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Originalartikel: Queloz, V.; Forster, B.; Beenken, L.; Stroheker, S.; Odermatt, O.; Hölling, D.; Klesse, S.; Vögtli, I.; treenet.info; Dubach, V. (2020): Waldschutzüberblick 2019. WSL Ber. 89: 40 S.
Autor(en): Valentin Queloz et al.
Online-Version: verändert, Stand: 01.07.2020
Redaktion: WSL, CH

Waldschutz-Überblick 2019

Fachleute der Forschungsanstalt WSL veröffentlichen jährlich den Waldschutz-Überblick, eine Zusammenfassung der aktuellen Gefährdungen des Waldes in der Schweiz.

Ein Jahr nach dem extrem heissen und trockenen Sommer 2018 hatte sich die Situation nicht wirklich beruhigt. Zahlreiche Bäume haben unter der Trockenheit gelitten. Gestresste und frisch abgestorbene Nadelbäume wurden vor allem von Borkenkäfern und vom Hallimasch besiedelt.

   
Buchdrucker (Ips typographus).  
Abb. 1 - Der Zwangsnutzungen infolge Buchdrucker (Ips typographus) haben 2019 den höchsten Stand seit 2003 ereicht. Foto: Waldschutz Schweiz (WSL)
 
   

Borkenkäfer in Massenvermehrung

Der Befall durch den Buchdrucker (Ips typographus, Abb. 1) hat 2019 stark zugenommen. Dies war insbesondere in den tieferen Lagen des Schweizer Mittellandes der Fall, welche 2018 besonders stark unter der Trockenheit litten. Aber auch in den zentralen Voralpen, wo es zuvor relativ ruhig war, ist der Befall 2019 regelrecht explodiert. Insgesamt muss in der Schweiz für 2019 mit 1'400'000 m3 befallenem Fichtenholz gerechnet werden, dem zweithöchsten je registrierten Befall (Abb. 2). Dieser Wert setzt sich aus 914'000 m3 gemeldeten Sommerzwangsnutzungen 2019 und den Schätzungen für die vergangene Winterperiode zusammen. Mit eingeschlossen ist eine ebenfalls geschätzte Viertelmillion m3 von im Wald stehengelassenem Käferholz. Nur im Rekordsommer 2003 war der Befall mit über 2 Mio. m3 noch höher. Regional wurden über 2 % des Fichtenvorrates befallen.

Sollte sich die Witterung im Jahr 2020 wieder einigermassen normalisieren, dürfte der Höhepunkt der Massenvermehrung erreicht sein. 2020 muss man aber noch mit einem sehr grossen Anfall an Käferholz rechnen.

   
Käferholz und Anzahl der Befallsherde durch den Buchdrucker in der Schweiz  
Abb. 2 - Käferholz und Anzahl der Befallsherde durch den Buchdrucker in der Schweiz von 1998 bis 2019.
 
   

Diverse Symptome auf Laubbäumen

Bei Laubbäumen, vor allem bei der Buche, waren die beobachteten Symptome vielfältig (Abb. 3). Eine Gemeinsamkeit gestresster Laubbäume aber waren Schleimflusssymptome am Stamm.

Die Sommerdürre 2018 erzeugte eine bis dato unbekannt grosse Buchenmortalität. Es war eine der schwersten Dürreperioden auf der Alpennordseite seit Beginn der systematischen Wetteraufzeichnungen. Ein Absterben ganzer Buchenbestände, wie es nun an verschiedenen Orten beobachtet wurde, hat es in der Schweiz wohl noch nicht gegeben.

Bei der Buche und anderen Laubbaumarten setzte in den trockensten Regionen eine verfrühte Blattalterung ein, die zum Laubfall im Sommer, und einer aussergewöhnlichen Mortalität führte. 2019 war das Ausmass der Dürreschäden insbesondere in den Kantonen Jura, Solothurn, Basel-Landschaft  und Schaffhausen deutlich sichtbar. Bei Buchen wurde eine Mortalität von teilweise 50 bis 80 % (Jura) verzeichnet. Bisher wurde die Buche als ziemlich klimaresistent betrachtet. Die nun beobachteten Auswirkungen der Dürre 2018 stellen dies jedoch in Frage, zumindest für tiefe Lagen.

   
Symptome an Buche  
Abb. 3 -  Symptome an Buche. Links: Buchenholz mit schwarzen Verfärbungen. Rechts: Buche mit rautenförmigen Nekrosen. Fotos: Waldschutz Schweiz (WSL)
 
   

Prachtkäfer profitieren

Es muss damit gerechnet werden, dass die wärmeliebenden Prachtkäfer in Zukunft vermehrt am Absterbeprozess von Bäumen beteiligt sein werden. Der Blaue Föhrenprachtkäfer (Phaenops cyanea) wurde 2019 nicht nur in den klassischen Befallsgebieten der Kantone Wallis und Graubünden festgestellt, sondern zunehmend auch an Waldföhren im Mittelland. In durch Trockenheit geschädigten Buchenbeständen hat der Buchenprachtkäfer (Agrilus viridis) zugenommen, so beispielsweise in den Kantonen Jura, Aargau und Schaffhausen. Vermehrt wurde diese Art auch auf anderen Laubbaumarten wie Linde oder Birke festgestellt. Auch der bisher selten beobachtete Zweipunktige Eichenprachtkäfer (Agrilus biguttatus) trat regional gehäuft in Erscheinung, beispielsweise in der Westschweiz und im Kanton Thurgau.

Russrindenkrankheit auf dem Vormarsch

Die Zahl der gemeldeten Russrindenfällen hat 2019 stark zugenommen. Der Pilz Cryptostroma corticale, Erreger der Russrindenkrankheit, gilt als Schwächeparasit. In Zentraleuropa ist vor allem der Bergahorn betroffen, wobei Bäume mit guter Vitalität und ausreichender Wasserversorgung – häufig Altbäume – weniger angegriffen werden. Auch andere Ahornarten der Schweiz können betroffen sein. Als weitere Wirte gelten die Rosskastanie und Linde. Allerdings ist aus der Schweiz kein Fall an einem dieser Wirte bekannt.

Zu den frühen Symptomen gehören Blattverluste und Welkeerscheinungen. Letztere beginnen in der Krone, setzen sich jedoch in Richtung Starkäste und Stamm fort. Bei einem fortgeschrittenen Befall beginnt die Rinde von Starkästen und Stamm aufzureissen. Es bilden sich Längsrisse, teilweise mit Schleimfluss und Nekrosen. Irgendwann vereinen sich Rinden- und Kambiumnekrosen zu grossen abgestorbenen Rindenabplatzungen und ganze Borkenstücke lösen sich vom Stamm (Abb. 4). Darunter treten bis 1 cm dicke schwarze Sporenlager zum Vorschein. Ihr Aussehen erinnert an Russ, was der Krankheit ihren Namen gibt. Die Sporen werden durch Regen abgewaschen aber vor allem vom Wind verbreitet.

   
Russrindenkrankheit an Ahorn  
Abb. 4 - Russrindenkrankheit an Ahorn. Fotos: Stadtgärtnerei Basel und A. Etter, Amt für Wald beider Basel.
 
   
 
 
 

Rückblick auf die vergangenen beiden Ausgaben

2018

 
Buchdruckerbefall 2018 in der Schweiz im Bezug zum Fichtenvorrat
Abb - Buchdruckerbefall 2018 in der Schweiz im Bezug zum Fichtenvorrat. Anklicken zum Vergrössern.
 
   
Kahlfrass durch den Buchsbaumzünsler  
Abb - Kahlfrass durch den Buchsbaumzünsler.
Foto: Waldschutz Schweiz (WSL)
 
   
   
Orange-rote Pusteln als typische Symptome von Anthostoma decipiens an Hagebuche  
Abb. - Orange-rote Pusteln als typische Symptome von Anthostoma decipiens an Hagebuche.
Foto: Waldschutz Schweiz (WSL)

 
   
 
 

2017

Grauer Lärchenwickler (Zeiraphera griseana)
Grauer Lärchenwickler (Zeiraphera griseana)
Foto: Beat Wermelinger (WSL)
 
Zickzack-Ulmenblattwespe (Aproceros leucopoda)
Charakteristische Frassspuren der Zickzack-Ulmenblattwespe an einem Bergulmenblatt.
Foto: Doris Hölling (WSL)
   
  Pseudodidymella fagi

Von Pseudodidymella fagi verursachte schwarze Blattflecken mit weissen "Mycopappi" auf Rotbuche.
Foto: Waldschutz Schweiz
   

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