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Valentin Queloz

Forschungsanstalt WSL

Eidg. Forschungsanstalt WSL
Waldschutz Schweiz
Zürcherstrasse 111
CH - 8903 Birmensdorf

Tel: +41 44 739 23 88
Fax: +41 44 739 22 15

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Artikel

Autor(en): Valentin Queloz, Vivanne Dubach (Hrsg.)
Redaktion: WSL, Schweiz
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Waldschutz-Überblick 2017

Fachleute der Forschungsanstalt WSL erstellen in Zusammenarbeit mit den kantonalen Forstdiensten jährlich den Waldschutz-Überblick, eine Zusammenfassung der aktuellen Gefährdungen des Waldes in der Schweiz.

Grauer Lärchenwickler (Zeiraphera griseana)
Grauer Lärchenwickler (Zeiraphera griseana)
Foto: Beat Wermelinger (WSL)
 
Zickzack-Ulmenblattwespe (Aproceros leucopoda)
Charakteristische Frassspuren der Zickzack-Ulmenblattwespe an einem Bergulmenblatt.
Foto: Doris Hölling (WSL)
  • Die durch den Buchdrucker (Ips typographus) befallene Menge Fichtenholz ist 2017 wieder angestiegen und betrug insgesamt 320'000 m3. Zwar gibt es weiterhin Gebiete mit wenig Käferbefall, gesamtschweizerisch darf aber nicht mehr von einer beruhigten Situation gesprochen werden. Durch die verbreiteten Sturmschäden vom Januar 2018 entstand zudem viel frisches Brutmaterial.
  • In den Kantonen Wallis und Graubünden hat im Sommer 2017 eine neue Massenvermehrung des Grauen Lärchenwicklers (Zeiraphera griseana) begonnen. Im Sommer 2018 hat der Befall weiter zugenommen.
  • Der Asiatische Laubholzbockkäfer ist auf dem Rückzug. Nach der erfolgreichen Tilgung in Winterthur 2016 gilt auch der Befall in Brünisried (FR) seit Februar 2018 als getilgt.
  • Die ursprünglich aus Ostasien stammende Zickzack-Ulmenblattwespe (Aproceros leucopoda) ist eine invasive Pflanzenwespe, die sich seit 2003 in Europa ausbreitet. 2017 wurde sie zum ersten Mal auch in der Schweiz entdeckt.
  • 2016/17 führte "Waldschutz Schweiz" eine Umfrage durch, um Eschen zu finden, die gegen das Eschentriebsterben tolerant sind. Auf diesen krankheitstoleranten Eschen ruhen die Hoffnungen für den Erhalt der Baumart. Gesamtschweizerisch wurden 367 tolerante Eschen gemeldet.
  • Ein bisher unauffälliger Pilz kann Probleme an der Hagebuche verursachen. Anthostoma decipiens ist schon lange bekannt und normalerweise nicht aggressiv. 50 befallene, absterbende Hagebuchen in einem Park in der Stadt Genf wurden vorsorglich entfernt.
  • Die Verursacher der Rotbandkrankheit (RBK) und der Braunfleckenkrankheit (BFK) befallen Föhren und gelten als Quarantäneorganismen. Ein umfassendes Monitoring von 2016 zeigt, dass die RBK häufiger und weiter verbreitet ist. Häufigkeit und geografische Verbreitung unterscheiden sich allerdings regional stark. Föhren im Wald sind häufiger befallen als angenommen. Betroffen sind vor allem Wald- und Bergföhren, wobei 2017 auch infizierte Fichten (Picea abies) im Wald entdeckt wurden. Weitere Schadbilder der Föhre wurden durch Diplodia pinea und die physiologische Schütte verursacht. Das Föhrentriebsterben hat in den letzten zwei Jahren stark zugenommen.
  • Seit mehreren Jahren wird in der Schweiz eine neue Blattfleckenkrankheit an der Rotbuche beobachtet. Verursacher ist der Pilz Pseudodidymella fagi. Bisher scheint dieser Pilz keine grösseren Schäden zu verursachen. Schleimfluss und Rindennekrosen an Buchen können durch Phytophthora-Befall verursacht werden.
   
  Pseudodidymella fagi

Von Pseudodidymella fagi verursachte schwarze Blattflecken mit weissen "Mycopappi" auf Rotbuche.
Foto: Waldschutz Schweiz
   
  • Erstmals wurden 2017 in der Schweiz pathogene Bakterien auf erkrankten Traubeneichen (Quercus petrea) nachgewiesen. Die Symptome waren dem Befallsbild von Phythophthora ähnlich. Die Bakterien Gibsiella quercinecans, Brenneria goodwinii und Rhanella victoriana, welche Wissenschaftler als Verursacher identifizierten, werden mit dem akuten Eichensterben in Zusammenhang gebracht. Alle betroffenen Eichen wurden vorsorglich entfernt.
  • In den Wäldern zwischen Langnau am Albis und der Albispasshöhe wurden im vergangenen Sommer teilweise verheerende Schälschäden an Eiben festgestellt. Automatische Wildkameras zeigten, dass sich bis zu vier männliche Hirsche an den Bäumen gütlich taten. Sie schälten die Eiben im Sommer, sowohl am Morgen als auch mitten am Tag. Sommerschälungen der Eibe sind ein neues Phänomen für die Schweiz. Generell ist die Beanspruchung der Verjüngung durch Wild tendenziell am Zunehmen.

 
 

Rückblick auf die vergangenen beiden Ausgaben

2016

Vom Spätfrost geschädigtes Buchenlaub verfärbte sich braun
Vom Spätfrost geschädigtes Buchenlaub verfärbte sich braun. Anklicken zum Vergrössern.
Foto: Ulrich Wasem (WSL)
 

Ein Kaltlufteinbruch Ende April sowie die regional anhaltende Trockenheit und die Hitze im Spätsommer hinterliessen 2016 ihre Spuren im Wald. Im Frühling erlitt das frisch austreibende Buchenlaub vielerorts Spätfrostschäden und verfärbte sich braun. Die regional ausgeprägte Trockenheit im Sommer führte wiederum zu Blattverfärbungen am Laubholz und dürfte für das erneute, lokal auffällige Absterben von Föhrenbeständen im Wallis verantwortlich sein.

Die durch den Buchdrucker (Ips typographus) befallene Menge Fichtenholz ging von 250'000 m3 im Jahr 2015 auf 220'000 m3 im Jahr 2016 nur leicht zurück. Während der Befall im Mittelland und Jura gegenüber dem Vorjahr rückläufig war, nahm er in den Alpentälern des Tessins und Teilen Graubündens stark zu. Auch der Befall durch den Kupferstecher (Pityogenes chalcographus) war, wie schon 2015, gegenüber den Jahren davor leicht bis mässig erhöht. Bei den meisten anderen einheimischen Forstinsekten blieb die Situation relativ ruhig.

   
Buchdrucker: Menge des Käferholzes und Anzahl der Befallsherde (Käfernester) in der Schweiz von 1997–2016  
Buchdrucker: Menge des Käferholzes und Anzahl der Befallsherde (Käfernester) in der Schweiz von 1997–2016. Anklicken zum Vergrössern.
 
   

Bei den eingewanderten, bzw. eingeschleppten Insekten können für einmal positive Ereignisse und Entwicklungen vermerkt werden. Der im Jahr 2012 in Winterthur (Kanton Zürich) entdeckte grosse Befallsherd des Asiatischen Laubholzbockkäfers ALB (Anoplophora glabripennis) gilt nach 4 befallsfreien Jahren nun als getilgt. Die Edelkastanienbestände auf der Alpensüdseite haben sich vom Befall durch die Edelkastaniengallwespe (Dryocosmus kuriphilus) erholt. Die eingewanderte parasitische Schlupfwespe Torymus sinensis scheint die Populationen der Gallwespe in Schach halten zu können.

Das durch den Pilz Hymenoscyphus fraxineus verursachte Eschentriebsterben ist seit 2015 in der ganzen Schweiz verbreitet. In den zwei Sommern 2015 und 2016 haben die Neuinfektionen von frischen Eschenblättern jedoch etwas abgenommen. Die Bedingungen für die Sporenbildung durch den Pilz dürften in diesen trockenen Sommern ungünstiger gewesen sein als in anderen Jahren. Bei den Pilzkrankheiten gab es 2016 neue Erkentnisse und Entdeckungen für die Schweiz: Als Verursacher von krebsartigen Wunden an den Stämmen in einem Bergahorn-Stangenholz konnte der Pilz Botryosphaeria dothidea festgestellt werden. Dieser ist zwar in Nordamerika für Schäden an Ahornarten, in Europa hingegen bisher nur für Schäden am Mammutbaum bekannt. 2016 wurde erstmals in der Schweiz der Pilz Delphinella abietis gefunden, Verursacher einer Nadelbräune der Weisstanne.

Dass viele nicht einheimische Baumarten besonders stark vom Wild angegangen werden, zeigen die Erfahrungen in Versuchsaufforstungen der WSL mit fremden und einheimischen Baumarten in Hochlagen.

 
 

2015

Gespinstmotten-Raupen als Verpackungskünstler
Gespinstmotten-Raupen als Verpackungskünstler. Schon im Juni hatten die Traubenkirschen nachgetrieben und waren wieder grün.
Foto: Waldschutz Schweiz (WSL)

Der Befall durch den Buchdrucker (Ips typographus) hat 2015 regional weiter zugenommen. Die befallene Menge Fichtenholz stieg von 160'000 m3 im Vorjahr auf 230'000 m3 im Jahr 2015. Im heissen, trockenen Sommer 2015 war insbesondere im zentralen Mittelland und in Teilen des Juras ein deutlicher Befallsanstieg zu verzeichnen, vor allem auf Böden mit geringem Wasserspeichervermögen. Auch der Kupferstecher (Pityogenes chalcographus), eine weitere Borkenkäferart der Fichte, hat sich deutlich vermehrt.

Die Witterung des Jahres 2015 war auch für die Entwicklung einzelner Schmetterlingsarten günstig. Starker Frass durch die Raupen der Gespinstmotten (Yponomeuta sp.) sowie die von ihnen völlig eingesponnenen Wirtsbäume, vor allem Traubenkirschen, traten in weiten Teilen des Landes auffällig in Erscheinung. Im Sommer häuften sich die Anfragen zum Dunklen Goldafter (Euproctis chrysorrhoea), der, ähnlich wie Prozessionsspinner-Raupen, wegen seiner Brennhaare bei stärkerem Auftreten problematisch werden kann.

Neue Ereignisse und Entwicklungen waren auch bei den eingewanderten, beziehungsweise eingeschleppten Insekten zu verzeichnen. In Berikon im Kanton Aargau wurde der vierte Freilandbefall durch den Asiatischen Laubholzbockkäfer (Anoplophora glabripennis) in der Schweiz entdeckt. Betroffen war nur ein einzelner Ahorn. Der Befall der Kastanienselven durch die Edelkastaniengallwespe (Dryocosmus kuriphilus) hat auf der Alpensüdseite deutlich abgenommen. Dies dank ihrem Gegenspieler, der parasitischen Schlupfwespe Torymus sinensis, welche sich stark ausgebreitet und etabliert hat.

Nachdem das Eschentriebsterben (Erreger-Pilz: Hymenoscyphus fraxineus) 2015 auch in den südlichsten Teilen des Landes festgestellt wurde, hat die Krankheit nun innert acht Jahren die gesamte Schweiz erobert.

   
Ausbreitung des Eschentriebsterbens in der Schweiz von 2008 bis 2015  
Ausbreitung des Eschentriebsterbens in der Schweiz von 2008 bis 2015.  
   
Baukleber als Schälschutz
Baukleber als Schälschutz. Mehr dazu in der vollständigen Version (siehe unten).
Foto: Waldschutz Schweiz (WSL)

 

Die intensiven Kontrollen, insbesondere von Baumschulen, auf das Vorkommen der als Quarantäne-Organismen eingestuften Rotband- und Braunfleckenkrankheit (Dothistroma sp. und Lecanosticta acicola) der Föhren wurden 2015 fortgesetzt. Während die Rotbandkrankheit nach 2013 auch 2015 in einzelnen Fällen im Wald gefunden wurde, konnte die Braunfleckenkrankheit, welche mehrheitlich an Bergföhren vorkommt, bisher im Wald noch nie diagnostiziert werden. Hitze und Trockenheit im Sommer 2015 haben Schwarzföhren auf Trockenstandorten gestresst und auf einen Befall durch das Föhrentriebsterben (Sphaeropsis sapinea) anfällig gemacht.

In Hospental im Kanton Uri wurde 2015 in einem Schutzwald ein starker Befall durch Rötelmäuse (Clethrionomys glareolus) festgestellt. An jungen Lärchen und Fichten wurden die Rinde stammumfassend abgenagt sowie die Triebspitzen abgebissen. Von der im Kanton Schaffhausen lebenden Kolonie Sikawild (Cervus nippon) ist bekannt, dass die männlichen Tiere mit ihrem Geweih die Rinde aufschlitzen. In einem Waldbestand im Zürcher Oberland konnte in einem Stangen- und schwachen Baumholz ein ähnliches Schadenbild festgestellt werden, insbesondere an Fichten. Da das Sikawild hier nicht vorkommt, ist davon auszugehen, dass die ungewöhnlichen Rindenverletzungen in diesem Fall von Rehböcken (Capreolus capreolus) verursacht wurden.

 
 

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