die Spuren nicht die ganze Probefläche, son­dern nur einen Teil davon abdecken, er­gibt sich für den befahrbaren Wald ein geschätzter Flächenanteil von 2%, der durch Fahrspuren geschädigt ist. Insge­samt sind dies für die Schweiz 13 300 ha (Tabelle 2). Im Mittelland ist der Anteil der betroffenen Waldfläche mit fast 4% am höchsten. Etwa zwei Drittel der Fahrspuren im Mittelland sind schwach sicht­bar oder gehören zum Bodenschadentyp "leicht gestört" (= Spurtyp 1). Jede zwölfte Fahrspur wird als starker Bodenschaden klassifiziert (= Spurtyp 3). Im Jura ist es jede neunte und in den Voralpen sogar jede vierte Spur. In den Haupteinsatzgebieten Mittel­land, Jura und Voralpen kommen Fahr­spuren am häufigsten vor.

Leichte Abnahme der Stammschäden

Geschätzte 8% aller Bäume im Schwei­zer Wald (Kluppschwelle 12 cm) sind tot, 8% sind schwer geschädigt und 13% weisen leichte Stammschäden auf. Fast drei Viertel (71%) aller Bäume sind also schadenfrei (Abb. 4). Bei den Baumschäden sind flächige Rindenverletzun­gen am Stamm und am Wurzelanlauf bei weitem am häufigsten. 13% aller Bäume haben eine solche Verletzung. Damit hat der Anteil dieser Schadenskategorie seit dem LFI2 um einen Prozentpunkt abge­nommen.

 
Baumschäden nach Schadentyp
Abb. 4 - Baumschäden nach Schadentyp in Prozenten der Gesamtstammzahl.
Auswertungseinheit: zugänglicher Wald ohne Gebüschwald.
Diagramm anklicken zum vergrössern.

 
Baumkrebs
Abb. 5 - Stammkrebs an Weisstanne.
Foto: Thomas Reich (WSL)

Während im Mittelland und im Jura wegen der Holzerei und anderer Aktivitä­ten in erster Linie der Mensch für die Schäden verantwortlich ist, gehen diese in den Alpen und auf der Alpensüdseite vorwiegend auf das Konto von Stein­schlag und ähnlichen Naturereignissen. Im Vergleich zum LFI2 hat sich der Anteil der Holzerei als Ursache für Baumschä­den halbiert und ist von 4% auf 2% im LFI3 zurückgegangen. Auch die Stamm­schäden, die durch Freizeitaktivitäten ver­ursacht werden, sind seltener geworden, obwohl die Erholungsnutzung im Wald intensiver geworden ist.

Harzfluss wird gesamtschweizerisch an 5% aller Bäume beobachtet, in der Region Alpen sogar an 7%. Dort häufen sich die Ereignisse, die Bäume verletzen können, und dort ist auch die Fichte, die eher zum Harzfluss neigt, am häufigsten. Die aussergewöhn­liche Vermehrung der Borkenkäfer nach den Sturmschäden liess die Zahl der Bäume mit Harzfluss ebenfalls ansteigen. Andere Schäden haben eine vergleichs­weise geringe Bedeutung.

Starke Zunahme der toten Bäume

Im Extremfall sterben geschädigte Bäume ab. Die Zunahme der Anzahl toter Bäume seit dem LFI2 (von 6% auf 8%) darf nicht als generelle Verschlechterung des allgemeinen Gesundheitszustandes des Schweizer Waldes interpretiert wer­den und dürfte mit grösster Wahrschein­lichkeit auf den Orkan "Lothar" und die Folgen des Trockenjahres 2003 zurückzuführen sein. Beide Ereignisse haben zu einem – wahrscheinlich vorübergehend – erhöhten Anteil toter Bäume in den Regionen Voralpen (von 5% auf 9%) und im Mittelland (von 3% auf 4%) geführt. Der Anteil der toten Bäume wäre noch viel höher, wenn nicht 65% der Wind­wurfflächen vollständig und 20% teil­weise geräumt worden wären. Insgesamt sind 13% der Probeflächen von Flächen­schäden betroffen und auf diesen Flä­chen konzentriert befinden sich etwa 30% des gesamten liegenden und ste­henden Totholzes in der Schweiz.

Dieser Beitrag ist Teil einer Serie über die Ergebnisse des dritten Landesforstinventars LFI3.
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Wenn Sie sich näher für das Schweizerische  Landesforstinventar interessieren, finden Sie auf der folgenden Website zusätzliche Informationen: www.lfi.ch

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