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Beat Forster

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Artikel

Autor(en): Beat Forster, Roland Engesser, Franz Meier
Redaktion: WSL, Schweiz
Kommentare: Artikel hat 2 Kommentare
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Die Edelkastanien-Gallwespe in der Schweiz

befallener Kastanienzweig
Abb. 1 - Gallwespenbefall an der Edelkastanie. Statt Blätter und Blüten wurden Gallen gebildet.
Foto: Beat Forster (WSL)
 
Edelkastaniengallwespe (Dryocosmus kuriphilus)
Abb. 2 - Weibchen der Kastaniengallwespe.
Foto: J.A. Payne, www.forestryimages.com
 

Im Mai 2009 wurde die ursprünglich aus China stammende Edelkastanien-Gallwespe (Dryocosmus kuriphilus) erstmals in der Schweiz entdeckt. Seitdem hat sie sich auf der Alpensüdseite ausgebreitet und tritt punktuell auch nördlich der Alpen auf.

Ein Baumbesitzer stellte im Mai 2009 in seinem Garten in Mendrisio (Kanton Tessin) einen ungewöhnlichen Insektenbefall an einer Kastanie fest. Der Tessiner Forstdienst und der kantonale Pflanzenschutzdienst bestimmten die Edelkastanien-Gallwespe als Verursacherin der auffälligen Symptome. Das aus Asien eingeschleppte Insekt gilt als invasiv. Eine Nachsuche ergab, dass die Gallwespe zu dieser Zeit bereits in weiten Teilen des Mendrisiottos und im Luganese vorkam.

Seitdem hat die Kastanien-Gallwespe praktisch die ganze Südschweiz besiedelt. Von Frankreich her kommend erreichte sie auch die Kantone Wallis und Waadt, wo sie sich im unteren Rhonetal und im Genfersee-Gebiet rasch ausgebreitet hat. Auch in der Deutschschweiz tritt die Edelkastanien-Gallwespe bereits punktuell auf.

Ob sich im Mittelland eine Ausbreitung verhindern lässt oder ob sich die Gallwespe auch bei geringer Kastaniendichte etablieren kann, ist derzeit noch ungewiss. Bisher ist unklar, ob die Gallwespen all die sehr zerstreut vorkommenden Kastanienbäume auf der Alpennordseite finden werden. Zum Ausbreitungsverlauf in Regionen mit nur geringem Edelkastanienvorkommen fehlen bisher Erfahrungen.

Nachweise der Edelkastaniengallwespe in der Schweiz (Stand: Juni 2015)
Abb. 3 - Nachweise der Edelkastanien-Gallwespe (Dryocosmus kuriphilus) in der Schweiz.

Biologie der Edelkastanien-Gallwespe

Gallen der Edelkastaniengallwespe
Abb. 4 - Gallen an einem Kastanienzweig
Foto: Waldschutz Schweiz
 
Detailansicht einer Galle
Abb. 5 - Detailansicht einer aufgeschnittenen Galle mit den weisslichen Larven (Pfeile).
Foto: Waldschutz Schweiz

Als Wirtspflanzen für Edelkastanien-Gallwespe dienen ausschliesslich Edelkastanien (Castanea sp.). Die 2,5 bis 3 mm kleinen Gallwespenweibchen legen von Juni bis August bis zu 30 Eier in neu gebildete Knospen ab. Ein Ei ist nur gut 0,1 mm klein. Die winzigen, weisslichen Larven schlüpfen im Spätsommer oder Herbst und überwintern in den Knospen. Zu diesem Zeitpunkt sind noch keine Symptome sichtbar.

Während des Austriebs im Folgejahr werden die Larven aktiv. An jungen, befallenen Trieben, Blütenständen und Blättern bildet der Baum 0,5 bis 2,5 cm grosse, glattwandige, mehrkammerige Gallen. Sie sind hellgrün bis rosa verfärbt. Nach wenigen Wochen Frass im Innern der Galle erfolgt dort die Verpuppung (dunkelbraune Puppe). Die neue Wespengeneration fliegt noch im gleichen Sommer aus. Die Pflanzenorgane, die im Frühjahr durch die überwinterten Larven angegangen werden, wachsen wegen den Deformationen nicht vollständig aus.

Betroffene Edelkastanien zeigen eine starke Gallenbildung an Trieben, Blättern und Blüten. Bei grösseren Bäumen befinden sich die Gallen oft im Innern der Krone. Ein starker Befall reduziert die Frucht- und Triebbildung und führt nach mehrjährigem Auftreten zu einem Kümmern der Bäume. Grössere Edelkastanien sterben aber nicht ab. Bei der Produktion der Kastanien-Früchte kann es hingegen bis zu 75% Ausfälle geben

Pflanzenhandel fördert Verbreitung

Die Kastaniengallwespe stammt ursprünglich aus China, wurde aber weltweit verschleppt:

  • 1941  Japan
  • 1963  Korea
  • 1974  USA
  • 1999  Nepal
  • 2002  Italien
  • 2005  Frankreich
  • 2005  Slowenien
  • 2009  Schweiz
  • 2012  Deutschland

Die Verbreitung geschieht entweder durch den unerlaubten Transport von befallenen Baumschulpflanzen und Pfropfreisern oder durch den Flug der Weibchen. Erste Befallsherde in einer Region weiten sich anfänglich nur wenige Kilometer pro Jahr aus. Später kann es mit Unterstützung des Windes auch zu einer weiterreichenden Ausbreitung kommen.

Bekämpfungsmassnahmen

Über die Wirksamkeit von Bekämpfungsmassnahmen liegen in Europa erst wenige Erfahrungen vor. Mechanische und chemische Massnahmen können die weitere Ausbreitung nicht verhindern. Die Wespenlarven sind im Innern der Gallen gut vor Insektiziden geschützt. Nur im Anfangsstadium der Ausbreitung können Gallen in Baumschulen und weiteren kleinen Befallsherden im Frühling herausgeschnitten und vernichtet werden. Wichtig ist, dass kein verseuchtes Pflanzenmaterial wie beispielsweise Jungpflanzen verschleppt wird.

In Japan ist die biologische Bekämpfung mit einer chinesischen Schlupfwespenart erfolgreich. Diese wurde unterdessen auch in Italien und Frankreich freigesetzt, wo sie sich etablieren konnte. Es ist zurzeit jedoch noch zu wenig bekannt, welche Auswirkungen der Einsatz dieser Schlupfwespe auf europäische Tier- und Pflanzenarten hat. Wie weit die Ausfälle bei der Marroni-Produktion durch diese Massnahmen verhindert werden können, lässt sich erst sagen, wenn ausreichende Erfahrungen mit von Gallwespen befallenen Edelkastanien bestehen.

An der Forschungsanstalt WSL in Bellinzona haben verschiedene Forschungsaktivitäten zur Ökologie, Verbreitung und Bekämpfung der Edelkastaniengallwespe begonnen. Die Wissenschaftler stehen in engem Kontakt mit dem Amt für Wald in Bellinzona und der landwirtschaftlichen Forschung.

Gallwespenbefall dem Pflanzenschutzdienst melden

Ein Neubefall der Edelkastanien-Gallwespe muss dem kantonalen Pflanzenschutzdienst gemeldet werden. Aus Befallsgebieten dürfen keine Kastanienpflanzen (Jungbäume, Pfropfreiser usw.) in andere Gebiete verbreitet werden. Dies schränkt neben der Fruchtproduktion auch Veredelungen und die Neubegründung von Edelkastanienselven massiv ein.

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