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Artikel

Autor(en): Michael Streckfuß
Redaktion: LWF, Deutschland
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Traubenkraut, bald so illegal wie Cannabis?

Ein medizinisch sehr bedenkliches Unkraut auf dem Vormarsch

Ambrosia artemisiifolia (Ragweed, Traubenkraut)
Abb. 1: Ragweed - wie das Amerikanische Traubenkraut noch genannt wird - am Ende der Blühperiode. Die Blütenstände sind schütter geworden (Foto: Prof. Dr. S. Jäger, www.polleninfo.org).
 
Typischer Standort Strassenrand
Abb. 2: Straßenränder sind besonders beliebte Standorte (Foto: Prof. Dr. S. Jäger, www.polleninfo.org).

Schon jetzt leiden viele Menschen als Folge einer Allergie gegen die Pollen verschiedener Pflanzen unter Heuschnupfen oder Asthma. Mit dem massiven Vormarsch des Amerikanischen Traubenkrautes (Ambrosia artemisiifolia) könnte dieses Problem eine ganz neue Dimension erhalten und bald auch in Deutschland zum Thema werden.

Das Amerikanische Traubenkraut oder "ragweed", wie es auch genannt wird, ist ein Korbblütengewächs. In seiner Heimat USA gilt es als häufigster Allergieverursacher und ist dort so gefürchtet, dass Grundbesitzer mancherorts mit harten Strafen rechnen müssen, wenn die Pflanze bei ihnen gefunden wird. Denn speziell die Pollen sind extrem allergieauslösend. So kommt es nach Kontakt damit sehr häufig zu ausgesprochen heftigen Symptomen wie Heuschnupfen und Asthma, die oft vielfach stärker als bei Pollen anderer Pflanzen ausfallen können.

Zu allem Überfluss lösen Ambrosiapollen auch Kreuzallergien aus. Das bedeutet, dass jemand, der auf Ambrosia allergisch reagiert hat, anschließend auch auf die Pollen anderer, bisher für ihn harmlose Korbblütler allergisch reagieren kann. Dazu gehören z. B. auch so weit verbreitete und beliebte Arten wie Gänseblümchen, Sonnenblumen und Margeriten.

Die Herkunft

Ragweed wurde vermutlich bereits seit dem 2. Weltkrieg per Flugzeug aus den USA eingeschleppt. Da sich die Pflanze offenbar nur in Tieflagen unter 400-500 m und in Gegenden mit viel Sommerniederschlägen halten konnte, waren bisher nur Südosteuropa, Italien und Südostfrankreich betroffen. Seit einigen Jahren schreitet die Verbreitung jedoch auch in anderen Gebieten immer schneller voran. In mehreren betroffenen Ländern wurden inzwischen sogar eigene Gesetze erlassen und radikale, wenn auch bisher erfolglose Bekämpfungsversuche unternommen.

Der Vormarsch

Neben der enormen Wirksamkeit der Pollen verschärft auch ihr spätes Auftreten im August und September das Allergieproblem, da so die jährliche Belastungsphase für Allergiker erheblich verlängert wird. Hinzu kommt die große Masse, mit der die Pollen ausgestoßen und dann mit meist südöstlichen bis südwestlichen Winden auch bereits über Teile Deutschlands bis hoch zur Ostsee geweht werden (Abb. 3).

Laut dem Wiener Spezialisten Univ. Prof. Dr. Siegfried Jäger (HNO-Universitätsklinik) stieg in Österreich die Rate der Allergiker, die auf die Ragweedpollen allergisch reagieren seit 1984 von 15 % auf 35 % an. Parallel dazu nahm Jahr für Jahr die Pollenkonzentration in der Luft stark zu. Inzwischen sind bereits einzelne Vorkommen des Traubenkrauts in Deutschland bekannt geworden, z.B. im Raum Frankfurt. Besonders wohl fühlt sich Ambrosia auf gestörten Böden an Straßenrändern, Schutthalten, aber auch in Gärten, hier vor allem unter Vogelfutterplätzen. Letzterers wohl, weil die Samen zusammen mit den Vogelfuttersämereien geerntet und verteilt werden. Auch sonst vollzieht sich der Vormarsch von Ambrosia aus Südosten mit einer Geschwindigkeit von ca. 6 bis 20 km pro Jahr und konzentriert sich auf die Hauptverkehrsrouten. Hier scheinen sich die Samen sowohl direkt durch die Fahrzeuge als auch indirekt durch die Verwehung entlang der Straße mit dem Fahrtwind zu verbreiten.

Relevanz für Bayern

Verteilung der Ragweed-Pollen Ende August
Abb. 3: Über die letzten 15 Jahre gemittelte Pollenverteilung in Europa gegen Ende August. (Bild: Prof. Dr. S. Jäger, www.polleninfo.org).

Noch ist Ambrosia in Bayern kein Thema, auch die durchschnittliche Höhenlage hierzulande könnte große Teile Bayerns zunächst "aufatmen" lassen. Das aktuell rasante Vordringen des gefürchteten Neophyten deutet allerdings darauf hin, dass dies nicht so bleiben muss. Möglicherweise auf Grund der wärmeren Witterung der letzten Jahre, vielleicht auch wegen einer möglichen genetischen Anpassung könnte diese neue Art durchaus bald auch hier eine Rolle spielen.

Konsequenzen

Selbst wenn es bei uns nicht so weit kommen sollte, dass die Pflanze "meldepflichtig" oder der Besitz gar "kriminalisiert" wird, sind erhebliche volkswirtschaftliche Schäden zu erwarten. Beispielsweise könnte die Verpflichtung zur Bekämpfung Arbeitskraft binden während gleichzeitig die allergiebedingten Symptome zum Ausfall von Arbeitskraft führen können - von den steigenden Kosten im Gesundheitswesen ganz zu schweigen.

Welchen Einfluss das Traubenkraut bereits hat, kann man inzwischen auf unzähligen Seiten im Web nachlesen. Dort finden sich neben umfassenden Informationen zu Pollenallergien auch Beschreibungen der einschlägigen Pflanzen sowie aktuelle Karten und Diagramme der jeweiligen Pollenverteilung für Europa.

Aktuelles

Nach dem neusten Bericht des Münchner Merkur sind inzwischen auch aus dem oberbayerischen Raum Fundorte von ragweed bekanntgeworden. Die von Experten des Botanischen Gartens München bestätigten Meldungen kamen als Reaktion auf einen einschlägigen Artikel im Münchner Merkur vom 28./29. August 2004. In fast allen Fällen waren Flächen betroffen, auf denen im Winter Vogelfutter verstreut worden war.

Literatur

Münchner Merkur Nr. 154, Ausgabe vom 07. Juni 2004
Münchner Merkur Nr. 199, Ausgabe vom 28./29. August 2004, Seite 3
Münchner Merkur Nr. 210, Ausgabe vom 10. September 2004

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