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Artikel

Autor(en): Alexander Angst
Redaktion: WSL, Schweiz
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Die Braunfleckenkrankheit der Föhre in der Schweiz

Die vom Nadelpilz Lecanosticta acicola verursachte Braunfleckenkrankheit der Föhre ist erst seit wenigen Jahren in der Schweiz nachgewiesen. Seit dem Erstfund 1995 haben die Befallsmeldungen stetig zugenommen. Die gefährliche Krankheit wurde hierzulande bisher erst an Bergföhre festgestellt, könnte aber auch Föhren im Wirtschaftswald befallen. Bäume können daran zu Grunde gehen.

Typisches Symptombild
Abb. 1 - Der schwarze Fruchtkörper der Braunflecken-
krankheit ist nur sehr schwer erkennbar (rote Kreise). Diesen findet man häufig auf Nadeln, die von der Spitze her braun sind, gelegentlich aber auch auf noch fast ganz grünen Nadeln. Anklicken zum vergrössern.
Foto: Alexander Angst (WSL)
 
braune Föhrenzweige
Abb. 2 - Typisches Symptombild: zuerst werden die älteren Nadeljahrgänge braun.
Foto: Roland Engesser (WSL)

In den vergangenen zwanzig Jahren wurden in der Schweiz zahlreiche eingeschleppte oder eingewanderte Krankheitserreger und Schädlinge an Pflanzen entdeckt. Zu diesen Schadorganismen gehört auch der Erreger der Braunfleckenkrankheit. Er kann sämtliche in der Schweiz vorkommende Pinus-Arten befallen. Bislang wurde der Schaderreger in der Schweiz aber nur an Bergföhren (Pinus mugo) und ausschliesslich in Garten- und Parkanlagen festgestellt. In Österreich trat der Pilz auch schon an der Waldföhre (Pinus sylvestris) auf. Dies lässt befürchten, dass er auch hierzulande auf diese Baumart überspringt.

Der deutsche Name "Braunfleckenkrankheit" deutet auf die typischen Symptome hin. Oft sind die braunen Flecken auf den ein- bis mehrjährigen Nadeln von einem gelben Rand umgeben. Im Zentrum ragt der Fruchtkörper hervor, der von Auge als kleiner, schwarzer Punkt zu erkennen ist (Abb. 1). Eine präzise Diagnose lässt sich aber nur im Labor mit dem Mikroskop erstellen.

Sind die Nadeln einmal von der Krankheit befallen, werden sie schnell braun und fallen vorzeitig ab. Besonders auffällig sind die Symptome in den Monaten Juni und Juli, wenn im unteren Bereich des Baumes und nahe des Stammes grössere braune Partien optisch hervorstechen (Abb. 2). Im Spätsommer und Herbst können die Symptome leicht mit der physiologischen Schütte verwechselt werden, einem natürlichen Prozess, der mit dem herbstlichen Laubfall zu vergleichen ist.

Im Raum Zürich häufig

In der Schweiz wurde Lecanosticta acicola hauptsächlich in den Mittellandkantonen der Deutschschweiz diagnostiziert. Das Befallsgebiet erstreckt sich von Biel bis Steckborn und von Rheinau bis Erstfeld (Abb. 3). Besonders viele Nachweise gibt es im Grossraum Zürich, wo auf zahlreichen Friedhöfen und in Privatgärten infizierte Bergföhren gefunden wurden. Im Genfersee-Gebiet sowie im Wallis, Tessin und in Graubünden sind bislang keine befallenen Bäume nachgewiesen. Dies mag einerseits daran liegen, dass die Gärten und Parks in diesen Gebieten generell weniger mit Bergföhren begrünt sind oder dass es dem Pilz einfach zu kalt ist, denn über 600 m ü.M. wurde er in der Schweiz bis jetzt noch nicht entdeckt.

Fundorte von Bergföhren mit Braunfleckenkrankheit
Abb. 3 - Fundorte von Bergföhren mit Braunfleckenkrankheit. Stand: Dezember 2011.

Erreger noch nicht im Wald nachgewiesen

Der Erreger der Braunfleckenkrankheit ist bis heute nur in privaten und öffentlichen Grünanlagen wie Gärten, Friedhöfen und Parkanlangen nachgewiesen. Dort, wo die Fundorte nahe an den Wald grenzen, haben Wissenschaftler der Forschungsanstalt WSL die Waldföhren im Bestand näher untersucht. Nach einer visuellen Begutachtung aus der Distanz sammelten sie geschüttete Nadeln aus der Bodenstreu, um sie hinsichtlich der Braunfleckenkrankheit zu analysieren. Die Resultate waren negativ. Der Pilz wurde also bislang noch nicht im Schweizer Wald festgestellt.

Das schliesst jedoch nicht aus, dass die Krankheit auch bei uns schon im Wald auftritt: einerseits ist es durchaus möglich, dass der Pilz irgendwo unbemerkt in den Wald übergesprungen ist. Andererseits zeigen Erfahrungen aus Kanada mit dem nahe verwandten Pilz Dothistroma pini, dem Erreger der Rotbandkrankheit, dass dieser in autochthonen Drehkiefernwäldern zwar stets vorhanden war, aber langezeit keine grossen Schäden angerichtet hatte. Vermehrte Niederschläge im Frühjahr und Frühsommer haben aber nun dazu geführt, dass sich der Pilz schlagartig ausgebreitet und grössere Flächen der Drehkiefer (Pinus contorta) zum Absterben gebracht hat. In diesem Zusammenhang ist erwähnenswert, dass auch die Rotbandkrankheit in der Schweiz bereits an der Waldföhre festgestellt wurde.

Im Gegensatz zur Schweiz wurde die Braunfleckenkrankheit in Österreich im August 2008 erstmals an Waldföhren im Wald nachgewiesen (mehr dazu). Seither haben sich die Beobachtungen in Österreich zwar in Grünanlagen und Gärten gehäuft, doch weitere Befälle in nahe gelegenen Wäldern blieben aus. Dies mag damit zusammenhängen, dass es sich dabei um einzeln beigemischte Föhren in Buchenmischwäldern handelte. Wie in der Schweiz streben auch die österreichischen Waldschutz-Experten an, eine weitere Ausbreitung der Pilzkrankheit zu unterbinden. In Deutschland fand man den Pilz nach einigen Einzelfunden auch an autochthonen Bergföhren-Beständen in Randgebieten eines Moores in Oberbayern. Die Waldföhre blieb vorerst verschont.

Quarantäneorganismus mit Meldepflicht

Die Pflanzenschutzorganisation für Europa und den Mittelmeerraum (EPPO) stuft die Braunfleckenkrankheit als besonders gefährlich ein. Auch in der Schweiz gilt Lecanosticta acicola als sehr gefährlicher Quarantäneorganismus, der bekämpft werden muss (Art. 5, Pflanzenschutzverordnung PSV). Es besteht eine Meldepflicht. Meldungen sollten an den kantonalen Pflanzenschutzdienst oder Waldschutz Schweiz erfolgen.

Weltweit nimmt die Einschleppung fremder Organismen markant zu. Auch in der Schweiz steigt die Anzahl neu entdeckter Arten (Neobiota) deutlich an. Neueste Studien zeigen, dass der zunehmende Warenhandel (Globalisierung) dafür verantwortlich ist. Bei der Etablierung der Organismen spielt die langfristige Klimaveränderung eine Schlüsselrolle. Die Witterung und die geographische Lage sind hierbei weniger wichtig.

So konnte beispielsweise der Erreger der Rotbandkrankheit der Föhre (Dothistroma pini) in Kanada von zunehmenden Niederschlägen im Frühsommer profitieren und sich von einem mässig gefährlichen Organismus zu einem Schaderreger einheimischer Altföhrenbestände wandeln. Das Zusammenspiel von zunehmendem Warenhandel und Klimawandel kann folglich unter bestimmten Konstellationen dazu führen, dass neue Schadorganismen nicht nur eingeschleppt werden, sondern sich auch etablieren können und somit zu verheerenden Auswirkungen führen.

Meldungen

Sind Föhren stark von Lecanosticta acicola befallen, so sterben die Bäume ab. Die Infektion der Nadeln beginnt jeweils im Mai bis Juni während Regenperioden. Nasses Wetter begünstigt die Verbreitung des Pilzes. Achten Sie daher auf braun verfärbte Nadeln: Vielleicht ist der Erreger der Braunfleckenkrankheit der Föhre aktiv. Im Verdachtsfall ist der Kantonale Pflanzenschutzdienst oder "Waldschutz Schweiz" zu informieren. Vielen Dank!

Liste der kantonalen Pflanzenschutzdienste (PDF)
Waldschutz Schweiz

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