Suche

    
Suche nur in dieser Rubrik

Erweiterte Suche

Kontakt

Dr. Thomas Kirisits

Universität für Bodenkultur 
Institut für Forstentomologie, Forstpathologie und Forstschutz
Department für Wald- und Bodenwissenschaften
Universität für Bodenkultur
Hasenauerstraße 38, 1190 Wien

Die waldwissen.net-App!

App Waldwissen

Waldwissen Newsletter

Unser Waldwissen-Newsletter informiert Sie vier, fünf Mal jährlich über spezielle Beiträge und Waldwissen-Aktivitäten.

Ihr E-Mail*

Artikel

Autor(en): Thomas Kirisits (Boku Wien), Heino Konrad (BFW)
Redaktion: BFW, Österreich
Kommentare: Artikel hat 0 Kommentare
Bewertung: Zu Favoriten Druckansicht 70.070.070.070.070.0 (87)

Die Holländische Ulmenwelke in Österreich

Die Holländische Ulmenwelke ist ein klassisches Beispiel für die fatalen Folgen der Einschleppung ausländischer Krankheitserreger. Die Krankheit kommt seit 1928 in Österreich vor und hat seither die Bestände der heimischen Ulmenarten stark geschädigt.

Die Holländische Ulmenwelke, auch als Ulmenwelke oder Ulmensterben bekannt, wird von zwei nahe verwandten Schlauchpilzen, Ophiostoma ulmi und Ophiostoma novo-ulmi (Nebenfruchtformen: Pesotum, Sporothrix) hervorgerufen. Ophiostoma novo-ulmi wird in zwei Unterarten (O. novo-ulmi ssp. novo-ulmi und O. novo-ulmi ssp. americana) unterteilt. Das Ursprungsgebiet dieser Mikropilze ist unbekannt, aufgrund der hohen Resistenz vieler asiatischer Ulmen wird vermutet, dass sie von Asien nach Europa und Nordamerika eingeschleppt wurden. Die Krankheit ist in Österreich seit 1928 bekannt.

Symptome der Holländischen Ulmenwelke: (a) Blattwelke (Foto: Erhard Halmschlager, IFFF-BOKU) Ulmenwelke: Dunkle Holzverfärbungen in den äußersten Jahrringen eines Ulmen-Zweiges
Abbildung 1: Symptome der Holländischen Ulmenwelke: (a) Blattwelke (Foto: Erhard Halmschlager, IFFF-BOKU) (b) Dunkle Holzverfärbungen in den äußersten Jahrringen eines Ulmen-Zweiges

Bei dieser Welkekrankheit (Abbildung 1a) werden die wasserleitenden Gefäße verstopft (Abbildung 1b), was zum Tod befallener Ulmen führt. Die Übertragung der Erreger erfolgt durch verschiedene Ulmensplintkäfer, vor allem durch den Kleinen (Scolytus multistriatus) und den Großen Ulmensplintkäfer (Scolytus scolytus) (Abbildung 2a).

Während ihres Reifungsfraßes in Zweigachseln und an Zweigen infizieren die Käfer gesunde Ulmen, indem sie kleine Wunden schaffen und die Bäume mit asexuellen (Konidien) und sexuellen Sporen (Ascosporen) der Ophiostoma-Arten in Kontakt bringen. Von den Infektionsstellen breiten sich die Ulmenwelke-Erreger mit dem Saftstrom systemisch im ganzen Baum aus und verursachen schließlich dessen Tod (Abbildung 3). Ulmensplintkäfer besiedeln wiederum den Bast absterbender und frisch abgestorbene Ulmen, wo sie ihren Brutfraß durchführen (Abbildung 2b).

Imago des Großen Ulmensplintkäfers Brutbilder des Großen Ulmensplintkäfers
Abbildung 2a: Imago des Großen Ulmensplintkäfers (Scolytus scolytus)
Abbildung 2b: Brutbilder

Das Ulmensterben ist in zwei großen Krankheitswellen verlaufen. Während die erste seit dem Beginn des 20. Jahrhunderts von O. ulmi hervorgerufen wurde, ist O. novo-ulmi für die noch immer andauernde zweite Epidemie seit den 1940er-Jahren verantwortlich. O. novo-ulmi ist ein wesentlich aggressiveres und konkurrenzstärkeres Welkepathogen als O. ulmi. Das hat dazu geführt, dass der Erreger der ersten Krankheitswelle (O. ulmi) in vielen Teilen der Welt, unter anderem auch in Österreich (Kirisits et al. 2001, Kirisits und Konrad 2004), bereits vollständig von O. novo-ulmi verdrängt wurde. Beide Unterarten von O. novo-ulmi sowie Hybride zwischen den beiden Unterarten sind in Österreich weit verbreitet (Kirisits und Konrad 2004).

Die Holländische Ulmenwelke in Österreich

Bergulme, die Opfer des Ulmensterbens geworden ist (Niederscheibenalm, Nationalpark Gesäuse)
Abbildung 3: Uralte und mächtige Bergulme, die 2005-2006 Opfer des Ulmensterbens geworden ist (Niederscheibenalm, Nationalpark Gesäuse)

Alle drei heimischen Ulmenarten, die Feld- (Ulmus minor), die Berg- (Ulmus glabra) und die Flatterulme (Ulmus laevis), sind gegenüber den Ulmenwelke-Erregern anfällig. Die heimischen Ulmen sind aufgrund der Krankheit noch nicht ausgestorben; in manchen Gebieten, insbesondere in jenen mit sehr kleinflächigen Ulmen-Vorkommen, dürfte es zum vollständigen Verschwinden dieser Bäume gekommen sein. In der Regel nahm die Zahl der Ulmen, vor allem von großen Exemplaren, ab. In jüngeren Altersklassen kommen Ulmen in vielen Teilen Österreichs dagegen immer noch vor. Einen großen Einfluss hatte die Ulmenwelke vermutlich auf die genetische Vielfalt der Ulmenpopulationen.

Die Feldulme ist am stärksten von der Ulmenwelke betroffen: Sie wird von den Ulmensplintkäfern für den Reifungsfraß bevorzugt, während Flatter- und Bergulme nicht so attraktiv für die Käfer sind. Die Bergulme kommt zerstreut und in geringen Bestandesdichten im Hügel- und Bergland vor, wodurch die Ausbreitung der Ulmensplintkäfer verlangsamt wird. Die Flatterulme, die in Österreich vor allem in den Auwäldern entlang der großen Ströme vorkommt, scheint das Ulmensterben noch am besten überstanden zu haben.

Die größte wirtschaftliche Bedeutung hatten die Ulmen in den Auwäldern der Donau östlich von Wien und in den unteren Marchauen. Für die Forstbetriebe in diesen Gebieten war die Feldulme mit Baumartenanteilen von 5 bis über 22 % an der Gesamtbestockung (Damm 1997, Günzl 1999) bis zum Auftreten des Ulmensterbens eine wichtige Wirtschaftsbaumart. Auch aus dem städtischen Grünland, aus Parks und Alleen sind die Ulmen weitgehend verschwunden.
Noch schwerwiegender als die direkten wirtschaftlichen Verluste sind allerdings die ideellen Schäden und die ökologischen Folgen zu bewerten. Viele Auwälder und zahlreiche seltene Waldgesellschaften, beispielsweise Schluchtwälder, wurden von den Ulmenarten geprägt.

Rückgang der Ulmen in Österreich

Obwohl der Rückgang der Ulmen seit dem Auftreten der Ulmenwelke beklagt wird, gibt es nur wenige verlässliche Informationen über den Verlauf der Krankheitsepidemien und die Abnahme der Ulmen in Österreich. Sehr genau dokumentiert sind hingegen die Auswirkungen der zweiten Krankheitswelle im Dobra-Urwald (Niederösterreich) (Mayer und Reimoser 1978) und im Naturwaldreservat Freyensteiner Donauwald (Niederösterreich) (Ramskogler 1990), wo alle größeren Bergulmen abgestorben sind.
Der großflächige Ausfall der Feldulme und teilweise auch der Flatterulme in den Auwäldern der Donau und der March hat vermutlich bereits Mitte der 1950er Jahre oder sogar noch früher begonnen (Kirisits und Konrad 2004). Im Naturwaldreservat Marchegg (Marchauen) ging der Flächenanteil der Ulmen von 22 % im Jahr 1958 auf 2,3 % im Jahr 1980 und 1 % im Jahr 1995 zurück (Günzl 1999). Ganz ähnlich ist die Entwicklung in den Marchauen bei Hohenau (Damm 1997) und in den Donauauen verlaufen.

Forstschutz- und Erhaltungsmaßnahmen

Obwohl die Ulmenwelke seit ihrem erstmaligen Auftreten Besorgnis erregt hat, wurden in Österreich weder im Wald noch in den Städten größere Anstrengungen unternommen, die Krankheit einzudämmen. Forstschutzmaßnahmen richten sich in erster Linie gegen die Ulmensplintkäfer als Überträger von Ophiostoma ulmi und Ophiostoma novo-ulmi ("Saubere Wirtschaft"). Mit Befallsmonitoring, Fällung und Abtransport befallener Ulmen, Vermeidung von Lagerung von Ulmenholz im Wald während der Flugzeit der Käfer und der Vernichtung von Käferbruten (Verbrennen, Häckseln oder Vergraben von befallenem Material) können Neu-Infektionen beträchtlich verringert werden. Diese Maßnahmen wurden im Wald aus ökonomischen Gründen kaum durchgeführt.

Das Absterben der Ulmen wurde in Österreich als unvermeidlich akzeptiert und es wurde angeraten, Ulmen im Wald nicht mehr zu fördern. Seit ungefähr 20 Jahren wird seltenen und gefährdeten Baumarten mehr Aufmerksamkeit entgegengebracht und vorsichtig empfohlen, Ulmen im Wald und in der Kulturlandschaft wieder zu pflanzen und zu pflegen. In den 1990er-Jahren wurden die Ulmen-Arten auch in das österreichische Programm zur Erhaltung forstgenetischer Ressourcen aufgenommen und in der gegenwärtigen Konzeption dieses Programms sind zukünftig weitere in situ- und ex-situ-Maßnahmen zur Erhaltung dieser Baumarten beabsichtigt (Geburek und Müller 2006).

Seit dem Auftreten der Ulmenwelke wird versucht, vorwiegend durch Einkreuzung von asiatischen in europäische oder nordamerikanische Ulmenarten, resistente Ulmen zu züchten. Der Anbau von nun verfügbaren Klonen mit einem relativ hohen Resistenzniveau ist im Wald problematisch, sie eignen sich aber als Allee-, Stadt- und Parkbäume. Ein fünfjähriges EU-Projekt (RESGEN CT96-78, 1997-2001) beschäftigte sich mit der Charakterisierung und Erhaltung der Ulmen-Ressourcen in Europa. Im Zuge dieses Projektes wurde festgestellt, dass manche Klone europäischer Ulmenarten eine beträchtliche Toleranz gegenüber Ophiostoma novo-ulmi aufweisen.

Blick in die Zukunft

Es ist nicht damit zu rechnen, dass die von Ophiostoma novo-ulmi verursachte Epidemie der Ulmenwelke an Heftigkeit verlieren wird. Aus ökologischen Überlegungen und Gründen des Artenschutzes werden viele Forstleute Ulmen weiter erhalten und fördern. Von öffentlicher Seite finanzierte in-situ- und ex-situ-Maßnahmen können ebenfalls dazu beitragen, die Situation zu verbessern. Daneben könnten die Individualauslese von einheimischen Genotypen mit relativ hohem Resistenzniveau gegenüber Ophiostoma novo-ulmi und die Verwendung solcher Klone bei der Begründung von Windschutzstreifen und Hecken den Ulmen wieder einen größeren Stellenwert in der Kulturlandschaft einräumen.

Originalartikel

Literatur

Damm, H. J. 1997: Seltene Ulmenarten II. Ulmus minor und Ulmus laevis im Auwald Hohenau. In: Zukunft für gefährdete Baumarten? Rückbringung und Förderung seltener und gefährdeter Baum- und Straucharten. Bericht zur Fachtagung am 1. 10. 1997. WWF Österreich (Hrsg.): 26-27.
Geburek, T., Müller, F. 2006: Nachhaltige Nutzung von genetischen Waldressourcen in Österreich - Evaluierung bisheriger Maßnahmen und Perspektiven für zukünftiges Handeln. BFW-Berichte, Wien, 134/2006: 36 S.
Günzl, L. 1999. Ulmen in Ostösterreich. Situation nach dem Ulmensterben. AFZ/Der Wald, 16/1999: 843-844.
Kirisits, T., Konrad, H. 2004: Dutch elm disease in Austria. Sistemas y Recursos Forestales (Forest Resources and Systems), 13 (1): 81-92.
Kirisits, T., Krumböck, S., Konrad, H., Pennerstorfer, J., Halmschlager, E. 2001: Untersuchungen über das Auftreten der Erreger der Holländischen Ulmenwelke in Österreich. Forstwissenschaftliches Centralblatt, 120: 231-241.

Mehr auf waldwissen.net