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Originalartikel: Heiniger, U. (2003): Das Risiko eingeschleppter Krankheiten für die Waldbäume. Schweiz. Z. Forstwes. 154, 10: 410-414.
Autor(en): Ursula Heiniger
Online-Version: verändert, Stand: 03.12.2018
Redaktion: WSL, CH

Das Risiko eingeschleppter Pilzkrankheiten für die Waldbäume

Im Laufe der Evolution hat sich zwischen den einheimischen Arten und ihren Krankheiten ein Gleichgewicht eingestellt. Gelangen Krankheitserreger jedoch in neue Gebiete mit potenziellen neuen Wirtspflanzen, so können sich Epidemien entwickeln. Einige dieser Epidemien haben Geschichte geschrieben.

Ulmenwelke
Abb. 1 - Die Ulmenwelke oder Holländische Ulmenkrankheit wird durch den Pilz Ophiostoma ulmi verursacht.
Foto: Waldschutz Schweiz (WSL)
 
Stroben-Blasenrost
Abb. 2 - Der Strobenblasenrost (Cronartium ribicola) gehört zu den obligat wirtswechselnden Rostpilzen. Als Zwischenwirte treten die Kulturformen der Johannis- und Stachelbeere auf.
Foto: Phytopathologie WSL

Sowohl Wild- als auch Kulturpflanzen haben eine grosse Anzahl von pilzlichen Krankheitserregern. Bei Wildpflanzen nehmen die Krankheiten meist einen milden Verlauf, da sich im Laufe der Evolution zwischen den einheimischen Arten und ihren Krankheiten ein Gleichgewicht eingestellt hat.

Gelangen Krankheitserreger in neue Gebiete mit potenziellen neuen Wirtspflanzen, sind Epidemien nicht ausgeschlossen. Einige dieser Epidemien haben Geschichte geschrieben. So die Kraut- und Knollenfäule der Kartoffel, verursacht durch Phytophthora infestans, die 1845 nach Irland eingeschleppt wurde und dort innert kurzer Zeit zu einer grossen Hungersnot und zu einer Auswanderungswelle führte. Auch Bäume sind nicht vor schwerwiegenden Epidemien geschützt (siehe Tabelle 1).

Die Folge einer eingeschleppten Baumkrankheit können grosse Landschaftsveränderungen sein. So hat der Kastanienrindenkrebs (Cryphonectria parasitica) innerhalb von 30 Jahren die Amerikanische Edelkastanie (Castanea dentata) in den Appalachen, wo sie zuvor einen Viertel des Baumbestandes bildete, weitgehend dezimiert. Der Ulmenwelke (Ophiostoma ulmi und O. novo-ulmi, Abb. 1) fielen in Grossbritannien etwa 30 Millionen und in Nordamerika mehrere hundert Millionen Ulmen zum Opfer, und zwar sowohl Waldbäume als auch Feldgehölze und Stadtbäume.

Der Strobenblasenrost (Cronartium ribicola, Abb. 2) – eingeschleppt nach Nordamerika mit Sämlingen aus Europa, wo der Rost auf einheimischen fünfnadeligen Föhren (Pinus cembra und P. sibirica) endemisch ist – zerstörte die ausgedehnten Strobenbestände (P. strobus) und behindert auch heute noch Aufforstungen mit Stroben. Ceratocystis fimbriata f. sp. platani (Platanenkrebs oder Platanenwelke) hat in Südfrankreich seit 1970 viele Platanen zerstört und mittlerweile auch das Tessin und Genf erreicht.

Einmal etabliert, sind Pflanzenkrankheiten kaum mehr auszumerzen. In der Landwirtschaft wird den Krankheiten mit chemischen Mitteln, mit Kulturmassnahmen wie Fruchtfolge und mit der Züchtung von resistenten Sorten begegnet. Bei den langlebigen Waldbäumen sind solche Strategien nicht anwendbar und wenig erfolgreich. Deshalb gilt es, das Einschleppen von Krankheiten unbedingt zu vermeiden.

Neue Krankheiten in der Schweiz

Seit dem Erscheinen des vorliegenden Artikels sind weitere Krankheiten in die Schweiz eingeschleppt worden. Zu erwähnen ist natürlich insbesondere das Eschentriebsterben.

Krankheiten, die bis jetzt in der Schweiz noch nicht nachgewiesen wurden

Tabelle 1: Beispiele von eingeschleppten Pilzkrankheiten, die Wald- und Parkbaumarten massiv gefährden und zu grossen Veränderungen der Landschaft führten.
Erregerpilz Krankheit Betroffene Baumgattung
Land
Zeitpunkt der Einschleppung
Cryphonectria parasitica Kastanienrindenkrebs Castanea dentata

C. sativa

USA

Europa

1904

1938

Ophiostoma ulmi Ulmenwelke Ulmus Europa etwa 1910
Ophiostoma novo-ulmi Neue Ulmenwelke Ulmus
Europa etwa 1975
Ceratocystis fimbriata f. sp. platani Platanenkrebs Platanus Frankreich etwa 1960
Cronartium ribicola Strobenrost Pinus strobus USA
1906

Ausblick

Einmal eingeschleppt, lassen sich pilzliche Erreger von Pflanzenkrankheiten kaum mehr ausrotten, weshalb Verschleppungen unbedingt zu vermeiden sind. Da viele Pilze sich durch Wind verbreiten, ist eine neue Krankheit auch mit rigorosen phytosanitären Eingriffen nur bedingt einzudämmen. Wegen der Zunahme des globalen Handels erhöht sich die Gefahr, Krankheiten mit lebenden Pflanzen, mit Erde in Pflanzencontainern, aber auch mit verschmutztem Schuhwerk und mit Holzprodukten, vor allem Verpackungsmaterialen, einzuschleppen.

Mittels Inspektionen der Güter lassen sich leider nicht alle Krankheitserreger erkennen. Die Pflanze ist vielleicht erst latent befallen und die Krankheit somit noch nicht sichtbar. Gefahr droht auch von bislang unbekannten Krankheitserregern, die sich in ihrem Ursprungsland im Gleichgewicht mit ihren Wirten befinden und dort keine grossen Schäden verursachen. In einer neuen Region mag der Pilz aber auf hoch anfällige Wirtspflanzen treffen, wie dies z.B. für den Kastanienrindenkrebs der Fall war, der in seinen Ursprungsländern in Asien auf den asiatischen Kastanien keine wesentlichen Schäden verursacht.

Das Risiko für den Ausbruch neuer Baumkrankheiten wird weiter erhöht durch sich wandelnde Umweltbedingungen. Die Klimaerwärmung kann wärmeliebende Pathogene begünstigen und Umweltstress wie z.B. Trockenheit, Staunässe und Bodenversauerung können die Abwehr der Bäume reduzieren.

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