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Artikel

Autor(en): Lutz-Florian Otto, Bert Schmieder (SBS)
Redaktion: SBS, Deutschland
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Hinweise für Waldbesitzer zu Borkenkäferbefall

Einer der bedeutendsten Forstschädlinge in unseren Fichtenwäldern sind die Borkenkäfer. Sie spielen im ökologischen Stoffkreislauf eine wichtige Rolle. Wie erkennt man einen Befall und was ist dann zu tun?

Borkenkäfer
Abb. 1 - Kupferstecher

Foto: F. Matschulla

Borkenkäfer gehören zum natürlichen Artenspektrum unserer Wälder und spielen im ökologischen Stoffkreislauf eine wichtige Rolle. Von den 154 in Deutschland vorkommenden Borkenkäferarten sind für die Baumart Fichte vorallem die Arten "Buchdrucker“ und "Kupferstecher“ bedeutsam.

Wenn bruttaugliches Holz in größeren Mengen im Wald vorhanden ist (durch Sturm, Schneebruch oder Trockenheit) und günstige Witterungsbedingungen für die Witterungsentwicklung auftreten, kann es zu Massenvermehrungen kommen. Gute Startbedingungen haben die Käfer in nicht sanierten Waldbeständen, wo im Vorjahr befallene Bäume nicht aufgearbeitet wurden.

Entwicklung der Käfer

Warme und sonnige Tage im April, mit einer Lufttemperatur ab etwa 16 Grad reichen für den Beginn des Schwarmfluges der Buchdrucker und Kupferstecher aus. Innerhalb der folgenden 1 bis 2 Wochen werden befallsgeeignete Fichten besiedelt und die Eieablage beginnt. Dies bildet den Grundstein einer neuen Käfergeneration

Bei günstiger Witterung legen Altkäfer zeitlich versetzt Bruten, die sogenannten Geschwisterbruten an.

Die Entwicklung von der Eiablage bis zum fertigen Käfer dauert in warmen Perioden 5 bis 6 Wochen. In warmen Jahren kann sich der Buchdrucker mit bis zu 3 Generationen (zuzüglich der Geschwistergenerationen) vermehren.

Wie erkennt man Borkenkäferbefall?

Frassgänge
Abb. 2 - Arttypisches Brutbild des Buchdruckers unter der Rinde.

Foto: Rödiger

 
befallene Fichten
Abb. 3 - Fichten mit Borkenkäferbefall. Nadeln und Rinde sind bereits abgefallen.

Foto: K. Rödiger

 
Buchdruckerbefall
Abb. 3 - Buchdrucker an Fichtenstamm. Die Einbohrlöcher sind am braunen Bohrmehl zu erkennen.

Foto: K. Rödiger

 
geräumte Schadfläche
Abb. 4 - Geräumte Schadfläche.

Foto: K. Rödiger

Charakteristische Zeichen für einen Borkenkäferbefall sind:

  • Bohrmehl am Stammfuß, gut sichtbar z.B. in Spinnenweben oder auf der Bodenvegetation
  • Einbohrlöcher, oft unter den Rindenschuppen (bis auf Augenhöhe gut erkennbar)
  • Harztröpfchen bzw. Harzfluss ist kein eindeutiges Befallsmerkmal, da es hierfür andere Ursachen geben kann
  • Bei fortgeschrittenem Befall herabfallende Rindenstücke die durch Spechthiebe verursacht werden
  • Braunfärbung der Kronen und große Mengen fahlgrüner Nadeln am Boden, die neue Käfergeneration ist dann z.T. schon ausgeflogen und eine Sanierung ist wenig effektiv

Die regelmäßige Kontrolle der Fichtenbestände ist für das rechtzeitige Erkennen des Borkenkäferbefalls und für erfolgversprechende Gegenmaßnahmen von entscheidender Bedeutung! Der Umgebung früherer Käfernester, Bereichen mit Wurf und Bruch (auch bereits saniertem) aus dem vergangenen Winter und sonnenseitiger Waldränder sind dabei besondere Aufmerksamkeit zu schenken.

Bei sehr hohen Sommertemperaturen konzentriert sich der Befall häufig auf das Bestandesinnere.

Die Kontrollen sind zeitaufwendig. Das fallenbasierte Borkenkäfer Monitoring der staatlichen Forstverwaltungen hilft die Kontrollen an den aktuellen Schwarmverlauf regional differenziert anzupassen (Sachsenforst Internetseite Borkenkäferüberwachung).

Die Optimierung der Kontrollen beinhaltet auch Entwicklungsprognosen auf der Basis von täglichen Witterungs- und Prognosedaten. (Internetseite Prognosen zu Borkenkäferaktivitäten)

Welche Pflichten hat der Waldbesitzer?

Neben dem Interesse Schäden am eigenen Wald so gering wie möglich zu halten, bestehen gesetzliche Verpflichtungen. Im Sächsischen Waldgesetzes (SächsWaldG) verpflichtet § 18 Waldbesitzer zur pfleglichen Bewirtschaftung des Waldes. Dazu gehören die Vorbeugung gegenüber Forstschädlingen und die rechtzeitige und ausreichende Bekämpfung von Forstschädlingen. Die Erfüllung dieser Pflichten wird von den unteren Forstbehörden der Landkreise und Kreisfreien Städte im Rahmen der Forstaufsicht überwacht.

Zur effektiven Schadensaufarbeitung sollte Kontakt zu benachbarten Waldbesitzern aufgenommen werden.

Was ist bei Borkenkäferbefall zu tun?

Die wirksamste Vorbeugung ist es, möglichst kein fängisches Material zur Zeit des Schwarmfluges im Bestand zu belassen (auch aufgearbeitetes und gepoltertes Holz) und geeignete Brutmöglichkeiten ständig auf Neubefall zu kontrollieren. Dazu gehört z.B. im Winter angefallenes Sturm- und Schneebruchholz zügig aufzuarbeiten. Das betrifft auch einzelne Brüche oder Würfe! Eingeschlagenes Holz sollte zügig abgefahren werden.

Ist eine rasche Abfuhr nicht möglich, sollte das Holz entrindet oder außerhalb des Waldes (Abstand mindestens 500 m) zwischengelagert werden. Befallene Bäume müssen so schnell wie möglich saniert werden

Liegt die Käferbrut noch als Eier, Larve oder Puppe, also in den "weißen Stadien“ vor, kann dies mechanisch durch Entrinden erfolgen.

Haftet die Rinde noch fest am Stamm ist der Abtransport aus dem Wald vor dem Käferausflug die vielfach günstigste Methode.

Die Behandlung befallener Hölzer mit Pflanzenschutzmitteln, z.B. als Vor-Ausflug-Spritzung, ist im Sinne des integrierten Pflanzenschutzes nur als letztes Mittel gedacht und an pflanzenschutzrechtliche Vorgaben, wie z.B. die Sachkunde des Anwenders und die Verwendung eines amtlich dafür zugelassenen Präparates gebunden.

Überwachung

Zur Überwachung der Schwarmaktivität eignen sich neben den pheromonbeköderten Fallen auch Fangbäume. Die Anwendung beider Varianten ist jedoch nicht zwingend erforderlich und meist nur in speziellen Fällen sinnvoll.

Bei ihrer Anwendung ist auf die richtige Platzierung zu achten, um keinen Stehendbefall zu induzieren. Wichtig ist zudem eine wöchentliche Kontrolle und Leerung der Falle, einschließlich einer Befallskontrolle im angrenzenden Bestand.

Die Fallen werden zu Beginn der Schwarmzeit ab Anfang April aufgestellt. Für die Überwachung in nur einzelnen Beständen sind sie ungeeignet.

Fangbäume werden im ausgehenden Winter gefällt und mit Reisig abgedeckt. Besonders eignen sich Würfe- und Brüche aus dem Winter, die damit noch eine positive Funktion erhalten können. Bevor die Käferbrut das Jungkäferstadium erreicht, sind die Bäume zu entrinden bzw. aus dem Wald abzufahren. Anderenfalls werden die Fangbäume zu "Käferbrut- bzw. -anzuchtstätten“.

Falls noch keine eigenen Erfahrungen zum Einsatz von Fallen und Fangbäumen bzw. von insektizidbehandelten Fangholzhaufen oder dem künstlichen Fangholzhaufen Trinet P® (auch dafür muss der Anwender sachkundig im Pflanzenschutz sein) vorliegen, mit dem eine lokale Dichtereduktion erfolgen soll, ist eine fachkundige Beratung dringend anzuraten.

Wo gibt es Information?

Die Revierförster von Sachsenforst beraten Waldbesitzer kostenlos zu Fragen der Waldbewirtschaftung. Den zuständigen Revierförster finden Sie unter www.sachsenforst.de/waldbesitzer. Informationen zum aktuellen Borkenkäfergeschehen gibt es unter www.sachsenforst.de Rubrik "Waldschutzinformation“.

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Kontakt

  • Bert Schmieder,
  • Lutz-Florian Otto

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