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Dr. Ralf Petercord

LWF

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Artikel

Autor(en): Cornelia Triebenbacher
Redaktion: LWF, Deutschland
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Ein Mäusejahr

Kurz- und Langschwanzmaus
Abb. 1: Vergleich der Kurzschwanzmäuse (links) und Langschwanzmäuse (rechts).

Die Kurzschwanzmäuse

Die Kurzschwanzmäuse (=Wühlmäuse) gehören zu den Wühlmausarten im engeren Sinne und können durch ihr massenhaftes Auftreten empfindliche Schäden an Forstkulturen anrichten. Ihr wichtigstes Merkmal ist der kurze Schwanz. Er umfasst maximal 60 % der Kopf-Rumpf-Länge. Kopf und Körper sind gedrungen und sie haben kleine Augen sowie kurze Ohren (Abb. 1). All das unterscheidet sie von den nicht forstschädlichen und geschützten Langschwanzmäusen (=Echte Mäuse). Zu den Kurzschwanzmäusen gehören die Erd-, Feld- und Rötelmaus, auf die im Folgenden näher eingegangen wird. Die Schermaus ist ebenfalls eine Kurzschwanzmaus. Sie unterscheidet sich jedoch sowohl in ihrer Lebensweise als auch in den Prognose- und Bekämpfungsmöglichkeiten sehr von den anderen Kurzschwanzmäusen.

  Erdmaus Rötelmaus
Feldmaus
Aussehen
Die Schermaus ist mit einer Körperlänge von 10-12 cm neben der Schermaus die größte heimische Maus. Der Körper erscheint jedoch eher gedrungen. Ihr Schwanz erreicht mit 3-4 cm nie ein Drittel der Körperlänge. Er ist zweifarbig, oben dunkler, unten heller. Das Fell ist grobhaarig, locker und graubraun. Die Unterseite grenzt sich unscharf ab und hat eine hellgraue bis gelbliche Färbung. Sie hat eine stumpfe Schnauze, kleine, runde Ohren und Augen, die näher an der Nase als am Ohr liegen.
Die Rötelmaus ist mit einer Körperlänge von 8-12 cm meist kleiner als die Erdmaus. Ihr Fell ist am Rücken rötlich braun, an den Flanken bräunlich und am Bauch weißlich gefärbt. Der Schwanz hat eine Länge von 4-5,5 cm und ist damit etwa ein Drittel bis halb so lang wie der Körper. An seinem Ende befinden sich etwas längere und dunklere Haare. Er ist deutlich zweifarbig.
Die Feldmaus ähnelt stark der Erdmaus. Sie ist mit einer Körperlänge von 7-11 cm nur etwas kleiner. Ihr Schwanz ist einfarbig und erreicht mit etwa 3-4 cm maximal ein Drittel der Körperlänge. Eindeutig von der Erdmaus kann man sie aber nur anhand der Zähne unterscheiden. Ihr Fell ist weichhaarig, dicht, am Rücken braun- bis gelbbraun gefärbt. Der Bauch grenzt sich klar ab und ist hellgrau bis gelblich.
Vorkommen
Um überhaupt fruchtbar zu werden, benötigt die Erdmaus viel Sonne (Lichteffekt). Daher ist sie hautsächlich in stark vergrasten und durchsonnten Kulturen mit Grasmoderauflage (Freiflächen) zu finden. Im Altholz kommt sie nur dort vor, wo örtlich größere Lücken mit dichter Bodenflora (Grasmoder) auftreten. Sie bevorzugt feuchte bis staunasse Böden.
Die Rötelmaus kommt hauptsächlich in krautreichen Kulturen vor, wo die vergrasten Bereiche erst frisch sind (Freifläche), vorzugsweise mit beerentragenden Sträuchern. Ansonsten ist die Rötelmaus überall im Wald, auch im Altholz an Dickungsrändern und Verjüngungskernen mit bereits eingesprengten jüngeren Graspartien sowie Strauch-, Busch- und Krautvegetation zu finden.
Die Feldmaus bevorzugt, wie es ihr Name vermuten lässt, feldnahe Forstkulturen, Wiesenaufforstungen, lichte Kiefernwälder, Heidelandschaften. Dagegen findet man sie selten auf nackten Äckern. Dabei zieht sie im Gegensatz zur Erdmaus die trockeneren Standorte ohne Grasmoderauflage vor. Die Feldmaus benötigt aber wie die Erdmaus Sonne, um fruchtbar zu werden (Lichteffekt).
Habitat
Die Erdmaus baut sich vor allem oberirdische Grastunnel bzw. Grasnester. Erdgänge werden dagegen hauptsächlich in lockeren anmoorigen Böden angelegt und sind meist sehr kurz. Sie gräbt nur selten Erdlöcher.
Die Rötelmaus baut sich ein kugeliges Gras- oder Blattnest. Die Gänge verlaufen oberflächlich.
Die Feldmaus baut ihr Gangsystem knapp unter der Bodenoberfläche. Typisch ist die vor dem Bau aufgeworfene Erde. Die Ausgänge sind oberirdisch durch fest angelegte Wechsel miteinander verbunden. Im Winter werden diese unter der Schneedecke mit Gras und Erde überdacht.
Schäden an Forstpflanzen
Besonders gefährdet sind junge Laubhölzer. Durch das Benagen der Rinde und des Splints vor allem am Stammfuß (bei hoher Schneelage auch bis zum Gipfel) kann es oft zum Todfraß kommen. Dabei reicht der Schaden vom Ringeln des ganzen Stämmchens bis zum Abnagen dicht oberhalb des Bodens am Wurzelhals (bis etwa 2 cm Stärke). Oft wird beim Benagen der Splint tief verletzt. Rötelmäuse benagen bevorzugt die Rinde an dünnen Zweigen. Dazu kann die Rötelmaus mehrere Meter hoch klettern. Aber auch die Rinde am Stamm wird von ihr benagt, sowohl bei Laub- als auch Nadelbäumen, vor allem aber Lärchen. Bei Lärche und Douglasie frisst sie auch gerne die Knospen. Ihr Fraß ist oft plätzeweise und "marmoriert", befressene und unberührte Stellen wechseln sich ab. Sie nagt gewöhnlich nicht in den Splint. Der Schaden kann meist gut ausheilen. Seltener werden ganze Stämmchen, Äste und Zweige abgenagt.
Der Schaden der Feldmaus ist ähnlich jenem der Erdmaus, nur fällt er nicht so massiv aus. Sie benagt den unteren Stammbereich, aber auch unterirdisch die Wurzeln. Die Stämmchen werden jedoch nicht durchnagt.
Tab. 1: Vergleich von Erd-, Rötel- und Feldmaus

Erdmaus, Rötelmaus, Feldmaus

Die Erdmaus (Microtus agrestis) neigt unregelmäßig alle zwei bis vier Jahre zur Massenvermehrung (Abb. 2). Bei der Rötelmaus (Myodes glareolus) kommt es regelmäßig etwa alle drei bis vier Jahre zu einer Massenvermehrung (Abb. 3). Die Feldmaus (Microtus arvalis) kann nach Aberntung oder Bearbeitung benachbarter Felder plötzlich massenhaft in angrenzenden Forstkulturen auftreten. Eine Massenvermehrung durchläuft sie etwa alle drei Jahre.

Wie man in der Abb. 5 erkennen kann, ist die Rötelmaus im Vergleich zur Erdmaus kleiner und zierlicher. Deutlich wird auch das jeweilige Verhältnis der Körpergröße zur Schwanzlänge. Die Feldmaus ist ebenfalls etwas kleiner als die Erdmaus. Im Gegensatz zur Erdmaus ist die Unterseite bei der Feldmaus meist klar abgesetzt. Der Schwanz ist einfarbig. Die Ohren sind dichter behaart mit kürzeren gleich langen dickeren Härchen.

Gefährdungsgrad Erd-, Feld-, Rötelmaus
stark gefährdet (auch bei Normaldichte) Rotbauche, Hainbuche, Kirsche, Esche, Ahorn, Weide, Lärche, Wildobst, Elsbeere
mittel gefährdet (meist nur bei Massenvermehrung) Douglasie, Fichte, Kiefer (Hochgebirge), Eiche, Roteiche, Pappel, Robinie
eher nicht gefährdet (auch nicht bei Massenvermehrung) Kiefer, Strobe, Tanne, Linde, Birke, Erle, Aspe, Walnuss, Vogelbeere, Mehlbeere
Tab. 2: Unterschiedliche Gefährdung von Baumarten durch Erd-, Feld- und Rötelmaus.

Unterscheidung der Nageschäden

Eine Unterscheidung der Nagebilder (Zahnbreiten, Splintbeteiligung) ist oft sehr schwierig, da sich diese in vielerlei Hinsicht ähneln. Eine deutlichere Unterscheidung kann man jedoch einerseits nach dem jeweiligen Lebensraum vornehmen, zum Beispiel nach Feld-/Waldgrenze, helle vergraste Kulturflächen, stark mit Brombeer- oder Himbeeren bewachsene Flächen bzw. Erstaufforstungen. Andererseits spielt auch die Lage der Schäden eine Rolle bei der Unterscheidung. Wichtig ist: Sind die Bäumchen ober- oder unterirdisch benagt bzw. sind die Nagespuren vor allem am Stammfuß oder in den Ästen und Zweigen?

Eine gezielte Abwehr von Mäuseschäden ist jedoch vor allem dort notwendig, wo die getätigten Investitionen in stabile, laubholzreiche, ökologisch wertvolle Mischwälder gesichert werden müssen. Mäusebekämpfung findet somit auf stark gefährdeten, vergrasten Laubholz- und Mischkulturen ihre Anwendung. Ziel ist es, möglichst umweltschonend Totalausfälle bzw. eine schleichende Entmischung hin zu Nadelwald zu verhindern.

Bekämpfung forstschädlicher Mäuse

Mäuse sind eine wichtige Nahrungsgrundlage für viele Greifvögel, Eulen und Raubsäuger (Abb. 6). Daher gelten die Vorgaben des integrierten Pflanzenschutzes. Zuerst sollen immer alle alternativen Schutzmaßnahmen in Betracht gezogen werden, bevor chemische Mittel zum Einsatz kommen. So können zum Beispiel waldbauliche Maßnahmen Vergrasung vermeiden und somit einer Massenvermehrung der Kurzschwanzmäuse vorbeugen. Auch die richtige Baumartenwahl bei der Aufforstung kann von vorneherein größeren Schäden entgegenwirken.

Erdmaus
Abb. 2: Die Erdmaus (Microtus agrestis) (a),
            Lebensraum (b),
            Nageschaden an Esche (c).

Gefährdungseinschätzung als Teil des integrierten Pflanzenschutzes

Um einen unnötigen Einsatz von chemischen Mitteln zu vermeiden, ist vom Gesetzgeber vor einer möglichen Bekämpfung eine Gefährdungseinschätzung vorgeschrieben, da Wirbeltiere nicht ohne vernünftigen Grund getötet werden dürfen. Prognosen dienen daher als Entscheidungshilfe bei der Frage, ob eine Bekämpfung wirklich notwendig ist. Deuten keine klaren Hinweise, wie zum Beispiel frische Nageschäden, flüchtende Mäuse beim Betreten der Fläche auf eine erhöhte Mäusepopulation hin, ist es notwendig, Probefänge oder ein anderweitiges Prognoseverfahren durchzuführen.

Die Prognose mit Hilfe von Schlagfallen soll möglichst kurzfristig vor dem wahrscheinlichen Bekämpfungstermin erfolgen, also erst ab Oktober (bis Dezember), da die Mäusedichte nicht selten im Spätherbst oder Winter aus natürlichen Gründen innerhalb von ein bis zwei Wochen zusammenbrechen kann. Ab einem Belegungsprozent von 10 % der ausgebrachten Fallen - abzüglich leer gefressener und nicht zugeschlagener sowie zugeschlagener Fallen ohne Fang oder mit Langschwanz- und Spitzmäusen belegten Fallen - wird mit erheblichen Schäden gerechnet. Die in den September 2007 vorgezogenen Prognosen in Niederbayern, Mittel- und Unterfranken ergaben ein Belegungsprozent von 15 - 50 %.

Rötelmaus
Abb. 3: Die Rötelmaus (Myodes glareolus) (a),
            Lebensraum (b),
            Nageschaden (c).

Bekämpfung mit Rodentiziden - Wahl des richtigen Zeitpunktes

Da bei der Bekämpfung der Erd- und Rötelmaus nur eine Behandlung im Jahr/Fläche zugelassen ist, ist es besonders wichtig, den richtigen Zeitpunkt zu wählen. In "Normaljahren" ist es sinnvoll, erst nach dem Abwelken der Vegetation durch die ersten scharfen Nachtfröste im November mit der Bekämpfung zu beginnen. Denn nur bei Nahrungsmangel werden die Köder in ausreichendem Maße von den Mäusen angenommen. Eine Bekämpfung hat hier zu einem früheren Zeitpunkt meist wenig Sinn, da die Verluste während der Vegetationsperiode durch hohe Vermehrungsraten und Zuwanderung aus der Umgebung wieder ausgeglichen werden.

Die Feldmaus
Abb. 4: Die Feldmaus (Microtus arvalis) (a),
            Lebensraum (b),
            Gangsystem (c).

Stellt man jedoch aufgrund einer Massenvermehrung wie 2007 bereits vor November frische Nageschäden fest, sollte nach Abwägung der tatsächlichen Gefahr bereits früher mit einer Bekämpfung begonnen werden. Da das Wetter in den bisherigen Herbstmonaten recht kühl war, werden Verluste der Population nicht mehr durch hohe Vermehrungsraten ausgeglichen. Mit einer hohen Zuwanderung ist jedoch zu rechnen. Zudem ist zu beachten, dass Rodentizide mit Chlorphacinon entsprechend der Zulassung der Mittel im Pflanzenschutzgesetz nur im Herbst bzw. Winter angewendet werden dürfen und zinkphosphidhaltige Rodentizide nur in verdeckter Ausbringung bei Bedarf.

Rötel- und Feldmaus im Vergleich Mauswiesel
Abb. 5: Vergleich Rötelmaus und Feldmaus. Abb. 6: Das Mauswiesel (Mustela nivalis) gehört zu den Fraßfeinden der Mäuse.

Ausbringung der Rodentizide

Bei der Ausbringung in Köderstationen ist eine sofortige Wirkung der Präparate nur zu erwarten, wenn die Stationen bereits in den Sommermonaten zuvor oder früher in den Kulturen mit einer erwarteten oder schon bekannten Gefährdung ausgelegt wurden. Die Mäuse haben sich dann schon an die Köderstationen gewöhnt und nehmen die dort ausgelegten Köder sofort an. Bei neu ausgebrachten Köderstationen kann dagegen eine Befallsreduktion erst nach zwei bis drei Wochen eintreten. Neuzuwandernde Mäuse werden meist sofort abgefangen, wenn Grastunnel direkt zu den Stationen führen. Die Köder sind besser vor Witterungseinflüssen geschützt und der Mittelaufwand verringert sich um zirka 10 %. Die Köderannahme wird zunächst in ein- bis zweiwöchigen, später monatlichen Abständen kontrolliert, gegebenenfalls werden Köder nachgelegt. Bei auftretender Köderscheu sollte dann eine Bekämpfung mit einem Chlorphacinonköder erfolgen.

Ist eine sofortige Reduktion notwendig und keine Köderstation vorhanden, gibt es bei Arrex E, Ratron Giftlinsen und Etisso Mäuse-frei Power-Sticks die Möglichkeit der "breitwürfigen" Ausbringung. Diese ist aber nur von November bis Januar zulässig. Hierbei ist jedoch sicherzustellen, dass die Köder auf den Boden in den Lauf- und Fraßbereich der Mäuse gelangen und nicht oben im Gras hängen bleiben. Diese Art der Ausbringung darf nicht auf vegetationsfreien Flächen angewendet werden.

Hantaviren 2007
Abb. 7: Gemeldete Hantaviren-Infektionen in Bayern bis zur 35. Meldewoche 2007. (Quelle: Internetseite des Bayerischen Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit)

Anwenderschutz

Die zugelassenen Rodentizide dürfen nur bei erwiesener Erforderlichkeit durch geeignete Personen mit einem Sachkunde-Nachweis verwendet werden. Bei der Ausbringung der Köder sind immer Gummihandschuhe zu tragen. Zum einen wegen der im Mittel enthaltenen Stoffe, zum anderen aufgrund der Gefahr der Krankheitsübertragung von den Mäusen auf den Menschen, wie zum Beispiel Leptospirose, Tularämie und Hanta-Viren. 2007 gab es vor allem in Bayern nach 2004 erneut eine sehr starke Zunahme der Infektionen mit Hantaviren (Abb. 7). Diese werden besonders über Staubaufwirbelungen von Mäusekot und -urin übertragen. Deshalb sollte beim Reinigen von Jagd- und Diensthütten, Umgang mit Köderstationen oder Mäusefallen unbedingt neben den Handschuhen auch Mundschutz und Schutzbrille getragen werden.

Ergänzung

  • Ungekürzter Originalartikel (PDF-Datei, 357 KB)
  • Vollständige Ausgabe von Forstschutz aktuell Nr. 41 (PDF-Datei, 1,1 MB)

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