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Artikel

Autor(en): Heiko Ullrich, Sven Martens (SBS)
Redaktion: SBS, Deutschland
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Weiserflächen machen den Wildeinfluss auf die Waldverjüngung sichtbar

Um  Waldflächen natürlich zu verjüngen ist neben anderen Faktoren der Wildbestand ein wichtiger Einflussfaktor. Weiserflächen sind eine objektive Grundlage für eine konstruktive Diskussion und die Suche nach Lösungen.

Aufwuchs im Schutze des Kontrollzaunes
Abb. 1 -  In Kiefernbeständen stellt sich Naturverjüngung bereits frühzeitig nach der Durchforstung ein. Hier können Rotbuchen und Traubeneichen nur im Schutz des Kontrollzaunes wachsen.

Foto: A. Schöndube

Rotwild
Abb. 2 - Rotwild

Foto: Heiko Ullrich

 
Verbissene Rotbuche
Abb. 3 - Verbissschaden an Rotbuche.

Foto: J. Zocher

Wenn es darum geht standortgerechte und auch qualitativ geeignete Waldbestände zur verjüngen, ist die natürliche Verjüngung aus ökologischen und ökonomischen Gründen das Mittel der Wahl. Eine erfolgreiche Naturverjüngung ist an verschiedene Voraussetzungen gebunden, die erfüllt sein müssen, damit aus den Baumsamen tatsächlich die nächste Waldgeneration heranwachsen kann. Neben den Lichtverhältnissen, dem Feuchtigkeitsangebot und der Begleitpflanzen ist auch der Wildbestand ein entscheidender Einflussfaktor. Maßgeblich ist dafür der Bestand an Schalenwildarten, d. h. Reh-, Rot-, Dam und Muffelwild, die durch das Verbeißen, Fegen oder Schälen die Waldverjüngung unmittelbar beschädigen.

Sinn und Zweck

Weiserflächen halten die Schalenwildarten von kleinen, 100 bis 500 Quadratmeter großen umzäunten Waldflächen fern. Indem Keimlinge darin nicht verbissen werden und ungehindert aufwachsen können, werden das Potenzial natürlich ankommender Baumarten und die Geschwindigkeit ihres Heranwachsens sichtbar. Daher werden sie auch Kontrollzäune genannt. Die im Verlauf mehrerer Jahre zu Tage tretenden Unterschiede zwischen der Entwicklung im Zaun und außerhalb des Zaunes stellen den Einfluss des Wildes dar. Ob dieser Wildeinfluss von den Betroffenen als Schaden wahrgenommen wird, kann an dieser Stelle offen bleiben. Zunächst geht es „nur“ darum, den Wildeinfluss als solchen auch für Menschen ohne forstliche Spezialausbildung sichtbar zu machen.

Wald-Wild-Problematik gemeinsamm lösen

Weiserflächen sind eine objektive Grundlage für eine konstruktive Diskussion und die Suche nach gemeinsamen Lösungen zwischen Waldbesitzern, Forstbetriebsgemeinschaften, Jagdvorständen, Jägern oder Förstern. Denn auch das sogenannte Wald-Wild-Problem ist in erster Linie ein Problem, das Menschen aufgrund unterschiedlicher Interessen miteinander haben. Bei allen Maßnahmen die Jagd, Wild und Waldverjüngung betreffen, sollten Waldbesitzer deshalb versuchen, die Jäger und Jagdvorstände aktiv einzubinden. Miteinander zu reden, beispielsweise auch im Rahmen gemeinsamer Waldbegänge, ist wichtig für ein gegenseitiges Problemverständnis. Ein partnerschaftliches Vorgehen ist besonders bei der Anlage von Weiserflächen wichtig, da diese den Dialog zwischen den Betroffenen anstoßen und fördern sollen.

Flächenauswahl und Aufbau

Für die Anlage von Weiserflächen sollten Waldbestände ausgewählt werden, in denen eine natürliche Verjüngung bereits vorhanden oder potenziell möglich ist. Die vorhandene Naturverjüngung sollte nicht höher als 20 bis 30 Zentimeter sein, um noch einige Jahre einem möglichen Wildeinfluss ausgesetzt zu sein. In sehr dichten Beständen, bei konkurrenzstarker Bodenvegetation oder standörtlichen Unbilden (z. B. Steine) ist meist kein Naturverjüngungspotenzial vorhanden. Solche Bestände sind für die Anlage von Weiserflächen ebenfalls nicht geeignet. Damit aussagefähige und objektive Beobachtungen möglich sind, bedarf es einer Mindestfläche, auf der vergleichbare Licht- und Standortsverhältnisse herrschen. Die vorhandene Verjüngung oder Bodenvegetation, als auch das Kronendach des Altbestandes müssen "wie aus einem Guss“ erscheinen. Dabei ist es weniger wichtig, ob auf den Flächen überhaupt ein Schirm des Vorbestandes vorhanden ist. Die Flächen sollten nicht zu klein sein, um Randeffekte zu vermeiden.

Nur ein Teil der betrachteten Fläche wird mit einer Rolle Draht (z. B. Knotengeflecht 50 Laufmeter) umschlossen, was als kompakte Form ein Quadrat von etwas mehr als 10x10 Meter ergibt. Die Form ist aber relativ egal, denn natürlich erfüllen auch runde Weiserflächen ihren Zweck. Das Knotengeflecht muss die vorkommenden Schalenwildarten zuverlässig abhalten. Bewährt hat es sich, beim Aufbau ein (abschließbares) Tor oder einen Überstieg zu integrieren. Die Zaunpfähle sollten aus beständigem Holz errichtet werden (z. B. Eiche oder Lärche).

Am preiswertesten ist es, wenn die Pfähle im eigenen Wald geworben werden können. Stahlpfähle können auch verwendet werden, allerdings wäre es dann sinnvoll gebrauchte Stahlpfähle - z. B. von angebauten Kulturzäunen - wieder zu verwenden (s. Abb. 1). Das hilft Kosten sparen, was im Übrigen auch für das Knotengeflecht gilt, da die Beständigkeit dieser Materialen i. d. R. sehr hoch ist. Ein günstiger Zeitpunkt für die Errichtung der Kontrollzäune ist das zeitige Frühjahr. Der Aufbau kann gut in Eigenleistung erfolgen. Drei bis vier Personen benötigen rund einen halben Arbeitstag.

Aufnahme und Dokumentation

Laubholznaturverjüngung
Laubholznaturverjüngung unter Kiefer
Abb. 4 und 5 - Extremes Beispiel (nicht aus Sachsen) aber auch für Laien erkennbar - Laubholznaturverjüngung unter Kiefer.

Foto: T. Hamm

Entscheidend bei der Aufnahme und Dokumentation der Weiserflächen ist die Transparenz und Akzeptanz bei den Betroffenen. Nach der Errichtung der Weiserfläche soll – möglichst gemeinsam mit allen Akteuren – zunächst der Ausgangszustand festgehalten werden. Am besten im Foto und je nach angestrebter Aussagekraft und Verbindlichkeit auch schriftlich – vielleicht sogar mit Unterschrift der Beteiligten? Die Verjüngungsfläche soll in regelmäßigen Abständen, mindestens alle zwei Jahre, begutachtet werden. Die regelmäßige Kontrolle der gezäunten Fläche ist auch wichtig, um sicherzustellen, dass diese auch wilddicht bleibt. Die Aufnahmen müssen dagegen keinem forstwissenschaftlichen Anspruch genügen.

Um den Wildeinfluss quantitativ zu erfassen, wird der Zustand im Zaun und einer gleichgroßen Vergleichsfläche außerhalb des Zaunes gegenübergestellt. Die ungezäunte Vergleichsfläche sollte in einem Abstand von mindestens 10 Metern zum Kontrollzaun liegen, um mögliche Konzentrationen des Verbisses unmittelbar am Zaun auszuschließen. Auf der Vergleichsfläche ist die dauerhafte Markierung des Mittelpunktes mit einem Pfahl ausreichend. Jeweils für den Kontrollzaun und die Vergleichsfläche sollten die vorkommenden Baumarten, deren Anzahl, die Höhen (hier reicht i. d. R. die Erfassung der zehn höchsten Bäume) sowie ggf. vorhandene Schäden dokumentiert werden.

Der geeignete Zeitpunkt für diese Wiederholungsaufnahme ist das Frühjahr, kurz vor dem Laubaustrieb. Bei der Ermittlung der Pflanzenzahl reicht es aus, nur die ersten 100 Pflanzen zu zählen. Dies entspricht bereits Verjüngungsdichten von 10.000 Bäumchen pro Hektar (vgl. Abb. 4 und 5). Hat die Verjüngung die Höhe des Zaunes erreicht, sind weitere Erfassungen nicht mehr sinnvoll. Ab diesem Zeitpunkt bestimmt häufig die natürliche Konkurrenz innerhalb der Verjüngung die weitere Entwicklung der Verjüngungsdichte und der Bodenvegetation. Der Zaun kann dann auf eine andere benachbarte Waldfläche umgesetzt werden.

Neben der eingangs erwähnten gezielten natürlichen Verjüngung der Waldbestände können Weiserflächen auch Anhaltspunkte für erforderliche Wildschutzmaßnahmen bei der künstlichen Waldverjüngung liefern. Der Verfahrensablauf ist der gleiche wie bei Naturverjüngungsflächen. Waldbesitzer, die das Risiko von ungeschützten künstlichen Verjüngungen nicht eingehen wollen, aber unsicher sind, ob ein zwingendes Erfordernis zum Wildschutz besteht, sollten einfach einen kleinen Teil der Kultur nicht einzäunen. Wenn der Wildeinfluss die Verjüngung gefährdet, wird das außerhalb des Zaunes meist sehr schnell sichtbar.

Gemeinsam zum Ziel

Wälder ohne Wildschutzmaßnahmen natürlich zu verjüngen funktioniert nur, wenn der Wildeinfluss das zulässt. Um hier erfordlichenfalls wirksam eingreifen zu können müssen Waldbesitzer, Jagdgenossenschaften und Jäger vor Ort miteinander zusammenarbeiten. Weiserflächen als gemeinsames Projekt können einen Beitrag zur Bewusstseins- und Vertrauensbildung leisten und helfen, die Diskussion über den Wildeinfluss auf Waldverjüngung zu versachlichen. Das Engagement lohnt, denn letztendlich geht es um die nächste Waldgeneration.

Download

  • Originalartikel in Waldpost 2016/2017, S. 11-13 (PDF) inkl. Literaturangaben

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