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Dr. Ralf Petercord

LWF

Bayerische Landesanstalt
für Wald und Forstwirtschaft

Abt. Waldschutz
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D-85354 Freising

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Artikel

Autor(en): Redaktion waldwissen.net – LWF
Redaktion: LWF, Deutschland
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Waldschutz bei der Traubeneiche

Die Traubeneiche ist eine sehr belebte Baumart. Einige der vielen Bewohner machen ihr allerdings auch zu schaffen. Besonders kritisch wird es, wenn früh- und spätfressende Arten gemeinsam auftreten.

Eichenwälder weisen eine hohe Biodiversität auf, sind zugleich aber durch Massenvermehrungen von Insekten stark bedroht. Die sogenannte Eichenfraßgesellschaft bilden hauptsächlich der Grüne Eichenwickler, mehrere Frostspanner, der Schwammspinner und der Eichensprozessionsspinner. Treten frühfressende und spätfressende Arten kombiniert auf, kann das die Vitalität der Eichenwälder soweit herabsetzen, dass betroffene Bestände absterben.

Traubeneiche
Abb. 0: Die Eicheln fressen Eichhörnchen und Wildschwein gerne, aber auch die Blätter der Traubeneiche sind beliebt - vor allem bei Insekten (Foto: Bayer. Forstverwaltung).

Inhalt

Frühfressende Arten

Der Begriff "frühfressende Arten" fasst eine Vielzahl von vor allem Schmetterlingsarten zusammen, deren Raupen im Frühjahr an Eichenblättern fressen. Hier sind die bekanntesten Vertreter der Grüne Eichenwickler, der Große Frostspanner und der Kleine Frostspanner. Daneben gibt es aber noch eine Vielzahl anderer, bei den Eichenschäden bisher teils wenig beachtete Arten mit zum Teil sehr unterschiedlicher Biologie. Zu den frühfressenden Arten gehören noch zahlreiche Wicklerarten sowie die Gruppen der Frühlingseulen und Miniermotten.

Grüner Eichenwickler

Der Grüne Eichenwickler (Tortrix viridana) zählt zur Familie der Wickler (Tortricidae). Die Raupe frisst polyphag an Laubgehölzen und -sträuchern, bevorzugt aber an Eiche.

Stadium Größe Aussehen Zeiten
Falter Flügelspannweite ca. 20 mm Vorderflügel grün, Hinterflügel hellgrau mit weißem Saum, Kopf gelblich Schlupf ab Ende Mai (Mitteleuropa)

Haupt-Flugzeit im Juni

Puppe bis zu 10 mm lang zunächst grün, später braun bis schwarz-braun
Raupe bis zu 20 mm lang anfangs ockergrau bis ockerbeige, ab dem 3. Larvenstadium (nach ca. 7 Tagen) grün mit schwarzen Punkten und schwarzbraunem Kopf (Abb. 1) Raupenentwicklung bis zur Verpuppung dauert 3-4 Wochen
Eier 0,7 bis 0,8 mm urglasförmig flach
Raupe des Grünen Eichenwicklers
Abb. 1: Die Raupe des Grünen Eichenwicklers; auffällig sind der schwarze Kopf sowie die schwarzen Warzen mit den Härchen. Die Raupe wird bis zu 20 Millimeter lang (Foto: G. Csoka, Hungary Forest Research Institut, Bugwood.org).

Die Weibchen legen etwa 50 Eier, stets zu zweit an den äußeren Zweigabschnitten in der Nähe von Knospen. Entscheidend für die Entwicklung der Raupen ist, ob Raupenschlupf und Knospenaustrieb zeitlich passend zusammentreffen. Treiben die Knospen in den ersten vier Tagen des Stadiums nicht aus, verhungern die Raupen.

Die Larven verpuppen sich nach ihrer Entwicklung meist in einem versponnenen Blattwickel. Bei Kahlfraß findet man die Puppen aber auch in Rindenritzen oder Blattwickeln der Strauch- und Krautschicht.

Das Verbreitungsgebiet des Grünen Eichenwicklers deckt sich mit dem der europäischen Eichenarten. Es reicht von den Britischen Inseln bis Spanien, von Italien bis zur Inseln Krim und dem Kaukasus, im Norden bis zu den Baltischen Seen. In manchen Regionen tritt der Grüne Eichenwickler chronisch in hoher Dichte auf (Permanenzgebiete). Daneben gibt es Latenzgebiete mit niedriger und Gradationsgebiete mit wechselnder Dichte. Massenvermehrungen finden auch in den Randgebieten statt.

Die Massenvermehrungen des Grünen Eichenwicklers zeigen keine regelmäßigen Fluktuationen, denn die zeitliche Koinzidenz zwischen Raupenschlupf und Knospenaustrieb ist witterungsabhängig und damit zufällig. Bei optimalen Vermehrungsbedingungen bricht eine Massenvermehrung nach vier bis fünf Jahren aufgrund von Krankheiten zusammen.

Frostspanner

Ebenfalls zu den frühfressenden Arten zählen der Große Frostspanner (Erannis defoliaria), der Kleine Frostspanner (Operophtera brumata) und der Buchen-Frostspanner (Operophtera fagata). Die drei Arten kommen an vielen Laubbaumarten vor, wobei der Große Frostspanner die Eichen, der Kleine Frostspanner die Hainbuchen und der Buchen-Frostspanner die Buchen bevorzugt.

Art Stadium Größe Aussehen Zeiten
Großer Frostspanner Falter Flügelspannweite ♂ bis zu 40 mm,
♀ flügellos und bis zu 14 mm lang
Vorderflügel ♂ graugelber bis hellgelber Grundton, ♀ gelblich bis weißlich mit auffälligen dunklen Flecken Flugzeit von Ende September bis in den Dezember, erst nach dem ersten Frost
  Raupe bis zu 35 mm lang vgl. Abb. 2

Lepiforum - Großer Frostspanner

Entwicklung Ende April bis Ende Mai/ Anfang Juni
Kleiner Frostspanner Falter Flügelspannweite
♂ bis zu 30 mm,
♀ bis zu 8 mm lang mit Flügelstummeln
♂ Flügel gelblich braun mit welligen Querbinden,
♀ braungrau gefärbt
Flugzeit von Ende September bis in den Dezember, erst nach dem ersten Frost
  Raupe bis zu 35 mm lang Lepiforum - Kleiner Frostspanner Entwicklung Ende April bis Ende Mai/ Anfang Juni
Buchen-Frostspanner Falter Flügelspannweite
♂ bis zu 36 mm,
♀ bis zu 8 mm lang mit Flügelstummeln
♂ Färbung etwas heller als beim Kleinen Frostspanner,
♀ braungrau gefärbt
Flugzeit von Ende September bis in den Dezember, erst nach dem ersten Frost
  Raupe bis zu 35 mm lang Lepiforum - Buchen-Frostspanner Entwicklung Ende April bis Ende Mai/ Anfang Juni
Raupe des Großen Frostspanners
Abb. 2: Eine Raupe des Großen Frostspanners; sie wird bis zu 35 Millimeter lang und ist nur im Mai und Juni zu finden (Foto: G. Csoka, Hungary Forest Research Institut, Bugwood.org).

Frostspanner haben einen starken Sexualdimorphismus. Während die Männchen gute Flieger sind, sind die Weibchen gänzlich flugunfähig. Letztere klettern daher am Stamm hinauf, um ihre Eier an Knospen oder in Rindenritzen der Krone abzulegen.

Die Entwicklung der Raupen ist abgeschlossen, sobald die Eichen ihre Blätter voll entwickelt haben. Bei Störungen seilen sich die Raupen an einem Faden ab und baumen später wieder auf. Sie verpuppen sich im Juni in der oberen Bodenschicht.

Das Verbreitungsgebiet des Großen Frostspanners erstreckt sich über Nord- und Mitteleuropa bis nach Norditalien, von Kaukasien bis zum Baltikum. Er wurde nach Nordamerika eingeschleppt. Der Kleine Frostspanner ist in Europa, Transkaukasien und Ostasien verbreitet. Der Buchen-Frostspanner ist in Europa beheimatet.

Spätfressende Arten

Zu den "spätfressenden Arten" zählen der Schwammspinner und der Eichenprozessionsspinner. Ihr Fraß beginnt mit Laubausbruch und dauert bis Ende Juni, so dass auch die Johannistriebe der Eichen betroffen sind.

Schwammspinner

Auch der Schwammspinner (Lymantria dispar) weist einen starken Geschlechtsdimorphismus auf.

Stadium Größe Aussehen Zeiten
Falter Flügelspannweite
♀ 50-80 mm,
♂ 35-50 mm
Grundfarbe ♀ bräunlich-weiß,
♂ dunkler, beide mit dunklen, gezahnten Querstreifen
schwärmen ab Anfang Juli bis September (je nach Witterung)
Raupe ♀ bis 75 mm lang,
♂ bis 50 mm lang
Lepiforum - Schwammspinner Schlupf sobald Durchschnittstemperatur über +10 °C, in Bayern meist im April
Eier kugelig, gelbbraun sofort nach Eiablage entwickeln sich die Raupen und überwintern im Ei

Beim Schwammspinner gibt es eine Vielzahl von Farbvariationen. Teilweise treten auch auf sehr engem Raum enorme Größenunterschiede der Stadien auf. Gründe dafür sind unter anderem die genetische Variation sowie Umwelteinflüsse (Feuchtigkeit, Nahrungsqualität, usw.).

Die Weibchen legen die Eier in Gelegen mit 100 bis zu 1.000 Eiern ab und bedecken diese mit gelbbrauner Afterwolle. Die Gelege befinden sich oft im unteren Stammbereich, bei hoher Dichte am gesamten Stamm und an den Kronenästen.

Raupe des Schwammspinners
Abb. 3: Die Raupe des Schwammspinners; immer wieder kommt es hier zu Kalamitäten (Foto: J. H. Ghent, Bugwood.org).

Nach dem Schlüpfen verharren die Raupen die ersten Tage noch auf den Gelegen (Eispiegel) und bewegen sich dann zum Fressen in die Baumkronen. Sie fressen bis zum dritten Raupenstadium am Tag, ab dem (dritten oder) vierten Raupenstadium verstecken sie sich während des Tages in Rindenritzen und fressen bei Nacht. Um einer Nahrungsknappheit zu entgehen, spinnen de Raupen Seidenfäden und lassen sich mit deren Hilfe durch den Wind verfrachten. So erreichen sie neue Futterquellen. Die Altraupen fressen sehr verschwenderisch. Bei Massenvermehrungen bedecken daher frische Blattreste den Waldboden. Während ihrer Entwicklung frisst eine Schwammspinnerraupe einen Quadratmeter Laub und lässt noch mehr zu Boden fallen. Die Raupenentwicklung dauert je nach Nahrungsangebot sechs bis zwölf Wochen, normalerweise bis Ende Juni.

Das weite Nahrungsspektrum des Schwammspinners umfasst etwa 400 Pflanzen. Er frisst vorwiegend an Laubbäumen, verschmäht aber auch Nadelbäume nicht. Verschiedene Herkünfte bevorzugen unterschiedliche Wirtspflanzen (in Bayern vor allem die Eiche). Auch ungewöhnliche Nahrungsquellen erschließt der Schmetterling. So kann der "bayerische" Schwammspinner an der Robinie aufgrund der stoffwechselgiftigen Inhaltsstoffe nicht überleben, einige Schwammspinnerpopulationen in Österreich und Ungarn entwickeln sich an dieser Baumart dagegen normal. Bei Massenvermehrungen frisst der Schwammspinner alle verfügbare Pflanzennahrung – selbst Reis und Getreide.

Der Schwammspinner ist von England bis Japan verbreitet. Die Südgrenze in Europa bildet das Mittelmeer, die Nordgrenze eine Linie von Mittelschweden nach Moskau. 1869 wurde der Schwammspinner als kommerzielle Seidenquelle nach Amerika eingeführt und hat sich bis Mitte des 20. Jahrhunderts über die gesamten USA ausgebreitet. Dort ist er inzwischen ein gefürchteter Schädling.

Die Massenvermehrungen in Europa traten im vergangenen Jahrhundert von Westen nach Osten in immer kürzeren Abständen auf. Die Intervalle reichten von im Mittel alle zwölf Jahre in Frankreich bis zu sieben Jahren auf dem Balkan. In Bayern kam es 1992 bis 1994 zu einer großflächigen Massenvermehrung mit Bekämpfungsbedarf auf 23.000 Hektar (2005-2007 auf 7.500 ha, 2010-2011 auf 3.000 ha).

Massenvermehrungen dauern ohne Bekämpfungsmaßnahmen im Mittel jeweils vier Jahre. Die Population bricht dann hauptsächlich durch Nahrungsknappheit zusammen. Antagonisten (verschiedene Parasitoide und Pathogene) tragen maßgeblich zu diesem Zusammenbruch bei. Das geschieht allerdings erst im dritten oder vierten Kalamitätsjahr und damit zu spät, um ein massenhaftes Eichenabsterben zu verhindern.

Eichenprozessionsspinner

Der wärmeliebende Eichenprozessionsspinner (Thaumetopoea processionea) ist bei uns ursprünglich ein Insekt des Offenlandes. Er trat zunächst an einzeln stehenden Eichen in Parkanlagen, an Alleen, auf Parkplätzen, an Waldrändern und in Feldgehölzen auf. Seit Ender der 1990er Jahre befällt er auch flächig geschlossene Waldbestände.

Stadium Größe Aussehen Zeiten
Falter Flügelspannweite 24-34 mm Flügel grau bis graubraun schwärmen von Juli bis in den September
Raupen des Eichenprozessionsspinners
Abb. 4: Raupen des Eichenprozessionsspinners, die sich auf einer Prozession in Richtung Krone befinen (Foto: G. Lobinger, LWF).

Die Weibchen legen 100 bis 200 Eier in kleinen rechteckigen Platten an dünne Zweige in der Krone von Eichen. Die Eier sind von einer grauen, kittartigen Masse bedeckt. Die Raupen schlüpfen im Frühjahr zum Kronenaustrieb und sind oligophag. Sie befressen nur Eichenarten, bevorzugt Stiel- und Traubeneiche.

Charakteristisch und namensgebend ist die Prozession der Raupen. Sie führt zunächst in dünnen Linien, später in breiten Bändern von den Gespinstnestern in die Kronen der Eichen zur Nahrungsaufnahme. Ab dem dritten Larvenstadium bilden sich auf Warzen sitzende, sehr kurze Brennhaare (0,1 mm), die beim Menschen zu starken allergischen Reaktionen führen können. Die Raupen verpuppen sich ab Mitte Juni in festen Gespinstnestern am Eichenstamm oder an starken Kronenästen.

Der Eichenprozessionsspinner ist vor allem in Zentral- und Südeuropa verbreitet, von Spanien bis zum Balkan und von Südskandinavien bis in die Türkei.

Zweipunkt-Eichenprachtkäfer

Der Zweipunkt-Eichenprachtkäfer (Agrilus biguttatus) lebt vor allem im wärmebegünstigten Eichenwäldern. Er gehört zur Familie der Prachtkäfer.

Stadium Größe Aussehen Zeiten
Käfer 8-13 mm lang Metallisch goldgrün, grün oder bläulich mit weißem Haarfleck auf jeder Flügeldecke Mai bis in den August

Die Larven fressen unter der Rinde im Bast von Eichenstämmen und stärkeren Ästen. Dabei legen sie zickzackförmige Fraßgänge an, auch stammumfassend. Sie überwintern bis zu zweimal im Bast, bevor sie sich in der äußeren Borke verpuppen. Die Käfer schlüpfen im Mai. Sie ernähren sich von Eichenlaub und legen ihre Eier an die Stammrinde der Eichen.

Ausbohrloch des Zweipunkt-EichenprachtkäfersZweipunkt-Eichenprachtkäfer
Abb. 5: D-förmiges Ausbohrloch (links) und Imago (rechts) des Zweipunkt-Eichenprachtkäfers; bei dem Käfer sind deutlich die zwei namensgebenden Punkte auf den Deckflügeln sichbar (Fotos: G. Lobinger, LWF).

Der Zweipunkt-Eichenprachtkäfer ist von Spanien bis Russland und von Nordafrika bis nach Skandinavien verbreitet.

Eichenmehltau

Der Eichenmehltau (Erysiphe alphitoides) gehört zur Familie der Echten Mehltaupilze. Er lebt als Parasit an Eiche. Der Großteil des Myzels wächst auf der Blattoberfläche. Nur speziell gebildete Saughyphen (Haustorien) dringen durch die Epidermis in das Blatt ein, um dort Nahrung aufzunehmen. Der Pilz befällt vor allem junge, weniger als drei Wochen alte Blätter. Förderlich sind ihm Temperaturen zwischen 20 und 25 °C sowie eine hohe Luftfeuchtigkeit. Der Pilz tritt erst seit 1907 in Europa auf.

Eichensplintkäfer

Der Eichensplintkäfer (Scolytus intricatus) befällt neben unseren heimischen Eichen auch Roteiche, Kastanie, Buche, Hainbuche, Weide und Pappel.

Stadium Größe Aussehen Zeiten
Käfer 3-3,5 mm lang walzenförmig, dunkel Mai bis Juni, teilweise 2. Generation im September

Die Weibchen legen unter der Rinde einen horizontal verlaufenden Quergang an, der den Splint tief durchfurcht. Davon gehen sehr lange und dicht aneinander liegende Larvengänge ab. Der Käfer befällt vor allem Äste älterer, kränkelnder Bäume und Heisterpflanzen.

Schadgeschehen

EPS-Kahlfraß an Eiche
Abb. 6: Kahlfraß an Eiche durch den Eichenprozessionsspinner; der Eiche bleibt nur wenig Restbelaubung, ein massiver Verlust an Reservestoffen ist die Folge (Foto: G. Lobinger, LWF).
 
Entlaubung im Jahresverlauf
Abb. 7: Entlaubung im Jahresverlauf

Oben: Die frühfressenden Arten Grüner Eichenwickler und Großer Frostspanner; trotz Kahlfraß im Frühjahr ist die Laubmasse über große Teile des Jahres intakt.

Mitte: Spätfressende Arten Schwammspinner und Eichenprozessionsspinner; nach einem normalen Laubaustrieb im Frühjahr reduziert der Kahlfraß die Belaubung stark. Diese erreicht für den Rest des Jahres nicht mehr das Ausgangsniveau.

Unten: Bei der Kombination von früh- und spätfressenden Arten ist die Eiche über zwei Monate ohne Laub und erreicht danach nur eine rudimentäre Restbelaubung.

 
Absterberaten von Eichen bei verschiedenen Fraßkombinationen
Abb. 8: Absterberaten von Eichen bei verschiedenen Fraßkombinationen. Deutlich zu sehen ist die höhere Absterberate bei einer Kombination von früh- und spätfressenden Arten.

Der Grüne Eichenwickler frisst sofort ab dem Öffnen der Knospen. Er beginnt im oberen Kronenbereich und wandert dann nach unten hin. Neben der Anzahl der Raupen hat auch die Austriebsgeschwindigkeit einen hohen Einfluss auf die Schadstärke. Bei früh austreibenden Knospen steht bereits früh ausreichend Blattmasse zur Verfügung, es entsteht in der Regel nur Lichtfraß. Bei spät austreibenden Eichen kommt es mangels Blattmasse häufiger zu Kahlfraß. Auch der Frostspanner frisst im Mai an den gerade aufbrechenden Knospen, allerdings vom unteren Kronenbereich nach oben.

In vitalen Beständen führt einmaliger Kahlfraß durch die frühfressenden Arten meist nur zu Zuwachsverlusten. Die Blattmasse wird durch Ersatztriebe und den Johannistrieb regeneriert. Geschädigte Eichen können die Blattmasse allerdings oft nur zögerlich und unvollständig ersetzen. Die Eichen sterben nur ab, wenn ein starker Fraß mehrmals aufeinander folgt oder in Kombination mit weiteren Schadfaktoren.

Schwerer wiegt der Fraß von Schwamm- und Eichenprozessionsspinner. Der kann je nach Witterung bis Ende Juni andauern und damit auch den Johannistrieb der Eichen betreffen. Bereits bei mehr als 25 Prozent Entlaubung tritt ein Zuwachsverlust ein. Problematisch ist aber nicht in erster Linie der Holzverlust, sondern vielmehr die Vitalitätsminderung des Eichenbestandes. Bei einem einmaligen Kahlfraß durch den Schwammspinner sterben einzelne Eichen akut ab, bei einem zweimaligen Kahlfraß schon bis zu einem Viertel der Bäume.

Gefährlich wird es für Eichenbestände vor allem dann, wenn Massenvermehrungen von frühfressenden und spätfressenden Arten zusammenfallen. Es kommt zu einer langanhaltenden Entlaubung der Eichen (Abb. 7). Dementsprechend steigen auch die Absterberaten (Abb. 8). Weist die Eiche über die gesamte Vegetationsperiode hinweg weniger als 30 Prozent assimilationsfähige Belaubung auf, können ganze Bestände absterben (Ausfall bis zu 90 % innerhalb von fünf Jahren).

Ähnlich ist die Situation, wenn der Eichenmehltau beteiligt ist. Wird die Eiche zum Neuaustrieb gezwungen (durch Kahlfraß frühfressender Arten) und herrschen gleichzeitig für den Eichenmehltau günstige Bedingungen, kann der Blattpilz die Eichen massiv befallen. Die vom Eichenmehltau befallenen Triebe sterben ab. So geschädigte Eichen in Unterfranken konnten 2010 nicht mehr austreiben und fielen aus.

Durch die Vitalitätsverschlechterung der Eichen verbessern sich die Lebensbedingungen des Zweipunkt-Eichenprachtkäfers (Auflichtung und Schwächung der Wirtsbäume). Der Sekundärschädling befällt vor allem geschwächte Eichen. Die Larven fressen horizontale Gänge in den Bast, die den Saftfluss unterbrechen. Die betroffenen Kronenteile oder der ganze Baum sterben ab. Vitale Bäume können den Befall durch Saftfluss, der als Schleimfluss am Stamm zu sehen ist, abwehren.

Waldschutzmaßnahmen

Grundlegend für das Handeln im Waldschutz ist die Schaderreger zu überwachen und eine Schadensprognose abzuleiten.

Grüner Eichenwickler: Die Prognose ist nur durch Fraßbeobachtungen und eine Schlupfkontrolle möglich. Für die Schlupfkotrolle nimmt man im Januar/ Februar Zweigproben von Eichen und bestimmt anhand derer die Anzahl von schlüpfenden Raupen pro 100 Knospen. Die Fraßbeobachtungen erfolgen Anfang Juni vor dem Johannistrieb auf Dauerbeobachtungsflächen.

Frostspannerarten : Die Wissenschaftler der LWF bringen zwischen September und Anfang Januar an einer repräsentativen Anzahl (abhängig von der Flächengröße) von Eichen- und Buchenstämmen Leimringe in Brusthöhe an. Die Leimringe werden zwischen Oktober und Dezember (je nach Schwärmdauer) wöchentlich kontrolliert. Die Warnschwellen unterscheiden sich nach den Arten:

Großer Frostspanner 0,4 Weibchen pro Zentimeter Leimring
Kleiner Frostspanner 1 Weibchen pro Zentimeter Leimring

Die Prognose mittels Lockstofffallen ist bei Frostspannerarten nicht möglich.

Schwammspinner: Während der Flugzeit werden Pheromonfallen in ausgewählten Beständen des Gefährdungsgebietes aufgestellt und die Anzahl der gefangenen Männchen erfasst. Die Warnschwelle liegt bei einer Anzahl von >1.500 Faltern pro Falle über die gesamte Flugzeit. Wird dieser Wert überschritten, folgen Eigelegezählungen um die Besatzdichte und die zu erwartenden Fraßschäden abzuschätzen.

Eichenprozessionsspinner: Aus gefährdeten Beständen werden von mehreren Bäumen jeweils zehn Eichenzweige mit der Länge von einem Meter aus dem oberen Kronenbereich gewonnen und nach Gelegen abgesucht. Die kritische Dichte für starken Licht- bis Kahlfraß liegt bei einem Gelege pro Zweig.

Zweipunkt-Eichenprachtkäfer: Im Spätsommer sind die Befallsmerkmale auf Waldbegängen gut zu sehen. Stämme mit Schleimfluss sollten weiter beobachtet werden. Weitere Zeichen sind Spechtabschläge unterhalb der Krone und welke Kronenteile bzw. neu entstehende Totäste. Befallene Bäume sollten im Winter gefällt, das Holz bis zu einem Durchmesser von zehn Zentimetern und die Rinde bis April aus dem Wald entfernt werden. Von toten Bäumen, die seit mehr als einer Vegetationsperiode abgestorben sind, geht keine Gefahr aus. Diese können ohne Bedenken im Wald bleiben.

Die Bekämpfung der Raupen mit zugelassenen Pflanzenschutzmitteln mittels Luftfahrzeug kann nur bei einem prognostizierten bestandsbedrohenden Fraßereignis durchgeführt werden. Voraussetzung ist, dass es keine vergleichbar wirksamen anderen Möglichkeiten gibt oder die Luftausbringung gegenüber der Bodenausbringung geringere Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit oder den Naturhaushalt aufweisen. Eine Schadensprognose beinhaltet auch eine Empfehlung, ob eine Bekämpfung zum Erhalt der Bestände erforderlich ist. Dabei sind Vorschädigungen im Bestand sowie die Kombination mehrerer Schaderreger zu berücksichtigen. Diese Schadensprognose erstellen Experten der Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF).

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