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Artikel

Autor(en): Heimo Schodterer
Redaktion: BFW, Österreich
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Richtige Interpretation der Wildeinflussmonitoring-Ergebnisse

Für die Wildeinflussmonitoring-Ergebnisse Österreichs werden die wichtigsten Parameter für die Interpretation erläutert und anhand von Auswertungsbeispielen dargestellt.

Wildschaden

Unter Wildschaden versteht jeder was anderes: Biologen denken meist an physiologische Schädigung, also an Verletzungen der Einzelpflanze, die durch Verbiss, Fegen oder Schälen verursacht werden.

Hirsch (Foto: Pixelio/Günter Havlena)
Wildeinfluss - der Begriff ist bewusst neutral gewählt und beschreibt die Einwirkung des Wildes auf Zustand und Entwicklung der Vegetation (Foto: Pixelio/Günter Havlena)

Forstwirte denken eher an den wirtschaftlichen Schaden auf der Fläche, also an die Summe der finanziellen Auswirkungen, die das Verbeißen, Schlagen und Schälen durch Verlängerung des Verjüngungszeitraumes und damit der Kultursicherungsmaßnahmen, Verlust von wertvollen Baumarten, Wertminderung der Bestände hat. Kurz: alles was Kosten erhöht und Einkünfte verringert.
Jäger denken zumeist an den Geldbetrag, den sie als Entschädigung des wirtschaftlichen Schadens zu zahlen haben.

Behörden denken vor allem an den landeskulturellen Schaden, der sich in einer Verarmung der Baumarten- und der genetischen Vielfalt, der herabgesetzten Stabilität von Schutzwäldern gegen Naturgefahren, aber auch der Wirtschaftswälder gegen Sturm, Käfer niederschlägt.

Schließlich wird auch noch darüber diskutiert, wann tritt ein Wildschaden überhaupt ein. Wenn man den Schaden erst dann ansetzt, wenn ein entmischtes Stangenholz vom Schnee oder ein Baumholz vom Sturm gebrochen wird, tritt der Schadensfall also erst in 60, 80, 100 Jahren ein, dann ist eine Wildschadensfeststellung in einer Verjüngung bestenfalls eine Prognose. 

Für den wirtschaftlichen Schaden stimmt das zum Teil (für die Minderung des Ernteertrages, nicht aber für die Erhöhung von Kulturkosten), wenn man eine rein monetäre Betrachtungsweise pflegt. Für den landeskulturellen Schaden stimmt es aber nicht, denn der kann nicht einfach monetär bewertet und entschädigt, sondern muss vermieden werden. Diese Schadensvermeidung ist nur im Jugendstadium möglich.

Wildeinfluss

Dieser Begriff ist bewusst neutral gewählt und beschreibt die Einwirkung des Wildes auf Zustand und Entwicklung der Vegetation. Diese kann negativ, neutral oder unter Umständen sogar positiv sein, wenn etwa verdämmende Konkurrenzvegetation wie Brombeere weggeäst wird. In der Auswertung des Wildeinflussmonitorings (WEM) werden drei Kategorien unterschieden:
1. Kein oder geringer Wildeinfluss: Der für die Fläche durchgeführte Soll-Ist-Vergleich ist entweder positiv (es sind ausreichend unverbissene Pflanzen der Zielbaumarten über 30 cm Höhe vorhanden) oder wenn nicht: Das Verbissprozent ist so gering (unter der kritischen Marke von 15% für Zielbaumarten ab 30 cm, unter 30% für alle anderen), dass kein negativer Einfluss auf die Verjüngung erwartet wird.
2. Mittlerer Wildeinfluss: Der Soll-Ist-Vergleich ist negativ, das Verbissprozent liegt zwischen den kritischen Marken (15/30% und 30/50%). Empfindlichere und seltenere Baumarten werden negativ beeinflusst, die Konkurrenzverhältnisse beginnen sich wildbedingt zu verschieben.
3. Starker Wildeinfluss: Der Soll-Ist-Vergleich ist negativ, das Verbissprozent liegt über der zweiten kritischen Marke. Bleibt der Verbiss auf diesem Niveau, dann ist zu erwarten: Der Verjüngungszeitraum wird erheblich verlängert, Mischbaumarten fallen aus, es kommt zu einem landeskulturellen und / oder wirtschaftlichen Schaden.
Das WEM gibt also einen laufenden Überblick für die Bezirke, auf welchem Niveau sich der Wildeinfluss auf die Waldverjüngung abspielt und in welche Richtung er sich entwickelt.

WEM unterschätzt aber den tatsächlichen Wildeinfluss

  • Eine WEM-Fläche wird erst angelegt, wenn mindestens fünf Pflanzen über 30 cm gewachsen sind, damit nicht erste Verjüngungsversuche in noch zu dunklen Beständen erfasst werden. Flächen, auf denen der Verbiss Verjüngung nicht zulässt oder ein Wachstum über 30 cm verhindert, werden also nicht aufgenommen
  • Pflanzen werden erst ab 10 cm Höhe erfasst, Verbiss unter 10 cm und Keimlingsverbiss wird nicht berücksichtigt.
  • Die Sollzahlen für den Soll-Ist-Vergleich wurden so niedrig wie möglich angesetzt (aus landeskultureller Sicht für die Erhaltung der Arten, nicht aus waldbaulich-wirtschaftlicher Sicht)
  • Die kritischen Werte für die Verbissprozente sind eher moderat.

Das WEM-Ergebnis ist also sicher nicht schlechter als die Realität!

Beurteilung eines Bezirkes

abb1
Abbildung 1: Der geringe Wildeinfluss hat gegenüber der ersten Erhebungsperiode von 46 auf 33 um 13% abgenommen. Auf 9,3% (7+2,3) der Flächen sind infolge Wildeinfluss Ziel- und Mischbaumarten verloren gegangen, auf 6,9% (4,7+2,2) aus anderen Gründen (Läuterung, Frost, Insekten, …). Auf 5% der Flächen waren in Periode 1 keine Zielbaumarten vorhanden, hier kann nichts über Verluste vor 2004 ausgesagt werden. Auf 12 % ist der Soll-Ist-Vergleich positiv.
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Abbildung 2: In diesem Bezirk ist der Anteil der Mischbaumarten der 1. Höhenklasse (10-30 cm) recht gut, in der zweiten Erhebung sogar noch etwas besser. Mit zunehmender Pflanzenhöhe nimmt der Fichtenanteil zu. Dieser Trend ist in der zweiten Periode etwas abgeschwächt, allerdings kommen Tanne, Eiche und Ahorn kaum über 30 cm hinaus, Hainbuche hat keinen Anteil mehr.
abb3
Abbildung 3: Die Baumarten der Bezirke eines Landes sind mit ihrer Höhenentwicklung und den Verbissprozenten dargestellt. Die Farbe zeigt, welcher Anteil einer Baumart über 1,3 m gewachsen ist: Die erste Zahl gibt das Verbissprozent der Baumart zwischen 30 und 130 cm an, die zweite Zahl das Gesamtverbissprozent. Während Fichte, Lärche und Buche sich überall gut entwickeln können (Ausnahme Lärche im Bezirk 3, hier allerdings keine 30 Stück auf den Probeflächen), hat Tanne in einem Teil der Bezirke Probleme, Eiche in allen, Hainbuche, Esche, Ahorn in fast allen (Bei Esche ist allerdings das Eschensterben mitverantwortlich). Die Verbissprozente schwanken sehr, sind aber bei Laubholz erheblich höher als bei Nadelholz. Die Abbildung gibt einen guten Überblick, wo in diesem Land der Schuh drückt.

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