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Dr. Ralf Petercord

LWF

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für Wald und Forstwirtschaft

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Artikel

Autor(en): Joachim Hamberger
Redaktion: LWF, Deutschland
Kommentare: Artikel hat 1 Kommentar
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Bedenklicher Bock aus Braunau bedroht bayerische Bäume

Strenges Überwachungs-System soll Ausbreitung verhindern

Der Asiatische Laubholzbock wurde mit Holzpaletten eingeschleppt

Imagines
Abb. 1: Der Asiatische Laubholzbock (ALB) kann bis zu 4 cm lang werden (Foto: www.Stadtbaum.at).
 
Ausbohrloch
Abb. 2: Der schlüpfende Käfer hinterlässt große runde Ausfluglöcher (Foto: H. Krehan).
 
Karte Fundorte
Abb. 3: Nach Bayern und Österreich wurde der ALB mit Verpackungsmaterial aus China eingeschleppt.
 
Larve
Abb. 4: Die Larven werden bis zu 5 cm lang und 1 cm breit. Typisch sind die grossen Bohrspäne.
 
Nagestellen für Eiablage, Imago
Abb. 5: ALB auf Rosskastanie mit Nagestellen, die der Eiablage dienen (Braunau, 7/2003).
 
Beseitigung eines befallenen Baumes
Abb. 6: Auf einer Plastikplane werden Teile eines befallenen Baumes gesammelt und dann entsorgt.
 
Schleimfluss nach Eiablage
Abb. 7: Die Eiablage am Ahorn ist erkennbar an den Bohrspänen und am Saftfluß (Neukirchen 2004).
 

Der Asiatische Laubholzbock oder Asian Longhorned Beetle (ALB), wie ihn die Amerikaner nennen, stammt aus Zentralasien und gelangte 2001 in hölzernem Verpackungsmaterial nach Braunau. Die Käfer entkamen und verbreiteten sich im Stadtgebiet. Die Käferweibchen legen ihre Eier an Laubbäume und bevorzugen dabei Ahorn-Arten, Pappeln, Weiden und Obstbäume. Die etwa 5 cm langen Larven brauchen zwei Jahre für ihre Entwicklung. Sie bohren sich ins Holz von Laubbäumen ein und zerstören dieses mit ihren Fraßgängen. Bei starkem Befall unterbricht der Larvenfraß den Wassertransport, so dass Teile der Baumkrone absterben. In die Larvengänge dringen Pilze ein und schädigen den Baum zusätzlich. Derart beschädigte Bäume oder Kronenteile sind in hohem Maße bruchgefährdet.

Die Stadt Braunau hatte gleich nach dem ersten Auftreten die Bevölkerung mit Postwurfsendungen und über die Presse aufmerksam gemacht, um eine weitere Ausbreitung zu verhindern. Die Stadt warb um die Mitarbeit der Bürger und bittet, eventuelle Käferfunde anzuzeigen.

Der Käfer ist etwa 4 cm lang, schwarz und trägt weiße Punkte auf seinen Flügeldecken. Das Auffallendste an ihm sind seine Fühler, die seine Körperlänge weit überragen und bis zu 10 cm lang sein können (Abb. 1).

Bereits 1996 wurde der ALB als Einwanderer in Nordamerika entdeckt. Seither verursachte er Millionenschäden an den Baumbeständen in New York und Chicago. Deshalb stufte die EU den Käfer als Quarantäneschädling ein und erließ strenge Vorschriften für Behandlung und Lagerung von Verpackungsholz aus China. Dennoch schlüpften Käfer auf dem Palettenlagerplatz eines Baumarktes in Braunau. Als der Asiatische Laubholzbock in Österreich auftrat, nahm Hannes Krehan von der Österreichischen Forstlichen Bundesversuchsanstalt sofort Kontakt mit amerikanischen Kollegen auf: "Die winkten ab und sagten, wir hätten keine Chance, den Käfer wieder loszuwerden". Dennoch machten sich die Österreicher daran, intensiv nach dem Käfer zu suchen.

Befallene Bäume erkennt man am Bohrmehl, das die Larven aus den Löchern stoßen. Da die Larven aber auch im Kronenholz sitzen können, untersuchen die Braunauer mit Leitern und Hebebühnen alle Bäume im Stadtgebiet. Das Überwachungssystem funktionierte, 2001 und 2002 wurden insgesamt 60 ALB-befallene Bäume gefunden. Sie wurden gefällt, gehäckselt und verbrannt. Im letzten Jahr mussten dann nur noch fünf Bäume auf diese Art entsorgt werden. Allerdings wurden eine Birke und eine Rosskastanie mit 41 Ausfluglöchern entdeckt (Abb. 2). Von den geschlüpften Käfern konnten 24 eingefangen werden, die restlichen 17 entkamen.

Hans-Jürgen Gulder von der Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF) meint, dass der Käfer eventuell über den Inn nach Bayern kommen könnte. "Wir haben alle Forstämter der Region angewiesen, besonders aufmerksam ihre Bestände zu beobachten und die Pressemeldungen zu verfolgen." Noch ist der Käfer nur im Stadtgebiet von Braunau aufgetreten, aber wenn er den Waldrand erreicht, so sind sich der Bayer Gulder und der Österreicher Krehan einig, bedeutet das ein zusätzliches Problem für die Forstwirtschaft.

  2001 2002 2003 Summe
Befallene Bäume
(Eier, Larven, Puppen)
38 22 5 65
Bäume mit Ausbohrlöchern ? 0 2 ? + 2
Gefangene Käfer 89 0 24 113
Tab. 1: Auftreten des Käfers in Österreich von 2001-2003
(Quelle: Österreichische Forstliche Bundesversuchsanstalt)

ALB in Neukirchen am Inn entdeckt!

Mittlerweile tritt der Asiatische Laubholzbockkäfer auch in Bayern auf.

Auf dem Gelände einer Spedition, die Granitblöcke aus Asien importiert, wurden mehrere befallene Bäume entdeckt (Ahorn und andere). Der aufmerksame Spediteur hatte einen auffälligen Baum selbst gemeldet. Die Bäume wurden inzwischen beseitigt. Im Holz wurden jüngere und ältere Larven gefunden. Das lässt vermuten, dass der ALB schon seit zwei Jahren in Neukirchen am Inn aktiv ist.

Ähnlich wie in Braunau wird nun eine Sicherheitszone mit 2 km Radius um den Erstfundort eingerichtet. Für alle Laubholzpflanzen oder Teile von Laubholzpflanzen, die aus dem Gebiet herausgebracht werden, sind spezielle Pflanzenpässe zu erstellen. Dies gilt auch für Stammholz. Teile des Neuburger Waldes fallen in diese Quarantäne-Zone.

Die Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) ist nach dem Pflanzenschutzgesetz zuständig für die Bekämpfungsmaßnahmen. Sie arbeitet eng zusammen mit Hans-Jürgen Gulder und Markus Blaschke, unseren Spezialisten von der LWF und dem örtlich zuständigen Forstamt Bad Griesbach. Die gesetzliche Grundlage für die Bekämpfung bietet das Pflanzenschutzrecht und eine Allgemeinverfügung der LfL, die in Zusammenarbeit mit den Forstbehörden erstellt wurde.

Forstdirektor Elmar Thumbach vom Forstamt Bad Griesbach sieht ein zusätzliches Problem mit dem ALB auf sich zukommen. Ostbayern leide seit Jahren unter der Kleinen Fichtenblattwespe, die Walbesitzer zwinge auf Laubholz umzusteigen. "Die sind nicht begeistert, weil sie lange auf Erträge verzichten müssen, aber mit bis zu 5.000 Euro Förderung je Hektar waren viele bereit auf den Umbau einzugehen." Vor allem der Ahorn spielt eine wichtige Rolle in den neu angelegten Kulturen.

Mit dem ALB scheint aber auch hier ein neues Bedrohungspotenzial zu erwachsen. Hans-Jürgen Gulder von der LWF kann hier die Waldbesitzer beruhigen. "Der ALB braucht dauerhafte Besonnung wie sie nur bei Bäumen im Ortsbereich oder bestenfalls an südlichen Waldrändern gegeben sind. Allerdings wird er durch Trockenjahre und Wärme begünstigt." Für die Wälder sieht Gulder keine akute Gefahr, weil der Käfer flugfaul und standorttreu ist. Zudem benötigt er in seinem Habitat ein trockenwarmes Klima mit wenig Niederschlägen, wie es nur in seiner chinesischen Heimat gegeben ist.

Der Spedition ist keine Schuld anzulasten, sie kann sämtliche Papiere vorlegen, nach denen das Palettenholz vor dem Export aus China den EU-Bestimmungen entsprechend behandelt wurde.

Die Chancen den Käfer in Neukirchen auszurotten und die Verbreitung zu verhindern sind, wegen der wenigen Bäume die bislang befallen sind, ausgesprochen gut. Dies meint auch Hannes Krehan vom Bundesamt für Wald in Wien, der die Bekämpfung des ALB in Braunau betreut und leitet. Dort wurde der Schaden erst entdeckt, nachdem die neugeschlüpften Käfer sich bereits wieder ausgebreitet hatten.

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