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Artikel

Autor(en): Dagmar Nierhaus-Wunderwald, Beat Wermelinger
Redaktion: WSL, Schweiz
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Der Schwammspinner (Lymantria dispar)

Der Schwammspinner ist ein ausgesprochen wärmeliebender Nachtfalter. Trotz zahlreichen natürlichen Gegenspielern neigt der Schmetterling nach warm-trockenen Frühsommern zu Massenvermehrungen, die das Wachstum der Bäume beeinträchtigen und für den Menschen lästig sein können.

Schwammspinnerweibchen bei der Eiablage
Abb. 1 - Ein Schwammspinner-Weibchen bei der Eiablage. Der Falter bildet ein schwammartiges Gewebe, das ihm seinen Namen gegeben hat.
Foto: Entomologie (WSL)

Das Verbreitungsgebiet des Schwammspinners erstreckt sich von Nordafrika über Westeuropa, Süd- und Mitteleuropa und ostwärts über Russland bis nach Japan. Im Norden erreicht der Schmetterling Mittelschweden und Südfinnland. In Mitteleuropa sind die Falter an warme, trockene Standorte gebunden und bevorzugen lichte, sonnige Wälder oder Waldränder sowie Parkanlagen und Obstplantagen.

Die Populationsentwicklung wird durch warme Sommer und anhaltende Trockenheit begünstigt. Die Verbreitungsschwerpunkte in der Schweiz liegen denn auch in den warmen Gebieten des Tessins, Wallis, im Raum von Genf und um den Bielersee. Im Mittelland wurde die Art nur vereinzelt, vor allem in der Ostschweiz gefunden.

Wirtspflanzen

Die Raupen des Schwammspinners sind nicht an eine bestimmte Pflanze gebunden, sondern gedeihen an zirka 400 ganz unterschiedlichen Wirtspflanzen, vor allem Laubbäumen. Die am häufigsten befallene Baumart ist die Eiche, gefolgt von Hagebuche, Buche, Edelkastanie, Kern- und Steinobst. In der Schweiz sind besonders die Edelkastanien vom Massenbefall betroffen.

Lebensweise

Die Schwammspinner überwintern in den Eihüllen als fertig entwickelte, nur wenige Millimeter grosse Räupchen. Sie schlüpfen im Frühling mit dem Blattaustrieb und beginnen sofort zu fressen. Die kleinen Raupen werden mit Hilfe langer Schwebhaare oft kilometerweit mit dem Wind verfrachtet. Im Gegensatz dazu tragen die flugträgen erwachsenen Weibchen kaum zur räumlichen Ausbreitung bei. Fressen die Raupen am Anfang ihrer Entwicklung am Tag, so sind sie mit zunehmender Grösse nachtaktiv.

Raupe des Schwammspinners
Abb. 2 - Die Raupen des Schwammspinners haben einen grossen Appetit. Eine Raupe vertilgt während der Entwicklung 1 Quadratmeter Laub. 
Foto: Entomologie (WSL)

Während der 6 bis 12 Wochen dauernden Entwicklung frisst jede Raupe etwa einen Quadratmeter Laub. Nach der Verpuppung schlüpfen die Falter zwischen Juli und Ende September. Während dem die weissen Weibchen sehr flugträge sind, fliegen die braun gefärbten, tagaktiven Männchen im Zickzackflug rastlos umher. Nach der Begattung legt das Weibchen einige Hundert Eier in einem Gelege ab und umhüllt es mit gelblicher Afterwolle. Dieses schwammige Gebilde hat dem Schwammspinner seinen Namen gegeben.

Natürliche Regulation

Die Schwammspinner haben eine grosse Anzahl natürlicher Feinde, von denen viele dazu beitragen können, dass eine Massenvermehrung auf natürliche Weise zu Ende geht:

  • Krankheitserreger (Viren, Bakterien und Pilze)
  • Schmarotzer (v.a. Raupenfliegen, Brackwespen)
  • Räuber (Laufkäfer, Baumwanzen, Weichkäfer, Ameisen, Kröten, Eidechsen, Vögel, Mäuse)

Auswirkungen der Massenvermehrung

Kahlfrass durch Schwammspinner im Tessin
Abb. 3 - Grossflächiger Kahlfrass an Edelkastanie im Tessin
Foto: Waldschutz Schweiz (WSL)

Die meisten Laubbäume reagieren auf einen Kahlfrass mit einer raschen Wiederbegrünung im gleichen Sommer. Ein einmaliger Schwammspinnerbefall bleibt für Laubgehölze normalerweise ohne Auswirkungen. Fressen die Lymantria-Raupen über mehrere Jahre hinweg, so hat das spürbare Folgen wie Wasserreiserbildung, Zuwachsverluste und Beeinträchtigung der Samenproduktion. Vom Wald aus können die Raupen mit dem Wind in benachbarte Obstplantagen verfrachtet werden, wo sie Schäden verursachen.

Eine Schwammspinnergradation kann auch ein grosses gesellschaftliches Problem sein. Die Tausenden von Raupen können zu einer Belästigung werden, denn die bei Ausbrüchen hyperaktiven Tiere breiten sich auf der Suche nach Nahrung in Privatgärten aus oder dringen durch offene Fenster und Türen in die Häuer ein. Bei empfindlichen Personen verursachen die Raupenhaare Hautreizungen. Die Schwammspinner-Haare sind aber weit weniger aggressiv als beispielsweise diejenigen des Goldafters (Euproctis chrysorrhoea) oder des Pinienprozessionsspinners (Thaumetopoea pityocampa).

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