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Dr. Horst Delb

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Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg (FVA)
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Artikel

Autor(en): Rasmus Enderle und Berthold Metzler
Redaktion: FVA, Deutschland
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Sorgenkind Esche: Stand der wissenschaftlichen Erkenntnisse

Die Europäische Esche leidet seit einigen Jahren unter dem Eschentriebsterben. Verursacht wird diese äußerst schwerwiegende Baumkrankheit von einem Schlauchpilz, der aus Ostasien stammt. Aus Sorge um die Zukunft dieser Baumart wird die Krankheit an der FVA und europaweit intensiv erforscht.

Inhalt

Das Eschentriebsterben und sein Erreger

Die Krankheit trat erstmals 1992 im Nordosten Polens auf, konnte mittlerweile in weiten Teilen des natürlichen Verbreitungsgebiets der Esche (Fraxinus excelsior) festgestellt werden und befindet sich immer noch in Ausbreitung. In Baden-Württemberg wurden die ersten Symptome im Frühjahr 2009 zunächst an Kulturen und Naturverjüngung deutlich. Durch Jahrringanalysen konnte der Erstbefall jedoch auf das Jahr 2006 datiert werden (Metzler 2010).

Befallen werden Eschen in allen Altersklassen und auf allen Standorten. Der Erreger des Eschentriebsterbens ist das Falsche weiße Stängelbecherchen (Hymenoscyphus pseudoalbidus). In Ostasien lebt dieser unscheinbare Schlauchpilz in den Blättern der dort heimischen Eschenart (Mandschurische Esche, Fraxinus mandshurica), verursacht an diesen Bäumen aber keine Schäden.

Die Fruchtkörper des Falschen weißen Stängelbecherchens wachsen ab etwa Juni auf den Eschenblattstielen des Vorjahres in der Bodenstreu. Apothecia of the causal agent Hymenoscyphus fraxineus
Abb. 1: Die Fruchtkörper des Falschen weißen Stängelbecherchens wachsen ab etwa Juni auf den Eschenblattstielen des Vorjahres in der Bodenstreu.

Entwicklungszyklus, Infektionshergang und Symptomatik

Etwa ab Anfang Juni bilden sich in der Bodenstreu auf den vorjährigen Eschenblattstielen die nur wenige Millimeter großen, weißen Fruchtkörper des Pilzes aus (Abb. 1). Diese setzen unzählige Sporen frei, welche über den Wind verfrachtet werden und so auf Eschenblätter gelangen können. Dort keimen die Sporen und der Pilz besiedelt innerhalb weniger Wochen das Blattgewebe, das daraufhin fleckweise abstirbt. Die befallenen Blätter werden von den Eschen frühzeitig abgestoßen, sodass häufig bereits im August nahezu völlig kahle Eschen zu sehen sind.

Beim Eschentriebsterben stirbt die Krone durch jährlich neue Infektionen sukzessive von außen nach innen zurück. An den noch lebenden Stellen der Krone reagieren die Eschen mit Ersatztriebbildung.
Abb. 2: Beim Eschentriebsterben stirbt die Krone durch jährlich neue Infektionen sukzessive von außen nach innen zurück. An den noch lebenden Stellen der Krone reagieren die Eschen mit Ersatztriebbildung.

Häufig dringt der Erreger jedoch auch über die Blattstiele in die Triebe vor und besiedelt hier Kambium, Holz und Mark, was in der Regel zum baldigen Absterben der Triebe führt. Durch die jährlich neuen Infektionen stirbt die Krone der Bäume sukzessive von außen nach innen zurück (Abb. 2). Je nach individueller Vitalität können einige Bäume diesen Verlust durch Ersatztriebbildung längere Zeit kompensieren, während andere bereits nach wenigen Jahren vollständig absterben.

Der Pilz überwintert in den abgeworfenen Blattstielen, auf denen in den folgenden Sommern wieder neue Fruchtkörper entstehen. Der Entwicklungszyklus des Pilzes ist damit abgeschlossen.

Ein weiteres Symptom des Eschentriebsterbens und ein wichtiger Mortalitätsfaktor sind Stammfußnekrosen (Abb. 3). Auch hier kann der Erreger des Eschentriebsterbens häufig nachgewiesen werden, wobei der Pilz möglicherweise über Lentizellen zum Kambium hin vordringt. An Stammfußnekrosen ist in den meisten Fällen auch das Myzel von Hallimasch (Armillaria spp.) zu finden (Abb. 4). Dieser Pilz ist ein Holzzersetzer, der die Standfestigkeit der Bäume durch Stammfußnekrosen schnell beeinträchtigen kann, mit gravierenden Folgen für die Verkehrs- und Arbeitssicherheit (Metzler & Herbstritt 2014). Stammfußnekrosen sind auch an Eschen zu finden, die sonst keinerlei Symptome des Eschentriebsterbens aufweisen.

Stammfußnekrosen sind ein wesentlicher Mortalitätsfaktor beim Eschentriebsterben.   Schwarze Rhizomorphen des Hallimaschs an einer Stammfußnekrose.
Abb. 3: Stammfußnekrosen sind ein wesentlicher Mortalitätsfaktor beim Eschentriebsterben.   Abb. 4: Schwarze Rhizomorphen des Hallimaschs (Armillaria spp.) an einer Stammfußnekrose.

Eschenbastkäfer (Hylesinus spp.) nutzen als Sekundärschädlinge des Eschentriebsterbens nur bereits stark vorgeschädigte oder abgängige Bäume als Brutraum (Abb. 5). Nach bisherigen Beobachtungen erfolgt dadurch nur eine geringfügige Beschleunigung des Absterbeprozesses.

Durch die Brutgänge des Eschenbastkäfers wurde diese durch das Eschentriebsterben stark geschwächte Esche nahezu vollständig entrindet.
Abb. 5: Durch die Brutgänge des Eschenbastkäfers wurde diese durch das Eschentriebsterben stark geschwächte Esche nahezu vollständig entrindet.

Das Eschentriebsterben in Baden-Württemberg

Seit das Eschentriebsterben in Baden-Württemberg 2009 erstmals auffällig wurde, hat die Fläche mit wirtschaftlich fühlbarem bis bestandesbedrohendem Krankheitsausmaß auf über 11.000 ha in 2013 rapide zugenommen. Am schwerwiegendsten sind dabei die Auewälder der oberrheinischen Tiefebene betroffen, in denen die Esche in Baden-Württemberg am häufigsten vorkommt.

Bisher ist der Einfluss des Eschentriebsterbens auf den gesamten Eschenholzeinschlag in baden-württembergischen Wäldern gering. Auch auf den Holzpreis hat sich das Eschentriebsterben bisher nicht erkennbar ausgewirkt. Seit 2012 ist jedoch ein leichter Anstieg der zufälligen Nutzungen (ZN) bei Esche zu verzeichnen. Erfahrungen aus Dänemark, wo das Eschentriebsterben bereits 2003 festgestellt wurde, lassen einen deutlichen Anstieg der ZN in den nächsten Jahren erwarten (McKinney et al. 2014).

Resistenz – Hoffnung auf eine gesunde Folgegeneration?

Auf vier Flächen eines Provenienzversuchs der FVA in der oberrheinischen Tiefebene wird das Eschentriebsterben seit 2009 untersucht (Enderle et al. 2013). Seitdem musste hier eine deutliche Zunahme der Krankheitsintensität festgestellt werden. Der Anteil vollkommen gesunder Eschen betrug 2013 nur noch 3 %, wohingegen sich die Mortalität mittlerweile auf 15 % summiert. Auch der Anteil der Bäume mit Stammfußnekrosen stieg deutlich auf 47 % in 2013 an. Zwischen den untersuchten Provenienzen wurden Unterschiede im Befallsgrad festgestellt, wobei offenbar vor allem eine Provenienz signifikant weniger anfällig ist. Der Anteil der gesunden Eschen in dieser Provenienz betrug 2013 noch 10 %.

Auf dieser Samenplantage bei Landstuhl in Rheinland-Pfalz stehen Eschenindividuen unterschiedlicher Anfälligkeit in direkter Nachbarschaft.
Abb. 6: Auf dieser Samenplantage bei Landstuhl in Rheinland-Pfalz stehen Eschenindividuen unterschiedlicher Anfälligkeit in direkter Nachbarschaft.

Immer wieder können Eschen, die keine oder nur sehr wenige Symptome des Eschentriebsterbens zeigen, in direkter Nachbarschaft zu stark befallenen Individuen gefunden werden (Abb. 6). In dänischen Samenplantagen konnte erstmals bewiesen werden, dass diese Resistenz zu erheblichem Grad genetisch bedingt und somit vererbbar ist. In Kooperation mit der rheinland-pfälzischen Forschungsanstalt für Waldökologie und Forstwirtschaft (FAWF) untersucht auch die FVA die Resistenz gegenüber dem Eschentriebsterben in Samenplantagen (Abb. 6). Bisher konnte noch keine vollständige Resistenz nachgewiesen werden, daher spricht man von partieller Resistenz. Der Anteil hochgradig resistenter Eschen ist ziemlich gering und auch nicht in allen Eschenprovenienzen gleich. Zudem sind auch Bäume, die in der Krone keine oder nur wenige Symptome des Eschentriebsterbens zeigen, von Stammfußnekrosen betroffen, wenn auch zu geringerem Maße.

Die genetisch vererbbare partielle Resistenz ist dennoch ein guter Grund zur Hoffnung, dass sich durch natürliche und künstliche Selektion oder auch durch gezielte Züchtung eine deutlich gesündere, neue Eschengeneration aufbauen lässt. In Litauen, wo das Eschentriebsterben bereits seit 1996 auftritt, betrug 2011 der Anteil von gesunden Eschen in Naturverjüngung auf ehemals eschendominierten Kahlschlagsflächen 29 %. Dabei waren Stockausschläge deutlich öfter befallen als aus Samen entstandene Eschen. Dies deutet auf einen bereits eingesetzten Selektionsprozess hin.

Bei Selektion und Züchtung ist wichtig, dass die neue Eschengeneration genetisch an ihre Umwelt angepasst ist und gleichzeitig ein hohes Maß an genetischer Diversität aufweist, um auf zukünftige Veränderungen ihrer Umwelt reagieren zu können. Eine erhebliche Gefährdung der Eschenpopulationen könnte beispielsweise der asiatische Eschenprachtkäfer (Agrilus planipennis) darstellen, der in Nordamerika innerhalb der letzten zehn Jahre Millionen von Eschen getötet hat, mittlerweile in der Region um Moskau etabliert ist und sich von dort westwärts ausbreitet. Um die genetische Verarmung der Eschenpopulationen zu minimieren, müssen daher möglichst viele hochgradig resistente Eschen in die Züchtung mit einbezogen werden. Bisher nicht oder nur schwach befallene Eschen können als Samenbäume dienen und sollten daher nach Möglichkeit nicht aus den Wäldern entnommen werden. Weitere Empfehlungen an die Forstpraxis zum Umgang mit dem Eschentriebsterben wurden kürzlich bundesweit zusammengestellt (Metzler et al. 2013).

Literatur

  • Enderle, R.; Peters, F.; Nakou, A.; Metzler, B. (2013): Temporal development of ash dieback symptoms and spatial distribution of collar rots in a provenance trial of Fraxinus excelsior. Eur J Forest Res 132: 865-876.
  • McKinney, L.V.; Nielsen, L.R.; Collinge, D.B.; Thomsen, I.M.; Hansen, J.K.; Kjær, E.D. (2014): The ash dieback crisis: genetic variation in resistance can prove a long term solution. Plant Pathology, doi: 10.1111/ppa.12196
  • Metzler, B. (2010): Weitere Entwicklung des Eschentriebsterbens. FVA Baden-Württemberg Waldschutz-INFO 3/2010, 4 S.
  • Metzler, B.; Baumann, M.; Baier, U.; Heydeck, P.; Bressem, U.; Lenz, H. (2013): Bundesweite Zusammenstellung: Handlungsempfehlungen beim Eschentriebsterben. AFZ-Der Wald 5, 17-20.
  • Metzler, B.; Herbstritt, S. (2014): Sicherheitsrisiko durch Stammfußnekrosen an Eschen, insbesondere auf Nassstandorten. FVA Baden-Württemberg, Waldschutz-INFO 1/2014, 4 S.

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