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Dr. Ralf Petercord

LWF

Bayerische Landesanstalt
für Wald und Forstwirtschaft

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Artikel

Autor(en): Olaf Schmidt, Gabriela Lobinger
Redaktion: LWF, Deutschland
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Forstinsekten in bayerischen Kiefernwäldern

Fraß durch Heidelbeerspanner
Abb. 1: Heidelbeerspannerfraß am Beerkraut im Raum Ansbach. Fraß 2006, Aufnahme Februar 2007 (Foto: G. Lobinger).

Die Waldkiefer ist in Bayern die zweithäufigste Baumart und prägt die Wälder vor allem in Nordbayern. Auf die Kiefer haben sich besonders viele Forstschädlinge spezialisiert, von denen einige früher gefürchtete Massenschädlinge waren. Sie dürfen trotz derzeit eher unauffälliger Vorkommen keinesfalls unterschätzt werden.

Die Waldkiefer (Pinus sylvestris) ist in Bayern nach der Fichte die zweithäufigste Baumart. Sie prägt das Waldkleid v. a. in den Regierungsbezirken Oberpfalz, Mittelfranken und Oberfranken und war 2007 Baum des Jahres. Unter allen heimischen Nadelbäumen weist die Waldkiefer die höchste Zahl baumartenspezifischer Insektenarten auf. Zehn kieferntypische Forstinsekten wollen wir hier aus der Sicht des Waldschutzes kurz vorstellen.

In der derzeitigen Baumartenzusammensetzung besitzt die Kiefer in Bayern einen Anteil von 19%, das entspricht einer absoluten Fläche von ca. 454.000 Hektar. Sie ist nach der Fichte damit die zweithäufigste Baumart. Mit dieser Kiefernfläche liegt Bayern absolut gesehen nach dem Bundesland Brandenburg an zweiter Stelle in Deutschland und noch vor den bekannten kiefernreichen Bundesländern Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt. Die kiefernreichsten bayerischen Wuchsgebiete sind das Oberpfälzer Becken und Hügelland mit 58%, der Fränkische Keuper mit 44% und das Oberfränkische Triashügelland mit 37% Kiefernanteil. Unsere Waldkiefer besitzt von allen einheimischen Nadelbaumarten mit über 100 Arten die höchste Anzahl angepasster Insekten. Bei Fichte und v. a. Tanne und Lärche sind es zum Teil deutlich weniger. Bei den Schmetterlingen leben 42 Arten an der Gattung Pinus, 52 an Fichte, 34 an Tanne und 14 an Lärche. Ausschließlich (Monophag) an Kiefer leben nur 17 Schmetterlingsarten, darunter die gefährliche Kieferneule.

Forstinsekten an Jungpflanzen und in Kieferndickungen

Probleme an jungen Kiefern hat im Jahr 2007 der Große Braune Rüsselkäfer (Hylobius abietis) verursacht. In den letzten Jahrzehnten ist dieses Insekt durch die naturnahe Forstwirtschaft und das Vermeiden von Kahlschlägen im Auftreten sehr stark zurückgegangen und hatte nur noch lokale Bedeutung. Die Sturmwürfe mit entsprechenden Kahlflächen lassen die Schadensmeldungen an jungen Nadelbäumen seit 2007 wieder steigen.

Ebenfalls nur noch sehr lokal trat in den letzten Jahren der Graue Kiefernnadelrüssler (Brachyderes incanus), z. B. in der nördlichen Frankenalb, stärker auf.

Forstinsekten in älteren Kiefernbeständen

In den traditionellen Befallsgebieten (Südlicher Nürnberger Reichswald, Oberpfalz) befindet sich die monophag an Kiefer lebende Kiefern- oder Forleule (Panolis flammea) seit nunmehr fast 20 Jahren in Latenz (=unauffällig, aber vorhanden). Kurzfristig war in den Jahren 2002/03 in Teilbereichen der damaligen Forstämter Allersberg, Feuchtwangen und Heideck eine deutlich erhöhte Populationsdichte der Kieferneule festzustellen. Die Probenpuppensuche ergab kein erhöhtes Schadensrisiko für 2007.

Die Kieferneule ist einer der forstlich bedeutendsten Nadelfresser an der Kiefer, da der Fraß bereits sehr früh im Jahr vor Anlage der neuen Knospen stattfindet. Die Eiräupchen ernähren sich von den sich öffnenden Knospen und Maitriebnadeln. Nach der ersten Häutung verzehren die Raupen alte Nadeln. Anfang Juli verpuppen sich die Eulenlarven in der Bodenstreu. Die Falter schlüpfen im folgenden Frühjahr bereits Anfang bis Mitte März. Überdurchschnittliche hohe Temperaturen im Frühjahr verkürzen die Lebensdauer der Eulenfalter deutlich. Dadurch verringert sich auch die Menge der abgelegten Eier. Die Kieferneule benötigt für eine Ablage ihrer gesamten Eier einen relativ langen Zeitraum von 14-20 Tagen. Hinzu kommt, dass männliche und weibliche Falter zeitlich versetzt schlüpfen.

Vielleicht kann man daraus prognostizieren, dass eine Erwärmung, so wie wir sie im Frühling 2007 erlebten, künftig für die Kieferneule nicht besonders förderlich ist.

Der Kiefernspanner (Bupalus piniaria) verzeichnet seit 2005 in Bayern örtlich eine leicht erhöhte Puppendichte mit bis zu 10 Puppen pro Quadratmeter. Es sind daher Beobachtungen des Falterfluges und eventuell Probefällungen notwendig, um den Raupenbesatz in der Kiefernkrone zu bestimmen.

Auffällig war ein starkes Auftreten des Heidelbeerspanners (Boarmia bistortata) im Raum Ansbach auf 25-30 Hektar (Abb. 1). Der Heidelbeerspanner verursachte 1974/75 im Gebiet von Weiden auf ca. 300 Hektar Kiefernwald Kahlfraß und starken Lichtfraß. In den Jahren 1987/1988 trat er im Rahmen der großen Massenvermehrung von Kieferneule und Nonne im Nürnberger Reichswald und in der Oberpfalz mit in Erscheinung. Im Bereich der Forstdienststelle Langquaid im Siegenburger Forst kam es 1997/98 zu einem Auftreten auf ca. 10 Hektar. Der Heidelbeerspanner überwintert als Puppe in der Bodenstreu. Die Raupen befressen insbesondere Heidelbeersträucher und im späteren Stadium auch Kiefernnadeln.

Bei der Gemeinen Kiefernbuschhornblattwespe (Diprion pini) fand in Bayern die letzte großflächige Massenvermehrung 1977/78 im Untermaingebiet statt. Derzeit deutet nichts auf eine Massenvermehrung hin. Die Kokondichte war bei den Probesuchen gering.

Die Nonne (Lymantria monacha) befindet sich seit Jahren in allen bayerischen Gefährdungsgebieten, auch in Kiefernwäldern, in der Latenz. Die Pheromonprognose 2006 ergab auch für 2007 kein erhöhtes Befallsrisiko. Schwerpunkte der letzten großen Nonnen-Massenvermehrung in Kiefernbeständen waren 1987/88 die Kiefernwälder in Mittelfranken sowie im Weidener Becken.

Der Kiefernspinner (Dendrolimus pini) tritt in bayerischen Kiefernwäldern auf und wird immer wieder bei der Probenpuppensuche als Raupe gefunden und in den Sammelschachteln mit eingesandt. Seit 1933 ist er jedoch in Bayern überhaupt nicht mehr als Schädling in Wäldern aufgetreten.

Häufig werden auch die Puppen des Kiefernschwärmers (Hyloicus pinastri) bei der Winterprobenpuppensuche gefunden. Schäden durch diese auffällig große Schwärmerart sind allerdings in Bayerns Kiefernwäldern nicht bekannt.

Kiefernprachtkäfer und Kiefernborkenkäfer

Bei geschädigten Kiefern in Mittelfranken zeigt sich in vielen Fällen ein Sekundärbefall durch Blauen Kiefernprachtkäfer (Phaenops cyanea) sowie durch verschiedene Kiefernborkenkäferarten. Als primäre Schadursachen werden Trockenschäden im Jahr 2003 vermutet.

Olaf Schmidt ist Präsident der Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF).

Dr. Dr. habil. Gabriela Lobinger ist Mitarbeiterin in der Abteilung Waldschutz der LWF.

Literatur

Hacker, H.; Müller, J. (2006): Die Schmetterlinge der bayerischen Naturwaldreservate, Arb. Gem. Bayer. Ent. Bamberg, 272 S.

Klimetzek, D. (1979): Insekten-Großschädlinge an Kiefer in Nordbayern und der Pfalz, Freiburger Waldschutz-Abhandlungen, 173 S.

Majunke, C.; Müller, K.; Funke, M. (2000): Zur Massenvermehrung der Forleule (Panolis flammea SCHIFF., Lepidoptera, Noctuidae) in Brandenburg, Beitr. Forstwirtsch. und Landschaftsökol. 34, S. 127-132.

Schmidt, O. (1997): Waldschutzsituation in Kiefernwäldern Bayerns 1997, Forst & Holz, S. 243-245.

Schwenke, W.(1976): Zur Biologie, Gradologie und forstliche Bedeutung von Boarmia bistortata, Zeitschrift für Pflanzenkrankheiten und Pflanzenschutz S. 159-165.

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