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Artikel

Autor(en): Alexander Angst
Redaktion: WSL, Schweiz
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Die Rotbandkrankheit breitet sich in der Schweiz aus

Der Nadelpilz Dothistroma septosporum ist der Erreger der Dothistroma-Nadelbräune, welche auch als Rotbandkrankheit bezeichnet wird. Er zählt in der Schweiz zu den Quarantäne-Organismen. Weil die Krankheit 2013 erstmals im Wald nachgewiesen wurde, sollten Forstleute ihr mehr Beachtung schenken.

von der Rotbandkrankheit befallener Föhrenzweig
Abb. 1 - Die Rotbandkrankheit befällt zuerst die ältesten Nadeljahrgänge und verursacht einen eindrücklichen Rotstich. Die Fruchtkörper sind als schwarze Punkte auf den Nadeln gut sichtbar. Anklicken zum Vergrössern.
Foto: Alexander Angst (WSL)
 
der Fruchtkörper drückt die Epidermis empor
Abb. 2 - Der schwarze Fruchtkörper drückt die Epidermis empor, welche als Folge davon seitlich reisst.
Foto: Alexander Angst (WSL)
 

Der Erreger der Rotbandkrankheit (Dothistroma septosporum, Syn. Scirrhia pini) ist ein Nadelpilz, der grundsätzlich alle Föhren-Arten befallen kann. Hauptsächlich aber kommt er in der Schweiz bei der Bergföhre, der Legföhre und der Waldföhre vor. In der Pflanzenschutzverordnung (PSV) ist er als besonders gefährlicher Schadorganismus (BgSO) aufgeführt und unterliegt der Melde- und Tilgungspflicht.

Die Symptome sind denen der Braunfleckenkrankheit sehr ähnlich. Da der Pilz zuerst die älteren Nadeljahrgänge befällt, wirkt eine kranke Föhre von innen her stark durchsichtig und fast kahl. Bei einem starken Befall ist nur noch der neueste Nadeljahrgang vorhanden. Es entsteht ein Bild, das man optisch mit Pudelschwänzen vergleichen kann. Befallene Nadeln verbraunen von der Spitze gegen die Nadelbasis hin. Um den Fruchtkörper herum, der die Nadeloberfläche längsseitig an zwei Stellen durchbricht (Abb. 2), entstehen rote Bänder (Abb. 1). Diese stehen für den deutschen Namen "Rotbandkrankheit". Eine präzise Differentialdiagnose kann nur mit dem Mikroskop oder mit molekularen Methoden erstellt werden.

Seit dem Erstfund in der Schweiz im Jahre 1989 wurde die Rotbandkrankheit lange Zeit nur an wenigen neuen Orten pro Jahr festgestellt. Seit 2007 haben die Meldungen und Anfragen bezüglich der Rotbandkrankheit dann auf mehrere Dutzend Fälle pro Jahr zugenommen. Befallen waren vorerst nur Föhren in privaten Gärten und öffentlichen Grünanlagen.

Was ist ein Quarantäne-Organismus?

Ein für ein bedrohtes Gebiet wirtschaftlich wichtiger Organismus (Pflanzenschädling oder -krankheit), der dort noch nicht vorhanden oder nicht weit verbreitet ist und offiziell bekämpft wird.

Quelle: Agroscope

Seit 2013 erstmals im Wald beobachtet

Im Frühling 2013 trat die Krankheit dann aber zum ersten Mal in den Kantonen Graubünden und Obwalden auch im Wald auf. Das Befallsgebiet umfasst heute das Mittelland von St. Gallen bis Fribourg und von Schaffhausen bis Interlaken (Abb. 3).

Der Erstfund im Wald umfasste eine isolierte Waldföhrenfläche von 0,5 ha oberhalb von Schiers (Prättigau, GR). Daran angrenzend stehen überwiegend Fichten und Laubholzarten. Die befallenen Waldföhren wurden noch im selben Jahr aus dem Bestand entfernt und gehäckselt. Der Befall in Schiers gilt als getilgt. Eine zweite Befallsfläche im Kanton Graubünden wurde kurz darauf im Domleschg entdeckt. Die befallenen Waldföhren befanden sich beim Autobahnanschluss A13 Thusis Süd, wo Tausende von jungen, natürlich verjüngten Waldföhren Symptome der Rotbandkrankheit zeigten. In einer Grossaktion wurden die befallenen Föhren auf einer Fläche von ca. 2 ha entfernt, doch gibt es entlang der A13 zwischen Thusis und Rothenbrunnen immer noch vereinzelte befallene Bäume.

Im Kanton Obwalden wurde die Rotbandkrankheit noch im selben Jahr an mehreren Standorten im Wald entdeckt. Betroffen waren Flächen auf zusammenhängenden Hochmooren in der Nähe vom Glaubenbielen- wie auch vom Glaubenbergpass. In diesen schwer zugänglichen Waldreservaten wachsen vorwiegend aufrechte Bergföhren. Ausserdem sind im Talboden des Kantons Obwalden in mehreren privaten Gärten Bergföhren befallen.

 
Nachweise der Rotbandkrankheit in der Schweiz
Abb. 3 - Nachweise der Rotbandkrankheit in der Schweiz. Anklicken zum Vergrössern.
 

Schulung der Forstdienste wichtig

Mitarbeitende von Waldschutz Schweiz schulten in beiden betroffenen Kantonen die zuständigen Forstdienste, damit die Rotbandkrankheit überall schnell erkannt werden kann. Zudem wurde gleichzeitig ein intensives Monitoring durchgeführt, um das Befallsgebiet genauer bestimmen zu können. Beide Kantone klären zurzeit das weitere Vorgehen bezüglich der Rotbandkrankheit ab.

Die Strategie des Eidgenössischen Pflanzenschutzdienstes (EPSD) legt fest, dass die lokalen Befallsherde der Rotband- und der Braunfleckenkrankheit von der Peripherie her gegen die Kernzone (Raum Zürich) hin zu tilgen seien. In urbanen Gebieten wird deshalb, wo auch immer von einem den beiden Quarantäne-Organismen befallene Föhren gefunden werden, generell deren konsequente Tilgung angestrebt. Bei einem Befall im Wald wird die Tilgungsstrategie in Zusammenarbeit mit dem Kanton an die jeweilige Situation (Gelände, Zugänglichkeit, Befall) angepasst.

Baumschulen können Krankheit verbreiten

Die Rotbandkrankheit wird in der Schweiz weiträumig vorwiegend mit befallenem Pflanzenmaterial verbreitet. Im Rahmen des Pflanzenpasssystems werden deshalb auch Föhren in Baumschulen spezifisch auf diese Krankheit kontrolliert. Im Jahr 2014 wurden in der Schweiz in fünf Baumschulen einzelne Parzellen für den Verkauf von Föhren gesperrt, weil in diesen entweder die Rotband- oder die Braunfleckenkrankheit auftrat. So wurden 2014 gegen 2000 Föhren in Baumschulen vernichtet. Mit dieser Massnahme lässt sich verhindern, dass befallene Föhren in den Handel gelangen. Um wieder Föhren verkaufen zu dürfen, darf in einer betroffenen Parzelle einer Baumschule mindestens während einer Vegetationszeit kein Schadorganismus vorkommen.

Das Klima des Jahres 2014 war für die Ausbreitung der Rotbandkrankheit ideal. Das überdurchschnittlich warme Wetter führte dazu, dass der wärmeliebende Pilz bis weit in den Herbst hinein Sporen bildete. Dies hatte zur Folge, dass Meldungen und Anfragen zu kranken Föhren auch im Winter nicht abnahmen und weitere Befallsherde auch von Januar bis März 2015 entdeckt wurden. Dass das sich ändernde Klima auf den Krankheitserreger einen starken Einfluss hat, wird auch im Ausland beobachtet. Aus Kanada ist bekannt, dass erhöhte Sommertemperaturen einen starken Einfluss auf die Verbreitung der Rotbandkrankheit haben. Die Beobachtungen von 2014 zeigen, dass auch in der Schweiz mit zunehmendem Befall zu rechnen ist.

Dieser Beitrag entstand in Zusammenarbeit mit der Zeitschrift Wald und Holz. Wald und Holz

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