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Dr. Horst Delb

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Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg (FVA)
Abteilungsleiter Waldschutz

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Artikel

Autor(en): Horst Delb, Reinhold John
Redaktion: FVA, Deutschland
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Dürre und Hitze setzten dem Wald 2018 erheblich zu

Schon im August waren landauf landab verfärbte und weitgehend entlaubte oder nadelfreie Bäume zu sehen (Abb. 1). Dies hatte seine Ursache in der lange anhaltenden Trockenheit in Verbindung mit hohen Temperaturen. Diese Trockenheit hielt bis Ende Oktober an. Auch eine außergewöhnlich starke Fruchtbildung setzte in diesem Jahr vielen Baumarten zusätzlich zu (Abb. 2, 3, 4). Im Frühjahr fielen große Mengen Blütenstaub auf Fenstern und Fahrzeugen auf. Diese starke Blüte, meist gefolgt von starkem Zapfenbehang, wirkt sich beispielsweise bei Fichten negativ auf die Zweig- und Nadelneubildung aus.

Inhalt

Diese extreme Witterung und die starke Blüte schwächte die Waldbäume stark. So sind vielerorts insbesondere die Nadelbäume durch Borkenkäferbefall in ihrer Existenz gefährdet. Aber erst die kommende Vegetationszeit wird genauere Aufschlüsse darüber geben, wie stark Leistungsvermögen und Vitalität der Waldbäume tatsächlich beeinträchtigt sind.

Braunes Laub an Buche Anfang August 2018 Mit Bucheckern stark behangene Buche
Abb. 1: Braunes Laub an Buche Anfang August 2018 (Anfang August 2018). Abb. 2: Mit Bucheckern stark behangene Buche (Ende August 2018).
   
Starker Zapfenanhang an Fichten Starker Zapfenanhang an Weißtanne
Abb. 3: Starker Zapfenanhang an Fichten (Ende August 2018). Abb. 4: Starker Zapfenanhang an Weißtanne (Anfang August 2018).

Borkenkäfer profitieren doppelt

Sturmwurf durch "Burglind". Fichten mit Bodenkontakt bleiben länger für Borkenkäfer attraktiv, weil der Baum noch teils mit Wasser versorgt wird.
Abb. 5: Sturmwurf durch "Burglind". Fichten mit Bodenkontakt bleiben länger für Borkenkäfer attraktiv, weil der Baum noch teils mit Wasser versorgt wird.

Von warmen Temperaturen profitieren Borkenkäfer, indem sie sich schneller entwickeln. Wenn weniger Zeit für die Entwicklung vom Eistadium bis zum ausfliegenden Käfer benötigt wird, können je nach Lage innerhalb eines Jahres anstatt einer oder zwei Generationen zwei oder drei entstehen. So wie im Jahr 2018: Rund eine Million Festmeter (Fm) oft einzelbaumweise oder kleinflächig angefallenes Fichten-Sturmholz vom Wintersturm "Burglind" 2018 waren über ganz Baden-Württemberg im Frühjahr eine ideale Brutstätte für die aus der Überwinterung kommenden Borkenkäfer (Abb. 5). In geworfenem beziehungsweise gebrochenem Holz wurde schon von Beginn der ersten Aprilhälfte an die erste Käfergeneration angelegt. In den folgenden Monaten mit überdurchschnittlich hohen Temperaturen und unterdurchschnittlicher Wasserversorgung hatten rindenbrütenden Fichtenborkenkäfer wie Buchdrucker und Kupferstecher optimale Bedingungen, um weitere Generationen und damit große Populationen aufzubauen. Daher kam es ab Ende Juni vermehrt zu Stehendbefall, ab August wurden immer größere Käferlöcher gemeldet und ab September stieg die Anzahl der gemeldeten Käferbäume landesweit noch einmal rasant an. In der Borkenkäferschwerpunktregion 2015-2017, vor allem den östlichen und südlichen Landesteilen mit Auswirkungen des Sturmes Niklas beziehungsweise eines Tornados und der Dürre 2015/16, war die Gefährdungslage durch bereits hohe Grundpopulationen zudem erhöht.

Schütter nach Spätsommer-Borkenkäferbefall, zugleich starker Zapfenbehang
Abb. 6: Schütter nach Spätsommer-Borkenkäferbefall, zugleich starker Zapfenbehang (Mitte Oktober 2018).

Der Buchdrucker bildete in vielen Regionen Baden-Württembergs drei Generationen und zusätzliche Geschwisterbruten aus. Das bedeutet, dass eine sehr große Käferzahl in den Bäumen und im Boden überwintert. Diese "Überwinterer" werden im Frühjahr 2019 zu einer neuen und massiven Gefahr für die Fichtenbestände, insbesondere wenn es nicht gelingt, im Wald lagerndes Käferholz rechtzeitig abzutransportieren. In den besiedelten Bäumen finden sich neben den Imagines (Käfern) vor allem Larvenstadien beziehungsweise Puppen des Buchdruckers. Da Ende 2018 immer noch ungewöhnlich hohe Tagestemperaturen herrschten, geht die Entwicklung unter der Fichtenrinde weiter; dies gilt sicherlich für die unteren und mittleren Lagen und vor allem für besonnte Standorte. Dort entwickeln sich die "weißen Stadien" solange weiter, bis aus den Larven Puppen werden und diese sich zum hellbraunen Jungkäfer entwickeln. Erst bei Temperaturen unter 7,3 °C werden diese Entwicklungen eingestellt. Während Larven und Puppen gegenüber winterlichen Frosttemperaturen sehr empfindlich sind und bei Minusgraden absterben, können (Jung-)käfer starken Frost überleben, solange sie mit den sinkenden Temperaturen langsam heruntergekühlt werden. Der Verlauf des Herbstes erlaubte eine stete Weiterentwicklung der Buchdrucker, so dass davon auszugehen ist, dass diese weitestgehend in der Phase als (Jung-)Käfer – und damit gut geschützt – in den Winter gehen. Das erhöht ein weiteres Mal die Käfergefahr für das kommende Frühjahr, somit ist für 2019 und die Folgejahre mit einer ausgesprochenen kritischen Borkenkäfer-Gefährdungslage zu rechnen.

Ohne Gegenmaßnahmen nehmen die Zahl der Käfer und damit das Gefahrenpotenzial für Nadelbäume mit jeder Generation beträchtlich zu. Beispielsweise fliegen aus einer Fichte mit Brusthöhendurchmesser von 20 cm und Kronenansatz in 13 m Höhe nach dem Abschluss der ersten Generation so viele Käfer aus, dass wieder 20 weitere Fichten befallen werden können. Nach der zweiten Generation können in der Folge 400 Bäume befallen werden und nach der dritten Generation sogar ganze 8.000 Fichten. Daraus wird ersichtlich, wie wichtig das frühzeitige Erkennen und unschädlich machen von Borkenkäfer befallenen Nadelbäumen ist. Dies ist besonders geboten, wenn bei anhaltendem Wasserdefizit die Harzbarriere der Nadelhölzer als Abwehrmöglichkeit deutlich herabgesetzt ist.

Fichtenkronen nach Borkenkäfer-Befall (von links): Baum 1: akut befallen, Nadeln vergilbend und zum Teil schon abgefallen; Baum 2: ohne Befall, keine Kronensymptome; Baum 3 (teils verdeckt): vergleichbar mit Baum 1, jedoch Spitze noch grün; Baum 4: älterer Befall, Nadeln kaum noch vorhanden, Brut bereits ausgeflogen
Abb. 7: Fichtenkronen nach Borkenkäfer-Befall (von links): Baum 1: akut befallen, Nadeln vergilbend und zum Teil schon abgefallen; Baum 2: ohne Befall, keine Kronensymptome; Baum 3 (teils verdeckt): vergleichbar mit Baum 1, jedoch Spitze noch grün; Baum 4: älterer Befall, Nadeln kaum noch vorhanden, Brut bereits ausgeflogen.
Nach Rüssel- und Borkenkäferbefall absterbende Schwarzkiefern im Frühsommer 2018
Abb. 8: Nach Rüssel- und Borkenkäferbefall absterbende Schwarzkiefern im Frühsommer 2018.)
Typisch Weißtanne, einen Käferbefall signalisiert sie recht schnell mit roter Krone
Abb. 9: Typisch Weißtanne, einen Käferbefall signalisiert sie recht schnell mit roter Krone.

Weichen für das nächste Jahr stellen

Es ist unbedingt erforderlich, die Ausgangspopulation für das kommende Jahr möglichst weit zu reduzieren. Deshalb muss in den betroffenen Forstbetrieben die Schwerpunktsetzung im Herbst und Winter weiter auf Kontrolle, Aufarbeitung und vor allem auch Abfuhr aller befallenen Stämme aus dem Wald liegen. Resthölzer sind gegebenenfalls durch Hacken unschädlich zu machen. Dies muss möglichst schnell erfolgen, denn mit zunehmender Dauer nach dem Befall werden Kambium und Rinde nekrotisch und sterben ab beziehungsweise werden vom Reifungsfraß der Käfer zersetzt, wodurch sich die Rinde vom Holz ablöst. Dann können die Fichten nicht mehr ohne erhebliche Rindenverluste gerückt werden, was gleichbedeutend mit im Bestand verbleibenden Käfern ist. Grundsätzlich sind Holzpolter mit Stämmen, deren Rinde noch anhaftet, prioritär abzufahren. In höheren Lagen sollte die Sanierung vor dem Schneefall erfolgen, denn die Käfer können im nächsten Frühjahr je nach Schneehöhe und Witterung gegebenenfalls schon vor Abschluss der Schneeschmelze ausfliegen.

Die bislang aufgelaufene Summe für das Sturmholz 2018 (1 Million Fm Fichte im Gesamtwald Baden-Württemberg) beziehungsweise für die zufälligen Nutzungen spiegeln am besten das Ausmaß von Trockenheit und Dürre beziehungsweise damit assoziiertem Käferholz wider. So wurden rund 95.000 Fm den Dürreschäden zugeordnet (Gesamteinschlag, Stand KW 42 2018). Unter der Nutzungsursache (Nadelholz) "Insekten" wurden bis zur KW 45 2018 im Staatswald rund 387.000 Fm (Vorjahr: 211.000 Fm), im Kommunalwald rund 446.000 Fm (Vorjahr 235.000 Fm) und im Privatwald rund 369.000 Fm (Vorjahr: 187.000 Fm) verbucht. Das sind in Summe rund 1.202.000 Fm. Käferholz und damit rund 569.600 Fm mehr als zum gleichen Zeitpunkt im Jahr 2017.

Die trocken-heiße Witterung fördert auch weitere Borkenkäfer

Auch der Kupferstecher konnte von der vorherrschenden Witterung und dem Brutraumangebot durch angefallene Resthölzer profitieren. Die geschilderte Vorgehensweise im Umgang mit Fichtenborkenkäfern gilt grundsätzlich auch für andere von rindenbrütenden Käferarten befallenen Nadelholzarten wie Tanne, Lärche oder Kiefer. In Südbaden haben Kiefernborkenkäfer und Rüsselkäfer der Kiefer große Teile eines Schwarzkiefernbestandes befallen, disponierender Faktor an diesem südexponierten Bestand war die Trockenheit (Abb. 8).

In einigen Landesteilen Baden-Württembergs häuften sich Meldungen über Borkenkäferbefall an der Weißtanne (Abb. 9). Vor allem der sogenannte Krummzähnige Tannenborkenkäfer (Pityokteines curvidens) und seine nahe Verwandten (Pityokteines spinidens, Pityokteines vorontzovi) sind an diesem Geschehen beteiligt. Allerdings gibt es auch Hinweise auf Beteiligung des Kleinen Tannenborkenkäfers (Cryphalus piceae).

Der Krummzähnige Tannenborkenkäfer erlebt nach trockenen Sommern und Herbst 2015 und 2016 und dem milden Frühwinter 2016 sowie dem heißen Sommer 2018 eine Renaissance. Sein Ruf ist nicht viel besser als der des Buchdruckers. In der Schweiz hat er einmal nach einem Trockenjahr 236.000 Fm Tannenholz geraubt, ein Jahr nach nach dem Trockenjahr 2003 waren auch in Baden-Württemberg beachtliche Weißtannenausfälle auf eine Gradation des Tannenborkenkäfers zurückzuführen (4.500 Fm).

Der Krummzähnige Tannenborkenkäfer befällt bevorzugt die astfreien Stammpartien geschwächter und absterbender älterer Tannen. Er bevorzugt augenscheinlich stärkere Dimensionen und wird in Stämmem mit einem Durchmesser unter 16 cm in der Regel nicht gefunden. Die Art tritt oft allein auf und ist die häufigste der Pityokteines-Arten. Die Rammelkammer des Käfers liegt oft in der Rinde verborgen und ist nicht deutlich sichtbar. Die Weibchen legen ein für die Art typisches, quer zur Faserrichtung verlaufendes Frassbild an (Abb. 10). Diese Muttergänge werden in einer doppelarmig quer zur Stammachse stehenden H-Form angelegt. Dieses Brutbild wird auch als "Doppelkammer" bezeichnet. Die Puppenwiegen liegen im Splintholz. Zu den Befallsmerkmalen zählen zahlreiche Harztröpfchen im Stammbereich, braunes Bohrmehl und Puppenwiegen im Splintholz. Der Käfer ist schwarzbraun und zwischen 2,5 bis 3 mm lang. Sein erster Absturzzahn zeigt senkrecht nach oben, der zweite Zahn ist hakenförmig nach innen gebogen und damit namensgebend.

Die Flugzeit der Käfer ist von April bis August, dabei sind April und Juli Hauptflugzeiten. Bei warmer Witterung werden zwei Generation im Jahr ausgebildet, in Ausnahmejahren auch drei. Die Überwinterung erfolgt meist in der Rinde oder im Spint von Brutstämmen oder an sogenannten Überwinterungsbäumen in kurzen Gängen, die an perlschnurförmigen Harztropfen zu erkennen sind. Neben den Tannenarten werden in seltenen Fällen auch Fichte, Lärche, Douglasie und Kiefer besiedelt.

"Doppelkammer" – Brutbild des Krummzähnigen Tannenborkenkäfers Puppenwiegen des Tannenrüsselkäfers
Abb. 10: "Doppelkammer" – Brutbild des Krummzähnigen Tannenborkenkäfers.
Abb. 11: Puppenwiegen des Tannenrüsselkäfers.
   
Fraßbild des Kleinen Tannenborkenkäfers Harzaustritt an befallenen Ästen
Abb. 12: Fraßbild des Kleinen Tannenborkenkäfers. Abb. 13: Harzaustritt an befallenen Ästen.

Weiterhin weisen befallene Tannen im dickeren Stammbereich neben Borkenkäfern häufig auch einen zusätzlichen Befall durch den Weißtannenrüssler (Pissodes piceae) auf. (Abb. 11).

So sehen mit Tannenborkenkäfer befallene Alttannen in der Frühphase aus
Abb. 14: So sehen mit Tannenborkenkäfer befallene Alttannen in der Frühphase aus.

Der kleine Tannenborkenkäfer (Cryphalus piceae) brütet vorzugsweise in dünner Rinde der Kronenregion, gelegentlich befällt er auch Jungwüchse (Kulturen, Naturverjüngungen). Beim Brutbild gehen von platzförmigen Muttergängen die Larvengänge strahlenförmig auseinander (Abb. 12). Der dunkelbraune bis schwarze Käfer ist mit 1 bis 2 mm Größe sehr klein. Die Hauptflugzeiten sind März/April und Juni/Juli. In warmen Jahren werden zwei Generationen ausgebildet.

Die Überwinterung erfolgt meist in kurzen Gängen der Rinde von Ästen und Zweigen alter Tannen. Neben der Tanne werden auch selten Kiefer oder Lärche besiedelt. Zunehmend wird die Art auch an Astquirlen der Douglasie gefunden. Starker Harzfluss im Kronenbereich und durch den Reifungsfraß der adulten Käfer verursachte krebsartige Wucherungen an den Ästen oder Stämmchen von jungen Bäumen sind die typischen Befallsmerkmale (Abb. 13).

Für den Umgang mit dem Weißtannenborkenkäfer (Pityokteines-Gruppe) gelten im Grunde dieselben Regeln, nach denen das Buchdrucker-Management abläuft: Befall frühzeitig entdecken, betroffene Bäume sofort einschlagen und zum Beispiel durch rechzeitige Abfuhr der Stämme rasch unschädlich machen.

Keine Überreaktionen beim Laubholz

Schon Mitte Juli 2018 färbte sich das Laub von Hainbuchen (Abb. 15), im August wiesen viele Laubholzbestände bereits verfärbtes Laub oder gar entlaubte Bäume auf. Das Bild zeigt sich in Abhängigkeit von Baumart, Fruchtbehang und Kleinstandort je nach Mischungsanteilen mitunter sehr uneinheitlich. Allen voran weisen Rotbuchen, aber zum Beispiel auch Hainbuchen, Ahornbäume, Robinien oder Linden einen starken Fruchtbehang auf. Die Fruchtbildung steht oft in Zusammenhang mit einem bereits im August einsetzenden frühzeitigen Blattfall. Dies erfolgt aus Gründen des Eigenschutzes vor der Vertrocknung und erfahrungsgemäß in der Regel erst nach Ausbildung der Knospenanlagen für das Folgejahr.

Mitte Juli sich verfärbende Hainbuchen im Kraichgau Linde mit Fruchtbehang
Abb. 15: Mitte Juli sich verfärbende Hainbuchen im Kraichgau. Abb. 16: Linde mit Fruchtbehang (Ende August 2018).

So hatte eine eingehende Untersuchung zum Ende des "Jahrhundertsommers" 2003 ergeben, dass bereits frühzeitig verfärbte und auch vollständig entlaubte Buchen durchaus noch grüne Knospen und unter der Rinde ein intaktes Kambialgewebe aufwiesen. Diese Buchen haben im Folgejahr weitestgehend ohne ersichtliche Mängel wieder ausgetrieben. Auf flachgründigen Extremstandorten oder im Unterstand kann jedoch nicht ausgeschlossen werden, dass es auch zu unmittelbaren Trockenschäden gekommen ist.

Der Vergleich zweier Fotos eines Mischbestandes zeigt, dass Buchen, die bereits zum Ende des ebenfalls trockenen Sommers 2016 frühzeitige Laubverfärbung und Blattabfall zeigten, in der Aufnahme von 2018 mit vergleichbaren Merkmalen immer noch vorhanden waren (Abb. 17). Allerdings erscheinen die betroffenen Bäume in diesem Jahr bereits stärker entlaubt.

Die direkten Auswirkung der Dürre im Sommer 2016 Die direkten Auswirkungen der Dürre im Sommer 2016  2018 (Aufnahme vom 26.08.)
Abb. 17: Die direkten Auswirkungen der Dürren im Sommer 2016 (Aufnahme vom 06.09.2016)
...und 2018 (Aufnahme vom 26.08.2018) im Vergleich (Breisgau-Hochschwarzwald).

Bestehen Zweifel über den Zustand der Buchen, sollten in geschlossenen Beständen betroffene Bäume erst nach eindeutiger Einzelfallprüfung des Zustandes der Knospen und des Kambiums anhand von Probefällungen entnommen werden. Dies soll verhindern, dass das Bestandesgefüge nicht ohne Not aufgelockert wird. Schüttere oder vorzeitig entlaubte Buchen, die an lichten Bestandesrändern bereits Sonnenbrand aufweisen, sollten zum Schutz der dahinter liegenden Buchen grundsätzlich stehen bleiben (Abb. 18).

Buchen an aufgelichteten Bestandesrändern 2018 Buchen an aufgelichteten Bestandesrändern 2018
Abb. 18: Buchen an aufgelichteten Bestandesrändern
(Breisgau-Hochschwarzwald, Ende August 2018)

An Buchen sind rindenbrütende Käfer wie der Kleine Buchenborkenkäfer oder der Buchenprachtkäfer im Gegensatz zum "Jahrhundertsommer" 2003 noch nicht zu beobachten. Insbesondere der Buchenprachtkäfer könnte sich aber je nach Witterung in den nächsten Jahren vor allem an Bestandesrändern aber auch in lichten Beständen einstellen.

Bei der Fruchtbildung werden viele Nährstoffe verbraucht, während ihre Neubildung aufgrund des frühen Verlustes der Blattorgane erheblich reduziert ist. Darüber hinaus erfolgen die Blattverluste des sogenannten "Hitzelaubes" bei Buchen entgegen des üblichen Vorgangs beim Laubabwurf im Herbst weitgehend ohne Nährstoffrückführung. Aus diesem Grund werden den betroffenen Laubbäumen im Frühjahr 2019 Reservestoffe fehlen.

Fazit

Bleibt zu hoffen, dass sich derartige Dürren nicht von Jahr zu Jahr wiederholen und damit den Bäumen keine Erholungspausen bieten. Dann könnten die Folgen für die Waldgesundheit in Zukunft deutlich dramatischer sein als bisher bekannt.

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