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Artikel

Autor(en): Thomas Cech
Redaktion: BFW, Österreich
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Erlenproblem ist oft hausgemacht

Saftausfluss
Abbildung 1: Die oberirdischen Symptome des Erlensterbens sind erst nach Jahren erkennbar
Erklärung der Symptome
Abbildung 2: Mit Erregern verseuchtes Wasser kann Erlen aller Altersstufen zum Absterben bringen

Das Setzen von verseuchtem Erlenpflanzgut aus Pflanzgärten ist ausschlaggebend für die Ausbreitung der Phytophthora-Krankheit der Erle (Erreger: Phytophthora alni). Dies bestätigen neue Fälle, in denen Waldbesitzer mit dem plötzlichen Absterben von Erlenkulturen konfrontiert wurden.

Die Infektion mit dem Erreger erfolgt im Wurzelraum der Erlenpflanzen über Wasser, in dem die frei beweglichen, begeißelten Sporen (Zoosporen) des Erregers vorhanden sind. Sie gelangen entweder bei Überschwemmungen durch verseuchte Gewässer in die Pflanzgärten oder es wird mit verseuchtem Flusswasser bewässert. Darüber hinaus wird oft Pflanzgut angekauft, das bereits im Wurzelraum infiziert ist.

Infektion erfolgt in Saatbeeten oder Pflanzgärten

Wurzelinfektionen durch Phytophthora alni sind nur in künstlichen Böden von Saatbeeten oder Pflanzgärten möglich, da in Waldböden die Sporen von  Konkurrenzpilzen abgefangen werden, was die Chance einer Infektion im Wurzelsystem äußerst gering werden lässt. 

Die Erlen zeigen erst einige Jahre nach der Auspflanzung oberirdische Symptome, aber der Phytophthora-Befall ist im Wurzelraum makroskopisch nicht erkennbar.  Deshalb hilft es auch nicht, das Pflanzgut vor dem Verkauf genau zu überprüfen, um befallene Erlenpflanzen erkennen und aussondern zu können.

Schwarze Teerflecken als Erkennungsmerkmal

So wachsen infizierte Erlen an den Zielstandorten einige Jahre kräftig und scheinbar gesund heran, bis die Phytophthora-Infektion den Stammanlauf erreicht hat. Wenn nur ein Teil des Wurzelsystems infiziert ist und der Baum von einigen gesunden Wurzeln ernährt wird, zeigt er selbst zu diesem Zeitpunkt noch keine oberirdischen Symptome. Letztere erscheinen erst, wenn sich die Rinde des Stammes gegen das Absterben wehrt, in Form der auffälligen schwarzen "Teerflecken", welche die "Kampfzone", also den Rand der bereits abgestorbenen Rindenflächen, markieren (Abbildung 1 und 2).

In der Folge kommen die Kronensymptome hinzu. Gewöhnlich sind dann schon Rindengewebe im untersten Stammabschnitt großflächig abgestorben und somit infektiös, da sich dort bei Kontakt mit Wasser (Überschwemmungen) große Mengen von Zoosporen entwickeln und die weitere Ausbreitung des Erregers flussabwärts auslösen. Wenn die Anzahl gepflanzter und  infizierter Erlen entsprechend groß ist, kommen gleichzeitig ungeheure Mengen von Zoosporen zur Reife, die imstande sind, Fluss begleitende Erlenbestände auf weiten Strecken innerhalb weniger Jahre zu verseuchen und große Zahlen von Erlen aller Altersstufen zum Absterben zu bringen.

Ausweg: Erreger-freies Wasser, Phytophtora-freies Substrat und zertifiziertes Pflanzgut

Der Produzent von Erlen-Pflanzgut kann derartige "Domino"-Effekte vermeiden: Der einfachste Weg ist das Heranziehen von Erlensämlingen in Beeten, die nicht mit Wasser aus Teichen, Bächen oder Flüssen versorgt werden. Auch die Bewässerung der Beete sollte ausschließlich mit Brunnen- oder Leitungswasser erfolgen und die Sämlinge sollten nicht vermischt mit Erlenpflanzgut zweifelhafter Herkunft gezogen werden. Eine weitere Möglichkeit ist die Produktion von Containerpflanzen in kontrolliert Phytophthora-freiem Substrat, wobei auch hier auf saubere Bewässerung zu achten ist. Ein weiterer sicherer Weg ist der Bezug von kontrolliertem, Phytophtora-freien Erlenpflanzgut, das von einzelnen Baumschulen sowie vom Forstgarten des BFW angeboten wird. 

Der Waldbesitzer sollte Erlen, die von der Wurzel her befallen sind, roden und mit anderen Baumarten aufforsten. Da die Erlen-Phytophthora wirtsspezifisch an der Gattung Alnus vorkommt, besteht für andere Baumarten keine Gefahr.

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