Suche

    
Suche nur in dieser Rubrik

Erweiterte Suche

Kontakt

Beat Forster

Forschungsanstalt WSL

Eidg. Forschungsanstalt WSL
Waldschutz Schweiz
Zürcherstrasse 111
CH - 8903 Birmensdorf

Tel: +41 44 739 23 67
Fax: +41 44 739 22 15

Die waldwissen.net-App!

App Waldwissen

Waldwissen Newsletter

Unser Newsletter informiert Sie vier, fünf Mal jährlich per E-Mail über spezielle Beiträge und Waldwissen-Aktivitäten. Ihre E-Mail-Adresse wird lediglich zum Zweck der Zustellung des Newsletters verwendet und nicht an Dritte weitergegeben. Sie können sich jederzeit aus dem Newsletter heraus abmelden oder Ihre Einwilligung per E-Mail an uns widerrufen. Bitte beachten Sie unsere Datenschutzhinweise.

Ihr E-Mail*

Artikel

Autor(en): Dagmar Nierhaus-Wunderwald, Beat Forster
Redaktion: WSL, Schweiz
Kommentare: Artikel hat 0 Kommentare
Bewertung: Zu Favoriten Druckansicht 75.6775.6775.6775.6775.67 (33)

Rindenbrütende Käfer an Föhren

Ein mit zahlreichen Abbildungen illustriertes Merkblatt der Forschungsanstalt WSL stellt die fünf wichtigsten Vertreter der in Föhrenrinde brütenden Käfer vor. Alle beschriebenen Insekten befallen in der Regel schon geschwächte Bäume; sie sind also Sekundärschädlinge.

Föhrenzweig mit Einbohrloch
Abb. 1 - Einbohrloch des Waldgärtners an gesundem Föhrentrieb. Foto: Institut für Forstentomologie, Forstpathologie und Forstschutz, Universität für Bodenkultur, Wien
 
Frassbild des kleinen Waldgärtners
Abb. 2 - Brutbild des Kleinen Waldgärtners (Tomicus minor). Foto: Ch. Tomiczek, Institut für Forstschutz, Forstliche Bundesversuchs-
anstalt, Wien
 

Neben unterschiedlichsten kleinräumig auftretenden Stressfaktoren führen besonders Witterungsextreme wie Niederschlagsdefizite kombiniert mit lang anhaltenden hohen Temperaturen zur Schwächung von Einzelbäumen und Beständen; gleichzeitig wird die Vermehrung der Insekten begünstigt.

Unter diesen Voraussetzungen kann der Brutfrass der Insekten dazu führen, dass Föhren in grösseren Mengen absterben. Dies ist häufig dort der Fall, wo die Föhre durch frühere Bewirtschaftungsformen gefördert wurde und heute bestandesbildend auftritt. Auf Laubholz-Standorten können gefährdete Föhrenbestände in stabilere Mischwälder überführt werden.

Die wichtigsten Arten

  • Grosser und Kleiner Waldgärtner (Tomicus piniperda und Tomicus minor)

    Beide Waldgärtner-Arten kommen in Europa, Nordafrika, Nordamerika und Asien vor. In der Schweiz ist der Grosse Waldgärtner im Mittelland häufiger, währenddem Tomicus minor in den Alpentälern zahlreicher auftritt. Beide Arten besiedeln meistens Föhren, selten auch andere Koniferen. Der Befall äussert sich durch:

    • Rötung der Krone
    • Abfall von Rindenstücken vom Stamm
    • unregelmässige, buschige Kronenform nach Reifungsfrass in den Trieben
    • Kronenteile oder ganze Baumkronen können dadurch absterben.
  • Sechszähniger Föhrenborkenkäfer (Ips acuminatus)

    Dieser Käfer gilt als typischer Bewohner der osteuropäischen und sibirischen Föhrenwälder. Ips acuminatus ist aber auch in der Schweiz überall recht häufig. Zu Massenvermehrungen neigt er vor allem in tieferen Lagen der alpinen Trockentäler. Der Sechszähnige Föhrenborkenkäfer brütet vor allem an Föhren-Arten, sehr selten auch an anderen Koniferen. Er bevorzugt die dünnborkigen Stämme im Wipfelbereich oder Stangenholz. Der Befall verursacht rasches Austrocknen und Rotfärbung der Endtriebe, die sich auffallend nach unten neigen.

  • Zwölfzähniger Föhrenborkenkäfer (Ips sexdentatus)

    Ips sexdentatus lebt in Europa, aber auch in Kleinasien, Teilen Sibiriens, Japan und Thailand. In Mitteleuropa ist er relativ selten. Nur in inneralpinen Tälern tritt er häufiger in Erscheinung, beispielsweise in den Kantonen Wallis und Graubünden. Der Käfer besiedelt hauptsächlich Föhren - insbesondere die Waldföhre. Im Gegensatz zu Ips acuminatus bevorzugt der Zwölfzähnige Föhrenborkenkäfer die starkborkigen untersten Stammabschnitte. Besonders gerne befällt er sonnenexponierte Bäume und frisch gefällte Stämme. Die Kronen färben sich im Sommer fuchsrot. Bei fortgeschrittenem Befall stirbt die Rinde ab.

  • Blauer Föhrenprachtkäfer Phaenops cyanea)

    Das Verbreitungsgebiet dieses Käfers erstreckt sich von Europa über Nordafrika, Klein- und Mittelasien bis Sibirien. In der Schweiz wird er gemeinsam mit den bereits beschriebenen Föhrenborkenkäfern beobachtet. Der Blaue Föhrenprachtkäfer besiedelt bevorzugt dickborkige Stammteile von geschwächten stehenden Altföhren. Als licht- und wärmeliebendes Insekt ist diese Prachtkäfer-Art besonders an den Südrändern eines Waldes oder in lückigen Beständen zu finden. Der Befall wird ab September durch Spechtabschläge an unteren Stammpartien sichtbar. Die Föhren weisen zudem eine schüttere Benadelung mit graugrünen Nadeln auf, und die Rinde tönt beim Anklopfen stellenweise hohl oder löst sich ab.

Brutbilder und bevorzugte Befallsorte

Befallsorte und Brutbilder
Abb. 3 - Brutbilder und bevorzugte Befallsorte der rindenbrütendenn
Käfer an Föhre. Skizze verändert nach Escherich (1923)

 

Föhreninsekten als Überträger von Bläuepilzen

Alle beschriebenen Föhrenkäfer übertragen Bläuepilze in die Brutbäume. Diese Pilze leben mit den Käfern in lockerer Symbiose und sind für die Stammbrüter zusätzliche Nahrungsquellen. Für die Pilze liegt der Vorteil darin, dass sie von den Insekten auf ihr Substrat übertragen werden. Bläuepilze verursachen eine bläulich-graue Färbung des Nadelstammholzes. Die mechanischen Eigenschaften bleiben aber praktisch unverändert. Die Beeinträchtigung liegt also in der optischen Wertminderung von im Wald lagerndem, berindetem Föhrenholz. Eine aktive Bekämpfungsmassnahme ist das rechtzeitige Abführen und Einsägen genutzter Föhren.

Gegenspieler (Antagonisten)

Antagonisten sind natürliche Gegenspieler, die zwischen zwei Massenvermehrungen eine wichtige Rolle bei der Regulation einer Wirtspopulation spielen. Obwohl sie eine Massenvermehrung nicht verhindern können, tragen Antagonisten dazu bei, dass die Population der Wirtsinsekten schneller zusammenbricht. Die Gegenspieler der beschriebenen Föhrenkäfer sind unter anderem Brackwespen, Schlupfwespen, Ameisenbuntkäfer, Laufkäfer, Rindenglanzkäfer, Kurzflügler, Langbeinfliegen oder Kamelhalsfliegen. Aber auch Pilze und Milben werden häufig in den Borken- und Prachtkäfergängen gefunden. So sorgt eine Vielzahl von Gegenspielern dafür, dass das dynamische Gleichgewicht, das eine intakte Waldgemeinschaft auszeichnet, erhalten bleibt.

Download

Bestellen

  • Sie können das gedruckte Merkblatt kostenlos bei der WSL bestellen.
  • WSL e-shop
    Zürcherstrasse 111
    CH-8903 Birmensdorf
    e-shop @ wsl.ch

Mehr im Web

Mehr auf waldwissen.net