Auf künstlich angelegten Fichtenwindwürfen im Nationalpark Bayerischer Wald konnte gezeigt werden, dass diese Methode gut als Vorbeugung und Verhinderung eines Buchdrucker-Populationsaufbaus eingesetzt werden.

Stark gestiegene Sturmschäden in Fichtenwäldern zwingen den Forstschutz zu raschen Interventionen, um Ausbrüche des Buchdruckers (Ips typographus) zu vermeiden. Neben der Kompletträumumg der betroffenen Flächen werden Stämme in kleineren Windwürfen in der Randzone von Schutzgebieten oder in entlegenen Gebirgsregionen immer öfter entrindet. Die Ergebnisse einer 2016 erschienenen Studie zeigen allerdings, dass diese Entrindung mit einem massiven Biodiversitätsverlust einhergeht. Im Gegensatz dazu war der Kollateralschaden deutlich geringer, wenn die Rinde nur eingeritzt wurde (alle zwei bis fünf cm wurden Streifen von 1 cm Breite in die Fichtenrinde geschnitzt (s. Abb. 1)). Bei dieser Methode wird die Buchdruckerdichte ebenfalls deutlich reduziert, die Biodiversität aber nicht.

Komplettentrindung reduziert Biodiversität

Um einen Kompromiss zwischen Naturschutz und Buchdruckerbekämpfung zu schliessen, werden sturmgeworfene Fichten häufig entrindet. Das vernichtet den Brutraum des Buchdruckers, die Holzbiomasse verbleibt jedoch vor Ort. Dieser Kompromiss wurde geschlossen, um zumindest einem Teil der natürlicherweise an frischtoten Fichten vorkommenden Käfer- und Pilzarten weiterhin einen Lebensraum zu bieten. Bisher war allerdings wenig über den tatsächlichen Erfolg, also den Erhalt von Biodiversität trotz Buchdruckerbekämpfung, bekannt.

In einer dreijährigen Studie auf 12 experimentell angelegten Mini-Windwürfen konnte jedoch gezeigt werden, dass diese Entrindung einen drastischen Kollateralschaden unter diesen Totholzbesiedlern verursacht. Die Artenzahl von Käfern, Pilzen und parasitoiden Wespen wurde bei der Entrindung im Vergleich zu einer unbehandelten Kontrolle um etwa 30 % reduziert. Auch die Anzahl der gefährdeten Käferarten wurde durch diese Methode deutlich herabgesetzt.

   

Den Ergebnissen dieser Studie liegen 30'000 geschlüpfte Käfer aus rund 120 Arten zugrunde. Dabei variiert die Anzahl der gefangenen Käfer zum Teil stark. Während in manchen Fichtenstämmen in drei Jahren kein einziger Buchdrucker schlüpfte, konnten in anderen Fallen, die etwa einen Stammabschnitt von 60 cm bedecken, knapp 400 Individuen gefangen werden.

Teilentrindung erhält Artenvielfalt

Als Alternative zur völligen Entrindung wurde die Rinde an je einem der drei Stämme pro Windwurf nur mit einer Motorsäge oder einem Streifgerät geschlitzt (Abb. 1). Besonders wichtig scheint dabei zu sein, dass das Phloem (wichtig für den Stofftransport) ausreichend tief durchtrennt wird. Rindenschlitzen reduzierte die Buchdruckeranzahl ebenso wie eine Komplettentrindung auf zirka 10% gegenüber den unbehandelten Kontrollstämmen. Besonders spannend war, dass entrindete und geschlitzte Stämme fast nicht mehr vom Buchdrucker angeflogen wurden. Dies konnte durch Leimstreifen gezeigt werden, die in den ersten Monaten paarweise auf den Stämmen angebracht wurden. Die Reduktion der ausgeschlüpften Buchdrucker wurde also in erster Linie nicht durch eine Zerstörung des Brutraumes verursacht, sondern dadurch, dass entrindete und geschlitzte Stämme nicht mehr in das "Suchschema" des Borkenkäfers fallen.

Parallel zur Reduktion der Buchdrucker blieb die Artenzahl unter den anderen Totholzbewohnern weitgehend erhalten. Auch auf die Artenzahl der gefährdeten Totholzkäfer hatte Rindenstreifen keinen negativen Effekt. Darüber hinaus war ein maschinelles Schlitzen mit Streifgerät schneller und daher günstiger als die Verwendung des Schälgerätes.

Trotz des geringeren Kollateralschadens fanden sich auf den Kontrollstämmen noch deutlich mehr Schlupflöcher der Riesenholzwespe (Urocerus gigas) und mehr Hackspuren von Spechten, die nach grossen Larven von Holzinsekten gesucht haben (Abb. 2). Das bedeutet, dass auch ein Rindenschlitzen noch negative Effekte auf die Biodiversität hat. Rindenbehandlungen sollten daher nur dann zum Einsatz kommen, wenn Buchdruckerreduktion unbedingt erforderlich ist. Jedoch ist Rindenschlitzen der Komplettentrindung aus naturschutzfachlicher Sicht in jedem Fall vorzuziehen. Momentan wird diese Technik im Nationalpark Bayerischer Wald weiter verbessert, um sie noch effizienter zu machen.