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Kompetenz-Netzwerk Klimawandel, Krisenmanagement und Transformation in Waldökosystemen (KoNeKKTiW)

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Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg (FVA)
Abteilung Forstökonomie

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Artikel

Autor(en): Jutta Odenthal-Kahabka
Redaktion: FVA, Deutschland
Kommentare: Artikel hat 0 Kommentare
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Strategien zur Sturmschadensbewältigung

Ratgeber "Forstliches Krisenmanagement"

Vorgehen der Landesforstverwaltung Baden-Württemberg nach "Lothar" - Beispiel einer Strategie zur Sturmschadensbewältigung

Eckpunkte der Strategie der Landesforstverwaltung Baden-Württemberg nach dem Sturmereignis "Lothar" im Dezember 1999 als Beispiel für ein mögliches Vorgehen einer Landesforstverwaltung nach einem Sturmereignis unter Berücksichtigung der gegebenen Rahmenbedingungen.

  • Steuerung der Aufarbeitung
  • Arbeitssicherheit
  • Pflegliche Aufarbeitung
  • Aufarbeitungsreihenfolge (eigenes Merkblatt)
  • Förderung des Privatwaldes
  • Wirtschaftlichkeit

Schaubild zur Strategieentwicklung

Schaubild

Steuerung der Aufarbeitung

Ziel
Strategie
Die Aufarbeitung der Sturmschäden erfolgt unter der Berücksichtigung der jeweils örtlichen Gegebenheiten. >
Die Steuerung der Sturmschadensbewältigung für den Staatswald und die praktische Unterstützung für den Körperschafts- und Privatwald erfolgt weitestgehend dezentral durch die staatlichen Forstämter.

Die zentralen Einrichtungen beschränken sich darauf, Ziele und Prioritäten vorzugeben sowie Dienstleistungen und Unterstützung für die Revier- und Forstamtsebene in übergeordneten Bereichen (z.B. Fernabsatz Holz, Holztransport, Nasslagertechnik, Akquirierung von Arbeitskräften) anzubieten.

Stärken:

  • Berücksichtigung der regionalen Bedingungen innerhalb eines Landes (Waldbesitzerstruktur; Baumartenverteilung, Sturmholzanfall nach "Lothar") und individueller "Vor-Ort-Strategien" bei der Sturmschadensbewältigung.
  • Probleme und Aufgaben lassen sich besser vor Ort und mit Kenntnis der lokalen Gegebenheiten lösen.
  • Die Handlungsfreiheit des einzelnen Revier- oder Forstamtsleiters einschränkende Vorgaben wären häufig nicht praktikabel und nicht überall konsensfähig gewesen.

Schwächen:

  • unterschiedliche Auffassungen und mangelnde Absprachen zum Umfang der geleisteten Unterstützung der Forstämter durch die mittleren Behörden
  • mangelnde Kontrolle der Leitung der Verwaltung über die Einhaltung der Vorgaben und Ziele
  • Unterschätzung der psychischen Belastung der Mitarbeiter durch die Sturmschadensbewältigung durch die Leitung der Verwaltung

Erfahrungen und Wertung:

Die Strategie der dezentralen Steuerung hat sich – basierend auf der Organisation des laufenden Betriebes – sowohl aus der Sicht der Leitung der Landesforstverwaltung als auch aus der Sicht der Mitarbeiter generell bewährt. Allerdings wird von den Mitarbeitern Bedarf gesehen, Zuständigkeiten und Unterstützung durch die Zentralen klarer und eindeutiger zu regeln sowie eine verstärkte Mitarbeiterführung und Kontrollmechanismen zu etablieren.

Arbeitssicherheit

Ziel
Strategien
Im Rahmen der Sturmholzaufarbeitung sind Arbeitsunfälle vermieden worden. > Die Arbeitssicherheit der Mitarbeiter genießt höchste Priorität. Folgende Maßnahmen zur Arbeitssicherung wurden in Gang gesetzt.
Vollernter mit Abstocker
Die Einhaltung der Arbeitssicherheit ist oberstes Gebot bei der Sturmholzaufarbeitung.

Maßnahmen:

  • Angebote zu UVV-Schulungen
  • Forcierung des Maschineneinsatz zur Arbeitsunterstützung
  • Einführung eines übertariflichen Zeitlohnes für Arbeiten in der Sturmholzaufarbeitung (Staatswald)
  • Vorgezogene Ausstattung der Forstwirte mit einem Notrufsystem (auf Wunsch auf für Kommunen und Unternehmer)

Stärken:

  • Deutliche Absenkung der Unfallzahlen im Staatswald sogar unter die Quote der Vorjahre.

Schwächen:

  • Trotz der Maßnahmen waren zahlreiche Unfälle und 25 Todesfälle im gesamten Land (alle Waldbesitzarten und Unternehmer) zu beklagen.
  • Insbesondere im Privat- und körperschaftlichen Waldbesitz konnten die Maßnahmen nicht greifen.
  • Im Staatswald war die Unterstützung der Arbeiten durch Maschinen nicht immer gegeben.

Erfahrungen und Wertung:

Im Staatswald haben sich die Bemühungen zur Arbeitssicherheit ausbezahlt, auch wenn es noch einige Punkte (z.B. die Unterstützung durch geeignete Maschinen) zu verbessern gibt. Im Nicht-Staatswald wird die Landesforstverwaltung gemeinsam mit den Unfallversicherungen nach Lösungen zur Reduzierung der Unfallzahlen suchen müssen.

Pflegliche Aufarbeitung

Ziel
Strategien
Im Rahmen der Aufarbeitung des Sturmholzes ist es gelungen, Schäden an Boden und Bestand durch Befahrung zu vermeiden. > Trotz flächigem Holzanfall hat die pflegliche Aufarbeitung der Sturmflächen Vorrang. Regelungen zur Einhaltung der Pfleglichkeit bei der Aufarbeitung wurden bereits im Januar aufgestellt:

Vorgaben:

  • Keine flächige Befahrung der Sturmwurfflächen zur Holzaufarbeitung, Entzerrung und Flächenräumung – auch in unübersichtlichen Situationen.
  • Untersagt war auch die Unterschreitung des Rückegassenabstandes von 20 m in der Ebene und 30 m im Steilhang. Die bereits bestehende Feinerschließung war zu nutzen.

Stärken:

  • In den meisten Fällen stand die Pfleglichkeit hinter den anderen Zielen zurück.

Schwächen:

  • Die Vorgaben zur Pfleglichkeit wurden nicht überall eingehalten. Im Konflikt zwischen den Zielen "Arbeitssicherheit – Pfleglichkeit – Wirtschaftlichkeit" wurde die Pfleglichkeit nicht immer als wichtig erachtet.
  • Das Wiederauffinden der vorhandenen Feinerschließung und die Durchsetzung der Richtlinien gegenüber den Unternehmern war nicht immer möglich.

Erfahrungen und Wertung:

Die pflegliche Aufarbeitung – im Normalbetrieb selbstverständlich – wurde in der Sturmholzaufarbeitung aus vielfältigen Gründen häufig vernachlässigt. Hier ist es von Seiten der Leitung der Verwaltung nötig, die Zielhierarchien für die Bewältigung zukünftiger Stürme noch eindeutiger zu formulieren und deren Beachtung einzufordern. Die besondere Sturmsituation darf kein Grund sein, von bisher geltenden Prinzipien abzuweichen.

Förderung des Privatwaldes

Ziel   Strategien
Die finanzielle Belastung privater Waldbesitzer durch die Vorfinanzierung der Sturmholzaufarbeitung ist deutlich reduziert. >
Die Aufarbeitung und der Verkauf des Sturmholzes erfolgt mit Priorität für den Privat- und Körperschaftswald.

Stärken:

  • Die Strategie ist von den Mitarbeitern der Landesforstverwaltung ausnahmslos gut aufgenommen und konsequent umgesetzt worden. Im Jahr 2000 wurden 74% des aufgearbeitete Sturmholzes aus dem Privatwald verkauft, dagegen nur 40% der aufgearbeiteten Mengen aus dem Staatswald (65% des aufgearbeiteten Sturmholzes aus dem Körperschaftswald).

Erfahrungen und Wertung:

Die Einigkeit in der Sache und das große Engagement aller Mitarbeiter bei der Ausführung verhalfen dieser Strategie zu ihrem Erfolg.

Wirtschaftlichkeit aller Maßnahmen

Ziel   Strategien
Auch in der Katastrophensituation ist im Staatswald Baden-Württemberg wirtschaftlich gearbeitet worden. >
Die vorrangige Auslastung eigener Arbeitskapazitäten für die Sturmholzaufarbeitung und wirtschaftliches Handeln stand bei allen Maßnahmen im Vordergrund.

Wertung:

Die Auslastung der eigenen Arbeitskapazität wurde erreicht, die Rahmenbedingungen der Umsetzungen sind jedoch verbesserungswürdig.
Das Betriebsergebnis im Staatswald konnte im Sturmjahr und in den Folgejahren nicht erfreuen und zollt den Umständen der Sturmschadensbewältigung Tribut. Zur Interpretation des Betriebsergebnisses müssen die Aktivitäten des Staatswaldes zugunsten der Belange der anderen Waldbesitzer und der Allgemeinheit mit einbezogen werden.

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