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Originalartikel: Mohni, C., Kamm, U. (2010): Anwendung von Pflanzenschutzmitteln im Wald. Grundlagen zum Erwerb der Fachbewilligung. Umwelt-Wissen Nr. 1009. Bundesamt für Umwelt, Bern: 133 S.
Autor(en): Christophe Mohni, Urs Kamm (externe Autoren)
Online-Version: verändert, Stand: 27.06.2011
Redaktion: WSL, CH

Anwendung von Pflanzenschutzmitteln im Schweizer Wald

In der Schweiz ist die Verwendung von Pflanzenschutzmitteln im Wald verboten. In besonderen Situationen sind jedoch Ausnahmen möglich. Ein Leitfaden des Bundesamtes  für Umwelt (BAFU) fasst die nötigen Grundlagen zusammen und zeigt die Bedingungen für Ausnahmebewilligungen auf.

Leitfaden "Anwendung von Pflanzenschutzmitteln im Wald"

Grundsätzlich dürfen im Schweizer Wald keine umweltgefährdenden Stoffe eingesetzt werden. Dazu gehören Pflanzenschutzmittel, wie zum Beispiel Fungizide, Insektizide und Herbizide, aber auch Wundverschluss- oder Wildabhaltemittel. In besonderen Situationen sind Ausnahmen von diesem grundsätzlichen Verbot möglich. Diese sind in der Chemikalien-Risikoreduktions-Verordnung (ChemRRV) geregelt.

Wer Pflanzenschutzmittel im Wald anwenden möchte, braucht dazu die gesetzlich vorgeschriebene Fachbewilligung "Pflanzenschutzmittel im Wald". Um die Bewilligung zu erlangen, muss eine Prüfung abgelegt werden. Diese soll die nötigen Grundkenntnisse in Ökologie und Toxikologie sowie die Kenntnis der gesetzlichen Rahmenbedingungen sicherstellen.

Das Bundesamt für Umwelt (BAFU) hat einen Leitfaden veröffentlicht, der die ökologischen Grundkenntnisse sowie Grundsätze zur Schadensvorbeugung und Schadensbekämpfung aufgezeigt. Anhand zahlreicher Beispiele wird auf die Lebensweise und Erkennungsmerkmale der wichtigsten wirtschaftlichen Schädlinge (Pilze, Insekten) im Wald eingegangen. Die vermittelten Sachkenntnisse und praktischen Handlungsanweisungen richten sich insbesondere an Personen, welche Pflanzenschutzmittel im Wald anwenden möchten.

Der vorliegende Leitfaden dient auch als Lehrmittel für die Prüfungsvorbereitung. Zudem ist er ein Nachschlagewerk für Praktiker, um die Arbeit bei einem allfälligen Einsatz von Pflanzenschutzmitteln im Wald sicher und umweltgerecht durchzuführen. Der Leitfaden soll zu einem zeitgemässen und umweltverträglichen Pflanzenschutz im Wald beitragen und helfen, Umweltschäden und Gesundheitsbeeinträchtigungen des Anwenders möglichst gering zu halten.

Die wichtigsten Pflanzenschutzmittel

Insektizide

Insektizide bewirken den Tod von Insekten, indem sie irgendein Organ oder eine Stoffwechselfunktion im Körper stören. Die Wirkung von insektenvernichtenden, gefährlichen Stoffen ist aber nicht auf Insekten beschränkt. Auch Vögel, Amphibien, Fische, Säugetiere und der Mensch können je nach Fall von negativen Auswirkungen betroffen sein. Das Ausmass der Gefährdung ist von Produkt zu Produkt unterschiedlich.

Fungizide (Pilzgifte)

Fungizide haben in der Forstwirtschaft bei der Bekämpfung von Krankheiten nur im Pflanzgarten eine gewisse Bedeutung. Die meisten Wirkstoffe hemmen oder blockieren irgendeine Stoffwechselfunktion in den entsprechenden Krankheitserregern. Die pilzvernichtenden oder -hemmenden Wirkstoffe sind nicht bienengiftig, jedoch muss etwa die Hälfte der in der Schweiz bewilligten Produkte als fischgiftig deklariert werden. Die akute Giftigkeit für Säugetiere ist in der Regel zehn bis hundert Mal geringer als bei den gebräuchlichen Insektiziden.

Herbizide (Unkrautbekämpfungsmittel)

Die Herbizide werden nach Art ihrer Wirkung in vier Hauptgruppen eingeteilt:

  • Blattherbizide ohne Transport (Abbrennmittel): Diese Mittel wirken rasch, indem sie die Blattoberfläche verbrennen. Die heute noch bewilligten Wirkstoffe sind ausserordentlich giftig und schwer abbaubar. In der Forstwirtschaft werden diese  Mittel kaum mehr angewandt.
  • Blattherbizide mit Transport (Wuchsstoffherbizide): Die Wirkstoffe werden vorwiegend über die Blattoberfläche aufgenommen und verteilen sich in der ganzen Pflanze. Mit dieser Wirkstoffgruppe lassen sich ein- und mehrjährige Pflanzen bekämpfen. Die heute noch in Pflanzgärten verwendeten Herbizide dürften alle zu dieser Gruppe gehören.
  • Wurzelherbizide mit Transport (Bodenherbizide): Die Aufnahme erfolgt über die Wurzeln. Der Vorteil dieser Gruppe besteht in der vorbeugenden Wirkung. Die Selektivität zwischen Begleitflora und Kulturpflanze ist jedoch nicht in allen Fällengegeben.
  • Blatt- und Wurzelherbizide mit Transport: Der Hauptvertreter dieser Gruppe ist der bekannte Wirkstoff Atrazin. Dieser Stoff wirkt sehr lange, ist aber schwer abbaubar.

Abgesehen von den Abbrennmitteln ist die akute Giftigkeit von Herbiziden bei Säugetieren verhältnismässig gering. Verschiedene Wirkstoffe sind fisch- oder bienengiftig. Die Problembereiche der Herbizide liegen bei der Abbaubarkeit im Boden, bei der Grundwassergefährdung und bei den weitgehend noch unbekannten Langzeitwirkungen in Bezug auf die Bodenfruchtbarkeit. Auch scheint zumindest bei einigen Wirkstoffen ein deutlicher Einfluss auf das Wachstum und die Aktivität von Regenwürmern vorzuliegen. Ein grosses Problem der chemischen Unkrautbekämpfung ist das Verschwinden jeglicher Bodenbedeckung. Ohne Krautschicht sind die Lebensgrundlagen von vielen Nützlingen nicht vorhanden, was nachgewiesenermassen in vielen Kulturen zu einer Verschärfung der übrigen Schädlingsprobleme führt.

Wildschadenverhütungsmittel

Die Wildschadenverhütungsmittel enthalten keine abtötenden oder direkt giftigen Wirkstoffe. Die Wirkung beruht auf penetrantem Geruch, der Wild und Nagetiere abstossen soll. Es sind vorbeugende Mittel. Die Rodentizide (Nagetiergifte) hingegen sind giftige, bekämpfende Mittel.

Über die Umweltverträglichkeit von Wildschadenverhütungsmitteln und ihre Wirkstoffe ist wenig bekannt. Zurzeit wird die Umweltverträglichkeit solcher Mittel von der Bewilligungsbehörde geprüft. Es ist jedoch nicht anzunehmen, dass ihre Verwendung mit besonderen ökologischen Problemen verbunden ist. Es ist aber zu bedenken, dass eine Abschreckung des Wildes das Problem nicht wirklich lösen kann. Hier ist meist eine Regulierung der Wildbestände notwendig und diese sollte durch den Einsatz von Wildschadenverhütungsmitteln nicht unnötig verzögert werden

Wundverschlussmittel

Die Wirkung von Wundverschlussmitteln (Schutz vor Pilzbefall) ist sehr begrenzt und schwer nachweisbar. Ihre Zweckmässigkeit ist heute deshalb sehr umstritten. In der Regel ist eine sofortige und sorgfältige Behandlung der Wunde nicht möglich, sodass eine Pilzinfektion nicht mehr zu verhindern ist. Grössere Wunden (über ca. 10 cm Durchmesser) führen sehr häufig zu Fäulen und erheblichen Wertverlusten. Verletzungen an Bäumen sollte man deshalb möglichst vermeiden.

Lockstoffe (Pheromone)

Die Borkenkäfer-Lockstoffe sind künstlich hergestellte Substanzen, die in ihrem Aufbau den natürlichen Lockstoffen der Borkenkäfer entsprechen. Die Käfer senden diese Lockstoffe (= Versammlungslockstoffe) aus, wenn sie einen geschwächten Baum gefunden haben. Damit lenken sie ihre Artgenossen auf den günstigen Brutplatz hin. Es handelt sich nicht um Sexuallockstoffe. Da die käuflichen Lockstoffe Imitationen der natürlichen sind, dürften sie bezüglich Umweltverträglichkeit keine Probleme stellen.

Bedenklich ist der Einsatz von Pheromonen lediglich dann, wenn die Falle nicht am richtigen Ort aufgestellt ist und damit kontraproduktiv wirkt (Anlocken der Käfer aus weiter Distanz, zu geringer Abstand zwischen Falle und Fangbäumen). Es ist auch darauf zu achten, dass der richtige Fallentyp verwendet wird (manche früher gebräuchlichen Fallen führten zum Tod zahlreicher Hummelköniginnen). Auch spezialisierte Feinde von Borkenkäfern gehen oft in Lockstofffallen.

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