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Dr. Ralf Petercord

LWF

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Artikel

Autor(en): Thomas Jung, Markus Blaschke
Redaktion: LWF, Deutschland
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Eichen und Buchen sind von eingeschlepptem Pilz bedroht

Quarantäneschädling erstmals an Laubbäumen in Europa aufgetreten

Phytophthora ramorum an Knospen und Blättern von Rhododendron
Abb. 1: Phytophthora ramorum an Knospen und Blättern von Rhododendron (Foto: Biologische Bundesanstalt für Land- und Forstwirtschaft).

Phytophthora ramorum, der Erreger des "Sudden oak death", einer oftmals tödlich verlaufenden Krebserkrankung verschiedener Eichenarten, wurde jetzt erstmals in Europa an Waldbäumen nachgewiesen. In Kalifornien führte ihr Auftreten bereits zu einem raschen und weit verbreiteten Absterben von zahlreichen Eichen.

In Deutschland wurde Phytophthora ramorum insbesondere aus abgestorbenen Trieben und Blattflecken von Rhododendronpflanzen sowie aus Stammnekrosen von Schneeball- Sträuchern isoliert (Wagner & Werres 2003). So stammt auch der bisher einzige Fund in Bayern aus dem Jahr 2002 von Rhododendronpflanzen aus einer Baumschule (Büttner mündl. Mittl. 2004). Da es zwischen den europäischen Isolaten und dem Erreger des "Sudden oak death" in Kalifornien genetische Unterschiede gab, hoffte man, dass der Erreger die heimischen Waldbäume verschonen würde.

Anhand von in England durchgeführten Infektionsversuchen konnte jedoch nachgewiesen werden, dass Roteiche und Douglasie sowie mehrere unserer heimischen Baumarten, allen voran die Buche, sehr wohl anfällig sind. Dabei bestanden keine Unterschiede zwischen europäischen und amerikanischen Isolaten des Erregers.

Nun sind die Befürchtungen wahr geworden: In Großbritannien und den Niederlanden wurde aus Stammnekrosen von Altbäumen der Roteiche, Rosskastanie und Buche der Erreger isoliert.

Hohe Luftfeuchte begünstigt die Ausbreitung des "Eichenkillers"

Schleimfluss am Stammfuß durch Phytophthora ramorum
Abb. 2: Schleimfluss am Stammfuß einer amerikanischen Eiche durch eine Infektion mit dem pilzlichen Erreger Phytophthora ramorum.

Bei Phytophthora ramorum handelt es sich wie bei Phytophthora infestans, dem Erreger der Krautfäule der Kartoffel, um eine luftbürtige Art. Das bedeutet, dass die Sporangien des Erregers über die Luft verbreitet werden und es insbesondere bei hoher Luftfeuchtigkeit zu einer explosionsartigen Ausbreitung kommen kann. Im befallenen Gewebe werden rasch Dauersporen gebildet, mit deren Hilfe Phytophthora ramorum ungünstige Umweltbedingungen überdauert. Bei hoher Feuchte keimen wiederum die Dauersporen und bilden Sporangien, welche neue Wirtspflanzen infizieren.

Die rasche Ausbreitung des Erregers in den Eichenwäldern Kaliforniens und das extrem hohe Schadausmaß sind darauf zurückzuführen, dass Phytophthora ramorum Blätter zahlreicher Strauch- und Baumarten befällt, auf diesen fruktifiziert und dann vervielfacht auf die Eichen "weiterspringt". Die Eichen sterben dann oftmals aufgrund einer Vielzahl von Rindenkrebsen am Stamm und im Kronenraum innerhalb weniger Wochen und Monate ab.

Phytophthora ramorum stammt mit hoher Wahrscheinlichkeit aus Asien und wurde nach Kalifornien und Europa eingeschleppt, wo er insbesondere auch über infizierte Baumschulpflanzen verbreitet wurde.

Umfangreiche Untersuchungen in zahlreichen europäischen Ländern haben gezeigt dass Phytophthora ramorum an Rhododendron- und Schneeballpflanzen im Baumschulbereich weit verbreitet ist. Baumbestände im Umkreis von Baumschulen sowie von Rhododendron- und Schneeballpflanzungen gelten deshalb als besonders gefährdet.

Kontrolle und Bekämpfung soll eine weitere Ausbreitung verhindern

Um eine weitere Verbreitung von Phytophthora ramorum zu verhindern, wurde bereits im Jahr 2002 durch die EU eine "Entscheidung über vorläufige Sofortmaßnahmen zur Verhinderung der Einschleppung und Ausbreitung von Phytophthora ramorum in die Gemeinschaft" (2002/757/EG) erlassen. Insbesondere die Einfuhr und der Handel mit Rhododendron und Schneeball, den zum jetzigen Zeitpunkt häufigsten Wirtspflanzen in Europa, sowie die Einfuhr von infektionsgefährdetem Holz sind davon betroffen. Die Maßnahmen reichen von Kontrollen bis hin zur Vernichtung von infektiösem Material. Auch im Wald aller Eigentumsarten sind amtliche Untersuchungen notwendig. Dabei soll überprüft werden, ob der Erreger auch bereits in Bayern auftritt.

Aufgrund des hohen Gefährdungspotentials durch den Erreger werden alle Waldbesitzer und Forstbehörden gebeten, sich bei auffälligen Beobachtungen - insbesondere bei Buche, Ahorn, Eiche, Schneeball, Heidel- und Preiselbeere sowie Erika und Heidekraut - umgehend mit der Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF), Abteilung Waldschutz, in Verbindung zu setzen.

Literatur

Wagner & Werres (2003): Diagnosemöglichkeiten für Phytophthora ramorum, Nachrichtenbl. Deut. Pflanzenschutzd. 55(11), S. 245-257

Heiniger, U. & Theile, F. (2004): Phytophthora ramorum: Gefährliche Pflanzenkrankheit erstmals in der Schweiz gefunden, Inf.bl. Forsch.bereich Wald 16, WSL Birmensdorf

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