Suche

    
Suche nur in dieser Rubrik

Erweiterte Suche

Die waldwissen.net-App!

App Waldwissen

Waldwissen Newsletter

Unser Newsletter informiert Sie vier, fünf Mal jährlich per E-Mail über spezielle Beiträge und Waldwissen-Aktivitäten. Ihre E-Mail-Adresse wird lediglich zum Zweck der Zustellung des Newsletters verwendet und nicht an Dritte weitergegeben. Sie können sich jederzeit aus dem Newsletter heraus abmelden oder Ihre Einwilligung per E-Mail an uns widerrufen. Bitte beachten Sie unsere Datenschutzhinweise.

Ihr E-Mail*

Artikel

Autor(en): Redaktion waldwissen.net – LWF
Redaktion: LWF, Deutschland
Kommentare: Artikel hat 0 Kommentare
Bewertung: Zu Favoriten Druckansicht 59.6759.6759.6759.6759.67 (105)

Änderungen im Pflanzenschutzrecht

Pflanzenschutzmittel
Abb. 1: Das neue Pflanzenschutzgesetz verschärft gegenüber dem alten Gesetz den Umgang mit Pflanzenschutzmitteln (Foto: C. Reichert).
 
Staaten der mittleren Zone

Seit Anfang 2012 ist das neue Pflanzenschutzgesetzt (PflSchG) in Deutschland in Kraft getreten. Die Bundesregierung hat damit die Vorgaben europäischer Pflanzenschutznormen in nationales Recht umgesetzt. Das bringt einige Veränderungen bei der Durchführung von Pflanzenschutzmaßnahmen im Wald mit sich. Hintergrund ist das erklärte Ziel der EU, die Zulassung und die Anwendung von Pflanzenschutzmitteln europaweit zu harmonisieren und so die Wettbewerbsgleichheit zu verbessern.

Verfügbarkeit von Pflanzenschutzmitteln

Für die Zulassung von Pflanzenschutzmitteln wurden die Mitgliedstaaten der EU drei Zonen zugeordnet, die hinsichtlich ihrer landwirtschaftlichen, pflanzengesundheitlichen und ökologischen Bedingungen vergleichbar sind. Deutschland gehört zur mittleren Zone, die unter anderem auch Österreich umfasst (siehe Kasten). Innerhalb dieser Zone ist die gegenseitige Anerkennung von Zulassungen vereinfacht möglich. Das Zulassungsverfahren darf für neue Pflanzenschutzmittel längstens zwölf Monate dauern. Über Mittel, die bereits in einem anderen EU-Staat der jeweiligen Zone zugelassen sind, muss innerhalb von 120 Tagen entschieden werden.

Aktionsplan zur nachhaltigen Anwendung von Pflanzenschutzmitteln

Das Konzept des integrierten Pflanzenschutzes gehört in Deutschland seit langem zur guten fachlichen Praxis. Die neue EU-Richtlinie schreibt dien integrierten Pflanzenschutz nun für alle EU-Mitgliedstaaten verbindlich fest. Ein in dieser Richtlinie geforderter Aktionsplan wird quantitative Vorgaben, Ziele, Maßnahmen und Zeitpläne zur weiteren Verringerung der Risiken und Auswirkungen beim Einsatz von Pflanzenschutzmitteln enthalten. Zielgrößen sind dabei der Gesundheitsschutz von Mensch und Tier sowie der Schutz des Naturhaushaltes. Der Aktionsplan wird von der Bundesregierung mindestens alle fünf Jahre überprüft.

Erhöhte Anforderung an die Sachkunde

Pflanzenschutzmitteleinsatz
Abb. 2: Wer Pflanzenschutzmittel in der Forstwirtschaft verwenden will, muss sachkundig sein (Foto: Archiv LWF).
 
 
einschlägige Gesetze, Verordnungen und Richtlinien

Wer Pflanzenschutzmittel in Land- und Forstwirtschaft oder im Gartenbau verwenden will, muss sachkundig sein. Die Vorschriften hierzu wurden im neuen Pflanzenschutzgesetz maßgeblich verschärft, Verstöße stellen nun bußgeldbewehrte Ordnungswidrigkeiten dar. Der Sachkundenachweis wird verlangt

  • vom eigentlichen Anwender,
  • von Pflanzenschutzberatern,
  • von Personen, die andere (Auszubildende, Hilfskräfte) bei der Anwendung von Pflanzenschutzmitteln anleiten oder beaufsichtigen,
  • von Händlern, die Pflanzenschutzmittel gewerbsmäßig in Verkehr bringen und auch
  • von Personen, die Pflanzenschutzmittel über das Internet außerhalb gewerbsmäßiger Tätigkeiten in Verkehr bringen.

In der Vergangenheit haben berufliche Anwender den Sachkundenachweis in der Regel über ihre berufliche Ausbildung pauschal erhalten. Künftig ist ein spezieller Sachkundenachweis (Sachkunde-Ausweis) erforderlich, der auf Antrag von der zuständigen Behörde ausgestellt wird. Der Antragsteller muss dazu die entsprechende Zuverlässigkeit besitzen und nachweisen, dass er über die erforderlichen fachlichen Kenntnisse und praktischen Fertigkeiten verfügt. Die bisherigen Ausbildungs- und Befähigungsnachweise gelten bis zum 26. November 2015 als Sachkundenachweis nach dem neuen Pflanzenschutzgesetz. Bis 26. Mai 2015 können diese Anwender den neuen Sachkundenachweis beantragen. Genaueres wird in einer neuen Pflanzenschutz-Sachkundeverordnung geregelt.

Verpflichtende Fort- und Weiterbildung

Als Sachkundiger ist man nun verpflichtet, alle drei Jahre an einer anerkannten Fort- und Weiterbildungsveranstaltung zum Thema teilzunehmen. Kommt jemand dieser Verpflichtung auch nach angemessener Fristsetzung nicht nach, kann der Sachkundenachweis widerrufen werden. Genaueres dazu wird ebenfalls in der neuen Pflanzenschutz-Sachkundeverordnung geregelt

Künftig wird es auch nicht mehr möglich sein, Pflanzenschutzmittel für die berufliche Anwendung ohne Sachkundenachweis zu kaufen. Die Händler sind verpflichtet, bei der Abgabe von Pflanzenschutzmitteln die Sachkunde des Käufers zu prüfen. Dies gilt auch für den Internethandel.

Ausnahmen von der Regel

Behandlung zur Wildschadensverhütung
Abb. 3: Pflanzenschutzmittel zur Wildschadensverhütung können auch von Personen ohne Sachkundenachweis angewendet werden (Foto: P. Dimke).
 
Pflanzenschutzmittelausbringung mit dem Hubschrauber
Abb. 4: Die Ausbringung von Pflanzenschutzmitteln aus der Luft ist nun grundsäztlich verboten, eine Ausnahme ist für den Weinbau in Steillagen und im Kronenbereich von Wäldern möglich (Foto: R. Petercord).

Für die Anwendung von Pflanzenschutzmitteln für nichtberufliche Anwender (Haus- und Kleingartenbereich) ist kein Sachkundenachweis erforderlich. Ebenso können Hilfskräfte oder Auszubildende ohne Sachkundenachweis Pflanzenschutzmittel anwenden (nicht kaufen!), die unter Verantwortung und Aufsicht einer Person mit Sachkundenachweis stehen.

Eine weitere Ausnahme betrifft die Anwendung von Pflanzenschutzmitteln zur Wildschadensverhütung. Diese ist durch nichtberufliche Anwender auch ohne Sachkundenachweis möglich. Danach dürfen Waldbesitzer und Jagdausübungsberechtigte zur Verhinderung von Verbissschäden speziell hierfür zugelassene Pflanzenschutzmittel einsetzen. Als Pflanzenschutzmittel zur Wildschadensverhütung im Forst gelten diejenigen, die im gültigen Pflanzenschutzmittelverzeichnis Teil 4: Forst im Kapitel "Mittel zur Verhütung von Wildschäden" aufgeführt sind.

Ausbringung mit Luftfahrzeugen

Die Bekämpfung von Massenvermehrungen blattfressender Insekten mit Pflanzenschutzmitteln aus der Luft wird deutlich erschwert. Der Einsatz von Luftfahrzeugen zur Anwendung von Pflanzenschutzmitteln ist nunmehr grundsätzlich verboten. Eine Ausnahme gibt es für die Bekämpfung von Schadorganismen im Weinbau in Steillagen und im Kronenbereich von Wäldern. Hierfür bedarf es eines gesonderten Genehmigungsverfahrens. Zudem können nur Pflanzenschutzmittel mit Luftfahrzeugen ausgebracht werden, die für diese Anwendung zugelassen bzw. genehmigt worden sind.

Dokumentation des Pflanzenschutzmitteleinsatzes

Die Aufzeichnungspflicht über die im eigenen Betrieb eingesetzten Pflanzenschutzmittel besteht bereits seit 2008. Nun haben berufliche Anwender von Pflanzenschutzmitteln über mindestens drei Jahre Aufzeichnungen zu führen, in denen vermerkt sind

  • die Bezeichnung des Pflanzenschutzmittels,
  • der Zeitpunkt der Anwendung,
  • die verwendete Menge,
  • die behandelte Fläche und
  • die behandelte Kulturpflanze.

Die einschlägigen Informationen sind der zuständigen Behörde zur Verfügung zu stellen. Die Leiter eines forstwirtschaftlichen Betriebes sind verpflichtet, die Aufzeichnungen unter Angabe des jeweiligen Anwenders zusammenzuführen. Die Aufbewahrungsfrist beginnt in dem Jahr, das dem Jahr der Anwendung erfolgt. So müssen beispielsweise Aufzeichnungen über einen Pflanzenschutzmitteleinsatz im Mai 2012 mindestens bis 31. Dezember 2015 aufbewahrt werden.

Kürzere Aufbrauchsfristen und neue Abverkaufsfristen

Für Pflanzenschutzmittel, deren Zulassung durch Zeitablauf oder durch Widerruf auf Antrag des Zulassungsinhabers endet, gilt nun eine Aufbrauchsfrist von 18 Monaten, gerechnet ab dem Tag des Endes der Zulassung. Die neue Abverkaufsfrist für den Handel beträgt sechs Monate, ebenfalls gerechnet ab dem Tag des Endes der Zulassung. Es besteht also die zeitlich begrenzte Möglichkeit, ein solches Pflanzenschutzmittel noch nach Zulassungsende zu erwerben und anzuwenden.

Originalartikel

Mehr auf waldwissen.net