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Artikel

Autor(en): Schodterer, H.
Redaktion: BFW, Österreich
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Verjüngung in Österreichs Wald: Defizite im Schutzwald

Die Wildschadenssituation in Österreich zeigt im Bundesdurchschnitt keine Veränderung: Sie ist auf hohem Niveau stabil. Hauptprobleme sind die Entmischung durch selektiven Verbiss, der Verlust von stabilisierenden Arten und das zunehmende Verjüngungsdefizit im Schutzwald. Der Bundesdurchschnitt gleicht die Veränderungen der Länder aus, die Landesdurchschnitte die der Bezirke.

Verjüngung, Defizite im Schutzwald

Die Verjüngung wird von der Österreichischen Waldinventur seit 1992 nicht mehr nur auf freistehenden, sondern auch auf überschirmten Flächen in verjüngungsnotwendigen Beständen erhoben. Als verjüngungsnotwendig wurden Bestände im letzten Fünftel ihrer Umtriebszeit, Blößen und freistehende Jugendflächen bis 1,30 m Pflanzenhöhe angesehen.

Mit der Auswertung der siebten Inventurperiode (2007/09) stehen nach den Perioden 6 (2000/02) und 5 (1992/96) Vergleichsdaten aus drei Erhebungsdurchgängen zur Verfügung. Die Erhebung erfolgte auf permanenten Probeflächen, Verjüngungsbestände sind allerdings einer großen Dynamik unterworfen, sodass in jeder Periode etwa ein Fünftel der Flächen entfallen (z.B. nicht mehr verjüngungsnotwendig, über 1,3 m gewachsen, Straßenbau usw.) und etwa ebenso viele neu dazukommen.

Wie viel Verjüngung ist vorhanden?

Die Fläche der vorhandenen Verjüngung beträgt 555.000 ha, das sind 16% der erhobenen Waldfläche – um zwei Prozent bzw. ein Prozent mehr als in der Vorperiode (Abbildung 1). Die verjüngungsnotwendige Fläche (VNF) hat mit 1364.000 ha (39 %) um fünf Prozent gegenüber Periode 6 zugenommen und ist wieder auf dem Stand der Periode 5.

Verjüngung, Defizite im Schutzwald
Abbildung 1: Notwendigkeit und Vorhandensein von Verjüngung

Insgesamt scheinen die Ergebnisse im Bundesdurchschnitt nur geringfügig zu schwanken. Lediglich im Schutzwald außer Ertrag (SWaE) steigt der Anteil der verjüngungsnotwendigen Flächen, auf denen die Verjüngung fehlt, in jeder Periode an. Der Anteil der VNF ist im Schutzwald mehr als doppelt so hoch wie im Wirtschaftswald.

Verjüngungsdefizit

Fehlende Verjüngung bedeutet bei der ÖWI nicht unbedingt, dass gar keine Jungpflanzen vorhanden sind. Es können auch ausschließlich Sämlinge oder Pflanzen unter 10 cm Höhe vorhanden sein, die nicht erhoben werden, oder die Anzahl der Pflanzen über 10 cm erreicht das Mindest-Aufnahmekriterium nicht. (Dieses Kriterium wurde relativ tief angesetzt, um die beginnende Verjüngung vor Erreichen der Sollstammzahl beobachten zu können, jedoch auch nicht zu tief, um nicht jeden ersten Anflug, der noch keine Aussicht auf Dauerhaftigkeit hat, zu erheben). Dieses "Fehlen" wurde erst ab Periode 6 detailliert erfasst (Abbildung 2).

Verjüngung, Defizite im Schutzwald
Abbildung 2: Das Fehlen von Verjüngung auf verjüngungsnotwendigen Flächen

Das absolute Verjüngungsdefizit (gar keine Pflanze vorhanden) ist von 7% in Periode 6 auf 6% in Periode 7 gesunken. Allerdings ist das absolute Verjüngungsdefizit im Schutzwald im Ertrag (SWiE) dreimal so hoch und im SWaE viermal so hoch wie im Wirtschaftswald.

Die wichtigsten Hemmfaktoren

Für das Fehlen von notwendiger Verjüngung kann eine Reihe von Faktoren verantwortlich sein. Fehlte auf einer verjüngungsnotwendigen Fläche die Verjüngung, so wurde versucht, die Ursachen wie Verbiss, Waldweide, Lichtmangel, Konkurrenzvegetation, Erosion usw. gutachtlich anzusprechen (Abbildung 3).

Verbiss durfte nur angegeben werden, wenn auf der Fläche tatsächlich Hinweise (wie etwa Verbiss an Sträuchern) gefunden wurden. Da bei völligem Fehlen von Verbisspflanzen (etwa durch totalen Keimlingsverbiss) das Merkmal nicht vergeben werden kann, stellt das Ergebnis lediglich ein Mindestmaß, eine Untergrenze dar, nicht das tatsächliche Ausmaß. Aufgrund heftiger Diskussionen über dieses Thema im Jahr 2002 wurden die Hemmfaktoren Verbiss und Waldweide noch vorsichtiger angesprochen als zuvor, was das Ergebnis von Periode 7 widerspiegelt.

Verjüngung, Defizite im Schutzwald
Abbildung 3: Hemmfaktoren der Jugend in den Betriebsarten in Prozent

Anteil der Naturverjüngung

Bedingt durch die Definition der Verjüngungsnotwendigkeit (überschirmte Flächen im unterstellten Verjüngungszeitraum von ein Fünftel der Umtriebszeit und freistehende Jungwuchsflächen unter 1,3 m Höhe) wurden etwa neun Zehntel Naturverjüngungen und rund ein Zehntel Kunstverjüngungen erhoben.

Um zu sehen, wie groß der Anteil der tatsächlich von den Waldbesitzern ausgenützten Naturverjüngung im Verhältnis zu den Kulturen ist, muss man die freistehende (bzw. bereits freigestellte) Jugend mit ausreichender Stammzahl (ab 2500 Pflanzen pro ha) betrachten:
Der Anteil der reinen Naturverjüngungen an den nicht mehr überschirmten Jugendflächen ist von etwa zwei Fünftel in der Periode 5 mittlerweile auf fast drei Viertel angestiegen. Bei den überschirmten Flächen sind es mittlerweile 99% der Flächen. Unterbau (Anpflanzung von Baumarten unter Altholzschirm) wird demnach derzeit praktisch kaum mehr gemacht (Tabelle 1).

Tabelle 1: Anteil der Naturverjüngung (Flächen mit ausschließlich Naturver jüngung in ausreichender Stammzahl)
Periode 5 (1992/96) 6 (2000/02) 7 (2007/09)
freistehend 41 % 66 % 72 %
 überschirmt 79 % 98 % 99 %

Aus welchen Baumarten setzen sich die Verjüngungsflächen zusammen? Durch das erhöhte Angebot von Laubholz-Jungpflanzen haben sich die Mischverhältnisse in allen Betriebsarten zugunsten von Nadelholz-Laubholz-Mischverjüngungen (NH-LH) verschoben.

Diese Entwicklung ist erfreulich; die nächsten Jahre werden zeigen, ob dieses Potenzial durch Einwachsen der Mischbaumarten in die oberen Höhenklassen auch genützt werden kann, oder sei es durch Wildeinfluss, sei es durch forstliche Maßnahmen wieder verschwinden.

Angebot an Jungpflanzen

Die Zunahme der Pflanzenzahlen bei nahezu allen Baumarten zwischen der letzten und der vorletzten Aufnahmeperiode (5 und 6) hat sich in der aktuellen Periode 7 nicht fortgesetzt. Nur bei Fichte ist eine merkliche Zunahme in der ersten, dritten und vierten Höhenklasse zu verzeichnen und bei Buche eine wesentlich geringere Zunahme in der dritten und vierten Höhenklasse. Die anderen Baumarten bleiben nach wie vor in den unteren Höhenklassen hängen (Abbildung 4).

Verjüngung, Defizite im Schutzwald
Abbildung 4: Selektiver Verbiss der Baumarten im Fichten-Tannen-Buchenwald  -  
Anzahl der Probepflanzen in den Höhenklassen (ÖWI-Periode 6 - 2000/02 und ÖWI-Periode 7 - 2007/09)

Einfluss des Schalenwildes

Abbildung 4 zeigt außerdem, dass im Fichten-Tannen-Buchenwald nur die Fichte mitentsprechender Stammzahl in die vierte Höhenklasse bis 1,30 m einwächst. Von den Mischbaumarten erreicht die Buche wenigstens zu einem gewissen Teil die oberen Höhenklassen, während dort weder die Tanne noch Edellaubhölzer nennenswert vertreten sind. Das erhöhte Pflanzenangebot aus Periode 6 konnte also bei den Mischbaumarten nicht genutzt werden.

Mehrfacher Leittriebverbiss betrifft vor allem die Mischbaumarten und hemmt diese offensichtlich erheblich in ihrer Höhenentwicklung. Bei der Probepflanzenauswahl wurden bevorzugt Pflanzen aus der vierten Höhenklasse herangezogen, nur wenn hier zu wenige zur Verfügung standen Pflanzen aus der dritten, dann aus der zweiten, dann aus der ersten Höhenklasse. Die tatsächliche Höhenklassenverteilung ist daher wesentlich stärker "linksschief", als es in Abbildung 4 der Fall ist.

Schadensfläche nach Betriebarten

Verjüngung, Defizite im Schutzwald
Abbildung 5: Wildschaden – verjüngungsnotwendige Fläche - Betriebsarten

Als Schadensfläche zählen solche, auf denen nicht ausreichend ungeschädigte Pflanzen vorhanden sind, wobei nur mehrjährig am Leittrieb verbissene Pflanzen als geschädigt gelten. Bei der Betrachtung der Schadensflächen-Anteile ist die Wahl der Bezugsfläche wesentlich: Betrachtet man die verjüngungsnotwendige Fläche (Abbildung 5), dann liegt der Anteil der Schadensflächen etwa bei einem Drittel. Der Anteil der Flächen mit Hemmfaktor Verbiss dürfte tatsächlich aber höher liegen.
Betrachtet man dagegen die verjüngungsnotwendige Fläche, auf der auch tatsächlich Verjüngung vorhanden ist (Abbildung 6), dann liegt der Anteil der Wildschadensflächen bei drei Viertel.

Verjüngung, Defizite im Schutzwald
Abbildung 6: Wildschaden – verjüngungsnotwendige und verjüngte Fläche - Betriebsarten

Insgesamt haben sich die Verhältnisse seit der letzten Periode kaum verändert, allerdings fällt der Anteil der Schadensflächen im Wirtschaftswald leicht ab, während er im Schutzwald steigt (in Periode 6 nur im Schutzwald außer Ertrag, in Periode 7 auch im Schutzwald im Ertrag).

Vergleich mit Wildeinflussmonitoring

Ein Ergebnisvergleich der Österreichischen Waldinventur (ÖWI) mit denen des Österreichischen Wildeinflussmonitoring (WEM) ist aufgrund der unterschiedlichen Erhebungsmethoden nur bedingt möglich.

Die ÖWI wertet für die Schadensbeurteilung den mehrjährigen Leittriebverbiss der letzten fünf Jahre aus, das WEM den Vorjahresverbiss. Die ÖWI-Ergebnisse sind daher im Nadelwald etwas höher als die des WEM, weil sich die Verbisswerte der einzelnen Jahre, die bei Nadelholz länger sichtbar bleiben, kumulieren. Beim Laubholz unterschätzt die ÖWI allerdings das Ausmaß des mehrjährigen Verbisses, was sich vor allem in laubreichen Bundesländern wie beispielsweise dem Burgenland auswirkt. Hier liegt das ÖWI-Ergebnis unter dem des WEM. In Summe über Österreich aber liegt das ÖWI-Ergebnis wegen der Kumulierung mehrerer Jahre über dem des WEM, dafür ist es aber nicht so starken Schwankungen unterworfen.

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