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Dr. Ralf Petercord

LWF

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für Wald und Forstwirtschaft

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Autor(en): Hans-Peter Dietrich, Stephan Raspe, Alfred Schubert
Redaktion: LWF, Deutschland
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Trockenheit - Ursache für starke Zuwachsverluste?

Fichtenblüte
Abb. 1: Fichtenblüte
 
Entwicklung der Nadelgewichte und Trieblängen von Fichten
Abb. 2: Entwicklung der Nadelgewichte und Trieblängen von Fichten an Waldklimastationen und Bodendauerbeobachtungsflächen.
 
 
Abb. 3: Wöchentliche Änderungen des Brusthöhendurchmessers an den Waldklimastationen Flossenbürg (Fichte), Freising (Buche) und Riedenburg (Eiche).

Zur Ansicht der Grafik bitte auf den Link klicken.

Durch die extreme Witterung im Sommer 2003 und die starke Blüte sind unsere Waldbäume stark geschwächt, markante Zuwachsminderungen sind die Folge. An den Waldklimastationen und Bodendauerbeobachtungsflächen zeigten besonders Fichtenbestände starke Einbußen bei Nadel-, Trieb- und Durchmesserwachstum, während die Laubbäume bis in den August weniger stark reagierten. Erst die kommende Vegetationszeit wird Aufschlüsse darüber geben, wie stark Leistungsvermögen und Vitalität der Waldbäume tatsächlich beeinträchtigt wurden.

Starke Blüte + Trockenheit = Zuwachsrückgang

An 12 von 13 Fichtenbeständen wurde extrem starke Blüte (Abb. 1) und teilweise starker Zapfenbehang registriert. Dies wirkte sich besonders bei Fichten negativ auf die Zweig- und Nadelneubildung aus. Das bestätigt frühere Beobachtungen. Ähnlich wie im Fruchtjahr 1992 blieben auch 2003 die Neutriebe kurz, die Nadeln daran klein und die Nadelgewichte einzelner Nadeln gering. Die gesamte Nadelmasse des produktivsten jüngsten Jahrganges war deutlich vermindert. Verglichen mit den Vorjahren war der Trieb- und Nadelzuwachs des Neuaustriebs 2003 sogar um mehr als 50 % reduziert (Abb. 2).

Zwei Gründe sind dafür verantwortlich: Fichten bilden häufig auch Blütenknospen an Zweigpositionen aus, an denen sonst Triebe entstehen würden. Gleichzeitig werden für die Blüte und Frucht Reservestoffe und Energie aufgewendet, die dann für die Neuanlage von Trieben und Nadeln nicht mehr zur Verfügung stehen.

Zweigjahrgang 2003 bei Fichten stark unterentwickelt

Im Verzweigungssystem der Fichten ist die Triebgeneration 2003 stark unterentwickelt. Die "Minderzuwächse" eines einzelnen Nadeljahrgangs werden während der Lebensdauer der Nadel nicht mehr ausgeglichen. Weil die Blütenknospen bereits im Vorjahr einer Fruktifikation gebildet und mit Reservestoffen versorgt wurden, scheidet die Trockenheit als alleiniger Auslöser dieser Phänomene aus.

Leistungs- und Zuwachsminderungen für den gesamten Baum sind in den Folgejahren unausweichlich. Der aufmerksame Waldbeobachter kann derzeit selbst an den Kronen frisch gefällter Bäume die kurzen neuen Triebe als Reaktion erkennen.

Früchte verkümmerten

Bei Sommerhitze und Trockenheit verkümmerten die Früchte und es fehlte die Kraft für die Neubildung von Nadeln und Knospen. Nicht überall und an jedem Baum hat die starke Blüte auch zu intensivem Zapfenbehang geführt. Nur an 6 von 12 WKS Standorten trat Vollmast an den beprobten Fichten auf. Wohl in Folge der Trockenheit fehlte aber oftmals die Energie für die Zapfenreife. Dies zeigt sich an kleinwüchsigen, häufig verkümmerten Zapfen. Selbst sonst niederschlagsreiche Standorte der Mittelgebirge (z.B. Goldkronach, Flossenbürg, Abb. 4) und der Alpen (Berchtesgaden) waren betroffen.

Fichtennadeln häufiger vergilbt als in Vorjahren

Häufig wurden blasse, vergilbte Nadeln an den jüngsten Trieben beobachtet, was sonst nur an älteren Nadeljahrgängen auftritt. Laboranalysen müssen zeigen, ob dies mit einer verringerten Nährstoffverfügbarkeit aufgrund der Trockenheit zusammen hängt.

Vermehrt war im Oktober "Nadelröte" an älteren Nadeljahrgängen zu beobachten, was als physiologische Nadelschütte, z.B. in Folge von Wassermangel gewertet wird (Abb. 5).

Nadel- und Triebentwicklung der Kiefern unbeeinträchtigt.

Anders als bei den Fichten waren an drei von vier beobachteten Kiefernbeständen die neuen Triebe länger als in den Vorjahren. Auch die Gewichte der jüngsten Nadeln waren dort nicht reduziert. Nur die Kiefern an der Waldklimastation Altdorf in Mittelfranken fruchteten stark (Ausbildung ein und zweijähriger Zapfen). Dort waren auch die Zuwächse an Trieben und Nadeln geringer als in den Vorjahren.

Laubbäume reagierten weniger stark als Fichten.

Verkümmerte Fichtenzapfen
Abb. 4: Verkümmerte Fichtenzapfen
 
Vergilbte Nadeln und Nadelröte
Abb. 5: Vergilbte Nadeln und Nadelröte an Fichten

Der Austrieb und die Blattentwicklung der Buchen und insbesondere der Eichen war deutlich weniger beeinträchtigt. Große Maitriebe an Ästen und Zweigen bei gleichzeitig starker Blüte und Fruktifikation signalisierten günstige Startbedingung für den Neuaustrieb in den beobachteten Laubbeständen. Sichtbare Reaktionen an der Verzweigung und den Blättern der Baumkronen wurden bis Mitte August 2003 nicht beobachtet.

Frühzeitige Vergilbung und Blattverfärbungen an Zweigspitzen traten in der ersten Augusthälfte nur auf nährstoffarmen, höher gelegenen Standorten Ostbayerns bei gleichzeitig intensivem Fruchtbehang auf. Verkümmerte, häufig "taube" und nicht selten von Parasiten befallene Früchte an Stiel- wie Traubeneichen sind wohl ein Indiz für fortschreitende Wasser- und Nährstoffknappheit.

Die zumeist erst später im Herbst beobachteten Phänomene des vorzeitigen Laubfalls oder der verfrühten Herbstverfärbung zeichneten sich bei der Probenahme im August noch nicht ab.

Durchmesserzuwächse bereits 2003 um bis zu 40 Prozent geringer

Dass die Bäume in Trocken- und Fruchtjahren mit schmaleren Jahrringen reagieren, ist in der Waldwachstumskunde allgemein bekannt. Besonders auffällige Jahre waren die sogenannten "Weiserjahre" 1947 und 1976, deren Folge an Stammscheiben von Fichten deutlich zu erkennen waren. Doch welchen Einfluss haben Dürre und Frucht im letzten Sommer auf die Holzbildung der Waldbäume in Bayern? Einen Hinweis darauf liefern die wöchentlichen Umfangmessungen an ausgewählten Bäumen auf den Bayerischen Waldklimastationen. An sechs Standorten werden hier jede Woche fest installierte Umfangmessbänder an bis zu zwanzig Bäumen auf ein zehntel Millimeter genau abgelesen. Diese Untersuchungen laufen seit zwei Jahren, so dass das Trockenjahr 2003 mit dem sehr feuchten Jahr 2002 verglichen werden kann (Abb. 3).

Vor allem die Fichten auf der Waldklimastation Flossenbürg (im Oberpfälzer Wald) und die Buchen in Freising (Tertiäres Hügelland) reagierten auf das Zusammentreffen von Blüte und Trockenheit mit bis zu 40% vermindertem Jahresdurchmesserzuwachs im Vergleich zum Vorjahr.

Unter günstigen Vorraussetzungen blieben Zuwachsverlust aus, wie das Beispiel des Eichenbestandes an der Waldklimastation Riedenburg (Oberpfälzer Jura) zeigt.

Nach Ende der Trockenheit im Oktober zeigten die Bäume einen deutlichen Durchmesseraustrag. Wie sich die Zuwächse in den kommenden Jahren entwickeln werden bleibt weiterhin spannend. Der Neuaustrieb 2004 und die noch ausstehenden Nährstoffanalysen und Zuwachserhebungen werden zeigen, ob nachhaltige Konsequenzen für Vitalität und Leistungsvermögen der Bestände durch die Extrembelastungen im Jahr 2003 eintreten.

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