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Artikel

Autor(en): Franz Meier, Beat Forster, Roland Engesser
Redaktion: WSL, Schweiz
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Zünsler und Pilzkrankheiten des Buchsbaums jetzt auch im Wald

In den letzten zwei Jahrzehnten ist der Buchsbaum (Buxus sempervirens) zu einer beliebten Garten- und Zierpflanze geworden. So ist es nicht verwunderlich, dass mit dem häufigen Import von Buchs auch neue Schädlinge und Krankheiten den Weg zu uns gefunden haben.

Kahlfrass durch den Buchsbaumzünsler in Bettingen (BS)
Abb. 1 - Kahlfrass durch den Buchsbaumzünsler in Bettingen (BS). Anklicken zum vergrössern.
Foto: Beat Forster (WSL)
 

Seit vergangenem Jahr können solch invasive Organismen auch an natürlichen Buchsbeständen im Wald gefunden werden. In der Nordwestschweiz konnte sowohl der Buchsbaumzünsler (Cydalima perspectalis) als auch die Pilzkrankheiten Cylindrocladium buxicola und Volutella buxi im Wald festgestellt werden.

Die beiden Pilzkrankheiten, welche Blätter und Triebe befallen, wurden in Liestal (BL) erstmals an Buchs im Wald diagnostiziert. Das 2006 in die Schweiz eingeschleppte Cylindrocladium-Triebsterben ist eine heimtückische Krankheit. Dieser Pilz bildet seine Sporen nicht nur auf Blättern und Zweigen, sondern produziert zusätzlich im Boden langlebige Dauersporen. Mit diesen werden die verbleibenden gesunden Buchspartien Jahr für Jahr von neuem infiziert. Noch führt der im Wald beobachtete Pilzbefall nicht zu besonders auffälligen Symptomen oder gar zum Absterben von Buchspflanzen, so wie dies in Gärten und Grünanlagen beobachtet werden kann.

Raupe des Buchsbaumzünslers
Abb. 2 - Ausgewachsene Raupe des Buchsbaumzüns-
lers (Cydalima perspectalis) mit typischer Kopf- und Körperzeichnung.
Foto: Beat Wermelinger (WSL)
 

Der Buchsbaumzünsler führte 2010 bei Bettingen (BS) wie auch im benachbarten Grenzach-Wyhlen (Deutschland) zu ausgedehntem Kahlfrass (Abb. 1). Nicht nur die immergrünen Blätter wurden von den gefrässigen Raupen verzehrt, vielfach wurde an jüngeren Trieben auch die noch unverholzte Rinde abgenagt. Teilweise konnte 2010 ein zaghafter Neuaustrieb beobachtet werden. Wie sich die Massenvermehrung und die Schäden 2011 weiterentwickeln werden, ist aber noch völlig offen. Auch im Raum Liestal (BL) hat sich der Zünsler von Gärten in den Wald ausgebreitet. Die Befallsintensität ist jedoch noch nicht so stark wie im Raum Basel-Stadt. In Zukunft muss mit einer weiteren Ausbreitung gerechnet werden. Entlang des Juras gibt es im Unterwuchs zum Teil ausgedehnte Buchs-Vorkommen.

Vergangenes Jahr wurde "Waldschutz Schweiz" mit Anfragen und Meldungen aus dem Zierpflanzenbereich regelrecht überflutet. Das nördliche Mittelland ist durch den Buchsbaumzünsler inzwischen weitgehend besiedelt. Mit Topfpflanzen wurden Raupen auch ins Tessin und an den Genfersee verschleppt. Über neue Vorkommen oder Massenbefall im Wald nehmen die Waldschutz-Experten gerne Meldungen entgegen (bitte keine Meldungen aus Gärten). Die erwähnten Schädlinge und Krankheiten des Buchses gelten international wie auch national nicht als Quarantäneorganismen. Somit besteht keine gesetzliche Melde- und Bekämpfungspflicht.

Sind unsere natürlichen Buchsbestände bedroht?

Entlang des Juras sind im Unterholz von Laubmischwäldern regional grössere, natürliche Buchsbestände vorhanden. Gesamtschweizerisch gilt der Buchs aber als seltene und erhaltenswerte Gehölzart. Durch die neuen Schädlinge und Krankheiten dürfte der Buchs vielerorts an Wuchskraft verlieren. Lokal könnte es auch zum Absterben von Buchspflanzen kommen. Ganz verschwinden dürfte der Buchs aber kaum. Kahlgefressenes oder schütteres Unterholz aus Buchs ist sicher ein ungewohntes Bild. Es ist zu erwarten, dass
Gartenbesitzer und Naturschützer Bekämpfungsmassnahmen im Wald fordern. Aus ökologischen, ökonomischen aber auch technischen Gründen rechtfertigen sich Massnahmen im Wald aber nicht.

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