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PD Dr. Berthold Metzler

PD Dr. Berthold Metzler

Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg (FVA)
Abteilung Waldschutz

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Artikel

Autor(en): Berthold Metzler
Redaktion: FVA, Deutschland
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Rindenbrand der Pappel

Im Frühsommer 2006 konnte man vermehrt Pappeln finden, deren Kronen stark entlaubt waren. Verursacher ist ein Pilz, der vor allem die jungen Zweige zum Absterben bringt, sodass Ende Mai viele Pappeln - vor allem Schwarzpappeln - fast kahl waren. In der Folge wuchsen aus den gesunden basalen Bereichen nestartig aussehende Büschel von Ersatztrieben (Abb. 1 und 2).

Dennoch bleiben die Wipfel oft dürr, vereinzelt kam es zu Ausfällen. Regionale Schwerpunkte der Erkrankung waren in Baden-Württemberg der mittlere Neckarraum; in Rheinland-Pfalz besonders der Landstuhler Bruch.

Verkahlte Pappeln Dürre Pappelwipfel
Abb. 1: Wipfeldürre Pappeln
Abb. 2: Pappeln mit Ersatztrieben

Schadsymptome

Ein- und zweijährige Triebe werden häufig abgetötet. An der Basis der abgestorbenen Triebe entstehen Ersatztriebe (Abb. 3).

An älteren Trieben und Ästen, jedoch auch an dicken Stämmen entstehen wenige Zentimeter große Läsionen, die normalerweise in der folgenden Vegetationsperiode gesund überwallt werden (Abb. 4). Allerdings bleiben dann T-Flecken und oxidative Verfärbungen (Fehlverkernungen) im Holz zurück (Abb. 5).

Wenn mehrere benachbarte Läsionen auf einem dickeren Ast zusammenwachsen, kann es auch zur Ringelung und damit zum Absterben von Starkästen kommen. Befallene Jungpflanzen gehen oft schnell zugrunde.

Ersatztriebe Überwallte Läsionen Holzfehler
Abb. 3: Ersatztriebe
Abb. 4: Überwallungen
Abb. 5: Fehlverkernungen

Der Schaderreger

Verursacher dieser Rindenkrankheit ist der Schlauchpilz Cryptodiaporthe populea (syn. Dothichiza populea). An den einjährig abgestorbenen Zweigen bilden sich zunächst in der Rinde kleine schwarze kugelförmige Fruchtkörper von weniger als 1 mm Größe (Abb. 6).

Dabei handelt es sich um die Nebenfruchtform des Pilzes Discosporium populem (Sacc.) Sutton. Sie durchbrechen die Epidermis pustelförmig (Abb. 7). Die ovalen, etwa 10 µm großen Konidien (Abb. 8) werden in großen Massen nach außen gepresst. Die Hauptfruchtform (Askosporen) findet sich an vorjährig befallenen und abgestorbenen Zweigen.

Die maximale Sporenbildung findet in den Monaten April bis Juni, sowie im Herbst statt.

Fruchtkörper des Pilzes Zweig mit Fruchtkörpern Konidien
Abb. 6: Fruchtkörper in der Rinde Abb. 7: Fruchtkörper
auf der Rinde
Abb. 8: Konidien

Betroffene Pappelarten und –sorten

Der Pappelrindenbrand ist auf die Gattung "Populus" beschränkt und gilt als einer der wichtigsten Schadfaktoren dieser Gattung. Dabei ist die Anfälligkeit der Pappelarten, –sorten und –klone sehr unterschiedlich. Bevorzugt befällt der Pilz Schwarzpappeln und ihre Hybriden wie "Italica" (Abb. 9) und "Robusta". Zitter- und Silberpappeln werden kaum befallen; Balsampappeln gelten als resistent.

Der Erreger ist seit 1915 auch in Nord-Amerika bekannt und verursacht an einigen dortigen Pappelarten ähnliche Schäden.

Begünstigende Faktoren

Der Pilz befällt die Pappeln bevorzugt in der vegetationsfreien Zeit. Bäume die durch Trockenheit, Frost oder Staunässe vorgeschädigt sind, werden bevorzugt infiziert, da die Rinde nicht ausreichend abwehrbereit ist. Für die Sporenkeimung und den Infektionsvorgang ist jedoch Feuchtigkeit erforderlich.

Befallene "Italica"-Hybride
Abb. 9: Befallene Hybridpappel "Italica"

Vermutlich hat das feuchte Frühjahr 2005 eine erste noch wenig auffällige Infektíonswelle verursacht. Dieser latente Befall kam nach den Winterfrösten 2005/2006 an den bereits befallenen Bäumen verstärkt zum Ausbruch.

Die Konstellation von Frühjahrsfeuchtigkeit und strengen Winterfrösten war auch in der Periode 2002/2003 gegeben als ebenfalls deutliche Schäden an Pappeln zu verzeichnen waren.

Prognose und Maßnahmen

Die abgestorbenen Zweige und Äste brechen in den kommenden Jahren ab und es werden sich Ersatzkronen ausbilden. Wenn die klimatischen Bedingungen und die Disposition der Pappeln jedoch einen wiederholten Befall begünstigen, kann es zu weiteren Ausfällen, insbesondere bei Dichtstand kommen.

Es besteht keine Möglichkeit zur chemischen Bekämpfung in Waldbeständen. Auch  werden Schwarzpappeln aufgrund ihrer Anfälligkeit selten als Wirtschaftspappeln angepflanzt.

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