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Artikel

Autor(en): Jonas Brännhage, Andrin Gross
Redaktion: WSL, Schweiz
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Merkblatt Eichenmehltau

Eichenmehltau zählt zu den häufigsten Eichenkrankheiten Europas. Tatsächlich handelt es sich um drei verschiedene, sehr ähnliche Pilzarten, die unabhängig voneinander aus Asien eingeschleppt wurden. Auch wenn die ausgelösten Blattsymptome oftmals gravierend aussehen, stellt die Erkrankung meist nur in Kombination mit anderen Faktoren eine Bedrohung für die Eichen dar.

Merkmale und Symptome

Die Symptome an den Blättern können sehr auffällig sein und stark befallene Eichen erkennt man bereits von Weitem an ihrer weisslichen Farbe. Ebenso kann es an den Blättern zu braunen Flecken, Blattdeformationen (z. B. Einrollen), vorzeitigem Blattfall (bes. in Eichenjungwuchs) und Absterben der Triebe kommen. Junge Eichen sind besonders betroffen und werden oft im Wachstum geschwächt. Befallene Sämlinge können ganz absterben.

Erysiphe alphitoides (Abb. 1) ist ein sehr verbreiteter Mehltau an heimischen Eichen. Er zeichnet sich durch den auffälligen mehlig-weissen Belag des Konidienstadiums (asexuelle Sporen) auf den Blattoberseiten (teils auch Blattunterseite) der jung oft deformiert wirkenden Eichenblätter aus. Im Herbst bilden sich die Chasmothezien (sexuelle Fruchtkörper, kleine schwarze Pünktchen). Befallene Eichenblätter finden sich fast während der ganzen Vegetationszeit zwischen Mai und November.

   
Erysiphe alphitoides  
Abb. 1 - Erysiphe alphitoides ist in der Schweiz weit verbreitet und kommt wohl fast überall vor, wo es Eichen hat. Foto: Julia Kruse
 
   

Erysiphe hypophylla (Abb. 2) ist nur schwer von E. alphitoides zu unterscheiden und beide Arten kommen ab und zu auf dem gleichen Blatt vor. E. hypophylla produziert einen unauffälligeren weissen Befall der Eichenblätter (ohne Deformationen), der lediglich auf der Blattunterseite auftritt. Auch die Form der Konidien ist etwas verschieden. Befallene Eichenblätter finden sich oft erst ab Herbst.

   
Erysiphe hypophylla  
Abb. 2 - Der Befall von Erysiphe hypophylla zeigt sich nur auf der Blattunterseite. Foto: Julia Kruse  
   

Erysiphe quercicola wurde erst 2007 als neue Art aus Japan beschrieben und wenig später überraschenderweise auch in Europa nachgewiesen. Sie lässt sich ausschliesslich genetisch von E. alphitoides unterscheiden. Vor dem molekularen Zeitalter wurde Sie daher übersehen.

Biologie und Vermehrung

Ein typischer Lebenszyklus des Eichenmehltaus läuft wie folgt ab: Im Frühjahr werden über Sporen die besonders anfälligen, jungen Eichenblätter befallen. Auf der Blattoberfläche wird dann ein wattig-weisses Oberflächenmycel gebildet, das mit Konidien (asexuelle Sporen) eine Massenvermehrung vollführt. Über Haustorien (Saugorgane) in den Blattzellen werden der Eiche Nährstoffe entzogen. Die sexuellen Fruchtkörper werden im Herbst produziert. Eichenmehltau überwintert artabhängig entweder als Myzel bevorzugt in Knospen (E. quercicola) oder als Chasmothecium (E. alphitoides und hypophylla) in der Baumrinde, wo es sich mithilfe von verzweigten Anhängseln festhält. Das Chasmothecium bildet erst im Frühjahr sexuelle Sporen, um erneut die frischen Blätter zu befallen. E. alphitoides gilt als "Schönwetterpilz" und scheint sich besonders bei warm-trockener Witterung sehr rasch ausbreiten zu können.

Verbreitung

Die genaue Herkunft der heute praktisch weltweit verbreiteten Eichenmehltaue ist noch nicht vollständig geklärt. Aufgrund der asiatischen Verbreitung weiterer, bei uns nicht vorkommenden Eichenmehltauarten, wird auch für die in Europa eingeschleppten Arten Asien als Ursprungskontinent vermutet. Interessanterweise zeigen die Eichenmehltaue in Europa unterschiedliche Verbreitungsgebiete.

E. alphitoides kommt in ganz Europa vor und ist fast überall klar die häufigste Art. Sie kommt mit einer grossen Spannbreite an geographischen und klimatischen Bedingungen zurecht. E. hypophylla scheint auf Nord- und Zentraleuropa beschränkt und auf ein kälteres Klima spezialisiert zu sein. Die Art gilt als selten, dürfte aber aufgrund der unauffälligeren Befallssymptome oft übersehen werden. Dagegen ist E. quercicola in Südeuropa häufig und an ein wärmeres Klima angepasst.

Die Verbreitungsgebiete der drei Arten überlappen sich stark. Alle drei Eichenmehltau-Arten sind auch aus der Schweiz bekannt und bis auf E. quercicola, der vorerst nur im Kanton Tessin nachgewiesen wurde, weit verbreitet. E. alphitoides ist auch in der Schweiz die häufigste Art und kommt wohl fast überall vor, wo es Eichen hat (Abb. 3).

   
Verbreitung von Erysiphe alphitoides in der Schweiz  
Abb. 3 - Verbreitung von Erysiphe alphitoides in der Schweiz. Regionen mit fehlenden Punkten bedeuten nicht die Abwesenheit des Pilzes, sondern stellen Beobachtungslücken dar.
 
   

Ökologie

Alle drei Eichenmehltau-Arten befallen in Europa die Blätter verschiedener laubwerfender Eichen (besonders Quercus robur, gefolgt von Q. petraea, teils auch Q. pubescens und Q. cerris), während die immergrünen Mittelmeereichen resistent zu sein scheinen. Dabei sind Eichen sowohl in Wäldern als auch in Parkanlagen betroffen. Da Eichen besonders im Flachland verbreitet sind, stammt der Grossteil der Eichenmehltaufunde von unter 600 m. ü. M. Schon länger bekannt waren Gelegenheitsfunde auf Rosskastanie (Aesculus hippocastanum), Edel-Kastanie (Castanea sativa), Perückenstrauch (Cotinus coggygria) und Rotbuche (Fagus sylvatica). Eine grosse Überraschung war die Entdeckung, dass eine Mehltaukrankheit auf Mango (Mangifera indica) mit E. alphitoides auf Eichen identisch zu sein scheint. Mittlerweile wurden alle drei Mehltauarten weltweit auf verschiedensten Wirtspflanzen wie Kautschukbaum (Hevea brasiliensis), Chinesischer Blauregen (Wisteria sinensis), Zitronenpflanze (Citrus spp.) oder Götterbaum (Ailanthus altissima, bislang nur Schweiz) nachgewiesen.

Die verschiedenen Altersstadien der Eichen scheinen sich auch durch verschiedene Mehltau-Arten etwas voneinander zu unterscheiden. Erysiphe quercicola scheint auf jungen Eichen besonders häufig zu sein, während E. alphitoides alle Altersstadien infiziert. Ein einziges Eichenblatt kann von mehreren Eichenmehltau-Arten gleichzeitig befallen sein. Um Konkurrenz untereinander möglichst gering zu halten, hat zwischen den drei Arten eine Nischendifferenzierung stattgefunden. E. hypophylla findet sich ausschliesslich auf der Blattunterseite und wird als konkurrenzschwächer als alphitoides eingestuft. E. alphitoides und quercicola kommen häufig zusammen auf der gleichen Blattoberseite vor, wo sie aber meist räumlich getrennt wachsen. Faktoren wie Stickstoffdüngung, erhöhte Wasserversorgung, Dichtpflanzungen sowie reduzierte SO2- Belastung in der Luft fördern das Wachstum von Eichenmehltau.

   
Jungpflanze  
Abb. 4 - Bei dieser Jungpflanze sind lediglich die Bereiche der Blattadern grün verblieben. Foto: Thomas Reich (WSL)
 
   

Gefahren und Bekämpfung

Unsere Eichen kommen mit dem Mehltau einigermassen gut zurecht, sodass dieser trotz der auffälligen Befallssymptome nicht als eine Bedrohung für unsere Eichenwälder angesehen wird. Befallene Eichen leiden jedoch unter einer reduzierten Photosyntheseleistung und einer geringeren Speicherung von Reservestoffen. Die grössten Auswirkungen zeigt Eichenmehltau in den folgenden drei Situationen: 1) in Niederwäldern, wo die Eichen durch den regelmässigen Schnitt bereits geschwächt sind; 2) in Eichenjungwuchsflächen im Wald und in Baumschulen; 3) bei kombiniertem Auftreten zusammen mit Trockenheit, Frost oder Schadinsekten, wobei sich die Sterblichkeit ausgewachsener Eichen erhöht.

Eine Bekämpfung von Eichenmehltau ist generell mit Fungiziden möglich. Baumschulen setzen an jungen Eichen mit starkem Mehltaubefall regelmässig Fungizide ein. Eine Verwendung von Fungiziden auf Verjüngungsflächen im Wald ist durch die Chemikalien- Risikoreduktions-Verordnung (ChemRRV) untersagt. Ausserdem wäre ein solcher Einsatz auch sehr teuer, praktisch kaum durchführbar und mit negativen ökologischen Konsequenzen behaftet. Eine Herbstlaubentfernung kann aufgrund der Entfernung der Chasmothezien ebenfalls Abhilfe schaffen. Die Wirksamkeit dieser Massnahme wird aber durch das häufige Überwintern der Eichenmehltaue in den Knospen abgeschwächt.

   
Starker Befall  
Abb. 4 - Auch wenn die Symptome der Eichenmehltaue zuweilen gravierend aussehen, so stellen sie in der Regel nur in Kombination mit anderen Faktoren eine Bedrohung für den Baum dar. Foto: Thomas Reich (WSL)  
   

Wo melden, wo um Rat fragen?

Eine sichere Bestimmung der drei Eichenmehltau-Arten ist oft nur genetisch möglich. Deshalb sind Fundmeldungen an SwissFungi, dem nationalen Datenzentrum zur Schweizer Pilzflora, nur sinnvoll, wenn ein getrockneter Herbarbeleg eingesendet wird. Zur sicheren Diagnose können solche Belege auch an Waldschutz Schweiz eingesendet werden. Benützen Sie dazu bitte das Online-Meldeformular.

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