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Dr. Ralf Petercord

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für Wald und Forstwirtschaft

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Artikel

Autor(en): Redaktion waldwissen.net – LWF
Redaktion: LWF, Deutschland
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Unerwünschte Einwanderer in die EU

Fusarium circinatum an Kiefer
Abb. 1: Vom Pechkrebs befallene Kiefer mit abgestorbenen Trieben in einer sonst grünen Krone (Foto: T. Schröder).
 
Phytophthora ramorum
Abb. 2: Phythophthora ramorum tritt in Deutschland derzeit nur in Baumschulen auf (Foto: T. Schröder).

Eine Vielzahl von Schadorganismen kann unseren Wäldern gefährlich werden. Zusätzlich zu den heimischen Schädlingen gibt es auch eingeschleppte Arten. In der Vergangenheit haben es schon einige dieser ungebetenen Besucher geschafft, in Pflanzen oder Verpackungsholz in die EU einzuwandern. Um deren Befall zu tilgen und weitere Immigrationen zu verhindern, erließ die EU-Kommission Quarantäne-maßnahmen.

Nur wenn ein Befall im Anfangsstadium gefunden werden kann, besteht die Chance die gefährlichen Schädlinge erfolgreich zu bekämpfen. Dazu müssen Baumschuler, Baumpfleger und Förster die Organismen, deren Aussehen und die verursachten Symptome kennen. Im Folgenden werden kurz vorgestellt:

  • der Erreger des Pechkrebses der Kiefer Fusarium circinatum,
  • Phytophthora ramorum,
  • die Japanische Esskastaniengallwespe (Dryocosmus kuriphilus),
  • der Citrus-Bockkäfer (CLB, Anoplophora chinensis) und der Asiatischer Laubholzbock (ALB, Anoplophora glabripennis)
  • und der Kiefernholznematode (Bursaphelenchus xylophilus), der Quarantäneschädling, der mittelfristig das größte Risiko für die heimischen Wälder darstellt.

Pechkrebs der Kiefer

2006 wurde der Erreger des Pechkrebses der Kiefer in Spanien festgestellt. Inzwischen sind auch Funde in Italien und Portugal bekannt. Er stellt vor allem für den Plantagenbau der Monterey-Kiefer (Pinus radiata) eine Gefahr dar, hat aber auch die Waldkiefer (Pinus sylvestris) und die Schwarzkiefer (Pinus nigra) befallen.

Fusarium circinatum ist einer der wenigen Pilze, die mit dem Saatgut verbreitet werden können. Am Saatgut selbst sind keine Symptome zu erkennen. Sämlinge zeigen Symptome der Umfallkrankheit, an älteren Bäumen kommt es zu Triebsterben und starkem Harzfluss. Typisch sind kahle Triebe, die aus der sonst grünen Krone herausragen (Abb. 1). Im Bestand verbreiten verschiedene Insekten den Pilz.

Phytophthora ramorum

Mitte der 1990er Jahre wurde Phytophthora ramorum in den Niederlanden und Deutschland nachgewiesen. Zeitgleich führte er in Kalifornien zu einem massiven Eichensterben, dem Sudden Oak Death. In Deutschland trat er in Baumschulen an Ziersträuchern auf, wobei er drei unterschiedliche Symptome hervorruft:

  • Blattflecken
  • Triebsterben
  • Kambiumnekrose mit Schleimfluss

Die Ausprägung der Symptome unterscheidet sich in Abhängigkeit vom Wirt. Eine Infektion an einzelnen Bäumen wurde bisher nur in den Niederlanden und Großbritannien gefunden. Bei der Erkrankung handelt es sich hauptsächlich um ein Problem der Baumschulen (Abb. 2). Unter den mitteleuropäischen Klimabedingungen ist wahrscheinlich nicht mit einem Massensterben von Bäumen wie in Kalifornien zu rechnen.

Japanische Esskastaniengallwespe

Japanische Esskastaniengallwespe
Abb. 3: Die Japanische Esskastaniengallwespe ist in den Gallen gut geschützt (Foto: T. Schröder / kleines Foto: Bosio).

Die aus Südchina stammende Gallwespe wurde 2002 in Norditalien entdeckt. Sie ist weltweit eines der schädlichsten Insekten an Castanea-Pflanzen. Die Wespen verursachen Gallen an den Blatt- und Blütenknospen, in denen sich die Larven der nächsten Generation entwickeln. Bei starkem Befall kommt es zu einer deutlich reduzierten Belaubung und dadurch zu geringerer Photosyntheseleistung und Zuwachsverlusten. In den Befallsgebieten ist die Fruchtproduktion akut gefährdet, der Fruchtansatz bleibt zuweilen völlig aus.

Eine Bekämpfung mit Insektiziden ist schwierig, da die Larven in den Gallen gut geschützt sind (Abb. 3). In Japan war der Einsatz von Parasitoiden erfolgreich. Diese Methode wird auch in Italien praktiziert, von wo aus sich die Japanische Esskastaniengallwespe bereits in die Schweiz ausgebreitet hat.

CLB und ALB

CLB und ALB stammen aus Asien und sind nah miteinander verwandt. Der CLB wurde in die USA, Frankreich und Italien eingeschleppt. Der Befall in Italien umfasst über 200 km2. In Bonsais oder Ahornjungpflanzen wurde er auch in andere EU-Staaten, darunter Deutschland, importiert.

Der CLB besiedelt im Gegensatz zum ALB hauptsächlich Wurzeln, Stammanlauf und die unteren Stammteile. Sein Wirtspflanzenspektrum ist breiter als das des ALBs. Es werden Bäume ab einem Stammdurchmesser von zwei Zentimetern befallen. Häufig dringen Fäulepilze über die Ausbohrlöcher in die Stämme ein.

Der im November 2000 erstmals in Braunau in Österreich entdeckte ALB konnte trotz intensiver Monitoring- und Befallsmaßnahmen noch nicht ausgerottet werden. Daher wurde im Juli 2008 ein neues Bekämpfungsprojekt gestartet, um eine Ausbreitung des Befalls zu verhindern. Seit 2009 arbeiten Waldschützer des Bundesforschungs- und Ausbildungszentrums für Wald, Naturgefahren und Landschaft (BFW) in Wien mit dem Pflanzenschutzdienst des Bayerischen Landesamtes für Landwirtschaft (LfL) und dem Waldschutz der Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF) in Freising zusammen. Ihr Ziel ist, eine aussagekräftige aber auch praxistaugliche Methode zu finden, den ALB-Befall während der Vegetationszeit festzustellen.

Kiefernholznematode

Kiefernholznematode
Abb. 4: Kiefernholznematoden (kleines Foto) und ihr Schadbild (Fotos: T. Schröder).
 
Bockkäfer als Transportmittel
Abb. 5: Bockkäfer transportieren die Nematoden von Baum zu Baum (Foto: T. Schröder).

Der Kiefernholznematode (Abb. 4) wurde 1999 in Portugal nachgewiesen. Der Befall wurde erst spät festgestellt und die Bekämpfungsmaßnahmen nicht konsequent durchgeführt. Daher gilt Portugal heute vollständig als Befallsgebiet. Die Ausweitung ließ sich selbst durch eine 400 Kilometer lange und drei Kilometer breite Zone, in der man alle Koniferen entnommen hatte, nicht aufhalten. 2008 wurde ein erster Befall in Spanien festgestellt.

Verglichen mit den zurückliegenden Jahren war das Risiko, dass der Kiefernholz-nematode auch nach Deutschland verschleppt wird, noch nie so hoch. Er kann mit Holzprodukten in andere EU-Staaten gebracht werden. Die EU könnte den Status der Befallsfreiheit beim Kiefernholznematoden (mit Ausnahme Portugal) verlieren. Daher diskutiert die EU-Kommission unter anderem das Exportverbot jeglichen Nadelholzes aus Portugal.

Im Bestand verbreiten Bockkäfer, v.a. der Bäckerbock (Monochamus galloprovincialis), die Nematoden (Abb. 5). Sie sind unter den Flügeldecken und in den Atmungsorganen der Käfer versteckt. Schäden wurden bisher nur an der Gattung Pinus beobachtet.

Die Nematoden benötigen Temperaturen von 20 °C im Tagesmittel der Monate Juli und August. Dann können befallene Bäume innerhalb weniger Monate absterben. Die Bekämpfung setzt bei den Bockkäfern an, da der Kiefernholznematode ausschließlich durch sie auf andere Bäume übertragen wird. Befallene Bäume sollten vor dem Ausflug der neuen Käfergeneration gefällt und vernichtet werden.

Das Monitoring des Kiefernholznematoden erfolgt in Bayern in enger Zusammenarbeit der LfL und LWF. In Forstrevieren werden bei laufenden Holzerntemaßnahmen Proben von Motorsägespänen von kränkelnden und absterbenden Kiefern gewonnen. Diese werden im Labor auf Nematoden hin mikroskopisch untersucht. Der Probeumfang wurde für Bayern 2009 auf etwa 180 Proben verdreifacht. Daneben werden Bockkäfer gefangen und auf ihre mitgeführte Nematodenfauna durchleuchtet.

Literatur

Artikel aus der LWF aktuell 72:

Das komplette LWF aktuell 72 "Maikäfer, Raupe & Co. - Keine Pause für den Waldschutz" ist ebenfalls als PDF (24,3 MB) kostenlos erhältlich.

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