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Dr. Ralf Petercord

LWF

Bayerische Landesanstalt
für Wald und Forstwirtschaft

Abt. Waldschutz
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Artikel

Autor(en): Stephan Raspe, Christoph Schulz und Frank Kroll
Redaktion: LWF, Deutschland
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Wenn schon im Sommer tonnenweise Blätter fallen

Grün abgeworfene Blätter
Abb. 1: Grün abgeworfenes Buchenlaub war im Sommer 2003 häufig anzutreffen.

Grünes, trockenes Laub und Nadeln am Waldboden waren im Spätsommer 2003 keine Seltenheit. Was der aufmerksame Waldbesucher während des letzten Sommers sehen konnte, hat die Bayerische Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF) mit ihrem Beobachtungsnetz der bayerischen Waldklimastationen wissenschaftlich ausgewertet. Besonders betroffen waren die Kiefern- und Buchenbestände auf trockeneren Standorten. Fichten reagierten dagegen nicht mit Nadelabwurf, waren aber durch den Borkenkäfer stark gefährdet.

An diesen Reaktionen werden die unterschiedlichen Strategien der Bäume im Umgang mit Trockenperioden sichtbar, aber auch die unterschiedliche Belastung an verschiedenen Standorten. Da das letzte Jahr gleichzeitig ein Vollmastjahr war, traf die Trockenheit die Wälder besonders hart.

Frühzeitig wurden Trockenschäden beobachtet

Bereits Mitte Juli 2003 meldete der Betreuer der Waldklimastation Würzburg auf seinem wöchentlichen Berichtsbogen: "Grüne Blätter fallen wegen Trockenheit teilweise ab". Damit begann eine kontinuierliche Reihe von Meldungen über Trockenschäden aus ganz Bayern.

Am 12. August meldete der Betreuer der Station Landau, dass sich wegen Trockenheit Eschenblätter einrollen und abfallen. Auch Stieleichen vergilbten und es kam zu vorzeitigem Blatt- und Fruchtfall. Dann ging es Schlag auf Schlag. Bis Anfang Oktober wurde jede Woche von einer anderen Waldklimastation von sichtbaren Reaktionen der Bäume auf die Trockenheit berichtet. Besonders betroffen waren zunächst die Buchenbestände, später folgten Eichen- und Kiefernbestände und schließlich die Fichtenstationen in den Forstämtern Zusmarshausen (2. September) und Sonthofen (7. Oktober). In Abb. 2 sind die Meldungen räumlich und zeitlich zugeordnet. Tendenziell breiteten sich die Trockenheitssymptome von Franken ausgehend über das süd- und ostbayerische Flachland bis zu den Mittelgebirgen und den Alpen hin aus.

Zusätzlich zu den beobachteten unmittelbaren Trockenreaktionen der Bäume wurde von vier Waldklimastationen Borkenkäferbefall gemeldet. Besonders betroffen hiervon war die Waldklimastation Goldkronach im Fichtelgebirge, auf der über zwei Drittel der Bäume gefällt werden mussten.

Vorzeitiger Laubfall wurde beobachtet und gemessen

Das ganze Ausmaß des frühzeitigen Laubabwurfs wird an den Streumengen deutlich, die an den Waldklimastationen im Abstand von 4 Wochen gemessenen werden. Abb. 3 zeigt die in speziellen Sammlern im Zeitraum Mitte August bis Mitte September aufgefangenen Blatt- beziehungsweise Nadelstreumengen im Jahr 2003 und vergleicht sie mit dem Mittelwert der letzten sechs Jahre.

Phänologisches Beobachtungsprogramm

Das phänologische Beobachtungsprogramm an den 22 bayerischen Waldklimastationen ermöglicht eine objektive Bestandsaufnahme der Reaktionen des Waldes auf den Rekordsommer im Jahr 2003.

Nach einem international standardisierten Verfahren bewerten die Betreuer dieser intensiven Umweltbeobachtungsstationen jede Woche zuverlässig den Entwicklungszustand der Bäume und nehmen sichtbare Schäden auf. So können die subjektiven Eindrücke über sichtbare Erscheinungen im Wald in objektive Zahlen gefasst und langfristig dokumentiert werden.

Kiefer

In allen beobachteten Kiefernbeständen fielen im letzten Sommer erheblich mehr Nadeln ab als üblich. Besonders hoch war der Streufall in Bodenwöhr, wo knapp 40 Prozent der regulären Nadelstreumenge bereits im August anfielen. Normalerweise fallen in diesem Zeitraum nur 10 Prozent. Ob es sich hierbei um einen zusätzlichen Nadelverlust durch die Trockenheit handelt oder ob die Nadeln nur früher als üblich abfielen, kann zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht mit Sicherheit gesagt werden. Im September und Oktober fielen im letzten Jahr jedoch deutlich weniger Kiefernadeln auf den Boden als in den Jahren zuvor, so dass vieles auf eine reine Verschiebung des Streufallszeitpunktes bei im Jahresverlauf gleichbleibender Menge hindeutet. Ob dies die Bäume in ihrer Photosyntheseleistung beeinträchtigte, wird sich am Zuwachs der nächsten Jahre zeigen.

Verteilung der Meldungen über Trockenschäden und Borkenkäferbefall
Abb. 2: Räumliche Verteilung der Meldungen über Trockenschäden und Borkenkäferbefall an den Waldklimastationen in Bayern

Laubbäume

Auch die Buchenbestände an den Waldklimastationen in Unter- und Mittelfranken warfen bereits im August letzten Jahres deutlich mehr Laub ab, als sie dies normalerweise im Sommer tun. So setzte der Laubfall an der Waldklimastation Bad Brückenau im letzten Jahr rund zwei Monate früher ein als üblich. Bereits im August fielen mit knapp einer Tonne pro Hektar etwa ein Drittel des gesamten Buchenlaubs vorzeitig ab. Etwas geringer fiel die Reaktion in Ebrach aus. Hier setzte der Streufall Anfang September ein, gut einen Monat zu früh. Auch in Mitterfels setzte der herbstliche Laubfall bereits zwei Wochen früher, Anfang September ein.

Auf den mit Wasser besser versorgten Standorten in Freising und Schongau fiel das Buchenlaub dagegen nicht vorzeitig herunter. Dieser relativ geringe Streufall reichte jedoch offensichtlich aus, um bei der Wiederholung der Kronenzustandsansprache zu einem deutlich schlechteren Ergebnis zu kommen.

Auch an den Waldklimastationen mit Eichenmischbeständen fiel nur wenig Laub frühzeitig auf den Boden. Aus Landau wurde jedoch bereits Mitte August der Beginn des Laubfalls gemeldet und damit einen Monat früher als in den vergangenen Jahren. Allerdings handelte es sich dabei nur um geringe Streumengen. In Landau und Würzburg betrugen die im Zeitraum August bis September gefallenen Laubmengen nur neun beziehungsweise sechs Prozent der gesamten Jahressumme.

Fichte

Die Fichten an den Waldklimastationen reagierten, im Gegensatz zu den Laubbäumen und zur Kiefer, nicht mit einem verfrühten oder erhöhten Nadelfall auf die Trockenheit. Nur nach Borkenkäferbefall fielen deutlich mehr Nadeln als üblich auf den Boden. In Zusmarshausen fiel dadurch in einem Monat über eine Tonne Nadelstreu pro Hektar an, was etwa einem Viertel der Gesamtmenge eines normalen Jahres entspricht. Wie oben erwähnt, war die Waldklimastation in Goldkronach besonders stark vom Borkenkäferbefall betroffen. Der Befall setzte jedoch schon früher ein, so dass vergleichbar hohe Nadelstreumengen wie in Zusmarshausen bereits im Juli gemessen wurden. Bis Ende August wurde die Fläche dann weitgehend durch Entfernung von Käferbäumen geräumt.

Vegetationszeit wegen Wassermangels vorzeitig beendet

Die beschriebenen Reaktionen auf die Trockenheit führten natürlich zu erheblichen Beeinträchtigungen während der Vegetationszeit. An vielen Standorten war die Dauer der Vegetationszeit im letzten Jahr deutlich kürzer als in den Jahren zuvor. Nach unseren bisherigen Untersuchungen endet zumindest das Wachstum von Buchen in der Regel mit dem Beginn der Herbstverfärbung. Auf den meisten Waldklimastationen setzte die Verfärbung letztes Jahr um ein bis drei Wochen früher ein als üblich. Allerdings dauerte es auch um bis zu einem Monat länger bis die Herbstverfärbung abgeschlossen war. Auch die Phase, in der das Laub von den Bäumen fiel, war in der Regel deutlich länger als in den Vorjahren. Das Ende der Vegetationszeit im Trockenjahr 2003 war daher nicht so scharf abzugrenzen wie es in Normaljahren möglich ist.

Streumengen Sommer 2003 im Vergleich zum Mittelwert
Abb. 3: Streumengen im Zeitraum Mitte August bis Mitte September im Jahr 2003 und im Mittel der Jahre 1997 bis 2002 gruppiert nach den Hauptbaumarten an den bayerischen Waldklimastationen

Zusätzlich Belastung durch starke Fruchtbildung

Unabhängig von der Trockenheit war das Jahr 2003 durch eine ausgesprochen intensive Blüte und Fruchtbildung nahezu aller Baumarten charakterisiert. So fielen an der Waldklimastationen Freising knapp 2,5 Tonnen Bucheckern und Eicheln pro Hektar im Sommer und Herbst. In ähnlichen Größenordnungen fielen Bucheckern in Schongau (2,5 t/ha) und Mitterfels (1,7 t/ha) sowie Eicheln in Riedenburg (1,8 t/ha) und Rothenbuch (1,2 t/ha). Zum Vergleich: In einem Nichtmastjahr fallen deutlich unter 500 Kilogramm Früchte auf einen Hektar Boden. Aus Freising wurde allerdings berichtet, dass nahezu alle Eicheln vom Eichelwickler angebohrt waren und daher taub zu Boden fielen. Auch an der Waldklimastation Rothenbuch wurde trockenheitsbedingt ein verfrühter Fruchtfall beobachtet.

Egal ob die Früchte nun bis zur Samenreife gelangten oder nicht, ihre Bildung stellte auf alle Fälle einen ganz erheblichen Kraftaufwand der Bäume dar. Die Energiereserven, die sie in diese Früchte investiert haben, konnten die Bäume weder für die Bewältigung der extremen Witterung während des Sommers 2003, noch für das Wachstum verwenden. Sie waren daher in ihrer Abwehr gegenüber Schädlingen und Schadstoffen geschwächt. Insofern trafen Hitze und Trockenheit die Wälder in einem ungünstigen Moment der vollen Fruktifikation und damit besonders hart.

Ausblick

Die im letzten Jahr beobachteten Anomalien beim Laubfall werden sich auch in diesem und den kommenden Jahren auswirken (2004 und 2005). Durch den frühzeitigen Laubverlust und die verkürzte Vegetationszeit konnten die Bäume nur wenig Reservestoffe aufbauen. Hinzu kommen, vor allem bei der flachwurzelnden Fichte, Feinwurzelschäden durch das extreme Austrocknen des Bodens. Damit starten die Bäume bereits geschwächt ins neue Jahr. Wir erwarten verringerte Blattmassen, verkürzte Triebe und eingeschränkten Zuwachs. Zu befürchten sind Störungen im Nährstoffhaushalt und erhöhte Anfälligkeit gegen Schädlinge und Witterungsstress.

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