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Originalartikel: Perny, B. (2008): In Österreich zugelassene Insektizide gegen Borkenkäfer. Forstschutz Aktuell 43, 14 - 16
Autor(en): Bernhard Perny
Online-Version: verändert, Stand: 05.09.2013
Redaktion: BFW, A

In Österreich zugelassene Insektizide gegen Borkenkäfer

Traditionell spielen in der Forstwirtschaft, mit Aus­nahme von Herbiziden bei der Kulturvorbereitung, herkömmliche chemische Pflanzenschutzmittel eine untergeordnete Rolle. Die Gründe: lange Umtriebszeiten, gesellschaftlicher Anspruch an den Wald und eigenes Selbstverständnis.

Trotz dieses "grünen" Selbstverständnisses kommt es immer wieder zu Situationen, wo es notwendig wird, den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln in Erwägung zu ziehen. Ein Beispiel dafür: Die jahrelang andauernde Borkenkäfer-Massenvermehrung in weiten Teilen Österreichs, die wiederholt Rekordschadholzmengen verursachte.

Reichen die Instrumente der Borkenkäferbe­kämpfung und des integrierten Forstschutzes nicht aus, um befallenes Holz rechtzeitig abzutransportieren und verbleibendes Holz brutuntauglich zu machen (Ent­rinden, Häckseln, Verbrennen), können Insektizide eingesetzt werden. Auch aus Gründen der Wirtschaftlichkeit (Bruchholz, Restholz, unverhältnismäßig hohe Bringungskosten) wird mehr Holz im Wald belassen.

In hoch gelegenen, kaum oder nicht zugänglichen Beständen der Alpen ist besonders auf die Erhaltung des Boden-, Bestandes- und Objektschutzes zu achten. Um diese Schutzfunktionen zu sichern, kann gerade in diesen sensiblen Bereichen der Insektizideinsatz erforderlich sein, verlangt jedoch einen verantwortungsvollen Umgang mit diesen Mitteln.

Es gilt immer zu hinterfragen, ob in bestimmten Fällen nicht ein finanzieller Mehraufwand zugunsten einer chemischen Maßnahme in Kauf zu nehmen ist. Aber: Eine unterlassene Maßnahme besitzt oft ein größeres Gefährdungspotenzial als eine bedachte, gezielte Anwendung eines Insektizides. In bestimmten Schutzgebieten (zum Beispiel zum Wasserschutz) ist die Anwendung jeglicher Pflanzenschutzmittel verboten oder nur unter strengen Auflagen erlaubt.

Praxisnahe Wirkungstests

In den letzten Jahren wurden in Österreich zugelassene Mittel für die Borkenkäferbekämpfung hinsichtlich ihrer Wirkung überprüft. Sie wurden mit den beiden Präparaten verglichen, die in Deutschland zugelassen sind und auch in Österreich verwendet werden dürfen.

Die Anwendung erfolgte vorbeugend: Es wurden also noch nicht befallene Bloche mit den Insektiziden behandelt. Der erste Käferflug wurde bei allen Ver­suchen wenige bis zirka vierzehn Tage nach der Behandlung registriert.

Das Ergebnis: Für alle Mittel konnte ein Zeitraum von acht bis zehn Wochen mit absoluter Befallsfreiheit, keiner vollständigen Einbohrung oder keiner erfolgreich angelegten Brut festgestellt werden. Vereinzelt wurden gegen Ende hin Bruten beobachtet, die jedoch als Folge von Behandlungsmängeln (zu geringe Benetzung, nasse oder verschmutzte Rinde) auftraten. Bei optimaler Anwendung und Einzelstamm-Behandlung kann ein ausreichender Schutz gewährleistet werden – dies im Hinblick auf eine verzögerte Abfuhr und auf Lagen, wo mit einer Käfergeneration pro Jahr zu rechnen ist.

Die Wirksamkeit der Mittel nach erfolgtem Befall wurde nicht getestet, da die Auswertung schwieriger ist und sich in früheren Versuchen die Wirksamkeit geringer als bei vorbeugender Anwendung herausstellte.

Bemerkungen zur Anwendung

Wenngleich die zugelassenen Pflanzenschutzmittel gegen Borkenkäfer (allesamt Pyretroide) weitgehend wenig gefährlich für Menschen sind, so belastet ihre Anwendung die Umwelt, bei Pyretroiden vor allem aquatische Lebensräume. Besonders in der Nähe von Gewässern sind die Auflagen strikt einzuhalten und müssen Insektizide außerordentlich vorsichtig eingesetzt werden (gemäß Gebrauchsanweisung).

Im Folgenden werden wichtige Aspekte zur erfolgreichen und sicheren Anwendung von Insektiziden gegen Borkenkäfer zusammengefasst:

Die Zulassung aller Pflanzenschutzmittel in Österreich erfolgt durch die Österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) und ist im Pflanzenschutzmittelgesetz geregelt.

Für die forstlichen Mittel, auch für Insektizide gegen Borkenkäfer (Tabelle), übernimmt das BFW die Prüfung von Wirkung und Pflanzenverträglichkeit. Das forstliche Pflanzenschutzmittelverzeichnis wird nach Bedarf, zumindest jedoch zweimal im Jahr aktualisiert. Aufgenommen werden Mittel nach einer eingehenden Prüfung im Inland oder wenn eine gültige Zulassung in anderen EU-Staaten besteht.

Stammschutzmittel: Insektizide gegen rindenbrütende Borkenkäfer
Vorbeugende Anwendung
(Ausbringung vor Borkenkäferbefall):


Pflanzenschutzmittel- Register Nr.
Präparat /
Zulassungsinhaber
Wirkstoff / Gehalt Konzentration/
Aufwandmenge
Anmerkung
2210/0
Cymbigon, Chimac-Agriphar S.A..
Cypermethrin 100 g/l    0,25% (2,5 l/fm)
Einschränkung auf liegendes, berindetes Fichtenholz; Einzelstamm- behandlung
2421/0
Sumi-Alpha
Sumitomo Chemical Agro Europe
Esfenvalerate 50 g/l    0,5%; mind.0,15l/m2 vorbeugend;
0,8%; mind. 0,15 l/qm bei Befall
vor Borkenkäferbefall
3262/0
KARATE FORST flüssig
Syngenta Agro GmbH
lambda-Cyhalothrin 100 g/l
0,4 - 0,5%
Ausbringung vor dem Pflanzen
         
Bekämpfende Anwendung (bei Borkenkäferbefall):      
2210/0 Cymbigon
Agriphar S.A.
Cypermethrin 100 g/l    0,5%, (2,5 l/fm) Einschränkung auf liegendes, berindetes, dünnborkiges Fichtenholz; Einzelstamm- behandlung
 2210/901 Epigon neu
Agriphar S.A
Cypermethrin
100
g/l
 1,5% Tauchverfahren:
oberirdische Teile
der Pflanzen bis
zum Wurzelhals
in wässrige Brühe
tauchen
3309/0
Storanet BASF SE 
Alpha ‐
Cypermethrin
1.57 g/kg
15 m² Netz pro Stamm, max. 200 m² Netz/ha Bei festgestellter Gefährdung, Frühjahr bis Herbst; Rinden- und holzbrütende Borkenkäfer, Bockkäfer und Prachtkäferarten.
Laubgehölze (liegendes Holz) einzelne Stämme, Nadelholz (liegendes Holz) einzelne Stämme

Neben den angeführten Pflanzenschutzmitteln dürfen auch die Mittel Karate Forst flüssig, Fastac Forst sowie Karate Forst (Zulassung beendet, Aufbrauchfrist) verwendet werden.

Literatur

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