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PD Dr. Berthold Metzler

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Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg (FVA)
Abteilung Waldschutz

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Artikel

Autor(en): Berthold Metzler
Redaktion: FVA, Deutschland
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Der Esskastanien-Rindenkrebs

Symptome und Biologie

An Baumbeständen erkennbare Befallssymptome für den Esskastanien-Rindenkrebs (Cryphonectria parasitica (Murrill) Barr) sind unterschiedlich starke Verlichtungen der äußeren Krone (Abb. 1, links). An Ästen mit Verlichtungserscheinungen und Welkesymptomen sind rindenbrandartige Veränderungen (Nekrosen) festzustellen (Abb. 1, rechts).

Auf glattrindigen Ästen und Stämmen äußert sich der Rindenbrand durch mehr oder weniger scharf abgegrenzte orangefarbene bis rötliche Rindenpartien. An stärkeren und grobborkigen Stämmen sind häufig unregelmäßige Längsrisse in der Rinde zu finden (Abb. 1, Mitte). Vor allem unterhalb der Nekrosen setzt eine starke Wasserreiserbildung ein (Abb. 1, rechts).

Erreichen die Nekrosen diese Wasserreiser, so kommt es hier etwa ab Ende Juli zum Welken des Laubes. Kommt es zur Ringelung, sterben die Stamm- bzw. Kronenteile oberhalb ab, oder es stirbt der gesamte Baum. Die Krankheit schließt damit die Produktion von Stammholz nahezu aus.

Merkmale
Abb. 1: Links: Verlichtung der äußeren Krone. Mitte: Längsrisse in der Rinde. Rechts: Rindennekrose
an Ast, darunter treiben Wasserreißer. (Fotos: FVA)

Schwierigkeiten bei der Suche nach dem Rindenkrebs ergeben sich oft dadurch, dass absterbende Kronen und Wasserreiserbildungen auch andere Ursachen haben können. Dies sind v. a. Dichtstand oder Überalterung von Stockausschlägen. Das Frühstadium des Abwelkens kann auch mit Trocknisschäden verwechselt werden (2003!). Es ist daher ratsam, in erster Linie auf Rindennekrosen und Stammdeformationen zu achten.

Ein weiteres, sehr typisches Merkmal ist die Mycelformation im Kambialbereich (Abb. 2). Auf befallenen Stammpartien sind teils auch mit bloßem Auge orangefarbene Fruchtkörper (Pyknidien) erkennbar, die bei feuchtwarmer Witterung Sporenranken entlassen (Endothiella-Nebenfruchtform, Abb. 3). Es werden stäbchenförmige, einzellige Konidien (3-5 x 1,2 µm, Abb. 4) gebildet. Bei älterem Befall (auch in offenen Brennholzstapeln) kann auch die Hauptfruchtform entstehen (Perithecien); zweizellige Ascosporen (7-1 1 x 3,5-5 µm). Diese Sporengeneration, die für die Entstehung neuer Kreuzungstypen (Kompatibilitätsgruppen) oder Rassen des Pilzes wesentlich ist, wird allerdings nur selten gefunden.

Infektionsverhalten

Mycel unter der Rinde
Abb. 2: Mycel, nach Entfernen der Rinde.
Fruchtkörper
Abb. 3: Fruchtkörper auf befallenen Stammpartien.
Konidien
Abb. 4: Stäbchen-förmige, einzellige Konidien (3-5 x 1,2 μm).
In-Vitro-Vermehrung hypovirulenter Pilzstämme
Abb. 5: Ansatz für Bekämpfungsmaßnahmen - in-vitro-Übertragung von Hypovirulenz. (Fotos: FVA)

C. parasitica ist ein sehr aggressiver Wundparasit. Eintrittspforten können feine Rindenverletzungen wie Wachstumrisse, lnsektenfraß oder Spechteinschläge sein. Übertragen wird der Pilz durch den Wind, Regenspritzwasser, Insekten oder Vögel. Gelegentlich werden in befallenen Beständen Läsionen mit nur geringer Ausbreitungstendenz gefunden.

Die beteiligten Pilzstämme sind dann wenig aggressiv und evtl. Träger von Hypovirulenz. Ursache dafür ist ein Virusbefall (dsRNA) im Pilz. Dieses Virus ist zwischen kompatiblen Pilzstämmen übertragbar und wird als Ansatz für Bekämpfungsversuche verwendet (Abb. 5: in-vitro-Übertragung von Hypovirulenz).

In Deutschland wurde bisher nur ein hypovirulenter Pilzstamm gefunden.

Verbreitung

Der ursprünglich in Asien auf den dortigen Kastanienarten beheimatete Pilz wurde 1904 mit Pflanzmaterial in die USA eingeschleppt. Von dort aus breitete er sich über den gesamten Osten der USA aus und führte zum großflächigen Absterben der dortigen natürlichen Kastanienwälder (Castanea dentata).

1938 wurde der Pilz erstmals in Europa (Genua) gefunden (Castanea sativa). Zwischen 1948 und 1963 wurden die Kastanienbestände im Tessin fast vollständig durchseucht. Lediglich in hochgelegenen Beständen trat der Pilz nicht auf. Seit 1985 ist er im Waadtland und im WalIis, seit 1989 auch im oberen Rheintal und bei Luzern festgestellt worden.

Inzwischen wurden auch die Kastanienwälder in weiten Teilen Südost- und Südwesteuropas von der Krankheit heimgesucht.

Mit dem Fund in der Ortenau im Mai 1992 ist er zum ersten Mal auch in Deutschland nachgewiesen. Ein Vorkommen in Rheinland-Pfalz aus dem Jahr 1993 konnte durch konsequente Sanierungsmaßnahmen nahezu ausgerottet werden.

Allerdings wurden 2004 neue Herde an der Weinstraße und auch im Bereich Heidelberg gefunden.

Quarantäne und Bekämpfung

Die strengen Quarantänerichtlinien der EG (2000/29/EG) wurden durch die Richtlinie 2004/-102/EG zum 1.3.2005 gelockert und so zum 12.10.05 in deutsches Recht umgesetzt (BGBl 2005 Teil I, Nr. 63, S. 2916ff). Handelsbeschränkungen für Rinde und für berindetes Holz innerhalb der EG gibt es nur noch für den Export in Schutzgebiete (Tschechische Republik, Griechenland (nur Kreta und Lesbos), Irland, Schweden und Großbritannien (ohne die Insel Man).

Esskastanien-Pflanzen benötigen weiterhin einen Pflanzenpass, aus dem hervorgeht, dass sie in einem befallsfreien Gebiet angezogen wurden, oder am Ort der Erzeugung und in dessen unmittelbaren Nähe seit Beginn der letzten Vegetationsperiode keine Anzeichen von C. parasitica festgestellt worden sind. Dies muss von zuständigen Pflanzenschutzdienst bestätigt sein. Dies gilt auch für Eichenpflanzen, da diese ebenfalls Überträger des Pilzes sein können.

Befallsverdächtige Esskastanien-Bestände müssen jährlich auf Symptome der Krankheit kontrolliert werden. Als besonders günstiger Zeitpunkt gilt der Hochsommer, da dann die neu gebildeten Wasserreiser oft wieder abwelken und somit ein gutes Erkennungsmerkmal darstellen.

Die betroffenen Bäume sollten bald entfernt werden. Es muss dabei vermieden werden, dass gesunde Bestände durch befallenes Material oder kontaminierte Schnittwerkzeuge infiziert werden.

Das Verbrennen des befallenen Materials vor Ort ist sinnvoll, jedoch oft aufgrund der anfallenden Menge, wegen Waldbrandgefahr oder wegen der Nähe zu Siedlungen ausgeschlossen. Vorteilhaft ist die ortsnahe Nutzung als Brennholz.

Zur Trocknung darf das Holz jedoch nicht über längere Zeit in der Nähe von Kastanienflächen gelagert werden, da der Pilz am liegenden berindeten Holz besonders stark fruktifiziert und erhöhte Verbreitungsgefahr besteht. Günstig ist daher die Verbrennung in Heizkraftanlagen.

Die frischen Stöcke neigen stark zur Bildung von Stockausschlägen, die wiederum hoch anfällig sind. Um dies zu verhindern können die Stöcke mit einem Herbizid behandelt werden; für diesen Zweck ist im Forst Roundup Ultra zugelassen (PSM-Verzeichnis des BVL 2004). Zu berücksichtigen ist, dass benachbarte Esskastanien durch das Herbizid über Wurzelverwachsungen geschädigt werden können.

Alternativ kann Ausdunkelung der Stockausschläge durch das Belassen von gesunden Kastanien und von Begleitbaumarten zum Erfolg führen. Mit diesen Maßnahmen sollen die weitere Verbreitung gebremst und noch höhere Sanierungskosten vermieden werden.

Auf Flächen, die aufgrund von sehr umfangreichem Befall nicht mehr komplett saniert werden können, sind im Zweifelsfall Bäume mit nicht eindeutigen oder mit ausheilenden Läsionen zu belassen. Sie sind möglicherweise Träger von hypovirulenten Pilzstämmen, unter deren Einfluss sich das Krankheitsgeschehen verlangsamen kann.

Die FVA Baden-Württemberg, Abt. Waldschutz, steht in ihrem Zuständigkeitsbereich für Diagnosen und Beratungen zur Verfügung.

Literatur

  • SEEMANN D; BOUFFIER V; KEHR R; SCHRÖDER T; UNGER J, 2001: Die Esskastanie in Deutschland und ihre Gefährdung durch den Kastanienrindenkrebs Cryphonectria parasitica. Nachrichtenbl. Dt. Pflanzenschutzdienst 53: 49-60.
  • SEEMANN D; ZAJONC J, 1994: Rindenkrebs der Eßkastanie (Cryphonectria parasitica) in Südwestdeutschland. Eur. J Forest Path. 24: 241-244.

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