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Artikel

Autor(en): Ursula Heiniger
Redaktion: WSL, Schweiz
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Das Risiko eingeschleppter Pilzkrankheiten für die Waldbäume

Im Laufe der Evolution hat sich zwischen den einheimischen Arten und ihren Krankheiten ein Gleichgewicht eingestellt. Gelangen Krankheitserreger jedoch in neue Gebiete mit potenziellen neuen Wirtspflanzen, so können sich Epidemien entwickeln. Einige dieser Epidemien haben Geschichte geschrieben.

Ulmenwelke
Abb. 1 - Die Ulmenwelke oder Holländische Ulmenkrankheit wird durch den Pilz Ophiostoma ulmi verursacht.
Foto: Waldschutz Schweiz (WSL)
 
Stroben-Blasenrost
Abb. 2 - Der Strobenblasenrost (Cronartium ribicola) gehört zu den obligat wirtswechselnden Rostpilzen. Als Zwischenwirte treten die Kulturformen der Johannis- und Stachelbeere auf.
Foto: Phytopathologie WSL

Sowohl Wild- als auch Kulturpflanzen haben eine grosse Anzahl von pilzlichen Krankheitserregern. Bei Wildpflanzen nehmen die Krankheiten meist einen milden Verlauf, da sich im Laufe der Evolution zwischen den einheimischen Arten und ihren Krankheiten ein Gleichgewicht eingestellt hat.

Gelangen Krankheitserreger in neue Gebiete mit potenziellen neuen Wirtspflanzen, sind Epidemien nicht ausgeschlossen. Einige dieser Epidemien haben Geschichte geschrieben. So die Kraut- und Knollenfäule der Kartoffel, verursacht durch Phytophthora infestans, die 1845 nach Irland eingeschleppt wurde und dort innert kurzer Zeit zu einer grossen Hungersnot und zu einer Auswanderungswelle führte. Auch Bäume sind nicht vor schwerwiegenden Epidemien geschützt (siehe Tabelle 1).

Die Folge einer eingeschleppten Baumkrankheit können grosse Landschaftsveränderungen sein. So hat der Kastanienrindenkrebs (Cryphonectria parasitica) innerhalb von 30 Jahren die Amerikanische Edelkastanie (Castanea dentata) in den Appalachen, wo sie zuvor einen Viertel des Baumbestandes bildete, weitgehend dezimiert. Der Ulmenwelke (Ophiostoma ulmi und O. novo-ulmi, Abb. 1) fielen in Grossbritannien etwa 30 Millionen und in Nordamerika mehrere hundert Millionen Ulmen zum Opfer, und zwar sowohl Waldbäume als auch Feldgehölze und Stadtbäume.

Der Strobenblasenrost (Cronartium ribicola, Abb. 2) – eingeschleppt nach Nordamerika mit Sämlingen aus Europa, wo der Rost auf einheimischen fünfnadeligen Föhren (Pinus cembra und P. sibirica) endemisch ist – zerstörte die ausgedehnten Strobenbestände (P. strobus) und behindert auch heute noch Aufforstungen mit Stroben. Ceratocystis fimbriata f. sp. platani (Platanenkrebs oder Platanenwelke) hat in Südfrankreich seit 1970 viele Platanen zerstört und mittlerweile auch das Tessin und Genf erreicht.

Einmal etabliert, sind Pflanzenkrankheiten kaum mehr auszumerzen. In der Landwirtschaft wird den Krankheiten mit chemischen Mitteln, mit Kulturmassnahmen wie Fruchtfolge und mit der Züchtung von resistenten Sorten begegnet. Bei den langlebigen Waldbäumen sind solche Strategien nicht anwendbar und wenig erfolgreich. Deshalb gilt es, das Einschleppen von Krankheiten unbedingt zu vermeiden.

Neue Krankheiten in der Schweiz

  • 1986 tauchte der Kastanienrindenkrebs neu auch in mehreren Regionen der Schweizer Alpennordseite auf.
  • Der Feuerbrand des Kernobstes, eine gefährliche Bakterienkrankheit (Erwinia amylovora), wurde 1989 zum ersten Mal in der Schweiz festgestellt. Seit 1994 breitet er sich stark aus und hat in der Deutschschweiz bis Ende 2005 etwa 45'000 Apfel- und Birnenhochstammbäume befallen.
  • Als sehr gefährlich gilt auch Ceratocystis fimbriata f. sp. platani, die 1986 erstmals im Tessin gefunden wurde. C. fimbriata f. sp. platani – in den USA seit langem bekannt – begann sich nach 1945 in Südostfrankreich auszubreiten. Zwischen 1960 und 1972 fielen in Marseille 13% der Platanen dieser Krankheit zum Opfer. Von Frankreich her kommend, hat der Pilz 2001 auch den Kanton Genf erreicht, wo bis jetzt drei Orte betroffen sind.
  • Vermutlich eher ungefährlich ist der Rosskastanienmehltau (Erysiphe flexuosa), der 1999 erstmals mit Funden in Deutschland und in der Westschweiz für Europa belegt wurde. Er hat sich rasch bis Landquart und Brig ausgebreitet.
  • Scirrhia acicola Dearn. (Siggers), die Lecanosticta-Nadelbräune der Föhre, die in der Pflanzenschutzverordnung als Quarantäne-Organismus aufgelistet ist, wurde im Jahre 2001 in der Zentralschweiz in einer Gartenanlage an Bergföhre gefunden.
  • Plötzliches Eichensterben – SOD (Sudden Oak Death): Seit 1995 breitet sich in der Küstenregion um San Francisco (Kalifornien, USA) ein Eichensterben aus. Ein Gebiet von über 300 km Länge ist betroffen und auch in Oregon wurden 2001 erste Funde gemacht. Befallen werden Blätter und Triebe von verschiedenen Eichenarten. Die befallenen Bäume sterben manchmal schnell ab, was der Krankheit den Namen "Plötzlicher Eichentod" eingetragen hat. Der Krankheitserreger Phytophthora ramorum wurde 2004 erstmals in der Schweiz festgestellt. Er kommt bei uns bisher glücklicherweise nur in Baumschulen auf Viburnum und Rhododendron vor.

Seit dem Erscheinen des vorliegenden Artikels sind weitere Krankheiten in die Schweiz eingeschleppt worden. Zu erwähnen ist natürlich insbesondere das Eschentriebsterben.

Krankheiten, die bis jetzt in der Schweiz noch nicht nachgewiesen wurden

  • Ceratocystis fagacearum (Eichenwelke):In den USA breitete sich die amerikanische Eichenwelke ab 1928 von Minnesota bis nach Texas und Tennessee aus. Da in den USA die Sektion Weisseichen (Quercus), zu der Quercus petraea und Q. robur gehören, ziemlich resistent ist, hoffte man lange, dass die europäischen Eichenarten nicht gefährdet seien. Es zeigte sich jedoch, dass die europäischen Eichen ähnlich anfällig sind wie die amerikanischen Eichen.
  • Erlen-Phytophthora: Seit 1993 wird in England ein Erlensterben beobachtet, das von einer unbekannten Phytophthora-Art verursacht wird. Die neue Phytophthora- Art wurde 1996 auch in Frankreich nachgewiesen und scheint dort entlang aller wichtigen Flüsse vorhanden zu sein. Auch in Österreich, Dänemark, Deutschland, den Niederlanden, Schweden, Belgien, Ungarn und Italien wurde der Krankheitserreger identifiziert. Aus der Schweiz liegen bisher keine Meldungen vor.
Tabelle 1: Beispiele von eingeschleppten Pilzkrankheiten, die Wald- und Parkbaumarten massiv gefährden und zu grossen Veränderungen der Landschaft führten.
Erregerpilz Krankheit Betroffene Baumgattung
Land
Zeitpunkt der Einschleppung
Cryphonectria parasitica Kastanienrindenkrebs Castanea dentata

C. sativa

USA

Europa

1904

1938

Ophiostoma ulmi Ulmenwelke Ulmus Europa etwa 1910
Ophiostoma novo-ulmi Neue Ulmenwelke Ulmus
Europa etwa 1975
Ceratocystis fimbriata f. sp. platani Platanenkrebs Platanus Frankreich etwa 1960
Cronartium ribicola Strobenrost Pinus strobus USA
1906

Ausblick

Einmal eingeschleppt, lassen sich pilzliche Erreger von Pflanzenkrankheiten kaum mehr ausrotten, weshalb Verschleppungen unbedingt zu vermeiden sind. Da viele Pilze sich durch Wind verbreiten, ist eine neue Krankheit auch mit rigorosen phytosanitären Eingriffen nur bedingt einzudämmen. Wegen der Zunahme des globalen Handels erhöht sich die Gefahr, Krankheiten mit lebenden Pflanzen, mit Erde in Pflanzencontainern, aber auch mit verschmutztem Schuhwerk und mit Holzprodukten, vor allem Verpackungsmaterialen, einzuschleppen.

Mittels Inspektionen der Güter lassen sich leider nicht alle Krankheitserreger erkennen. Die Pflanze ist vielleicht erst latent befallen und die Krankheit somit noch nicht sichtbar. Gefahr droht auch von bislang unbekannten Krankheitserregern, die sich in ihrem Ursprungsland im Gleichgewicht mit ihren Wirten befinden und dort keine grossen Schäden verursachen. In einer neuen Region mag der Pilz aber auf hoch anfällige Wirtspflanzen treffen, wie dies z.B. für den Kastanienrindenkrebs der Fall war, der in seinen Ursprungsländern in Asien auf den asiatischen Kastanien keine wesentlichen Schäden verursacht.

Das Risiko für den Ausbruch neuer Baumkrankheiten wird weiter erhöht durch sich wandelnde Umweltbedingungen. Die Klimaerwärmung kann wärmeliebende Pathogene begünstigen und Umweltstress wie z.B. Trockenheit, Staunässe und Bodenversauerung können die Abwehr der Bäume reduzieren.

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