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Franz Meier

Forschungsanstalt WSL

Eidg. Forschungsanstalt WSL
Waldschutz Schweiz
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Artikel

Autor(en): Franz Meier, Beat Forster, Oswald Odermatt, Doris Hölling, Joana Meyer, Vivanne Dubach, Salome Schneider, Ulrich Wasem, Valentin Queloz
Redaktion: WSL, Schweiz
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Waldschutz-Überblick 2016

Fachleute der Forschungsanstalt WSL erstellen in Zusammenarbeit mit den kantonalen Forstdiensten jährlich den Waldschutz-Überblick, eine Zusammenfassung der aktuellen Gefährdungen des Waldes in der Schweiz.

Vom Spätfrost geschädigtes Buchenlaub verfärbte sich braun
Vom Spätfrost geschädigtes Buchenlaub verfärbte sich braun. Anklicken zum Vergrössern.
Foto: Ulrich Wasem (WSL)
 

Ein Kaltlufteinbruch Ende April sowie die regional anhaltende Trockenheit und die Hitze im Spätsommer hinterliessen 2016 ihre Spuren im Wald. Im Frühling erlitt das frisch austreibende Buchenlaub vielerorts Spätfrostschäden und verfärbte sich braun. Die regional ausgeprägte Trockenheit im Sommer führte wiederum zu Blattverfärbungen am Laubholz und dürfte für das erneute, lokal auffällige Absterben von Föhrenbeständen im Wallis verantwortlich sein.

Die durch den Buchdrucker (Ips typographus) befallene Menge Fichtenholz ging von 250'000 m3 im Jahr 2015 auf 220'000 m3 im Jahr 2016 nur leicht zurück. Während der Befall im Mittelland und Jura gegenüber dem Vorjahr rückläufig war, nahm er in den Alpentälern des Tessins und Teilen Graubündens stark zu. Auch der Befall durch den Kupferstecher (Pityogenes chalcographus) war, wie schon 2015, gegenüber den Jahren davor leicht bis mässig erhöht. Bei den meisten anderen einheimischen Forstinsekten blieb die Situation relativ ruhig.

   
Buchdrucker: Menge des Käferholzes und Anzahl der Befallsherde (Käfernester) in der Schweiz von 1997–2016  
Buchdrucker: Menge des Käferholzes und Anzahl der Befallsherde (Käfernester) in der Schweiz von 1997–2016. Anklicken zum Vergrössern.
 
   

Bei den eingewanderten, bzw. eingeschleppten Insekten können für einmal positive Ereignisse und Entwicklungen vermerkt werden. Der im Jahr 2012 in Winterthur (Kanton Zürich) entdeckte grosse Befallsherd des Asiatischen Laubholzbockkäfers ALB (Anoplophora glabripennis) gilt nach 4 befallsfreien Jahren nun als getilgt. Die Edelkastanienbestände auf der Alpensüdseite haben sich vom Befall durch die Edelkastaniengallwespe (Dryocosmus kuriphilus) erholt. Die eingewanderte parasitische Schlupfwespe Torymus sinensis scheint die Populationen der Gallwespe in Schach halten zu können.

Das durch den Pilz Hymenoscyphus fraxineus verursachte Eschentriebsterben ist seit 2015 in der ganzen Schweiz verbreitet. In den zwei Sommern 2015 und 2016 haben die Neuinfektionen von frischen Eschenblättern jedoch etwas abgenommen. Die Bedingungen für die Sporenbildung durch den Pilz dürften in diesen trockenen Sommern ungünstiger gewesen sein als in anderen Jahren. Bei den Pilzkrankheiten gab es 2016 neue Erkentnisse und Entdeckungen für die Schweiz: Als Verursacher von krebsartigen Wunden an den Stämmen in einem Bergahorn-Stangenholz konnte der Pilz Botryosphaeria dothidea festgestellt werden. Dieser ist zwar in Nordamerika für Schäden an Ahornarten, in Europa hingegen bisher nur für Schäden am Mammutbaum bekannt. 2016 wurde erstmals in der Schweiz der Pilz Delphinella abietis gefunden, Verursacher einer Nadelbräune der Weisstanne.

Dass viele nicht einheimische Baumarten besonders stark vom Wild angegangen werden, zeigen die Erfahrungen in Versuchsaufforstungen der WSL mit fremden und einheimischen Baumarten in Hochlagen.

 
 

Rückblick auf die vergangenen beiden Ausgaben

2015

Gespinstmotten-Raupen als Verpackungskünstler
Gespinstmotten-Raupen als Verpackungskünstler. Schon im Juni hatten die Traubenkirschen nachgetrieben und waren wieder grün.
Foto: Waldschutz Schweiz (WSL)

Der Befall durch den Buchdrucker (Ips typographus) hat 2015 regional weiter zugenommen. Die befallene Menge Fichtenholz stieg von 160'000 m3 im Vorjahr auf 230'000 m3 im Jahr 2015. Im heissen, trockenen Sommer 2015 war insbesondere im zentralen Mittelland und in Teilen des Juras ein deutlicher Befallsanstieg zu verzeichnen, vor allem auf Böden mit geringem Wasserspeichervermögen. Auch der Kupferstecher (Pityogenes chalcographus), eine weitere Borkenkäferart der Fichte, hat sich deutlich vermehrt.

Die Witterung des Jahres 2015 war auch für die Entwicklung einzelner Schmetterlingsarten günstig. Starker Frass durch die Raupen der Gespinstmotten (Yponomeuta sp.) sowie die von ihnen völlig eingesponnenen Wirtsbäume, vor allem Traubenkirschen, traten in weiten Teilen des Landes auffällig in Erscheinung. Im Sommer häuften sich die Anfragen zum Dunklen Goldafter (Euproctis chrysorrhoea), der, ähnlich wie Prozessionsspinner-Raupen, wegen seiner Brennhaare bei stärkerem Auftreten problematisch werden kann.

Neue Ereignisse und Entwicklungen waren auch bei den eingewanderten, beziehungsweise eingeschleppten Insekten zu verzeichnen. In Berikon im Kanton Aargau wurde der vierte Freilandbefall durch den Asiatischen Laubholzbockkäfer (Anoplophora glabripennis) in der Schweiz entdeckt. Betroffen war nur ein einzelner Ahorn. Der Befall der Kastanienselven durch die Edelkastaniengallwespe (Dryocosmus kuriphilus) hat auf der Alpensüdseite deutlich abgenommen. Dies dank ihrem Gegenspieler, der parasitischen Schlupfwespe Torymus sinensis, welche sich stark ausgebreitet und etabliert hat.

Nachdem das Eschentriebsterben (Erreger-Pilz: Hymenoscyphus fraxineus) 2015 auch in den südlichsten Teilen des Landes festgestellt wurde, hat die Krankheit nun innert acht Jahren die gesamte Schweiz erobert.

   
Ausbreitung des Eschentriebsterbens in der Schweiz von 2008 bis 2015  
Ausbreitung des Eschentriebsterbens in der Schweiz von 2008 bis 2015.  
   
Baukleber als Schälschutz
Baukleber als Schälschutz. Mehr dazu in der vollständigen Version (siehe unten).
Foto: Waldschutz Schweiz (WSL)

 

Die intensiven Kontrollen, insbesondere von Baumschulen, auf das Vorkommen der als Quarantäne-Organismen eingestuften Rotband- und Braunfleckenkrankheit (Dothistroma sp. und Lecanosticta acicola) der Föhren wurden 2015 fortgesetzt. Während die Rotbandkrankheit nach 2013 auch 2015 in einzelnen Fällen im Wald gefunden wurde, konnte die Braunfleckenkrankheit, welche mehrheitlich an Bergföhren vorkommt, bisher im Wald noch nie diagnostiziert werden. Hitze und Trockenheit im Sommer 2015 haben Schwarzföhren auf Trockenstandorten gestresst und auf einen Befall durch das Föhrentriebsterben (Sphaeropsis sapinea) anfällig gemacht.

In Hospental im Kanton Uri wurde 2015 in einem Schutzwald ein starker Befall durch Rötelmäuse (Clethrionomys glareolus) festgestellt. An jungen Lärchen und Fichten wurden die Rinde stammumfassend abgenagt sowie die Triebspitzen abgebissen. Von der im Kanton Schaffhausen lebenden Kolonie Sikawild (Cervus nippon) ist bekannt, dass die männlichen Tiere mit ihrem Geweih die Rinde aufschlitzen. In einem Waldbestand im Zürcher Oberland konnte in einem Stangen- und schwachen Baumholz ein ähnliches Schadenbild festgestellt werden, insbesondere an Fichten. Da das Sikawild hier nicht vorkommt, ist davon auszugehen, dass die ungewöhnlichen Rindenverletzungen in diesem Fall von Rehböcken (Capreolus capreolus) verursacht wurden.

 
 

2014

Asiatischer Laubholzbockkäfer ALB (Anoplophora glabripennis)
Beim 2014 emtdeckten Befall bei Marly FR wurden auch gelblich gefleckte Laubholzbockkäfer gefunden. Sie sind mit den weiss gefleckten Individuen genetisch identisch.
Foto: Waldschutz Schweiz (WSL)
 

Der Befall durch den Buchdrucker (Ips typographus) hat sich 2014, nach einer Zunahme im Vorjahr, gesamtschweizerisch auf leicht erhöhtem Niveau stabilisiert. Die befallene Menge Fichtenholz betrug 2014 160'000 m3 gegenüber 146'000 m3 im Vorjahr und 72'000 m3 im Jahr 2012. In einzelnen Bergregionen ist der Befall nach regionalen Sturm- und Schneedruckschäden deutlich angestiegen.

Der Buchenspringrüssler (Orchestes fagi) trat auch 2014 in weiten Teilen des Landes auffällig in Erscheinung, dies bereits zum dritten Mal in den vergangenen 4 Jahren. Die Situation bei den meisten anderen einheimischen Forstinsekten kann als ruhig eingestuft werden. Dagegen sorgten die eingewanderten, beziehungsweise eingeschleppten Insekten erneut für Schlagzeilen.

In Marly im Kanton Freiburg wurde 2014 ein weiterer Befallsherd des Asiatischen Laubholzbockkäfers (Anoplophora glabripennis) entdeckt. Es waren mehrere Dutzend Bäume befallen, vor allem Ahorne und Rosskastanien. In den zwei sanierten Befallsgebieten von Brünisried und Winterthur wurden 2014 keine Käfer oder neue Eiablagen mehr gefunden.

Die Edelkastaniengallwespe (Dryocosmus kuriphilus) hat sich auf der Alpensüdseite, im Unterwallis und am Genfersee etabliert. Auch auf der Alpennordseite wurden weitere Befallsherde entdeckt. Da eine Etablierung der Gallwespe auch in anderen europäischen Ländern nicht verhindert werden konnte, wurde ihr Quarantänestatus im Herbst 2014 aufgehoben.

   
Tab. 1 - In der Schweiz festgestellte Baumarten mit verschiedenen Befallsstadien des Asiatischen Laubholzbockkäfers ALB. Stand: Ende 2014. Quelle: Waldschutz Schweiz (WSL)
 
In der Schweiz festgestellte Baumarten mit Befallsstadien des ALB  

Die Eschenwelke, deren Erreger-Pilz neu Hymenoscyphus fraxineus (Konidienform Chalara fraxinea) genannt wird, hat sich weiter ausgebreitet, sowohl in den Alpentälern im Norden als auch auf der Alpensüdseite. Nachdem die Rotbandkrankheit (Scirrhia pini) im Jahr 2013 erstmals auch an Föhren im Wald gefunden worden war, wurden 2014 in einem Teil der entdeckten Befallsherde Tilgungsmassnahmen vorgenommen. Insbesondere Baumschulen wurden 2014 gezielt auf das Vorkommen der als Quarantäne-Organismen eingestuften Rotband- und Braunfleckenkrankheit (Scirrhia pini und S. acicola) kontrolliert. Dabei wurden gegen 800 befallene Föhren vernichtet.

Im Kanton Schaffhausen und im nördlich des Rheins gelegenen Teil des Kantons Zürich lebt eine Kolonie Sikawild (Cervus nippon). Die männlichen Tiere schädigen Bäume, indem sie die Rinde mit ihrem Geweih aufschlitzen. Für die europäischen Vorkommen dieser ostasiatischen Hirschart ist dieses Verhalten eher die Ausnahme. Sachgerecht angelegte Kontrollzäune machen den Einfluss sichtbar, den das Schalenwild langfristig auf die Waldverjüngung ausübt. Der aktuelle Einfluss wird hingegen mit Verbisserhebungen ermittelt. Neue Resultate solcher Erhebungen liegen aus den Kantonen Wallis und Tessin vor.

 
 

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